Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Meister al'Vere?« sagte Rand. »Es ist mein Vater.«
Der Kopf des Bürgermeisters fuhr hoch. »Rand? Tam?« Er warf die Feder auf den Tisch und sprang so schnell auf, daß er den Stuhl umstieß. »Vielleicht hat uns das Licht doch nicht ganz verlassen. Ich fürchtete, ihr wäret beide tot. Bela galoppierte eine Stunde, nachdem die Trollocs weg waren, ins Dorf, schaumbedeckt und schnaufend, als sei sie den ganzen Weg vom Hof hierher so galoppiert, und ich dachte... Keine Zeit jetzt. Wir bringen ihn hinauf.« Er packte das Ende der Bahre und schob den Gaukler mit der Schulter zur Seite. »Ihr holt die Seherin, Meister Merrilin. Und sagt ihr, ich habe Euch aufgetragen, sie ganz schnell zu holen! Sei beruhigt, Rand. Du kommst bald in ein gutes, weiches Bett. Geht, Gaukler, geht schon!«
Thom Merrilin verschwand durch die Tür, bevor Rand etwas sagen konnte. »Nynaeve hat nichts getan. Sie sagt, sie könne ihm nicht helfen. Ich wußte... Ich hoffte, Ihr hättet eine Idee.«
Meister al'Vere sah Rand scharf an und schüttelte dann den Kopf. »Wir werden sehen, Junge. Wir werden sehen.« Aber er hörte sich nicht mehr so selbstbewußt an. »Bringen wir ihn zu Bett. Zumindest kann er dort angenehmer liegen.«
Rand ließ sich auf die Treppe am Ende des Schankraums zuschieben. Er bemühte sich sehr, die Hoffnung zu bewahren, daß Tam wieder gesund würde, aber er hatte sich damit von Anfang an auf dünnem Eis bewegt, das erkannte er jetzt, und die plötzlichen Zweifel in der Stimme des Bürgermeisters erschütterten ihn vollends.
Im zweiten Stock der Schenke befand sich ein halbes Dutzend sauberer, gut eingerichteter Zimmer mit Blick auf das Grün. Sie wurden meist von den Händlern oder von Leuten aus Wachhügel oder Devenritt benutzt, und die Kaufleute, die jedes Jahr kamen, waren oft überrascht, hier solch gemütliche Zimmer vorzufinden. Drei davon waren belegt, und der Bürgermeister drängte Rand zu einem der leerstehenden Räume.
Schnell wurden der Bettüberwurf und die Decke auf dem breiten Bett zurückgezogen, und Tam wurde auf die dicke Federmatratze gelegt. Ein Gänsedaunenkissen kam unter seinen Kopf. Er gab keinen Laut von sich, als er umgebettet wurde, außer seinem heiseren Atmen — nicht einmal ein Stöhnen -, aber der Bürgermeister tat Rands Ängste mit einer Handbewegung ab und trug ihm auf, Feuer zu machen, um die Kälte aus dem Raum zu vertreiben. Während Rand Holz und Zunder aus der Kiste neben dem Kamin nahm, zog Bran die Vorhänge zurück und ließ das Morgenlicht herein. Dann wusch er sanft Tams Gesicht. Als der Gaukler zurückkehrte, erwärmte das lodernde Feuer im Kamin bereits den Raum.
»Sie kommt nicht«, verkündete Thom Merrilin, als er in das Zimmer stolzierte. Er sah Rand böse an. Seine buschigen weißen Brauen zogen sich zusammen. »Du hast mir nicht gesagt, daß sie ihn schon gesehen hat. Sie hat mir fast den Kopf abgerissen.«
»Ich dachte... Ich weiß nicht... Vielleicht konnte der Bürgermeister etwas ausrichten, ihr möglicherweise klarmachen... « Die Hände zu zitternden Fäusten geballt, wandte sich Rand vom Kamin ab und Bran zu. »Meister al'Vere, was kann ich tun?« Der füllige Mann schüttelte hilflos den Kopf. Er legte ein frisch befeuchtetes Tuch auf Tams Stirn und vermied es, Rand in die Augen zu sehen. »Ich kann nicht einfach zuschauen, wie er stirbt, Meister al'Vere! Ich muß etwas tun.« Der Gaukler machte eine Bewegung, als wolle er etwas sagen. Rand ging eifrig darauf ein. »Habt Ihr eine Idee? Ich versuche alles!«
»Ich habe mich nur gefragt«, sagte Thom und stopfte die langstielige Pfeife mit seinem Daumen, »ob der Bürgermeister weiß, wer den Drachenzahn an seine Tür gekritzelt hat.« Er starrte in den Pfeifenkopf, sah dann Tam an und steckte die Pfeife zwischen die Zähne, ohne sie anzuzünden. Er seufzte. »Jemand scheint ihn nicht mehr leiden zu können. Oder vielleicht kann dieser Jemand seine Gäste nicht leiden.«
Rand sah ihn enttäuscht an und wandte sich ab, um ins Feuer zu starren. Seine Gedanken tanzten wie die Flammen, und wie die Flammen drehten sie sich immer nur um eines. Er würde nicht aufgeben. Er konnte nicht einfach nur herumstehen und zuschauen, wie Tam starb. Mein Vater, dachte er grimmig. Mein Vater. Wenn das Fieber einmal unterdrückt war, konnte man das auch noch aufklären. Aber zuerst das Fieber. Nur — wie?
