Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Ist es möglich, daß du dich täuschst?« Huma hätte das vorgezogen.
»Ja, schon.«
Huma war nicht länger auf das Lager beschränkt. Avontal hatte diese Regel am ersten Tag erlassen, doch er hatte sie aufgehoben, sobald er sicher war, daß Huma nichts Verrücktes anstellen würde – zum Beispiel, ohne Begleitung davonzureiten. So kam es, daß Huma sich vom Lager entfernte und irgendwann auf die nächsten Ruinen zusteuerte. Die Ruinen beunruhigten ihn wie alles, was mit Pest zu tun hatte, doch Huma wußte, daß von der Krankheit nach so langer Zeit keine Spur mehr vorhanden sein konnte.
Huma hatte nicht vor, die Ruinen der unglückseligen Stadt zu betreten, bis er einen vierbeinigen Schatten vorbeihuschen sah, der sofort in den Trümmern verfallener Häuser verschwand. Es konnte einfach ein Wolf oder ein streunender Hund sein.
Mit gezücktem Schwert verfolgte er das Schattenwesen. Er merkte nicht, wie tief er in die Ruinen vorgedrungen war, bis er hörte, wie sich zwischen den verlassenen Gebäuden etwas bewegte. Es war kein Geräusch, das er von einem Vierbeiner erwartet hätte. Ausbildung und Erfahrung verrieten ihm, daß dieser neue Gegner auf zwei Beinen ging.
Huma versuchte, in der Dunkelheit Umrisse auszumachen. Er sah zwei schwach glühende, rote Augen, die dann in einem Gebäude verschwanden. Der Ritter ging langsam hinterher.
Zu seiner Linken hörte er in einem Haus etwas rutschen. Als er sich in diese Richtung umdrehte, konnte Huma nur etwas Schwarzes sehen. Eine große, formlose Masse stieß ihn an, als sie sich rasch hinter ihm vorbeimogelte. Er fuhr herum und wurde durch das Schmerzensgeheul der Gestalt belohnt, bevor sie buchstäblich mit der Nacht verschmolz. Mit dem Schwert in der Hand setzte Huma ihr nach.
Die Gestalt konnte nur durch den verfallenen Eingang vor dem Ritter verschwunden sein. Huma trat die Reste der Tür beiseite und drang in das Haus ein.
Das Zimmer war leer. Er durchsuchte die anderen Räume des leeren Hauses. Auch sie wurden nur vom üblichen Ungeziefer bewohnt. Sein Opfer war verschwunden. Ärgerlich ging er auf die Rückwand des Gebäudes zu und wirbelte beim Gehen Staub auf. Hinter dem Gebäude fand er noch mehr Schutt. Wenn nicht genau hinter diesen Steinen etwas flach auf dem Boden lag, dann mußte es woanders sein. Es gab einfach kein Versteck hier draußen.
Der aufgewirbelte Staub reizte Huma zu heftigem Husten. Er fühlte sich plötzlich schwach, und ihm wurde übel. Schon das Gehen fiel ihm schwer, viel schwerer noch war es, das Schwert festzuhalten. Wütend schmiß er die Klinge auf den Boden, wodurch er noch weiteren Staub aufwirbelte. Seine Rüstung war damit bedeckt, doch das kümmerte ihn nicht. Er taumelte bereits. Der Staub schien überall zu sein, drang in Augen, Nase, Ohren und Hals. Er schaffte es bis zum Eingang, wo er seufzend zusammensackte, um auf die unbelebte Straße zu starren. Auch dies wurde bald zu ermüdend, und er beschloß, daß ein Nickerchen jetzt genau das Richtige sein würde. Der Ritter schloß die Augen und begann bald zu schnarchen.
Düstere Gestalten in langen, alles verhüllenden Roben und Kapuzen warfen um ihn herum Schatten. Ihre Gesichter waren unter den weiten Kapuzen nicht zu erkennen, und nur einer von ihnen entblößte seine Hände. Er nahm ein kleines Fläschchen vom Gürtel und entkorkte es. Sorgfältig goß er den Inhalt auf den Boden. Der Inhalt, ein rotes Pulver, reagierte sofort mit dem, was Huma für jahrzehntealten Staub gehalten hatte. Die zwei Substanzen zischten und dampften und neutralisierten einander, bis nur noch die natürliche, graue Staubschicht da war, die sich über die Jahre angesammelt hatte. Die Gestalt mit der Kapuze verschloß die Flasche wieder und drehte sich zu dem zusammengesunkenen Ritter um. Sie schnipste mit den Fingern, und vier von den anderen huschten herüber, um Huma zu ergreifen.
Innerhalb weniger Momente war das Zimmer leer. Hätte irgend jemand hineingeschaut, so hätte er keinen Hinweis gefunden, daß vor kurzem jemand hier gewesen war. Es gab keine Spur von dem Ritter und keine Spur von seinen verhüllten Geiselnehmern.
