Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Der Kommandant war ein anständiger Mensch, trotz allem, was die hochrangigen Mitglieder der Ritterschaft Huma über Ergod erzählt hatten. Avontal war auch ein glänzender Stratege, der seine Fähigkeiten allerdings lieber zum Besten seines Landes verwendet hätte. Der Kaiser von Ergod, eine unscheinbare Figur namens Bestell der Dritte, hatte verfügt, daß Fürst Avontal in seinem Namen die Armeen anführen sollte. Der Adlige war zwar ein absolut loyaler Diener seines Landes, wünschte jedoch, daß sein Herr und Meister wenigstens ein paar seiner bestens trainierten, erfahrenen Leibwachen entbehren könnte, um damit die Lücken in den bereits deutlich gelichteten Reihen des Heeres zu schließen. Wie seine Vorgänger war Bestell der Dritte jedoch mehr um sein eigenes Wohlergehen besorgt. Es gab immer irgendeinen Grund, der ihn davon abhielt, seine Leibwache weiter als bis zu den Toren der Hauptstadt auszusenden.
Die Nachricht von der Niederlage der Ritterschaft war nicht dazu angetan, Fürst Avontals wachsende Sorgen zu lindern. »Es fällt mir immer noch schwer, mich daran zu gewöhnen, aber ich weiß, daß du die Wahrheit sagst, Huma. Im Augenblick sehe ich keine Möglichkeit, dich zu deinen Gefährten zurückzubringen. Wir reiten nach Daltigod, auf Befehl des Kaisers, und werden uns danach höchstwahrscheinlich wieder gen Norden wenden. Ich komme mir vor wie eine Marionette, deren Fäden rauf und runter gezogen werden.«
Huma saß allein mit ihm im Zelt des Befehlshabers. Es war das erste Mal, daß der Ritter sein Zelt hatte verlassen dürfen. Man hatte ihn mit einer ansehnlichen ergodianischen Rüstung ausgestattet, die Avontal eigentlich seinem Sohn zugedacht hatte, bevor dieser in seiner ersten Schlacht gefallen war. Das schwere Kettenhemd ergänzte sich gut mit den Überresten von Humas Rüstung. Den Schaden an Helm und Brustharnisch hatte man ausbessern können, wofür Huma dankbar war. Sosehr er die Handwerkskunst der ergodianischen Rüstungsschmiede schätzte, vieles daran war selbst für den edelsten Ritter von Solamnia zu protzig. Avontal hatte ihm anvertraut, daß er seinen Prunkharnisch nur trug, wenn er vor dem Kaiser erscheinen mußte. Bei anderen Würdenträgern mußte seine Kampfrüstung genügen, auch wenn sie das vor den Kopf stieß.
Bis auf seine kaum lösbare Aufgabe hatte Huma ihm alles erzählt. »Kann ich freies Geleit durch Ergod bekommen?«
»Wir sind mitten im Krieg, Huma. Wie kann ich dir gestatten, frei herumzuziehen?«
Huma trank einen Schluck von dem Wein, den Avontal ihm eingeschenkt hatte. Es kam ihm komisch vor, daß ein Adliger einen einfachen, solamnischen Ritter so respektvoll behandelte. Doch der Ergodianer war nicht dumm. Er wußte, daß kaum ein anderer Mann Humas Abenteuer überlebt hätte. Deshalb behandelte er Huma dementsprechend.
»Offen gestanden…« Huma warf einen Blick auf die Wachen vor dem Zelt.
Seufzend fuhr der Ritter fort: »Es gibt ein Gerücht, daß irgendwo südwestlich von hier ein Schlüssel zum Ende dieses ewigen Kriegs liegt. Irgendwo in einem Gebirgszug.«
Avontal nahm den Faden auf. »Es gibt ein Gebirge in der Richtung. Kaum jemand geht dorthin. Es ist als Schlupfloch der Drachen der Finsternis – und sonst welcher anderen Dinge – verschrien. In der Gegend könnte es wirklich etwas Wichtiges geben.«
Augenblicklich war Huma Feuer und Flamme. »Könnt ihr mich dorthin begleiten?«
Der Kommandant lachte. »Ich fürchte, dann macht mich der Kaiser einen Kopf kürzer. Außerdem ist es kein geeignetes Gelände für Kavallerie. Es sind Patrouillen in diese Berge geritten und verschwunden. Die Zauberer weigern sich, dorthin zu gehen, und alle Kleriker warnen davor. Hast du jetzt eine Vorstellung davon, worum du bittest?«
»Ja, Herr.« Huma sank in sich zusammen und stützte den Kopf auf die Arme. Es war plötzlich sehr warm im Zelt.
»Ja. Einen Moment, bitte.« Huma wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der Fieberanfall ebbte ab.