Bran al'Veres Mund verzog sich, als er auf Rands Rücken blickte, und der Blick, den er dem Gaukler zuwarf, hätte gereicht, um einen Bären zurückschrecken zu lassen. Aber Thom sah ihn nur erwartungsvoll an, als habe er nichts bemerkt.
»Vielleicht hat das einer der Congars getan oder ein Coplin«, sagte der Bürgermeister schließlich, »nur das Licht allein weiß, wer. Das ist eine große Brut, und wenn die jemandem etwas Übles nachsagen können oder auch nicht, dann tun sie es. Im Gegensatz zu denen redet Cenn Buie, als hätte er Honig auf der Zunge.«
»Die Wagenkolonne, die kurz vor Sonnenaufgang ankam«, meinte der Gaukler. »Die hatten noch nicht einmal einen Trolloc aus der Ferne gerochen und wollten nur wissen, wann das Fest anfange. Als ob die nicht sehen konnten, daß das halbe Dorf niedergebrannt war.«
Meister al'Vere nickte erbittert. »Ein Zweig der Familie. Aber der Rest ist auch nicht viel besser. Dieser Narr Darl Coplin verbrachte die halbe Nacht damit, von mir zu verlangen, ich solle Moiraine und Meister Lan aus dem Dorf weisen, als ob ohne sie überhaupt noch ein Dorf hier stünde.«
Rand war der Unterhaltung ohne besondere Aufmerksamkeit gefolgt, aber die letzte Bemerkung reizte ihn zu einer Frage. »Was haben sie getan?«
»Also, sie hat aus klarem Himmel einen Kugelblitz herabgerufen«, erwiderte Meister al'Vere. »Hat ihn direkt in die Trollocs hineinzischen lassen. Der kann Bäume zerschmettern. Den Trollocs ging es nicht anders.«
»Moiraine?« fragte Rand ungläubig, und der Bürgermeister nickte.
»Frau Moiraine. Und Meister Lan gebrauchte sein Schwert wie einen Wirbelwind. Sein Schwert? Der ganze Mann ist eine Waffe und schien sich an zehn Orten gleichzeitig aufzuhalten. Versengen soll mich das Licht, aber ich würde es immer noch nicht glauben, wenn ich nicht rausgegangen wäre und gesehen hätte... « Er rieb sich mit der Hand über die kahle Kopfhaut. »Die Winternachtbesuche fangen gerade an, wir haben die Hände voll von Geschenken und Honigkuchen und die Köpfe voll Wein, und dann knurren die Hunde, und plötzlich rasen die beiden aus der Schenke, rennen durch das Dorf und schreien etwas von Trollocs. Ich dachte, sie hätten zuviel getrunken. Schließlich — Trollocs? Und dann, bevor irgend jemand wußte, was eigentlich geschah, waren diese — Dinger plötzlich neben uns auf den Straßen, hieben mit ihren Schwertern nach Menschen, warfen Fackeln in Häuser und heulten, daß einem das Blut gefrieren konnte.« Er stieß einen Laut des Ekels aus. »Wir rannten herum wie Hühner, wenn der Fuchs auf dem Hühnerhof ist, bis Meister Lan uns dazu brachte, uns zu wehren.«
»Kein Grund, so hart mit Euch selbst ins Gericht zu gehen«, sagte Thom. »Ihr habt Euch wacker geschlagen. Nicht jeder Trolloc, der jetzt dort draußen liegt, ist von den Händen der beiden gefallen.«
»Mmmm... ja, stimmt schon.« Meister al'Vere nahm sich sichtlich zusammen. »Ich kann es trotzdem kaum glauben. Eine Aes Sedai in Emondsfeld. Und Meister Lan ist ein Behüter.«
»Eine Aes Sedai?« flüsterte Rand. »Das kann nicht sein. Ich habe mit ihr gesprochen. Sie ist keine... Sie scheint nicht... «
»Glaubst du, sie tragen Abzeichen?« fragte der Bürgermeister sarkastisch. »Aes Sedai vielleicht, und zwar quer über den Rücken gemalt? Und vielleicht noch ›Gefahr. Wegbleiben!‹« Plötzlich klatschte er sich gegen die Stirn. »Aes Sedai. Ich bin ein alter Narr und gebrauche meinen Verstand nicht mehr. Es gibt eine Möglichkeit, Rand, falls du sie wahrnehmen willst. Ich kann es dir nicht befehlen, und wenn es um mich ginge, weiß ich nicht, ob ich mich trauen würde.«