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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Ich pfiff nach Mrs O’Leary und sie kam angesprungen.

»He, altes Mädchen«, sagte ich. »Du erinnerst dich doch an Grover? Den Satyrn, der uns im Park begegnet ist?«

»WUFF!«

Ich hoffte, das bedeutete: Aber sicher doch, und nicht: Gibt es noch mehr Hotdogs?

»Du musst ihn finden«, sagte ich. »Und sorg dafür, dass er wach bleibt. Wir werden seine Hilfe brauchen. Hast du das verstanden? Hol Grover.«

Mrs O’Leary verpasste mir einen feuchten Schmatz, was mir irgendwie überflüssig vorkam. Dann jagte sie nach Norden.

Pollux hockte neben einem schlafenden Polizisten. »Ich begreife das nicht. Warum sind wir nicht auch eingeschlafen? Warum nur die Sterblichen?«

»Das ist ein sehr großflächiger Zauber«, sagte Silena Beauregard. »Und je größer der Zauber, desto leichter kann man ihm widerstehen. Wenn man Millionen von Sterblichen einschlafen lassen will, muss man eine sehr dünne Magieschicht auswerfen. Bei Halbgöttern braucht man viel mehr.«

Ich starrte sie an. »Woher weißt du so viel über Magie?«

Silena wurde rot. »Ich verbringe schließlich nicht meine gesamte Zeit vor dem Spiegel.«

»Percy!«, rief Annabeth. Sie sah noch immer den Schild an. »Schau mal her.«

Das Bronzebild zeigte den Long Island Sound bei La Guardia. Eine Flotte aus einem Dutzend Schnellbooten jagte durch das dunkle Wasser auf Manhattan zu. Jedes Boot war vollbesetzt mit Halbgöttern in kompletter griechischer Rüstung. Hinten am ersten Boot wehte ein lila Banner mit einer schwarzen Sense im Fahrtwind. Ich hatte es noch nie gesehen, aber es war nicht schwer zu erkennen: die Kriegsflagge des Kronos.

»Sieh dir mal die Ufer von Manhattan an«, sagte ich. »Schnell.«

Annabeth ließ sich den Süden des Hafens zeigen. Eine Staten-Island-Fähre durchpflügte bei Ellis Island die Wellen. An Deck drängten sich Dracaenae und eine ganze Meute von Höllenhunden. Vor dem Schiff schwammen Tiere, die ich zuerst für Delphine hielt. Dann sah ich ihre Hundegesichter und die Schwerter an ihren Bäuchen und begriff, dass es Telchinen waren – Seedämonen.

Wieder änderte sich das Bild: die Küste von New Jersey, gleich beim Eingang zum Lincoln Tunnel. Hundert Monster aller Art marschierten an dem zum Stillstand gekommenen Verkehr vorbei: Riesen mit Keulen, schurkige Zyklopen, feuerspeiende Drachen und zu allem Überfluss ein Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, ein Sherman, der die Autos einfach beiseiteschob, als er in den Tunnel dröhnte.

»Was ist mit den Sterblichen außerhalb von Manhattan?«, fragte ich. »Schläft der ganze Bundesstaat?«

Annabeth runzelte die Stirn. »Ich glaube nicht, aber es ist irgendwie seltsam. Wenn diese Bilder stimmen, schläft ganz Manhattan. Dann kommt eine Zone mit einem Radius von etwa siebzig Kilometern um die Halbinsel, in der die Zeit sehr, sehr langsam vergeht. Je näher du Manhattan kommst, umso langsamer wird sie.«

Sie zeigte mir ein anderes Bild – eine Autobahn in New Jersey. Es war Samstagabend, deshalb war der Verkehr nicht so schlimm wie an einem Werktag. Die Fahrer schienen wach zu sein, aber die Wagen bewegten sich mit einem Kilometer pro Stunde. Über ihnen flogen Vögel in Zeitlupe.

»Kronos«, sagte ich. »Er macht die Zeit langsamer.«

»Kann sein, dass Hekate ihm hilft«, sagte Katie Gardner. »Seht euch mal an, wie die Wagen von den Ausfahrten nach Manhattan zurückweichen, als ob ihnen unbewusst mitgeteilt wird, sie sollten kehrtmachen.«

»Ich verstehe das nicht.« Annabeth klang wirklich frustriert. Sie fand es schrecklich, keine Ahnung zu haben. »Aber auf irgendeine Weise haben sie Manhattan in verschiedene Schichten aus Magie gewickelt. Die Außenwelt bemerkt wahrscheinlich nicht einmal, dass etwas nicht stimmt. Alle Sterblichen, die nach Manhattan kommen, werden so langsam, dass sie nicht begreifen, was vor sich geht.«

»Wie Fliegen in Bernstein«, murmelte Jake Mason.