Ein spöttisches Geheul durchschnitt die kalte Luft der Geisterstadt.
12
Unverständlich zischten debattierende Stimmen. Der benommene Ritter brauchte ein paar Augenblicke, bis ihm klar wurde, daß er es war, um den die Stimmen stritten. Er wünschte, seine Augen wurden ihm gehorchen, damit er sehen konnte, wer da so um sein Wohlergehen besorgt war.
Eine weitere, ihm irgendwie bekannte Stimme schaltete sich zornerfüllt ein. »Warum zögert ihr?«
»Er trägt das Zeichen.«
»Und weiter, Skularis?«
Die in der Frage enthaltene Beleidigung brachte den mit dem Namen Skularis zum Fauchen. »Es kann etwas nicht stimmen, wenn ein Ritter von Solamnia so ein Zeichen trägt.«
Eine weitere Stimme, die dem Quaken eines großen Ochsenfrosches glich, warf ein: »Er wollte es nicht begreifen, Nachtmeister! Der da auf dem Boden ist mehr einer von uns als er.«
Der erste Sprecher, der Nachtmeister, versuchte es wieder zu erklären: »Wir haben Agenten unter ihnen. Und zwar einflußreiche.« Der andere Sprecher quakte zustimmend. Huma bewegte sich leicht. Sie glaubten anscheinend, daß er irgendein wichtiges Zeichen trug. Alles, was er im Moment fühlte, war eine brennende Stirn.
»Mir ist bewußt, was das Zeichen bedeutet«, sagte die vertraute Stimme – wo hatte er sie nur schon gehört? »Mir ist auch bewußt, daß es ihn nicht umbringen wird, wie ich anfangs gedacht hatte. Ausgezeichnet. Er hat Informationen, die ich brauche. Sein Leben ist mir wichtig.«
»Was sollen wir dann machen? Wir können ihm nichts antun, denn einer der Unsrigen hat ihm ein Schutzzeichen verliehen.«
Der anscheinende Außenseiter knurrte, und Humas Sinne erwachten, als er den Laut erkannte. Nur Schreckenswölfe machten solche Geräusche.
Jemand mußte seine Bewegung bemerkt haben, denn eine Hand ergriff seinen Kopf und drehte ihn von links nach rechts. Sie steckte in einem vermoderten Handschuh; er stank so abscheulich, daß Huma instinktiv davor zurückzuckte. Derjenige, den er für den Nachtmeister hielt, kicherte ekelerregend.
»Er ist keiner von uns, aber einer von uns hat versucht, ihn zu beschützen. Es wird immer interessanter.«
»Was sollen wir tun?« fragte der Quaker.
»Ihr müßt ihn verstecken, ihr verfaulten Kadaver!« knurrte der Außenseiter. »Versteckt ihn, bis meine Diener mit euch Kontakt aufnehmen können! Hat die Pest nicht nur eure Körper, sondern auch euer Hirn befallen?«
Endlich waren Humas Augen bereit, sich zu öffnen, wenn auch nur für einen Spalt.
Zwei Gestalten, die großen Haufen muffiger, stinkender Kleider ähnelten, unterhielten sich im Stehen mit einem – Schreckenswolf. Niemand anders. Humas umnebelter Verstand brauchte eine Weile, bis er erkannte, daß Galan Drakos den untoten Diener von seiner weit entfernten Zitadelle aus als Auge, Ohr und Stimme in Ergod benutzte.
Daß sie immer noch irgendwo in den Ruinen waren, konnte er nur raten. Das bißchen, das er sehen konnte, bestätigte seine Vermutung, denn der Raum war voller Schutt, und ein Teil der Decke fehlte. Huma wußte weder, wie lange er bewußtlos gewesen war, noch, wie weit sie ihn geschleppt hatten.
Dann erhob der bedrohlichere der beiden zerlumpten Angreifer einen Arm und zeigte mit dem Zeigefinger seiner knochigen, vernarbten Hand auf den Boten des Abtrünnigen. »Sei auf der Hut, Zauberer. Jetzt hast du ihren Segen, doch wenn man sie enttäuscht, ist sie eine launische Herrin. Du solltest höflicher zu denen sein, die du brauchst.«
Die blasse Gestalt des Schreckenswolfes kochte vor kaum bezähmbarer Wut, als Drakos seine Gefühle durch seinen Diener fließen ließ. Der kleinere der beiden Kapuzenmänner schlurfte rückwärts, die fleckigen Hände ängstlich erhoben.
Der andere, der Nachtmeister, mußte gelächelt haben, denn sein Tonfall war voller Spott. »Deine Kräfte sind furchtbar für die Furchtsamen, aber nicht für den, der unter Morgions Schutz steht.«