Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Man beschuldigt sie, doch die Anklage ist gegenstandslos. Auch wenn Ihr sie erst so kurz kennt, habt Ihr doch sicher schon Eure Schlüsse in Bezug auf ihren Charakter gezogen?« Ohne eine Antwort darauf abzuwarten, fuhr er fort.
»Als man uns beschuldigte, haben wir keinen Widerstand geleistet gegen den Versuch, meine Frau – und mich, denn dieselbe Anklage wurde auch gegen mich erhoben – vor Gericht zu bringen. Welch besseren Beweis kann es geben, dass wir so sehr von ihrer Unschuld überzeugt sind, dass wir einen schnellen Prozess wünschten, um diese offiziell festzustellen?«
Der Gouverneur hatte die Augen zusammengekniffen und schien intensiv nachzudenken.
»Euren Argumenten fehlt es nicht an Überzeugungskraft, Sir«, sagte er schließlich im Tonfall formeller Höflichkeit. »Allerdings habe ich es so verstanden, dass das Verbrechen, dessen Eure Frau beschuldigt wird, höchst grauenvoll gewesen ist. Wenn ich sie freigebe, wird dies unweigerlich einen öffentlichen Aufschrei nach sich ziehen – und ich habe wirklich genug von öffentlicher Unruhe«, fügte er mit einem trostlosen Blick auf Jamies angesengte Rockärmel hinzu.
Jamie holte tief Luft und unternahm einen neuen Anlauf.
»Ich verstehe Eure Zurückhaltung sehr wohl, Eure Exzellenz«, sagte er. »Vielleicht könnte ich Euch eine … Garantie anbieten, um diese zu überwinden?«
Martin setzte sich kerzengerade hin und schob sein fliehendes Kinn vor.
»Was schlagt Ihr da vor, Sir? Besitzt Ihr etwa die Impertinenz, die – die – unaussprechliche Dreistigkeit, mich bestechen zu wollen?« Er ließ beide Hände auf den Tisch niedersausen und richtete seinen funkelnden Blick von mir auf Jamie und wieder zurück. »Gottverdammt, ich sollte Euch beide hängen, und zwar hier und jetzt!«
»Bravo, Mr. Allnut«, murmelte ich Jamie zu. »Verheiratet sind wir ja wenigstens schon.«
»Oh, ah«, erwiderte er und warf mir einen kurzen, verständnislosen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Gouverneur richtete, der immer noch vor sich hin brummte. »Sollen sie an der Rah baumeln … die unglaubliche Unverschämtheit dieser Menschen!«
»Ich habe nichts dergleichen vor, Sir.« Jamies Stimme war gefasst, sein Blick direkt. »Was ich Euch anbiete, ist eine Kaution als Rückversicherung, dass meine Frau vor Gericht erscheinen wird, um sich für die gegen sie erhobenen Vorwürfe zu verantworten. Wenn sie dort erscheint, geht die Kaution wieder in meinen Besitz über.«
Bevor der Gouverneur darauf antworten konnte, griff er in seine Tasche und zog etwas Kleines, Dunkles hervor, das er auf den Tisch legte. Der schwarze Diamant.
Dieser Anblick verschlug Martin die Sprache. Er kniff die Augen zu, und sein Gesicht wurde so ausdruckslos, dass es schon fast komisch war. Er rieb sich nachdenklich die Oberlippe.
Da ich inzwischen einiges von der Privatkorrespondenz und der Buchführung des Gouverneurs gesehen hatte, war mir sehr wohl bewusst, dass er kaum über private Mittel verfügte und gezwungen war, weit über die Verhältnisse seines bescheidenen Einkommens zu leben, um den Anschein dessen zu wahren, was sich für einen Königlichen Gouverneur gebührte.
Dem Gouverneur dagegen war sehr wohl bewusst, dass es inmitten der gegenwärtigen Unruhen sehr unwahrscheinlich war, dass mir in nächster Zeit der Prozess gemacht wurde. Es konnte Monate – möglicherweise sogar Jahre – dauern, bis das Gerichtssystem wieder normal funktionierte. Und so lange würde er den Diamanten haben. Er konnte ihn zwar als Ehrenmann nicht einfach verkaufen – doch er konnte mit Sicherheit einen beträchtlichen Kredit darauf aufnehmen und durchaus davon ausgehen, dass er ihn später zurückzahlen konnte.
Ich sah, wie seine Augen zu den Rußflecken auf Jamies Rock huschten und sich spekulierend verengten. Es war ebenfalls gut möglich, dass Jamie umkam oder man ihn wegen Hochverrats verhaftete – und ich sah, wie ihm der Impuls, genau dies zu tun, kurz durch den Kopf schoss –, was den Diamanten zwar ins legale Niemandsland befördern würde, doch er würde sich unweigerlich in Martins Besitz befinden. Ich musste mich zwingen, weiterzuatmen.
