Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Er war nicht dort«, erinnerte Huschidh sie. »Und ich habe ihm noch nichts von meinem Traum erzählt.«
»Wir haben Träume gehabt«, sagte Luet. »Und obwohl all unsere Träume verschieden waren, hatten sie etwas gemeinsam. Wir alle haben diese haarigen Fluggeschöpfe gesehen — ich hielt sie für Engel, obwohl sie nicht besonders nett aussahen. Und die Überseele hat uns gesagt, daß General Muuzh sie ebenfalls gesehen hat — und Huschidh und mein Vater. Und auch unsere Mutter, die Frau namens Durstig, die verhindert hat, daß Huschidh General Muuzh heiraten mußte. Und dann sind da auch die Wesen, die auf dem Boden …«
Huschidh ergriff das Wort. »Ich habe gesehen, wie die Rattenähnlichen unsere … Kinder gefressen haben. Oder es zumindest versucht haben.«
»Und Vaters Traum gehört dazu«, sagte Luet, »denn obwohl er sich von den anderen unterscheidet, kommen trotzdem die Ratten und Engel darin vor. Erinnert ihr euch? Er hat gesagt, er habe jemanden fliegen und jemanden über den Boden huschen sehen. Aber er habe gewußt, daß es sich auch bei diesen Wesen um Menschen handelte.«
»Jetzt fällt es mir wieder ein«, sagte Issib. »Aber er ist einfach darüber hinweggegangen.«
»Weil er nicht erkannt hat, daß dies das Zeichen war«, sagte Luet.
»Wofür?«
»Daß der Traum nicht von der Überseele kam«, sagte Luet.
»Aber das hat Vater gewußt«, erwiderte Issib. »Die Überseele hat es ihm gesagt.«
»Ja, aber von wem kam er dann?« fragte Nafai. »Hat die Überseele ihm das gesagt?«
»Vom Hüter der Erde«, sagte Luet.
»Wer ist das?« fragte Issib.
»Das ist derjenige, den die Überseele auf der Erde aufsuchen will«, sagte Luet. »Wegen ihm kehren wir alle zur Erde zurück. Versteht ihr nicht? Der Hüter der Erde ruft uns alle in unseren Träumen, einen nach dem anderen, und teilt uns etwas mit. Und was in Vaters Traum passiert ist, ist wichtig, weil es in der Tat vom Hüter kommt. Wenn wir es nur zusammensetzen und begreifen könnten …«
»Aber wenn etwas von der Erde kommt, muß es überlicht-schnell reisen«, sagte Issib. »Und das ist unmöglich.«
»Oder er hat diese Träume vor hundert Jahren mit Lichtgeschwindigkeit auf den Weg geschickt«, sagte Nafai.
»Träume zu Menschen geschickt, die noch nicht einmal geboren sind?« sagte Luet. »Ich dachte, diese Idee hättest du aufgegeben.«
»Ich glaube noch immer, daß die Träume gewissermaßen in … in der Luft sein können«, sagte Nafai. »Und wer von uns gerade schläft, wenn der Traum eintrifft, bekommt ihn.«
»Das ist nicht möglich«, sagte Huschidh. »Mein Traum war viel zu spezifisch.«
»Vielleicht hast du einfach nur das, was der Hüter dir mitteilen will, in deinen Traum eingearbeitet«, sagte Nafai. »Das wäre doch möglich.«
»Nein, wäre es nicht«, sagte Huschidh. »Mein Traum war aus einem Guß. Wenn ein Teil davon vom Hüter der Erde kam, dann auch der gesamte Traum. Und der Hüter kannte mich. Verstehst du, was das bedeutet? Der Hüter kannte mich, und er hat … alles gewußt.«
Einen Augenblick lang senkte sich Schweigen über die Gruppe.
»Vielleicht schickt der Hüter diese Träume nur Menschen, von denen er will, daß sie zurückkommen«, sagte Issib.
