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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Eine Möglichkeit?« fragte Rand. »Ich werde jede Möglichkeit nutzen, wenn es hilft.«

»Aes Sedai können heilen, Rand. Versengen soll mich das Licht, Junge, aber du hast doch die Geschichten auch gehört. Sie können heilen, wo Medikamente versagen. Gaukler, Ihr hättet Euch noch eher daran erinnern sollen als ich. Gauklergeschichten sind voll von Aes Sedai. Warum habt Ihr nichts gesagt und mich statt dessen herumrätseln lassen?«

»Ich bin hier fremd«, sagte Thom, wobei er seine unangezündete Pfeife sehnsuchtsvoll ansah, »und Herr Coplin ist nicht der einzige, der mit Aes Sedai nichts zu tun haben will. Ich habe nichts dagegen, daß der Vorschlag von Euch kommt.«

»Eine Aes Sedai«, murmelte Rand und versuchte, sich die Frau, die ihn angelächelt hatte, als Figur in einer dieser Geschichten vorzustellen. Hilfe von einer Aes Sedai sei manchmal schlimmer als überhaupt keine Hilfe, erzählten die Geschichten, wie Gift in einer Pastete, und wie die Köder beim Angeln, so hatten ihre Geschenke immer einen Haken. Plötzlich erschien ihm die Münze in seiner Tasche, die ihm Moiraine gegeben hatte, so heiß wie brennende Kohle. Er konnte sich gerade noch beherrschen, sie nicht aus seinem Mantel zu reißen und aus dem Fenster zu werfen.

»Niemand will etwas mit Aes Sedai zu tun haben, Junge«, sagte der Bürgermeister langsam. »Es ist die einzige Möglichkeit, die ich sehe, und die Entscheidung ist nicht leicht. Ich kann sie nicht für dich treffen, aber ich habe von Frau Moiraine — ich sollte sie wohl besser Moiraine Sedai nennen, denke ich — bisher nur Gutes erlebt. Manchmal«, — er sah Tam bedeutungsvoll an -»muß man ein Risiko eingehen, auch wenn es nur eine kleine Hoffnung bedeutet.«

»Einige Geschichten sind auf ihre Art ziemlich übertrieben«, fügte Thom hinzu, als reiße man die Worte aus ihm heraus. »Jedenfalls manche. Und schließlich, Junge: Du hast gar keine andere Wahl.«

»Ja«, seufzte Rand. Tam hatte immer noch keinen Muskel bewegt; seine Augen waren eingesunken, als läge er bereits die ganze Woche über krank danieder. »Ich... Ich gehe und suche sie.«

»Auf der anderen Seite der Brücke«, sagte der Gaukler, »wo sie — die toten Trollocs beseitigen. Aber sei vorsichtig, Junge! Aes Sedai haben ihre eigenen Gründe, etwas zu tun, und das sind manchmal ganz andere Gründe, als wir glauben.«

Das letztere rief er Rand durch die geöffnete Tür nach. Der mußte den Schwertgriff festhalten, damit ihm die Scheide nicht zwischen die Beine geriet und ihn beim Rennen zu Fall brachte, doch er nahm sich nicht die Zeit, es abzuschnallen. Er polterte die Treppe hinunter und stürzte aus der Schenke. Seine Erschöpfung war in diesem Augenblick vergessen. Eine Chance für Tam, wie klein sie auch sein mochte, war genug, um dafür die Folgen einer schlaflosen Nacht zu überwinden, wenigstens für eine Weile. Er wollte nicht daran denken, daß eine Aes Sedai ihm diese Chance bot und was wohl der Preis dafür sein würde. Und tatsächlich einer echten Aes Sedai gegenüberzustehen... Er atmete tief ein und versuchte noch schneller zu rennen.

Die Bel-Tine-Feuer befanden sich ein gutes Stück jenseits der letzten Häuser im Norden des Dorfes an der Westwaldseite der Straße nach Wachhügel. Der Wind trieb die öligschwarzen Qualmsäulen immer noch vom Dorf weg, aber trotzdem lag ein ekelhaft süßer Gestank in der Luft, als habe man einen Braten um Stunden zu lange am Spieß geröstet. Rand würgte, als er es roch, und schluckte dann schwer, als er die Quelle des Gestanks erkannte. Ein schöne Bescherung, so etwas mit Bel-Tine-Feuern anzustellen! Die Männer, die sich um die Feuer kümmerten, hatten sich Tücher über Nase und Mund gebunden, aber ihren Grimassen konnte man ansehen, daß der Essig, in den sie die Tücher getaucht hatten, nicht ausreichte. Und wenn er auch den Gestank besiegte, so wußten sie doch, daß er da war und sie wußten auch, was sie taten.

