Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Morgion! Huma war kaum fähig, den Schreck zu beherrschen, der durch seinen angespannten Körper zuckte. Er war Gefangener der Anhänger von Morgion, des Gottes der Krankheit und der Verwesung!
»Es ist reine Zeitverschwendung«, murmelte Drakos.
»Allerdings. Nun gut, Zauberer. Meine Brüder werden den da für deine Lakaien aufbewahren, aber nur weil das mit den Zielen des Meisters übereinstimmt. Nicht, weil ich deine Macht fürchte.«
»Natürlich nicht.«
»Aber das Zeichen – «, sagte der Quaker.
»Es gibt Zeiten, Bruder, wo wir alle Opfer bringen müssen um des größeren Ruhmes Morgions willen.«
»Und der Königin natürlich.«
»Und der Königin. Schade. Ich wüßte immer noch gern, was das Zeichen soll.« Skularis legte Huma die Hand auf die Stirn.
Huma bäumte sich vor Schreck auf. Es kam ihm vor, als würde etwas in seine Seele eindringen. Er krümmte sich, doch er konnte der klauenartigen Hand nicht entkommen.
Ganz plötzlich war er nicht länger in den Ruinen. Ein Kaleidoskop von Geräuschen und Bildern umgab ihn. Huma empfand keine Angst mehr. Ein Teil von ihm wußte, daß dieser Zustand nur seinen Verstand betraf, auch wenn er nicht erklären konnte, warum ihn das beruhigte. Huma vermeinte, Pferdehufe zu hören, die in die Schlacht rannten, das Scheppern von Rüstungen, Schlachtrufe, das Klirren von Stahl auf Stahl. Ihm kam eine Vision von drei Reitern. Jeder trug ein Symbol der Ritterschaft: die Krone, das Schwert und die Rose. Alle hatten ihr Visier heruntergeklappt, doch Huma wußte, daß die zwei im Hintergrund nur die Zwillingsgötter Habbakuk und Kiri-Jolit sein konnten. Zwei vom solamnischen Triumvirat – weshalb derjenige vor ihnen…
Furchtbar plötzlich wurde Huma aus der Vision gerissen und in die Wirklichkeit zurückgeholt. Wäre er nicht geknebelt gewesen, so hätte er aufgeschrien, denn die knochige, von der Krankheit gezeichnete Hand zuckte von ihm weg, wobei sie ganze Fleischstreifen mitzureißen schien. Undeutlich konnte Huma sehen, daß die beiden verhüllten Gestalten auf ihn herabstarrten.
»Ich konnte seinen Verstand nicht durchdringen. Er ist durch reine Willenskraft geschützt. Faszinierend.«
»Und das Zeichen?«
»Nicht mehr da. Es war zu schwach. Er hängt zu sehr an der Schmerzverlängerung, die die Dummen Leben nennen. Er ist keiner von uns – könnte nie zu uns gehören.«
Von hinten meldete sich wieder Drakos’ Stimme aus dem Maul des Schreckenswolfs: »Dann gibt es kein Zögern mehr.«
»Nein. Er gehört dir, sobald deine Diener eintreffen.« Der Kleriker schnippte mit den Fingern. Humas Augen konnten gerade jetzt endlich wieder sehen. Aus der Finsternis tauchten Kapuzengestalten auf, von Krankheit gezeichnete Ghule wie die Toten eines Schlachtfelds, die wiederauferstanden waren.
»Bringt ihn in die Katakomben. Bindet ihn an den Altar.«
»Kein Opfer!«
Nicht einmal Huma konnte übersehen, wie der Kleriker die Lippen hochzog. »Keine Bange, Köter. Er wird heil und lebendig bleiben. Wird interessant sein zu sehen, ob du mehr Glück hast als ich.«
Drakos hatte keine Erwiderung parat, oder zumindest übermittelte der Schreckenswolf keine Botschaft. Huma wehrte sich, doch seine Fesseln gaben nicht nach. Vier der Kapuzenwesen packten ihn grob und hoben ihn hoch. Ihr Gestank war überwältigend.
Er hatte gehofft, eine Vorstellung davon zu bekommen, wo sie sich befanden und wo sie hingingen, doch seine Sicht wurde durch den mottenzerfressenen Ärmel des einen Trägers versperrt. Er nahm an, daß sie noch immer ziemlich nah bei dem Gebäude waren, wo er mit ganzer Dummheit in die Falle getappt war. Huma wußte ein paar Dinge über die Gefolgschaft Morgions. Sie hielten ihre Vorhaben und ihre Mitgliedschaft streng geheim. Daß sie ihn in die Katakomben brachten, hieß, daß sie unter Kargod lebten, eine beängstigende Enthüllung. Kein Wunder, daß man vom Ursprung der Pest keine Spur fand. Er lag nicht in oder bei der Stadt, sondern darunter.
