Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Norten seufzte.»Bitte, Dr. Jones, versuchen Sie mich zu verstehen. Ich habe viel über Sie gehört — nicht nur von Greg. Ich weiß, daß Sie einen gewissen Ruf riskieren; nicht nur als Wissenschaftler. Man sagt Ihnen nach, daß Sie niemals aufgeben, wenn Sie sich einmal in ein Thema verbissen haben. Aber man sagt Ihnen auch nach, daß Sie ein sehr vernünftiger Mann sind, Dr. Jones. An diese Vernunft möchte ich appellieren. Sie bringen sich selbst in Gefahr, wenn Sie das Geheimnis dieser Anhänger zu ergründen versuchen.«
Indiana zuckte mit den Achseln.»Warum überlassen Sie diese Entscheidung nicht mir?«
«Warum überläßt du ihn nicht mir?«fragte José mit einem drohenden Blick in Indianas Richtung.»Fünf Minuten, und er verrät mir freiwillig alles, was ich wissen will.«
Indiana schenkte ihm ein Lächeln.»Was ich gerade draußen in der Halle gesagt habe, nehme ich zurück, José«, sagte er freundlich.
José runzelte die Stirn, und Indiana fügte erklärend hinzu:»Das mit deiner Nase, alter Freund. Ich habe gelogen. Es tut mir nicht leid.«
Joana kicherte, schlug die Hand vor den Mund und wurde plötzlich leichenblaß. Zwei, drei Sekunden lang schwankte sie so wild hin und her, daß Indiana schon fürchtete, sie würde wieder von der Couch fallen. Dann griff José blitzschnell zu, packte sie an den Schultern und hielt sie fest.»Jetzt reiß dich aber mal zusammen, Kind«, sagte er ärgerlich.»Du bist ja völlig betrunken!«»Genau«, lallte Joana zum dritten Mal und erbrach sich würgend in Josés Schoß.
Der Rest des Tages verlief in völliger Ruhe. Aber es war eine Ruhe, die auf ihre Art beinahe schlimmer war, als wäre etwas geschehen. Außerhalb der Hacienda rührte sich nichts, und als wollte er der unheimlichen Szenerie noch den letzten Schliff geben, flaute selbst der Wind ab, so daß sich eine unheimliche, beinahe schon widernatürliche Stille über den riesigen Gebäudekomplex ausbreitete. Und wenn schon nicht die unheimlichen Schattengestalten draußen aus dem Wald, so kroch doch diese Stille durch die Mauern und Türen des Hauses herein und breitete sich in allen Räumen aus. Kaum jemand wagte zu reden, und wenn, so nur im Flüsterton. Jedermann schien bemüht, jedes überflüssige Geräusch zu vermeiden, als fürchte er, daß in dieser Stille etwas lauern könnte. Etwas wie ein unsichtbares, körperloses Raubtier, das nur auf einen unbedachten Laut wartet, um aus seinem Versteck zu springen und sich auf sein Opfer zu werfen.
Anfangs hatte Indiana versucht, das Gefühl zu ignorieren. Er hatte es seiner eigenen Angst zugeschrieben und der Mischung aus Nervosität und Zorn, mit der ihn die Situation erfüllte. Er hatte versucht, eine logische Begründung dafür zu finden: die Gefahr, in der sie alle schwebten, die scheinbar aussichtslose Lage, die Tatsache, daß José ihn belegen hatte. Aber das alles war es nicht. Nicht nur.
Er konnte es fühlen. Irgend etwas … geschah dort draußen. Es waren nicht nur die Männer dort im Busch, die die Hacienda belauerten. Da war noch etwas. Etwas Gewaltiges, ungeheuer Mächtiges und Altes, das langsam, aber unerbittlich auf die Hacienda zukroch.
Und er war nicht der einzige, der es spürte. Keiner der anderen sprach es aus oder machte auch nur eine entsprechende Andeutung. Aber Indiana sah es auf den Gesichtern der Männer, sah es an ihren kleinen, nervösen Bewegungen und den fahrigen Blik-ken. Und er hörte es vor allem an ihrem Schweigen. Was immer dort draußen lauerte, es war real. Irgend etwas Furchtbares würde geschehen. Bald.
Zusammen mit Anita hatte er Gregs Tochter in eines der Gästezimmer hinaufgebracht und es Josés Frau überlassen, das Mädchen zu entkleiden und ins Bett zu legen. Er war noch einmal zurückgekommen, um sich davon zu überzeugen, daß es Joana wirklich gutging und sie nichts Schlimmeres als einen gewaltigen Kater zu erwarten hatte. Aber Anita hatte ihn beruhigt. Mit Ausnahme der Schnittwunde an ihrem Handgelenk — Anitas entsprechende Frage über deren Herkunft hatte Indiana geflissentlich überhört — war das Mädchen unverletzt.
