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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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Indiana befreite sich mühsam aus dem Durcheinander von Armen, Beinen und Körpern, in dem sie zu Boden gestürzt waren. Vollkommen verwirrt und mit brummendem Schädel sah er sich um. Joana hockte neben ihm auf den Knien und schien die Situation so wenig zu verstehen wie er, und der Mann mit dem weißen Panamahut hatte selbigen verloren, dafür aber beide Hände vor das Gesicht geschlagen, das noch unsanfter als Indianas Schädel auf die Fliesen geprallt war. Ein halbes Dutzend weiterer Gestalten in weißen Hosen, ärmellosen, weißen Hemden und mit südamerikanisch geschnittenen Gesichtern stand an den verbarrikadierten Fenstern und gab ab und zu einen Schuß ab. Aber offensichtlich gab es draußen nicht mehr sehr viele Ziele; das Feuer wurde immer weniger, und das Trommeln der Pfeile gegen Tür und Fenster hatte vollständig aufgehört. Die Angreifer zogen sich zurück, als klar wurde, daß ihre Opfer entwischt waren.

Aber vielleicht waren sie das gar nicht, dachte Indiana düster. Vielleicht waren sie nicht entkommen, sondern freiwillig in genau die Falle gelaufen, in der sie sie hatten haben wollen.

«Alles in Ordnung?«wandte sich Indiana an Joana. Das Mädchen nickte, während der Mann ohne Panamahut Indiana einen zornigen Blick über seine Hände hinweg zuwarf, die er noch immer gegen Mund und Nase preßte. Der schmale Rest seines Gesichtes, der darüber erkennbar war, kam Indiana bekannt vor, aber er verschwendete im Moment wenig mehr als einen Gedanken darauf, sondern stand auf und trat neben einen der Mexikaner ans Fenster. Der Mann zielte durch einen schmalen Spalt in den Läden auf den Waldrand. Aber er hatte wie alle anderen aufgehört zu schießen. Die schattenhaften Gestalten, die Indiana und Joana gesehen hatten, waren verschwunden. Dort draußen rührte sich nichts mehr.

«Was um alles in der Welt geht hier vor?«fragte Indiana, drehte sich herum — und riß erstaunt die Augen auf.

Joana und der Mann im weißen Leinenanzug hatten sich erhoben, und der Fremde hatte die Hände vom Gesicht genommen, so daß Indiana nicht nur sehen konnte, daß seine Nase heftig blutete, sondern ihn auch erkannte.

«José«, rief er erstaunt.

José blickte ihn finster an, fuhr sich mit der Hand über die Nase und sah dann vorwurfsvoll auf seinen Handrücken hinab, auf dem rotes Blut glänzte.»Es freut mich, daß du mich wenigstens noch erkennst«, sagte er.»Schlägst du Leuten, die dir gerade das Leben gerettet haben, eigentlich immer zum Dank den Schädel ein?«

«Es tut mir leid«, sagte Indiana. Dann deutete er über die Schulter zurück auf das Fenster.»Was geht dort draußen vor? Was waren das für Männer?«

«Ich habe keine Ahnung«, antwortete José und zog ein Taschentuch aus der Jacke, wobei er eine Spur häßlicher roter Flek-ke auf dem weißen Stoff hinterließ.»Und bevor du fragst — das war die Antwort auf beide Fragen«, fuhr er fort, während er mit sehr wenig Erfolg versuchte, mit dem Taschentuch den Blutstrom aus seiner Nase zu stillen.

«Wie kommst du überhaupt hierher?«fragte Indiana.»Ich denke, du bist an Bord dieses Schiffes?«

«Das solltest du auch denken«, antwortete José und preßte das zusammengerollte Taschentuch so fest gegen seine Nase, daß Indiana seine Worte kaum noch verstand.»Verdammt, was tust du hier? Wir haben auch ohne dich schon genug Ärger!«

«Und du kriegst gleich noch sehr viel mehr davon«, fügte Indiana drohend hinzu,»wenn ich nicht eine Menge Antworten auf eine Menge Fragen bekomme, alter Freund.«

«Joana!«

Indiana und Swansons Tochter drehten sich gleichzeitig um. Unter einer Tür am anderen Ende des Raumes war ein grauhaariger Mann erschienen, der auf die gleiche Weise wie José gekleidet war: weißer Leinenanzug und Panamahut. Aber dazu trug er einen breiten Patronengurt, aus dessen Halftern die perlmuttbesetzten Griffe zweier langläufiger Colts ragten, hielt in der linken Hand eine Maschinenpistole und in der rechten eine Machete mit einer gut eineinhalb Meter langen Klinge. Zusammen mit seinen grauen Schläfen, dem dünnen, sorgsam gestutzten Oberlippenbart und dem durchdringenden Blick seiner Augen verlieh ihm diese martialische Aufmachung etwas von einem Pistolero, der sich im Jahrhundert geirrt hat; sehr wenig von einem Museumsdirektor. Aber das mußte er wohl sein, denn Joanas Gesicht hellte sich bei seinem Anblick schlagartig auf, und sie eilte dem Grauhaarigen mit ausgebreiteten Armen entgegen.

