Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #5
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin». Краткое содержание книги:
Ich verkniff mir einen Fluch. Er hatte Recht. Diesen Tunnel durchquerten gerade ein Sherman-Panzer und hundert Monster, und ich hatte unsere Truppen anderswo aufgestellt.
Dann rief eine Mädchenstimme quer über die Straße: »Wie wär’s, den uns zu überlassen?«
Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich gewesen, jemanden zu hören. Eine Gruppe von dreißig jungen Mädchen überquerte die Fifth Avenue. Sie trugen weiße Hemden, silbrige Tarnhosen und Kampfstiefel. Alle hatten Schwerter umgeschnallt, Köcher auf dem Rücken und Bögen in der Hand. Eine Meute von weißen Grauwölfen drängte sich um ihre Beine und viele der Mädchen hatten Jagdfalken auf dem Arm sitzen.
Die Anführerin hatte schwarze Stachelhaare und trug eine schwarze Lederjacke. Sie hatte einen Silberreif auf dem Kopf, wie das Diadem einer Prinzessin, aber der Reif passte weder zu ihren Totenkopfohrringen noch zu ihrem Nieder mit Barbie-T-Shirt, das eine kleine Barbiepuppe mit einem Pfeil im Kopf zeigte.
»Thalia!«, rief Annabeth.
Die Tochter des Zeus grinste. »Die Jägerinnen der Artemis melden sich zum Dienst.«
Es hagelte Begrüßungen und Umarmungen – zumindest was Thalia anging. Die anderen Jägerinnen waren nicht gern mit Leuten aus dem Camp zusammen, schon gar nicht mit Jungen, aber sie schossen auf keinen von uns, und das war für ihre Verhältnisse schon eine ziemlich herzliche Begrüßung.
»Wo hast du dich denn im letzten Jahr rumgetrieben?«, fragte ich Thalia. »Du hast jetzt fast doppelt so viele Jägerinnen!«
Sie lachte. »Das ist eine sehr lange Geschichte. Ich wette, meine Abenteuer waren gefährlicher als deine, Jackson.«
»Total gelogen«, sagte ich.
»Das werden wir ja sehen«, versprach sie. »Wenn das hier vorbei ist: du, Annabeth und ich bei Cheeseburger und Pommes in diesem Hotel in der West 57th Street.«
»Le Parker Meridien«, sagte ich. »Abgemacht. Und danke, Thalia.«
Sie zuckte mit den Schultern. »Diese Monster werden nicht mal kapieren, wer da über sie reinbricht. Vorwärts, Jägerinnen!«
Sie tippte auf ihr Silberarmband und der Schild Aigis schnellte zu seiner vollen Größe auseinander. Der goldene Medusenkopf in seiner Mitte war so entsetzlich, dass alle Camper zurückwichen. Die Jägerinnen marschierten die Straße hinab, gefolgt von ihren Wölfen und Falken, und ich hatte das Gefühl, dass der Lincoln Tunnel fürs Erste gesichert sein würde.
»Den Göttern sei Dank«, sagte Annabeth. »Aber wenn wir die Flüsse nicht von diesen Booten frei halten, hilft es auch nichts, die Brücken und Tunnel zu bewachen.«
»Da hast du Recht«, sagte ich.
Ich sah die Camper an, und alle sahen düster und entschlossen aus. Ich versuchte, nicht daran zu denken, dass ich sie vielleicht zum letzten Mal alle zusammen sah.
»Ihr seid die größten Heldinnen und Helden dieses Jahrtausends«, sagte ich zu ihnen. »Es spielt keine Rolle, wie viele Monster euch angreifen. Kämpft mit aller Kraft, dann werden wir siegen!« Ich hob Springflut und brüllte: »FÜR DEN OLYMP!«
Sie brüllten zurück und unsere vierzig Stimmen hallten von den Gebäuden wider. Für einen Moment hörte es sich mutig an, verebbte dann aber sehr schnell im Schweigen von zehn Millionen schlafenden New Yorkern.
Annabeth und ich hätten bei den Autos freie Auswahl gehabt, aber sie waren alle Stoßstange an Stoßstange im Verkehrschaos eingeklemmt. Kein Motor lief, was ich seltsam fand. Offenbar hatten die Fahrer noch genug Zeit gehabt, den Motor auszuschalten, ehe sie eingeschlafen waren. Oder vielleicht besaß Morpheus auch die Macht, Motoren einschlafen zu lassen. Die meisten Fahrer hatten anscheinend versucht, an den Straßenrand zu fahren, als sie die Ohnmacht kommen spürten, aber trotzdem waren die Straßen vollkommen verstopft.
Endlich fanden wir einen bewusstlosen Kurier, der an einer Klinkerwand lehnte und noch immer rittlings auf seiner roten Vespa saß. Wir zogen ihn vom Sitz und legten ihn auf den Bürgersteig.