Der Rest des Tages schleppt sich quälend langsam dahin. Indiana hatte nach einer Stunde eingesehen, daß es wenig Sinn hatte, wenn er den Beleidigten spielte und sich in seinen Schmollwinkel zurückzog, und war wieder ins Erdgeschoß hinuntergegangen, um mit Norten — und wenn es sein mußte, auch mit José — zu reden. Aber dieses Gespräch war so verlaufen, wie er es erwartet hatte: ohne irgendein Ergebnis. José hatte ihn mit Blicken durchbohrt und schien im übrigen vergessen zu haben, daß er jemals der englischen Sprache mächtig gewesen war, während Norten darauf beharrte, daß es für ihn besser sei, nichts zu wissen.
Der einzige Hoffnungsschimmer, der ihm blieb, war Anita. José achtete den ganzen Tag über mißtrauisch darauf, daß Indiana auch nicht eine Minute mit ihr allein war. Aber dessen Chance kam, als der Abend dämmerte.
Josés Zimmer und das, das Norten ihm selbst zugewiesen hatte, lagen auf dem gleichen Flur im ersten Stockwerk. Indiana hatte sich kurz vor Dunkelwerden mit der Entschuldigung zurückgezogen, müde zu sein und ein wenig schlafen zu wollen. Und obwohl er eigentlich nicht vorhatte, dies wirklich zu tun, waren seine Augen zugefallen, kaum daß er sich auf dem Bett ausgestreckt hatte.
Als er erwachte, herrschte fast vollkommene Dunkelheit im Zimmer. Durch die Tür, die er einen Spaltbreit offengelassen hatte, drang flackerndes, orangefarbenes Licht und gedämpftes Stimmengemurmel, und über der Hacienda stand ein bleicher Vollmond am Himmel, dessen Licht die Fenster mit einem unheimlichen, silbernen Schein erfüllte. Die Stille schien noch intensiver geworden zu sein. Und das Gefühl, daß sich etwas Unheimliches, Gefährliches näherte, war so dicht geworden, daß er es beinahe körperlich spüren konnte.
Mit klopfendem Herzen richtete er sich auf, sah sich einen Moment im Zimmer um und schlich dann zur Tür. Er lauschte aufmerksam, ehe er wagte, die Tür vorsichtig zu öffnen und auf den Korridor hinauszutreten. Er identifizierte jetzt die Stimmen aus dem Erdgeschoß — es waren Norten und José, die sich leise unterhielten; auf spanisch, so daß Indiana nicht verstand, worüber sie sprachen. Aber das interessierte ihn im Moment auch gar nicht so sehr. Was ihn interessierte, war die Tatsache, daß José irgendwo dort unten war — und Anita vielleicht nicht. Irgendwie spürte er, daß Josés Frau der Schlüssel zu dieser ganzen Geschichte war.
Er warf einen letzten, sichernden Blick nach rechts und links, überquerte auf Zehenspitzen den Flur und legte das Ohr an die Tür zu Josés Zimmer, um zu lauschen. Er hörte nichts. Behutsam drückte er die Klinke hinunter, öffnete die Tür einen Spaltbreit und schlüpfte schließlich hindurch. Rasch, aber ohne den mindesten Laut, drückte er sie hinter sich wieder ins Schloß und blieb eine Sekunde lang mit geschlossenen Augen stehen. Die schweren, gleichmäßigen Atemzüge eines schlafenden Menschen drangen an sein Ohr, sonst nichts.
Indiana blieb einen Moment lang unter der Tür stehen und wartete vergeblich darauf, daß sich seine Augen an das schwache Licht gewöhnten; alles, was er überhaupt erkennen konnte, waren blasse Umrisse und Schatten, die im silbergrauen Licht des Mondes ein seltsam bedrohliches Aussehen annahmen. Immerhin erkannte er, daß das Zimmer auf ähnliche Art wie sein eigenes eingerichtet war — der massige Umriß rechts von der Tür war das Bett, und von dort kamen auch die Atemzüge.
Ihr Rhythmus veränderte sich, als er einen Schritt machte. Ein Rascheln erklang, und dann richtete sich ein verschwommener Umriß in der Dunkelheit vor ihm auf.»Wer ist da?«fragte eine erschrockene, atemlose Stimme.
«Ich bin es«, antwortete Indiana flüsternd.»Jones.«
«Dr. Jones?«Anitas Stimme klang kein bißchen verschlafen, sondern aufs höchste alarmiert.
Indiana nickte und legte gleichzeitig mahnend den Zeigefinger über die Lippen, argwöhnte aber im gleichen Moment schon, daß sie beides in dem schlechten Licht wahrscheinlich nicht sehen würde.»Ja«, fügte er in einem gehetzten Flüsterton hinzu.»Ich muß mit Ihnen reden. Allein.«