Annabeth nickte. »Wir können nicht mit Hilfe von außen rechnen.«

Ich drehte mich zu meinen Freunden um. Sie sahen verwirrt und ängstlich aus, und ich konnte ihnen da keinen Vorwurf machen. Der Schild hatte uns mindestens dreihundert Feinde gezeigt, die zu uns unterwegs waren. Und wir waren allein.

»Na gut«, sagte ich. »Wir werden Manhattan halten.«

Silena zerrte an ihrer Rüstung herum. »Äh, Percy, Manhattan ist groß.«

»Aber wir werden es halten«, sagte ich. »Das müssen wir.«

»Er hat Recht«, sagte Annabeth. »Die Götter des Windes halten Kronos in der Luft vom Olymp fern, deshalb wird er einen Bodenangriff versuchen. Wir müssen die Zugänge zur Insel abschneiden.«

»Sie haben Boote«, sagte Michael Yew.

Ein elektrisches Prickeln lief mir über den Rücken. Plötzlich begriff ich Athenes Mahnung: Denk an die Flüsse.

»Um die Boote kümmere ich mich«, sagte ich.

Michael runzelte die Stirn. »Wie denn?«

»Überlass das mal mir«, sagte ich. »Wir müssen die Brücken und Tunnel bewachen. Ich nehme an, sie versuchen es in der Mitte der Stadt oder im Süden, jedenfalls beim ersten Angriff. Das ist der direkteste Weg zum Empire State Building. Michael, geh mit der Apollo-Hütte zur Williamsburg Bridge. Katie, Demeters Hütte übernimmt den Brooklyn–Battery Tunnel. Lasst im Tunnel Dornbüsche und Giftefeu wachsen. Macht, was immer nötig ist, aber lasst sie nicht rein! Connor, nimm die halbe Hermes-Hütte und bewacht die Manhattan Bridge. Travis, du gehst mit der anderen Hälfte zur Brooklyn Bridge. Und keine Pause zum Plündern oder so.«

»Ooooh!«, beschwerte sich die gesamte Hermes-Hütte.

»Silena, geh mit der Aphrodite-Truppe zum Queens–Midtown Tunnel.«

»Bei den Göttern«, sagte eine ihrer Schwestern. »Die Fifth Avenue ist genau auf dem Weg. Wir können Accessoires shoppen. Und Monster hassen den Geruch von Givenchy!«

»Keine Verzögerungen«, sagte ich. »Na ja, für die Parfümsache vielleicht schon, wenn ihr meint, es wirkt.«

Sechs Aphrodite-Mädchen küssten mich begeistert auf die Wange.

»Okay, alles klar!« Ich schloss die Augen und überlegte, was ich vergessen haben könnte. »Der Holland Tunnel! Jake, den übernimmst du mit der Hephaistos-Hütte. Nehmt griechisches Feuer mit, stellt Fallen auf. Was immer.«

Er grinste. »Mit Vergnügen. Wir haben noch eine Rechnung zu begleichen. Für Beckendorf!« Die ganze Hütte brüllte zustimmend.

»Die Queensboro Bridge«, sagte ich. »Clarisse …«

Ich geriet ins Stocken. Clarisse war nicht da. Die gesamte Ares-Hütte, das verdammte Pack, saß noch im Camp.

»Die übernehmen wir«, schaltete sich Annabeth ein und rettete mich vor einem peinlichen Schweigen. Sie wandte sich an ihre Geschwister. »Malcolm, nimm die Athene-Hütte mit und aktiviere unterwegs Plan 23, wie ich es dir gezeigt habe. Haltet die Position.«

»Alles klar.«

»Ich bleibe bei Percy«, sagte sie. »Wir kommen nach oder gehen dahin, wo wir gerade gebraucht werden.«

Irgendwer hinten in der Gruppe sagte: »Nicht trödeln, ihr zwei.«

Es kam ein kurzes Kichern, aber ich ließ es durchgehen.

»Alles klar«, sagte ich. »Wir bleiben über Handy in Verbindung.«

»Wir haben keine Handys«, protestierte Silena.

Ich bückte mich, hob den Blackberry einer schlafenden Dame auf und warf ihn Silena zu. »Jetzt schon. Ihr kennt ja alle Annabeths Nummer, oder? Wenn ihr uns braucht, schnappt euch das nächste Telefon und ruft uns an. Benutzt es einmal, lasst es liegen und nehmt euch ein neues, wenn ihr es braucht. Das müsste es den Monstern schwerer machen, euch anzupeilen.«

Alle grinsten, als ob ihnen diese Vorstellung gefiel.

Travis räusperte sich. »Öh, und wenn wir ein besonders schönes Handy finden …«

»Nein, auch das dürft ihr nicht behalten«, sagte ich.

»Och, Mann.«

»Moment noch, Percy«, sagte Jack Mason. »Du hast den Lincoln Tunnel vergessen.«

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