»Tut mir leid, Kumpel«, sagte ich. Wenn ich Glück hätte, würde ich ihm seine Vespa zurückbringen können. Wenn nicht, würde es auch keine Rolle spielen, denn die Stadt würde zerstört werden.
Ich fuhr und Annabeth saß hinter mir und hielt sich an mir fest. Wir fuhren im Zickzack den Broadway entlang und unser Motor brummte laut in der gespenstischen Stille. Das Einzige, was wir hörten, war ab und zu ein klingelndes Handy – sie schienen sich gegenseitig anzurufen, als ob New York in einen riesigen elektronischen Vogelpark verwandelt worden wäre.
Wir kamen nur langsam vorwärts. Immer wieder stießen wir auf Fußgänger, die direkt vor einem Auto eingeschlafen waren, und wir brachten sie sicherheitshalber auf den Bürgersteig. Einmal hielten wir an, um ein Feuer in einer Brezelbude zu löschen, und einige Minuten darauf mussten wir einen Kinderwagen retten, der ziellos die Straße hinunterrollte. Es stellte sich heraus, dass kein Baby darin lag, sondern ein schlafender Pudel. Im Ernst. Wir stellten den Kinderwagen in einen Hauseingang und fuhren weiter.
Wir kamen gerade am Madison Square Park vorbei, als Annabeth sagte: »Fahr mal an den Straßenrand.«
Ich hielt in der Mitte der East 23rd Street. Annabeth sprang ab und rannte auf den Park zu. Als ich sie eingeholt hatte, starrte sie eine Bronzestatue auf einem roten Marmorsockel an. Ich war vermutlich schon eine Million Mal an ihr vorbeigekommen, hatte sie mir aber nie richtig angesehen.
Der Typ saß in einem Sessel und hatte die Beine übereinandergeschlagen. Er trug einen altmodischen Anzug – wie Abraham Lincoln oder so, mit einer Halsbinde und langen Rockschößen. Unter seinem Sessel waren etliche Bronzebücher aufgetürmt. In der einen Hand hielt er eine Schreibfeder und in der anderen einen großen metallenen Pergamentbogen.
»Was interessiert uns …« Ich las mit zusammengekniffenen Augen den Namen auf dem Sockel. »… William H. Steward?«
»Seward«, korrigierte Annabeth. »Er war mal Gouverneur von New York. Ein zweitrangiger Halbgott – Sohn der Hebe, glaube ich. Aber das spielt keine Rolle. Mir geht es um die Statue.«
Sie kletterte auf eine Parkbank und musterte den unteren Teil der Statue.
»Behaupte ja nicht, der ist ein Automaton«, sagte ich.
Annabeth lächelte. »Wie ich mittlerweile weiß, sind die meisten Statuen hier in der Stadt welche. Dädalus hat sie aufgestellt, für den Fall, dass er mal eine Armee braucht.«
»Um den Olymp anzugreifen oder um ihn zu verteidigen?«
Annabeth zuckte mit den Schultern. »Egal was. Das war Plan 23. Man braucht nur eine Statue zu aktivieren, die dann ihre Brüder in der ganzen Stadt aufweckt, bis die Armee vollständig ist. Es ist aber gefährlich. Du weißt ja, wie unberechenbar so ein Automaton sein kann.«
»Oh ja«, sagte ich. Damit hatten wir schon allerlei schlechte Erfahrungen gemacht. »Du hast wirklich vor, den zu aktivieren?«
»Ich habe Dädalus’ Notizen«, sagte sie. »Ich glaube, ich kann … Ah, hier ist es.«
Sie drückte auf Sewards Stiefelspitze und die Statue erhob sich, Feder und Pergament noch immer in der Hand.
»Was hat er vor?«, murmelte ich. »Notizen machen?«
»Pst«, sagte Annabeth. »Hallo, William.«
»Bill«, schlug ich vor.
»Bill … ach, halt die Klappe«, sagte Annabeth zu mir. Die Statue legte den Kopf schräg und sah uns mit blanken Metallaugen an.
Annabeth räusperte sich. »Hallo, äh, Gouverneur Seward. Befehlsfolge: Dädalus 23. Manhattan verteidigen. Aktivierung starten.«
Seward sprang von seinem Sockel. Er prallte so hart auf den Boden auf, dass der Bürgersteig unter seinen Stiefeln zersplitterte. Dann stolzierte er mit hallenden Schritten in Richtung Osten davon.
»Vermutlich wird er Konfuzius aufwecken«, tippte Annabeth.
»Was?«, fragte ich.
»Noch eine Statue, auf der Division Street. Jetzt wecken sie sich nach und nach gegenseitig auf, bis alle aktiviert sind.«
»Und dann?«
»Dann verteidigen sie hoffentlich Manhattan.«
»Wissen sie, dass nicht wir der Feind sind?«