Zwei Männer schnallten die Beine eines Trollocs von den Zugleinen eines der großen Dhurrans ab. Lan, der neben der Leiche kauerte, hatte die Decke weit genug zurückgezogen, um die Schultern und den ziegenbockähnlichen Kopf des Trollocs freizulegen. Als Rand sich näherte, löste der Behüter gerade ein Metallabzeichen — einen blutrot emaillierten Dreizack -von einer dornenversehenen Schulter der schwarzen Trolloc-Rüstung.

»Ko'bal«, verkündete er. Er warf das Abzeichen mit der Handfläche in die Luft und fing es mit einem Knurren wieder auf. »Damit sind es jetzt schon sieben Horden.«

Moiraine, die mit übereinandergeschlagenen Beinen am Boden saß, schüttelte müde den Kopf. Quer über den Knien lag ihr ein Wanderstock, der von einem Ende zum anderen mit geschnitzten Ranken und Blumen bedeckt war, und ihr Kleid sah so zerknittert aus, als habe sie es zu lange getragen. »Sieben Horden. Sieben! So viele haben sich seit den Trolloc-Kriegen nicht mehr zusammengetan. Eine schlechte Nachricht nach der anderen. Ich habe Angst, Lan. Ich dachte, wir hätten einen Tagesmarsch aufgeholt, aber vielleicht sind wir noch weiter zurückgefallen als vorher.«

Rand sah sie an und war nicht in der Lage, ein Wort herauszubringen. Eine Aes Sedai. Er hatte versucht, sich selbst zu überzeugen, daß sie nun, da er wußte, wer... was sie war, auch nicht anders als zuvor aussah, und zu seiner Überraschung war es auch so. Sie wirkte nicht mehr so frisch — das Haar war wirr, und über die Nase zog sich ein dünner Rußstreifen -, aber auch nicht allzu sehr verändert. Sicher mußte es irgendein Anzeichen geben, was sie als Aes Sedai kennzeichnete. Andererseits — wenn das äußere Erscheinungsbild das innere widerspiegelte und die Geschichten recht hatten, dann sollte sie eher wie ein Trolloc aussehen als wie eine schöne Frau, die nichts von ihrer Würde verlor, während sie im Schmutz saß. Und sie konnte Tam helfen. Was es auch immer kosten sollte, das war wichtiger als alles andere.

Er holte tief Luft. »Frau Moiraine... Ich meine, Moiraine Sedai.« Beide drehten sich um und sahen ihn an. Er erstarrte unter ihren Blicken. Das war nicht der ruhige, lächelnde Blick, an den er sich vom Grün her erinnerte. Ihr Gesicht war müde, doch ihre dunklen Augen gehörten einem Falken. Aes Sedai. Zerstörer der Welt. Marionettenspieler, die an Fäden zogen und daran Throne und Völker tanzen ließen — nach welcher Melodie, das wußten nur die Frauen von Tar Valon.

»Ein wenig Licht in der Dunkelheit«, murmelte die Aes Sedai. Sie erhob die Stimme. »Wie steht es mit deinen Träumen, Rand al'Thor?«

Er starrte sie verständnislos an. »Meine Träume?«

»Eine Nacht wie diese kann einem Mann zu Alpträumen verhelfen, Rand. Wenn du Alpträume hast, mußt du mir davon erzählen. Manchmal habe ich ein Mittel gegen schlimme Träume.«

»Es ist alles in Ordnung mit meinen... Es ist mein Vater. Er ist verletzt. Es ist nicht viel mehr als ein Kratzer, aber das Fieber verzehrt ihn. Die Seherin hilft nicht. Sie sagt, sie kann nicht helfen. Aber die Geschichten... « Sie zog eine Augenbraue hoch, und er hielt inne und schluckte. Licht, gibt es eigentlich eine Geschichte über eine Aes Sedai, in der sie nicht die Bösewichtin ist? Er sah den Behüter an, aber Lan schien sich mehr für den toten Trolloc zu interessieren als für Rands Worte. Er stammelte unter ihrem Blick weiter: »Ich... äh... man sagt; Aes Sedai könnten heilen. Wenn Ihr ihm helfen könnt... Was Ihr auch für ihn tun könnt... Was es auch kostet... Ich meine... « Er atmete tief ein und rasselte den Rest herunter. »Ich bezahle jeden Preis, der in meiner Macht steht, wenn Ihr ihm helft. Alles.«

»Jeden Preis«, überlegte Moiraine laut und mehr zu sich selbst. »Über den Preis sprechen wir später, Rand, wenn überhaupt. Ich kann dir nichts versprechen. Eure Seherin weiß schon, was sie tut. Ich werde mein Möglichstes tun, aber meine Macht reicht nicht aus, um das Rad am Drehen zu hindern.«

»Früher oder später holt der Tod jeden von uns«, sagte der Behüter ernst, »außer, sie dienen dem Dunklen König, und nur Narren sind bereit, den Preis dafür zu zahlen.«

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