»Hoffentlich irrst du dich«, sagte Nafai. »Denn ich hatte noch keinen solchen Traum. Ich habe diese Ratten und Engel noch nicht gesehen.«
»Ich auch nicht«, sagte Issib. »Ich dachte nur, vielleicht …«
»Aber du warst in meinem Traum«, sagte Huschidh, »und wenn der Hüter mich ruft, dann will er auch dich haben.«
»Und wir beide kamen in Vaters Traum vor«, sagte Nafai. »Deshalb müssen wir herausfinden, was er bedeutet. Es steckt offensichtlich mehr dahinter als nur die Aufforderung, uns zu benehmen. Und sollte das doch seine Aufgabe gewesen sein, hat der Traum eine ziemlich lausige Arbeit geleistet, denn Elemak und Mebbekew sind wütend darüber, in dem Traum ausgesondert worden zu sein, weil sie sich geweigert haben, zu dem Baum zu gehen.«
»Also macht mit«, sagte Issib. »Berührt den Index und fragt.«
Der längere Arm von Issibs Stuhl hielt den Index, so daß er die Hand darauflegen konnte. Die anderen scharten sich um ihn und berührten ihn ebenfalls. Berührten und befragten ihn, stellten immer wieder Fragen, stumm, in ihren Köpfen …
»Nein«, sagte Issib, »nichts passiert. So funktioniert es nicht. Wir müssen eine Frage nach der anderen stellen.«
»Dann sprich du für uns«, sagte Huschidh. »Stell du die Fragen für uns alle.«
Während ihre Hände auf dem Index lagen, äußerte Issib ihre Fragen. Er fragte; sie warteten. Er fragte erneut. Sie warteten erneut. Nichts.
»Komm schon«, sagte Nafai. »Wir haben alles getan, was du verlangt hast. Selbst, wenn du uns nur sagen kannst, daß du genauso verwirrt bist, wie wir es sind, sage uns zumindest das.«
»Ich bin genauso verwirrt wie ihr«, erklangt augenblicklich die Stimme des Index.
»Nun, warum hast du das nicht von Anfang an gesagt?« fragte Issib wütend.
»Weil ihr mich nicht gefragt habt, was ich davon halte, sondern was der Traum zu bedeuten hat. Ich habe versucht, es zu ergründen. Ich kann es nicht.«
»Du meinst, noch nicht«, sagte Nafai.
»Ich meine, ich kann es nicht«, sagte der Index. »Ich habe nicht genug Informationen. Ich kann nicht intuitiv vorgehen, wie es euch Menschen möglich ist. Mein Verstand ist zu einfach und direkt. Bittet mich nicht um mehr, als ich bewältigen kann. Ich weiß alles, was man durch Beobachtungen erfahren kann, aber ich kann nicht vermuten, was der Hüter der Erde beabsichtigt, und ihr erschöpft mich, wenn ihr verlangt, daß ich es versuche.«
»Na schön«, sagte Luet. »Es tut uns leid. Aber wenn du irgend etwas erfährst …«
» .. .werde ich euch alles sagen, was ihr meines Erachtens wissen müßt.«
»Sage es uns auch, wenn du nicht dieser Auffassung bist«, verlangte Issib.
Aber die Stimme des Index meldete sich nicht mehr.
»Man kann so wütend werden, wenn man sich mit der Überseele befassen muß!« sagte Nafai.
»Sprich mit Respekt von ihr«, sagte Huschidh. »Vielleicht wird sie dann kooperativer sein.«
»Zeige ihr zu viel Respekt, und der Computer hält sich wirklich noch für einen Gott«, sagte Issib. »Und dann werden wir erst recht schwer mit ihm auskommen.«
»Komm zu Bett«, sagte Luet zu Nafai. »Wir setzen unser Gespräch morgen früh fort, aber jetzt brauchen wir unseren Schlaf.«
Es bedurfte nur wenig Überredungskunst, und Nafai folgte ihr in ihr Zelt. Huschidh und Issib blieben allein zurück.
Sie saßen eine Weile schweigend da. Issib fühlte die Unbehaglichkeit, als wäre sie Rauch in der Luft; er konnte kaum noch atmen. Vaters Traum hatte sie hier zusammengebracht, damit sie durch den Index mit der Überseele sprachen. Er konnte Huschidh problemlos zeigen, wie geschickt er im Umgang mit dem Index war; wenn es um den Index ging, war er sehr selbstsicher, auch wenn die Überseele selbst verwirrt war und nicht richtig antworten konnte. Doch nun war kein Index zwischen ihnen — er ruhte stumm in seinem Behälter, in den Nafai ihn gelegt hatte, und nun gab es nur noch Huschidh und Issib, und die beiden sollten heiraten, und Issib fiel nichts ein, was er sagen konnte.
»Ich habe von dir geträumt«, sagte Huschidh.
Ah! Sie hatte als erste gesprochen! Augenblicklich brachte der aufgestaute Drang, etwas zu sagen, Worte auf Issibs Lippen. »Und du bist schreiend aufgewacht?« Nein, diese Erwiderung war eine Dummheit gewesen. Aber er hatte es nun einmal gesagt, und — ja, sie lächelte. Sie wußte, daß es ein Scherz war, also mußte es ihm nicht peinlich sein.
»Ich habe geträumt, daß du fliegst.«