Doch er war nicht dumm, Martin – und käuflich war er auch nicht. Mit einem kleinen Seufzer schob er Jamie den Stein wieder hin.
»Nein, Sir«, sagte er, doch die Entrüstung war aus seiner Stimme verschwunden. »Ich werde diese Kaution für Eure Frau nicht annehmen. Doch die Idee einer Garantie …« Sein Blick wanderte zu dem Papierstapel auf seinem Schreibtisch und kehrte dann zu Jamie zurück.
»Ich mache Euch einen Vorschlag, Sir«, sagte er abrupt. »Ich habe eine Operation in Gang gebracht, durch die ich hoffe, eine beachtliche Truppe der schottischen Highlander zusammenzustellen, die aus dem Hinterland zur Küste marschieren und dort auf die Truppen treffen werden, die England mir schickt. Unterwegs werden sie die Kolonie im Namen des Königs zur Ruhe bringen.«
Er hielt inne, um Luft zu holen, und beobachtete Jamie scharf, um zu sehen, welche Wirkung diese Worte zeigten. Ich stand dicht hinter Jamie und konnte sein Gesicht nicht sehen, doch das brauchte ich auch nicht. Brianna nannte es scherzhaft sein Pokerface, und niemand, der ihn ansah, konnte sagen, ob er vier Asse in der Hand hatte, ein Full House oder nur zwei Dreien. Ich persönlich setzte auf die zwei Dreien – doch Martin kannte ihn nicht annähernd so gut wie ich.
»Vor einiger Zeit sind General Hugh MacDonald und ein gewisser Oberst Donald McLeod in die Kolonie gekommen und sind seitdem unterwegs, um unsere Anhänger zu mobilisieren – mit erfreulichem Ergebnis, muss ich sagen.« Er trommelte kurz mit den Fingern auf die Briefe, dann hielt er abrupt inne und beugte sich vor.
»Mein Vorschlag, Sir, lautet folgendermaßen: Ihr werdet ins Hinterland zurückkehren und so viele Männer um Euch scharen, wie Ihr könnt. Dann werdet Ihr bei General MacDonald vorstellig werden und Euch mit Euren Truppen seinem Feldzug anschließen. Wenn ich von MacDonald höre, dass Ihr mit, sagen wir, zweihundert Mann eingetroffen seid – dann, Sir, werde ich Euch Eure Frau überlassen.«
Mein Puls raste, genau wie Jamies; ich konnte ihn in seinem Hals hämmern sehen. Definitiv nur Dreien. Offenbar hatte MacDonald dem Gouverneur nicht erzählt, wie weit verbreitet und feindselig die Reaktionen auf Malva Christies Tod gewesen waren – oder er hatte es nicht gewusst. Es gab immer noch Männer in Fraser’s Ridge, die Jamie folgen würden, dessen war ich mir sicher – doch viel mehr, die es nicht tun würden oder nur dann, wenn er sich von mir lossagte.
Ich versuchte, logisch über die Situation nachzudenken, um mich von der erdrückenden Enttäuschung über die Erkenntnis abzulenken, dass der Gouverneur mich nicht gehen lassen würde. Jamie musste ohne mich gehen, mich hierlassen. Einen überwältigenden Moment lang glaubte ich, es nicht ertragen zu können; ich würde wahnsinnig werden und schreiend über den Tisch springen, um Josiah Martin die Augen auszukratzen.
Er blickte auf, sah meine Miene und fuhr so heftig zurück, dass er sich halb von seinem Stuhl erhob.
Jamie griff hinter sich und packte mich fest am Unterarm.
»Ganz ruhig, a nighean«, sagte er leise.
Ich hatte die Luft angehalten, ohne es zu merken. Jetzt atmete ich keuchend aus und zwang mich, langsam zu atmen.
Genauso langsam ließ sich der Gouverneur wieder auf seinen Stuhl sinken – ohne seinen argwöhnischen Blick von mir abzuwenden. Die Dinge, deren man mich beschuldigte, waren in seinem Kopf gerade um einiges wahrscheinlicher geworden. Schön, dachte ich wütend, um nicht loszuweinen. Du wirst ja sehen, wie gut du schläfst, wenn du mich stets in deiner Nähe hast.
Jamie holte tief und lange Luft und richtete sich in seinem zerschlissenen Rock auf.
»Ihr werdet mir gestatten, Sir, über Euren Vorschlag nachzudenken«, sagte er förmlich. Er ließ meinen Arm los und erhob sich.
»Nur Mut, mo chridhe«, sagte er zu mir. »Morgen früh sehen wir uns wieder.«