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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Die Vögel draußen in den Bäumen stimmten jetzt ihr Konzert an; nach dem unablässigen Krächzen der Möwen und Seeschwalben, das das Hintergrundgeräusch des Lebens auf der Cruizer bildete, war dies ein angenehmer Klang, eine vertraute Unterhaltung, die in mir plötzlich die Sehnsucht nach Fraser’s Ridge weckte. Ich verstand Jamies drängenden Wunsch, nach Hause zu kommen – trotz des Wissens, dass das, was wir dort vorfinden würden, nicht dasselbe Leben wie vor unserer Abreise sein würde. Die Christies würden zum Beispiel nicht mehr da sein.

Ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt, Jamie nach den Einzelheiten meiner Rettung auszufragen; kurz vor Sonnenuntergang hatte man mich endlich an Land gebracht, und wir waren sofort losgeritten, weil Jamie so viel Abstand wie möglich zwischen mich und Gouverneur Martin bringen wollte – und vermutlich Tom Christie.

»Jamie«, sagte ich leise und atmete warm in sein Hemd. »Hast du ihn dazu gebracht, es zu tun? Tom?«

»Nein.« Seine Stimme war ebenfalls leise. »Er ist in Fergus’ Druckerei gekommen, einen Tag, nachdem du den Palast verlassen hattest. Er hatte davon gehört, dass das Gefängnis abgebrannt war –«

Ich setzte mich erschrocken im Bett auf.

»Was? Das Haus von Sheriff Tolliver? Das hat mir ja niemand erzählt.«

Er drehte sich auf den Rücken und sah zu mir auf.

»Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand, mit dem du dich in den letzten ein oder zwei Wochen unterhalten hast, davon wusste«, sagte er nachsichtig. »Es ist niemand dabei umgekommen, Sassenach – ich habe gefragt.«

»Bist du sicher?«, fragte ich und dachte beklommen an Sadie Ferguson. »Wie ist es denn passiert? Ein Pöbel?«

»Nein«, sagte er und gähnte. »Nach dem, was ich gehört habe, hat sich Mrs. Tolliver sinnlos betrunken, hat am Waschtag ihr Feuer zu kräftig gestocht, sich in den Schatten gelegt und ist eingeschlafen. Der Holzhaufen ist eingestürzt, die Funken haben das Gras in Brand gesetzt, es ist auf das Haus übergesprungen und …« Er tat den Rest mit einer Handbewegung ab. »Aber der Nachbar hat den Rauch gerochen und ist rechtzeitig hinübergelaufen, um Mrs. Tolliver und das Kind in Sicherheit zu bringen. Sonst war niemand im Haus, sagt er.«

»Oh. Nun dann …« Ich ließ mich von ihm überreden, mich wieder hinzulegen, so dass mein Kopf an seiner Schulter ruhte. Ich konnte mich bei ihm nicht fremd fühlen, nicht, nachdem ich die Nacht dicht an ihn gepresst in dem schmalen Bett verbracht hatte, wo sich jeder noch der kleinsten Bewegung des anderen bewusst war. Doch ich war mir seiner sehr bewusst.

Und er sich meiner; er hatte den Arm um mich gelegt, und seine Finger erkundeten unbewusst meinen Rücken und lasen mich wie Blindenschrift, während wir uns unterhielten.

»Nun denn, Tom. L’Oignon war ihm natürlich bekannt, also ist er dort hingegangen, als er herausfand, dass du aus dem Gefängnis verschwunden warst. Zu diesem Zeitpunkt warst du natürlich auch schon aus dem Palast fort – es hatte ihn einige Zeit gekostet, sich von Richard Brown zu trennen, ohne Verdacht zu erregen. Doch er hat uns dort gefunden und mir gesagt, was er vorhatte.« Seine Finger streichelten meinen Nacken, dessen Verspannung sich jetzt zu lösen begann. »Ich habe ihn gebeten zu warten; ich wollte erst selbst versuchen, dich zurückzubekommen – aber wenn es mir nicht gelang …«

»Dann weißt du also, dass er es nicht getan hat.« Dies war keine Frage. »Hat er dir gesagt, dass er es war?«

»Er hat nur gesagt, dass er sich still verhalten hat, solange noch eine Chance bestand, dass du vor Gericht gestellt und freigesprochen wurdest – aber hätte er je das Gefühl gehabt, dass du dich in unmittelbarer Gefahr befindest, hätte er sich sofort zu Wort gemeldet; daher hat er auch darauf bestanden, uns zu begleiten. Ich, äh, wollte ihm keine Fragen stellen«, sagte er vorsichtig.