Fürst Avontal sah ihn besorgt an. »Vielleicht sollten wir unser Gespräch lieber morgen fortsetzen.«
»Das wäre besser, Herr.«
»Der sehe ich.« Der Adlige rieb sich das Kinn. »Komm mit nach Kargod, dann werde ich mich darum kümmern, daß du allein in die Berge ziehen kannst, wenn du es dann noch willst.«
»Kargod?« Die Hitze ließ vor Humas Augen alles verschwimmen. Es fiel ihm schwer, den Blick des Kommandanten zu erwidern.
»Ja, Kargod. Die Kleriker werden uns um die Pestbezirke herumlotsen. Was hältst du davon?«
»Danke.« Huma stand rasch auf, woraufhin sich alles zu drehen begann. Er hatte nur noch den Wunsch, sich hinzulegen. Noch immer hatte er nicht viel von seiner normalen Kraft zurückgewonnen. »Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest?«
»Selbstverständlich.« Guido Avontal sah den solamnischen Ritter davoneilen. Besorgt runzelte er die Stirn, trank einen Schluck Wein und starrte dann in sein Glas.
Bevor sie in den Dienst des Kaisers gepreßt worden waren, waren die meisten Soldaten Fürst Avontals einfache Händler und Bauern gewesen. Daher kannten sie die Ritter von Solamnia fast nur aus Legenden. Jetzt reiste eine solche Legende in ihrer Mitte, und die Geschichten von seinen Abenteuern – die wahren und die erfundenen – machten im Lager bereits die Runde. Huma empfand fast ebensoviel Scheu wie die Ergodianer, denn er betrachtete sich selbst nicht als Legende, und das Angestarrtwerden war ihm eher peinlich.
Die meisten Geschichten rankten sich lose um die Verfolgungsjagd und seinen berserkerhaften Kampf gegen die schwarzgerüsteten Handlanger des Kriegsherrn. Angeblich hatte er eine ganze Legion erschlagen, dazu eine Riesenmeute der dämonischen Schreckenswölfe, welche die Männer, die ihre Familie zur Zeit weit weg und ohne Schutz wußten, sehr fürchteten. Huma fand es verwirrend, daß Menschen aus Ergod, von wo seine Ritterschaft gewaltsam vertrieben worden war, ihn als Held betrachteten.
Avontal schien das zu amüsieren. Als Huma protestierte, weil die Geschichten reine Phantasieprodukte wurden, lächelte er nur und entgegnete, daß das die größte Herausforderung für jeden Sagenheld sei: seinem eigenen Ruf gerecht zu werden. »Sie brauchen ihre Helden. Es gibt ihnen Hoffnung. Hoffnung, daß Takhisis’ Finsternis irgendwie zu besiegen ist und sie zu ihren Lieben zurückkehren können.«
Gelegentlich kamen Drachen mit Nachrichten vom Krieg vorbei. Das nördliche Ergod und Hylo waren überrannt worden. Huma wurde nervös. Er fragte sich, ob Kaz weiter nach Norden geritten oder ob er gen Süden gereist war, um Huma zu suchen. Selbst wenn letzteres zutraf, würde ein Minotaurus in keiner Stadt des Landes willkommen sein. Huma sorgte sich nicht nur um Kaz – der kampferprobte Mann aus dem Osten würde sein Bestes geben, um nicht allein zu sterben.
Huma fragte nach Neuigkeiten aus Solamnia, doch die eintreffenden Drachen wußten nicht, was dort vor sich ging. Es gab Gerüchte, daß die Ritter schon halb zur Burg Vingaard zurückgedrängt waren. Über den Osten war nichts Zuverlässiges zu erfahren.
Sie lagerten zwei Tagesmärsche von Kargod entfernt vor den Ruinen einer einst blühenden Stadt. Die Stadt war zu Beginn des Krieges der Pest zum Opfer gefallen, und manche Leute glaubten, die neuste Welle sei von diesen Ruinen ausgegangen. Avontal war da anderer Ansicht.
»Du erinnerst dich sicher«, erklärte er Huma am gleichen Abend, »daß ich erwähnt habe, wie wählerisch mir die Pest vorkommt.«
»Allerdings.«
Der Adlige trommelte mit den Fingern auf dem Tisch in seinem Zelt. »Ich glaube, daß sie so wählerisch ist, weil sie gezielt von menschlichen Agenten ausgestreut wird.«
Huma wollte nicht glauben, daß jemand absichtlich Krankheiten verbreiten würde, doch er hatte schon vom Morgionkult gehört. Es hieß, daß dieser Kult in allen Schichten, allen Ländern und allen Organisationen seine Agenten hatte, die auf Kommando die tödlichen Gaben ihres Gottes freisetzten.