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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Wir rannten durch einen Marmortunnel, dann bogen wir nach links ab und wären fast in einen Abgrund gestürzt. Tyson packte mich und riss mich zurück, ehe ich fiel. Der Tunnel ging vor uns weiter, aber dreißig Meter lang gab es keinen Boden, nur klaffende Dunkelheit und eine Art Leiter aus Eisensprossen in der Decke. Die mechanische Spinne hatte diese Strecke bereits halbwegs hinter sich gebracht, sie schwang sich von Gitterstab zu Gitterstab, indem sie Metallfasern aus sich herausschießen ließ.

»Ein Klettergerüst«, sagte Annabeth. »Das kann ich gut.«

Sie sprang an die erste Sprosse und hangelte sich dann weiter. Sie hatte Angst vor winzigen Spinnen, aber nicht davor, von einer Reihe von Klettersprossen zu Tode zu stürzen. Das muss man sich mal vorstellen.

Annabeth erreichte die gegenüberliegende Seite und rannte hinter der Spinne her. Ich folgte ihr. Als ich auf der anderen Seite angekommen war, sah ich, dass Tyson Grover huckepack nahm. Der große Kerl schaffte es mit drei Schwüngen, und das war gut so, denn in dem Moment, in dem er landete, riss die letzte Stange unter seinem Gewicht ab.

Wir liefen weiter und kamen an einem zerfallenden Skelett vorbei. Es trug die Überreste von Hemd, Hose und Schlips. Die Spinne wurde nicht langsamer. Ich rutschte auf einem Stapel Holzspäne aus, aber als ich sie mit der Taschenlampe anstrahlte, sah ich, dass es Bleistifte waren. Hunderte von Bleistiften, alle in der Mitte durchgebrochen.

Der Tunnel öffnete sich zu einem riesigen Saal. Ein grelles Licht blendete uns. Als meine Augen sich daran gewöhnt hatten, sah ich als Erstes die Skelette. Dutzende lagen um uns herum auf dem Boden. Einige waren alt und ausgebleicht, andere waren neu und um einiges ekliger. Sie stanken nicht ganz so schlimm wie Geryons Ställe, aber doch fast.

Dann sah ich das Monster. Es stand auf einem funkelnden Podium auf der anderen Seite des Saales. Es hatte den Körper eines riesigen Löwen und den Kopf einer Frau. Die Frau hätte hübsch sein können, aber sie hatte ihre Haare zu einem straffen Knoten gebunden und war zu stark geschminkt, deshalb erinnerte sie mich an meine Gesangslehrerin aus der dritten Klasse. Sie hatte sich ein blaues Abzeichen mit einer Aufschrift an die Brust gesteckt, und ich brauchte einen Moment, um zu lesen: VERDIENTE HELDIN DER MONSTERKLASSE!

Tyson wimmerte. »Sphinx!«

Ich wusste genau, warum er sich fürchtete. Als kleiner Junge war Tyson in New York von einer Sphinx angegriffen worden. Er hatte noch immer Narben auf dem Rücken, die das bewiesen.

Scheinwerfer leuchteten auf beiden Seiten dieses Wesens. Der einzige Ausweg war ein Tunnel gleich hinter dem Podium. Die mechanische Spinne wuselte zwischen den Pfoten der Sphinx herum und war dann verschwunden.

Annabeth rannte los, aber die Sphinx brüllte und bleckte die Reißzähne in ihrem ansonsten menschlichen Gesicht. Gitterstäbe verschlossen beide Tunnelzugänge, hinter uns und vor uns.

Sofort verwandelte sich das Zähnefletschen des Monsters in ein strahlendes Lächeln.

»Willkommen, ihr glücklichen Kandidaten«, sagte sie. »Macht euch bereit für den Einsatz … LÖST DIESES RÄTSEL!«

Von der Decke her dröhnte Applaus, als ob es dort unsichtbare Lautsprecher gäbe. Scheinwerferlicht fegte durch den Raum und wurde von der Bühne zurückgeworfen, und dadurch wurden die Skelette auf dem Boden in Discolicht getunkt.

»Großartige Preise«, verkündete die Sphinx. »Wenn ihr den Test besteht, kommt ihr weiter. Wenn ihr versagt, dann fresse ich euch! Wer wird für euch antreten?«

Annabeth packte meinen Arm. »Ich weiß es«, flüsterte sie. »Ich weiß, was sie fragen wird.«

Ich widersprach ihr nicht gerade energisch. Ich wollte nicht, dass Annabeth von einem Monster verschlungen wurde, aber wenn die Sphinx uns Rätsel aufgeben wollte, dann sollte wirklich Annabeth ihr Glück mit Raten versuchen.

Sie stieg auf das Podium für die Wettbewerbsteilnehmer, auf dem ein Skelett in Schuluniform herumlungerte. Sie schob das Skelett beiseite und es fiel klappernd zu Boden.

