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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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Die anderen Geister wuselten erregt durcheinander. Annabeth zog ihr Messer und half mir, sie von der Grube wegzuhalten. Grover war so nervös, dass er sich an Tysons Schulter klammerte.

»Ihr seid Dädalus doch egal, Halbblute«, warnte Minos. »Dem könnt ihr nicht vertrauen. Er ist unendlich alt und raffiniert. Die Schuld, die er als Mörder auf sich geladen hat, hat ihn verbittert, und die Götter haben ihn verflucht.«

»Seine Schuld als Mörder?«, fragte ich. »Wen hat er denn umgebracht?«

»Bleib gefälligst beim Thema«, knurrte der Geist. »Du behinderst Nico. Du willst ihn überreden, sein Ziel aufzugeben. Ich dagegen würde ihn zum Herrscher machen!«

»Das reicht, Minos«, erklärte Nico gebieterisch.

Der Geist schnitt eine Grimasse. »Herr, das sind Eure Feinde. Ihr dürft nicht auf sie hören. Lasst Euch von mir beschützen. Ich werde ihr Gemüt in den Wahnsinn treiben, wie bei den anderen auch.«

»Den anderen?« Annabeth schnappte nach Luft. »Redest du von Chris Rodriguez? Warst du das?«

»Das Labyrinth gehört mir«, sagte der Geist. »Nicht Dädalus. Wer dort eindringt, hat den Wahnsinn verdient.«

»Verschwinde, Minos«, befahl Nico. »Ich will mit meiner Schwester sprechen.«

Der Geist schluckte seinen Zorn hinunter. »Wie Ihr wollt, Herr. Aber ich warne Euch. Ihr könnt diesen Heroen nicht trauen!«

Mit diesen Worten verschwand er im Nebel.

Andere Geister stürzten vor, aber Annabeth und ich drängten sie zurück.

»Bianca, erscheine!«, sang Nico. Er sang immer schneller und die Geister bewegten sich ruhelos.

»Jetzt kann es jeden Moment so weit sein«, murmelte Grover.

Dann flackerte in den Bäumen ein silbriges Licht auf – ein Geist, der heller und stärker zu sein schien als die anderen. Er näherte sich und irgendwie wusste ich, dass ich ihn durchlassen musste. Er kniete an der Grube nieder, um zu trinken. Als sich die geisterhafte Gestalt danach aufrichtete, war es Bianca di Angelo.

Nicos Gesang kam ins Stocken. Ich ließ mein Schwert sinken. Die anderen Geister drängten sich vor, aber Bianca hob die Arme und sie zogen sich in den Wald zurück.

»Hallo, Percy«, sagte sie.

Sie sah genauso aus wie im Leben: Eine grüne Mütze saß seitlich auf ihren üppigen schwarzen Haaren, sie hatte dunkle Augen und olivbraune Haut wie ihr Bruder. Sie trug Jeans und eine silbrige Jacke, die Tracht einer Jägerin der Artemis. Ein Bogen hing über ihrer Schulter. Sie lächelte ein wenig und ihre ganze Gestalt flackerte.

»Bianca«, sagte ich. Meine Stimme klang gepresst. Ich fühlte mich wegen ihres Todes schon seit langem schuldig, aber sie jetzt vor mir zu sehen war fünfmal so schlimm, so als sei ihr Tod noch eine ganz frische Erfahrung. Ich dachte daran, wie ich die Trümmer des riesigen Bronzekriegers durchsucht hatte und keine Spur von ihr finden konnte, nachdem sie den Sieg über ihn mit ihrem Leben bezahlt hatte.

»Es tut mir so leid«, sagte ich.

»Du brauchst dich wirklich nicht zu entschuldigen, Percy. Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich bereue sie nicht.«

»Bianca!« Nico stolperte vor, als wäre er soeben aus tiefer Verwirrung erwacht.

Sie wandte sich zu ihrem Bruder um. Sie sah unglücklich aus, als ob ihr vor diesem Augenblick immer gegraut hätte. »Hallo, Nico. Du bist aber gewachsen.«

»Warum hast du mir nie geantwortet?«, rief er. »Ich versuche das seit Monaten!«

»Ich hatte gehofft, du würdest aufgeben.«

»Aufgeben?« Sein Herz schien gebrochen zu sein, so traurig hörte er sich an. »Wie kannst du so was sagen? Ich versuche, dich zu retten!«

»Das kannst du nicht, Nico. Lass es. Percy hat Recht.«

»Nein! Er hat dich sterben lassen! Er ist nicht dein Freund!«

Bianca streckte die Hand aus, wie um das Gesicht ihres Bruders zu berühren, aber sie bestand aus Nebel. Ihre Hand verdampfte in der Nähe lebender Haut.