Ein Windstoß wehte etwas von dem Gestank davon. Huma vermutete, daß sie aus einem der Ruinenhäuser in die Nacht hinaus getreten waren. Verzweifelt suchte er nach einer Möglichkeit zu entkommen, weil er fürchtete, daß er aus den Katakomben kaum allein fliehen konnte. Aber er war gefesselt und geknebelt, und seine Lage schien hoffnungslos.
Die Gruppe war ein Stückchen von dem Gebäude entfernt, als Huma etwas hörte, was dem Heulen eines Nachtvogels glich. Die zerlumpten Gestalten kamen abrupt zum Stehen, als sie mit Verzögerung erkannten, was Huma sofort begriffen hatte.
Es zischte laut, als etwas durch die Luft geflogen kam. Einer von Humas Trägern ging mit einem Pfeil in der Brust zu Boden. Der Ritter hatte eine Sekunde Zeit, sich darauf einzustellen, daß die anderen ihn loslassen würden und er mit dem Gesicht nach oben hinfallen würde.
Dann war die Hölle los, denn gleißendes Licht nahm den Kapuzenmännern jede Möglichkeit, sich zu verstecken. Gut gezielte Pfeile streckten zwei weitere Kultanhänger nieder, bevor die anderen die Fassung zurückgewannen. Der mit dem Namen Skularis rannte aus Humas Blickfeld. Er opferte die Ehre des Befehlshabers der Sicherheit der Flucht. Es war jedoch eine kurze Flucht, denn nicht einer, sondern drei Pfeile trafen ihn in den Rücken. Der Nachtmeister wackelte wie eine verrückte Marionette und brach dann zusammen.
Gestalten in Rüstungen sprangen jetzt hervor, während das Licht schwächer wurde. Von den vermummten Schurken – es waren über ein Dutzend gewesen, wie Huma entsetzt feststellte – waren nur noch vier übrig. Sie hatten keine richtigen Waffen, und die ersten Soldaten, die sich auf sie stürzten, machten den Fehler, sich in Sicherheit zu wiegen. Dieser Fehler wurde offenkundig, als einer der finsteren Kleriker einen kleinen Beutel hervorzog und ihn auf den nächsten Soldaten schleuderte. Huma hörte den Schrei des Mannes und die entsetzten Rufe der anderen, als sich innerhalb von Sekunden an seinem Körper die verheerenden Zeichen der Pest zeigten.
Eine bekannte Gestalt kam zu ihm und bückte sich, um seine Fesseln zu lösen. »Was bin ich für ein Narr! Ich hätte es wissen müssen…«
Die Bogenschützen setzten ihre Arbeit fort. Bis Avontal Humas Fesseln gelöst hatte, lag der letzte der gefährlichen Kleriker tot da.
»Der Schreckenswolf. Habt ihr ihn erwischt?«
»Schreckenswolf?« Besorgt suchte Avontals Blick das Gebiet ab. »Ich habe ihn nicht gesehen!«
»Mein Schwert!« Humas Waffe lag halb unter einem der Kultanhänger begraben. Ohne zu überlegen, riß er es heraus. Er dachte nur an das vierbeinige Ungeheuer, das man aufhalten mußte. Auf irgendeine unwahrscheinliche Weise war die Kreatur entkommen. Huma wollte nicht, daß der Schreckenswolf ihn noch einmal aufspürte und seinem Meister Humas Aufenthaltsort und Vorhaben verriet.
Er hörte, wie Lord Avontal ihm hinterherrief, doch er achtete nicht darauf. Dieses Untier mußte vernichtet werden.
Das Getrappel rennender Füße machte ihn hellwach. Er folgte dem Geräusch so schnell wie möglich, wobei er oft nur knapp zahlreichen Löchern und Haufen ausweichen konnte, die ihm bei einem Fehltritt zum Verhängnis werden würden. Er dachte nicht an die Gefahren.
Huma sprang über die Reste einer Steinmauer. Die Schäden waren nicht direkt von der Pest verursacht; die wahnwitzigen Unruhen und das Abbrennen der verseuchten Häuser hatten das erledigt.
Er kam auf einem Schutthaufen zum Stehen. Plötzlich rutschte sein Fuß unter ihm weg, und er kippte nach hinten. Mit allergrößter Anstrengung gelang es ihm, sein Schwert festzuhalten. Der gestrauchelte Fuß war umgeknickt, und er biß vor Schmerz die Zähne zusammen.
Als er erschöpft dalag, tauchte die grauenhafte Fratze vor seinem Gesicht auf. Lange, gelbe Reißzähne schwebten über seinem Hals, und eine blutrote Zunge hechelte aus den kräftigen Kiefern. Aus den Augen leuchtete der Tod. Die Vorderläufe des Schreckenswolfes drückten fest auf Humas Brust.