»Aber er hat es doch nicht getan«, beharrte ich. »Jamie, du weißt, dass er es nicht getan hat!«

Ich spürte, wie sich seine Brust unter mir hob, als er einatmete.

»Ich weiß«, sagte er leise.

Wir schwiegen eine Weile. Draußen erscholl plötzlich ein gedämpftes Rattern, und ich fuhr zusammen – doch es war nur ein Specht, der im wurmverseuchten Holz des Wirtshauses Insekten suchte.

»Glaubst du, sie werden ihn hängen?«, fragte ich schließlich und blickte zu den geborstenen Deckenbalken auf.

»Davon gehe ich aus, aye.« Seine Finger hatten ihre halb unbewusste Wanderung wieder aufgenommen und strichen mir die Haarsträhnen hinter das Ohr. Ich lag still und lauschte dem langsamen Schlagen seines Herzens. Ich hätte die nächste Frage lieber nicht gestellt. Aber ich musste es tun.

»Jamie – sag mir, dass er es nicht – dass er dieses Geständnis nicht für mich gemacht hat. Bitte.« Das würde ich, so glaubte ich, nicht ertragen können, nicht nach allem anderen, was geschehen war.

Seine Finger kamen zur Ruhe, berührten sacht mein Ohr.

»Er liebt dich. Das weißt du, aye?« Er sprach sehr leise. Ich hörte den Widerhall in seiner Brust genauso laut wie die Worte selbst.

»Das hat er mir gesagt.« Es schnürte mir die Kehle zu, mich an diesen unverhüllten grauen Blick zu erinnern. Tom Christie war ein Mensch, der sagte, was er meinte, und der meinte, was er sagte – ein Mensch wie Jamie, zumindest in dieser Hinsicht.

Jamie schwieg eine scheinbar endlose Zeit. Dann seufzte er und wandte den Kopf, so dass seine Wange an meinem Haar ruhte; ich hörte das leise Kratzen seines Backenbartes.

»Sassenach – ich hätte es genauso gemacht und mein Leben gut investiert geglaubt, wenn es dich gerettet hätte. Wenn er genauso empfindet, dann war es kein Unrecht, dir von ihm das Leben schenken zu lassen.«

»Oje«, sagte ich. »Oje.« Ich wollte an nichts davon denken – nicht an Toms klare graue Augen und die Rufe der Möwen, nicht an die Furchen des Leids, die sein Gesicht in Stücke schnitten, nicht an das, was er durchgemacht hatte, seinen Verlust, seine Schuldgefühle, seinen Argwohn – seine Angst. Genauso wenig wollte ich an Malva denken, die arglos diesem Tod im Gemüsebeet entgegenging, während ihr Sohn friedvoll und schwer in ihrem Bauch ruhte. Oder an das dunkle Blut, das in rostigen Pfützen und Spritzern inmitten des Weinlaubs trocknete.

Vor allem wollte ich nicht daran denken, dass ich eine Rolle in dieser Tragödie gespielt hatte – doch es war nun einmal so.

Ich schluckte krampfhaft.

»Jamie – lässt sich das je wieder gutmachen?«

Er hielt jetzt meine Hand in seiner anderen Hand und strich sanft mit dem Daumen an der Unterseite meiner Finger hin und her.

»Das Mädchen ist tot, mo chridhe

Ich schloss meine Hand um seinen Daumen, und die Bewegung hörte auf.

»Ja, und jemand hat sie umgebracht – und es war nicht Tom. O Gott, Jamie – wer? Wer ist es gewesen?«

»Ich weiß es nicht«, sagte er, und tiefe Traurigkeit erfüllte seine Augen. »Sie war gierig nach Liebe, glaube ich – und sie hat sie sich genommen. Aber sie hat nicht gewusst, wie man sie erwidert.«

Ich holte tief Luft und sprach die Frage aus, die seit dem Mord zwischen uns in der Luft gehangen hatte.

»Du glaubst nicht, dass es Ian war?«

Fast hätte er gelächelt.

»Wenn er es gewesen wäre, a nighean, dann wüssten wir es. Ian könnte zwar jemanden töten, aber er würde es nicht fertigbringen, dich oder mich dafür leiden zu lassen.«

Ich seufzte und bewegte meine Schultern, um den Knoten dazwischen zu lösen. Er hatte recht, und ich war beruhigt, was Ian anging – und bekam ein noch schlechteres Gewissen, was Tom Christie anging.

»Der Mann, der ihr Kind gezeugt hat – wenn es nicht Ian war, und ich hoffe, dass er es nicht war –, oder jemand, der sie begehrt und aus Eifersucht umgebracht hat, als er herausfand, dass sie schwanger war –«

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