»Tut mir leid«, sagte Annabeth zu ihm.

»Willkommen, Annabeth Chase«, rief das Monster, obwohl Annabeth ihren Namen nicht genannt hatte. »Bist du bereit?«

»Ja«, sagte Annabeth. »Sag mir dein Rätsel.«

»Zwanzig Rätsel, um genau zu sein«, sagte die Sphinx schadenfroh.

»Was? Aber in den alten Zeiten …«

»Ach, wir haben unseren Standard angehoben. Um zu bestehen, musst du alle zwanzig lösen. Ist das nicht großartig?«

Applaus erklang und verhallte, als ob jemand einen Wasserhahn auf-und zugedreht hätte.

Annabeth warf mir einen nervösen Blick zu. Ich nickte ermutigend.

»Na gut«, sagte sie zur Sphinx. »Ich bin so weit.«

Ein Trommelwirbel erscholl über unseren Köpfen. Die Augen der Sphinx funkelten vor Erregung. »Was … ist die Hauptstadt von Bulgarien?«

Annabeth runzelte die Stirn. Für einen entsetzlichen Moment glaubte ich, sie wisse es nicht.

»Sofia«, sagte sie. »Aber …«

»Korrekt!« Mehr Applaus vom Tonband. Die Sphinx lächelte so strahlend, dass ihre Reißzähne zu sehen waren. »Bitte, markiere deine Antwort deutlich auf deinem Antwortbogen, und zwar mit einem Bleistift Stärke 2.«

»Was?« Annabeth machte ein verwirrtes Gesicht. Dann tauchte vor ihr auf dem Podium ein Schreibheft auf, zusammen mit einem gespitzten Bleistift.

»Vergiss nicht, jede Antwort deutlich anzukreuzen und im Kreis zu bleiben«, sagte die Sphinx. »Wenn du radieren musst, dann mach das ganz sorgfältig, sonst kann der Apparat deine Antworten nicht lesen.«

»Was für ein Apparat?«, fragte Annabeth.

Die Sphinx zeigte mit der Pfote darauf. Neben dem Scheinwerfer stand ein Bronzekasten mit allerlei Griffen und Hebeln und dem großen griechischen Buchstaben Eta auf der Seite, dem Zeichen des Hephaistos.

»Also«, sagte die Sphinx. »Die nächste Frage …«

»Moment mal«, protestierte Annabeth. »Was ist mit ›was geht am Morgen auf vier Beinen‹?«

»Bitte?«, fragte die Sphinx und war jetzt hörbar verärgert.

»Das Rätsel über den Menschen. Er geht morgens auf vier Beinen, als Baby, mittags auf zwei Beinen, als Erwachsener, und abends auf drei Beinen, als Greis mit einem Stock. Das ist das Rätsel, das du immer gefragt hast.«

»Genau deshalb haben wir den Test ja verändert«, rief die Sphinx. »Du hast die Antwort doch schon gewusst. Und jetzt zur zweiten Frage. Was ist die Quadratwurzel von sechzehn?«

»Vier«, sagte Annabeth, »aber …«

»Korrekt. Welcher US-Präsident hat die Emanzipationserklärung unterzeichnet?«

»Abraham Lincoln, aber …«

»Korrekt. Rätsel Nummer vier. Wie viel …«

»Aufhören!«, schrie Annabeth.

Ich wollte ihr sagen, dass sie aufhören sollte, zu widersprechen. Sie machte ihre Sache doch großartig. Sie sollte einfach die Fragen beantworten, damit wir weitergehen konnten.

»Das sind keine Rätsel«, sagte Annabeth.

»Was soll das denn heißen?«, schimpfte die Sphinx. »Natürlich sind es das. Das Testmaterial ist ausdrücklich für …«

»Das sind nur eine Menge blöde willkürliche Sachfragen«, erklärte Annabeth. »Rätsel müssen einen zum Nachdenken bringen.«

»Nachdenken?« Die Sphinx runzelte die Stirn. »Wie soll ich denn testen, ob du denken kannst? Das ist doch albern. Und jetzt weiter, wie viel Kraft braucht man, um …«

»Halt«, erklärte Annabeth wieder. »Das ist ein blöder Test.«

»Äh, Annabeth«, schaltete Grover sich nervös ein. »Vielleicht solltest du, äh, zuerst den Test beenden und dich danach beschweren?«

»Ich bin ein Kind der Athene«, beharrte Annabeth. »Und das hier ist eine Beleidigung meiner Intelligenz. Ich werde diese Fragen nicht beantworten.«

Ein Teil von mir war davon beeindruckt, wie sie sich hier behauptete. Aber ein anderer Teil von mir dachte, dass ihr Stolz unser aller Tod sein würde.

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