«Onkel Norten!«rief sie.»Gott sei Dank! Dir ist nichts passiert!«

Sie umarmte Norten so heftig, daß er wankte und um ein Haar die Machete fallen gelassen hätte. Der Museumsdirektor ließ ihre stürmische Begrüßung eine halbe Minute lang über sich ergehen, dann löste er sich mit sanfter Gewalt aus ihrer Umarmung und schob sie ein Stück weit von sich fort.»Joana?«fragte er noch einmal, während er das Mädchen mit einer Mischung aus Erleichterung und Staunen von Kopf bis Fuß musterte.»Bist du es wirklich?«Joana nickte so heftig, daß ihr kurzgeschnittenes blondes Haar flog.»Natürlich«, antwortete sie.»Erkennst du mich denn nicht?«Norten nickte zögernd.»Doch«, sagte er.»Aber du bist … groß geworden.«

«Es ist ein paar Jahre her, daß wir uns gesehen haben«, erwiderte Joana.

Norten blickte sie noch einen Moment lang an, dann wandte er seine Aufmerksamkeit Indiana zu.»Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?«

«Mein Name ist Jones«, antwortete Indiana. Sein Blick wanderte verwirrt zwischen Norten, José und den bewaffneten Männern am Fenster hin und her.

«Jones? Dr. Indiana Jones?«

«Das ist richtig«, antwortete Indiana.»Sie kennen mich?«

«Greg hat sehr viel von Ihnen erzählt«, antwortete Norten. Aber er zögerte eine halbe Sekunde, bevor er es tat, und etwas im Klang seiner Stimme verriet Indiana, daß Swanson offensichtlich nicht der einzige gewesen war, aus dessen Mund Norten seinen Namen gehört hatte. Und daß sich seine Begeisterung, ihn hier zu sehen, in Grenzen hielt — vorsichtig ausgedrückt.

«Was geht hier vor?«fragte er.»Was sind das für Männer dort draußen? Wieso … belagern sie Ihre Ranch?«

«Hacienda«, antwortete Norten geistesabwesend.»Man nennt es Hacienda hier auf Kuba, Dr. Jones. Und um Ihre Frage zu beantworten: Ich weiß es nicht. Sie tauchten gestern in aller Frühe auf und fingen an, auf alles zu schießen, was sich bewegte. Und seither sitzen wir hier fest.«

«Gestern morgen?«Indiana warf einen zweifelnden Blick in Josés Richtung.

«Eine Stunde, nachdem wir angekommen sind«, sagte José, und Indiana spürte, daß auch das eine Lüge war. Aber bevor er weiter darauf eingehen konnte, drehte sich José um und ging auf die Treppe zu.

«José!«rief Indiana.»Bleib gefälligst hier. Wir sind noch nicht fertig miteinander.«

José blieb tatsächlich stehen, drehte sich aber nicht um, sondern warf ihm nur einen zornigen Blick über die Schulter hinweg zu.»Ich beantworte dir deine blöden Fragen ja«, maulte er.»Aber vielleicht gestattest du, daß ich mich erst einmal um meine Verletzung kümmere. Es sei denn, du bestehst darauf, daß ich verblute. Dann könnte ich dir allerdings nicht mehr allzu viele Fragen beantworten.«

Indiana schluckte die ärgerliche Bemerkung hinunter, die ihm auf der Zunge lag, schickte José noch einen bösen Blick hinterher und folgte Joana und ihrem Onkel in den weitläufigen Wohnraum, der sich an die Halle anschloß. Auch hier drinnen herrschte ein schattiges Halbdunkel, denn vor sämtlichen Fenstern waren die Läden vorgelegt. Ein weißgekleideter Mexikaner und ein hünenhafter Schwarzer, der nur eine verschossene alte Armeehose trug, standen davor und spähten aufmerksam hinaus.

Norten legte die Machete und seine Maschinenpistole achtlos auf einen kleinen Tisch neben der Tür, wies auf eine Sitzgruppe und steuerte selbst eine Ecke neben dem Kamin an, in der sich eine Bar im spanischen Stil befand.»Nehmen Sie Platz, Dr. Jones«, sagte er.»Ich denke, nach dem Schrecken können Sie einen kräftigen Schluck gebrauchen.«

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