»Du musst mir zuhören«, sagte sie. »Groll zu hegen ist gefährlich für ein Kind des Hades. Das ist unser großer Fehler. Du musst verzeihen. Das musst du mir versprechen.«

»Das kann ich nicht. Niemals.«

»Percy hat sich Sorgen um dich gemacht, Nico. Er kann dir helfen. Ich habe ihm gezeigt, was du vorhattest, in der Hoffnung, dass er dich finden würde.«

»Du warst es also wirklich«, sagte ich. »Du hast diese Iris-Botschaften geschickt.«

Bianca nickte.

»Warum hilfst du ihm und nicht mir?«, schrie Nico. »Das ist nicht fair!«

»Jetzt kommst du der Wahrheit näher«, sagte Bianca zu ihm. »Du bist nicht wütend auf Percy, Nico. Sondern auf mich.«

»Nein.«

»Du bist wütend, weil ich mich den Jägerinnen der Artemis angeschlossen habe. Du bist wütend, weil ich gestorben bin und dich alleingelassen habe. Das tut mir leid, Nico. Wirklich. Aber du musst deinen Zorn überwinden. Und du darfst Percy nicht für meine Entscheidungen verantwortlich machen. Das wäre dein Verderben.«

»Sie hat Recht«, schaltete Annabeth sich ein. »Kronos erhebt sich, Nico. Er wird alle auf seine Seite bringen, die er nur bekommen kann.«

»Kronos ist mir egal«, sagte Nico. »Ich will nur meine Schwester zurückhaben.«

»Das geht aber nicht, Nico«, sagte Bianca mit sanfter Stimme.

»Ich bin der Sohn des Hades. Ich kann es!«

»Versuch es nicht«, sagte sie. »Wenn du mich liebst, dann …«

Ihre Stimme verhallte. Die Geister drängten sich wieder um uns zusammen und sie wirkten erregt. Ihre Schatten änderten ihre Gestalt. Ihre Stimmen flüsterten »Gefahr!«.

»Tartarus regt sich«, sagte Bianca. »Eure Kraft erregt die Aufmerksamkeit des Kronos. Die Toten müssen in die Unterwelt zurückkehren. Es wäre zu gefährlich für uns hierzubleiben.«

»Warte«, sagte Nico. »Bitte …«

»Leb wohl, Nico«, sagte Bianca. »Ich liebe dich. Vergiss nicht, was ich gesagt habe.«

Ihre Gestalt bebte, die Geister verschwanden und wir waren allein mit einer Grube, einem HAPPY-END-Tank und einem kalten Vollmond.

Wir hatten alle keine große Lust, in dieser Nacht noch weiterzuziehen, deshalb beschlossen wir, bis zum Morgen zu warten. Grover und ich schliefen auf den Ledersofas in Geryons Wohnzimmer, was viel bequemer war als ein Schlafsack im Labyrinth, aber meine Albträume wurden davon nicht angenehmer.

Ich träumte, ich sei bei Luke und ginge mit ihm durch den düsteren Palast auf dem Gipfel des Mount Tam. Es war jetzt ein echtes Gebäude – keine halb vollendete Illusion, wie ich sie im vergangenen Winter gesehen hatte. Grüne Feuer brannten in Kohlenbecken vor den Wänden. Der Boden bestand aus poliertem schwarzen Marmor. Ein kalter Wind wehte durch die Eingangshalle und über uns sahen wir durch die offene Decke graue Sturmwolken vorüberwirbeln.

Luke war zum Kampf gekleidet. Er trug eine Tarnhose, ein weißes T-Shirt und einen bronzenen Brustpanzer, doch sein Schwert, Rückenbeißer, hing nicht an seiner Seite – dort war nur eine leere Scheide. Wir gingen auf einen riesigen Hof, wo sich Dutzende von Kriegern und Dracaenae kampfbereit machten. Als sie Luke sahen, nahmen die Halbgötter Haltung an und schlugen mit den Schwertern gegen ihre Schilde.

»Issss jetzzzz Zeit, Herr?«, fragte eine Dracaena.

»Bald«, versprach Luke. »Macht einfach weiter.«

»Herr«, sagte hinter ihm eine Stimme. Kelli, die Empusa, lächelte ihn an. Sie trug in dieser Nacht ein blaues Kleid und sah teuflisch schön aus. Ihre Augen flackerten – manchmal dunkelbraun, manchmal hellrot. Ihre Haare hingen ihr in Zöpfen über den Rücken und schienen das Licht der Fackeln einzufangen, als wollten sie sich unbedingt in Flammen zurückverwandeln.

Mein Herz hämmerte. Ich wartete darauf, dass Kelli mich entdeckte, dass sie mich wie schon einmal aus dem Traum jagte, aber diesmal schien sie mich nicht wahrzunehmen.

»Du hast Besuch«, sagte sie zu Luke. Sie trat beiseite und sogar Luke schien von dem Anblick verdutzt zu sein, der sich ihm bot.

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