Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er hob meine Hand an seine Lippen und küsste sie, dann sah er den Gouverneur mit einem kaum merklichen Kopfnicken an und schritt hinaus, ohne sich umzusehen.
Ein paar Sekunden war alles still in der Kajüte, und ich hörte, wie sich seine Schritte entfernten und die Treppe hinaufstiegen. Ich überlegte keine Sekunde, sondern griff in mein Korsett und zog das kleine Messer hervor, das ich aus dem Arztkoffer genommen hatte.
Ich stieß mit aller Kraft zu, so dass es im Holz des Schreibtischs stecken blieb und zitternd vor den erstaunten Augen des Gouverneurs stand.
»Gottverdammter Mistkerl«, sagte ich seelenruhig zu ihm und ging.
Kapitel 97
Für jemanden, der es wert ist
Am nächsten Morgen wartete ich wieder vor Tagesanbruch an der Reling. Kräftiger, beißender Aschegeruch kam mit dem Wind, doch der Rauch hatte sich verzogen. Das Ufer war vom Frühnebel verhangen, und ich spürte ein leises, aufregendes Déjà-vu-Gefühl, das sich mit Hoffnung vermischte, als ich das kleine Boot aus dem Nebel kommen und auf das Schiff zuhalten sah.
Doch als es näher kam, klammerten sich meine Hände fester an die Reling. Es war nicht Jamie. Ein paar Sekunden lang versuchte ich, mir einzureden, dass er es war, dass er nur den Rock gewechselt hatte – doch mit jedem Ruderschlag nahm die Gewissheit zu. Ich schloss die Augen, in denen die Tränen brannten, und sagte mir, dass es absurd war, so aus der Fassung zu geraten; dass es nichts zu bedeuten hatte.
Jamie würde kommen; er hatte es gesagt. Die Tatsache, dass sich jemand anders so früh dem Schiff näherte, hatte nichts mit ihm oder mir zu tun.
Und doch war es so. Ich öffnete die Augen und rieb sie mir mit dem Handgelenk. Dann spähte ich erneut zu dem Ruderboot und fuhr ungläubig zusammen. Es konnte doch nicht … doch, er war es. Beim Ruf der Wache hob er den Kopf und sah mich an der Reling stehen. Unsere Blicke trafen sich kurz, dann senkte er sein Haupt und griff nach den Rudern. Tom Christie.
Der Gouverneur war nicht begeistert, zum dritten Mal in Folge im Morgengrauen aus dem Bett geholt zu werden; ich konnte hören, wie er unten einem der Soldaten auftrug, dem Mann zu sagen, ganz gleich, wer er sei, er sollte eine vernünftigere Tageszeit abwarten – woraufhin die Kajütentür entschieden zuknallte.
Darüber war ich wiederum nicht begeistert – und nicht in der Stimmung zu warten. Der Soldat am Kopf der Treppe weigerte sich jedoch, mich nach unten zu lassen. Also machte ich klopfenden Herzens kehrt und ging zum Achterschiff, wohin sie Tom Christie gebracht hatten, damit er abwartete, bis es dem Gouverneur beliebte, ihn zu empfangen.
Der Soldat, der dort postiert war, zögerte, doch es gab schließlich keine Order, die mir verbot, mich mit Besuchern zu unterhalten; er ließ mich durch.
»Mr. Christie.« Er stand an der Reling und starrte zur Küste zurück, doch bei meinen Worten drehte er sich um.
»Mrs. Fraser.« Er war sehr blass; sein graumelierter Bart sah im Kontrast dazu beinahe schwarz aus. Doch er hatte ihn geschnitten und sein Haar ebenfalls. Er sah zwar immer noch aus wie ein vom Blitz getroffener Baum, doch es war wieder Leben in seinen Augen, als er mich ansah.
»Mein Mann –«, begann ich, doch er schnitt mir das Wort ab.
»Es geht ihm gut. Er erwartet Euch am Ufer; Ihr werdet ihn bald sehen.«
»Oh?« Das Brodeln der Angst und der Wut in meinem Inneren beruhigte sich ein wenig, als hätte jemand die Flamme klein gedreht, doch die Ungeduld kochte. »Nun, was zum Teufel geht hier vor, könnt Ihr mir das verraten?«
Er musterte mich einen langen Moment schweigend, dann leckte er sich kurz die Lippen, wandte sich um und blickte über die Reling auf die glatte, graue Dünung. Dann richtete er seine Augen wieder auf mich und holte tief Luft, weil er sich offenbar für etwas wappnen musste.
»Ich bin gekommen, um den Mord an meiner Tochter zu gestehen.«
Ich starrte ihn einfach nur an, unfähig, mir einen Reim auf seine Worte zu machen. Dann setzte ich sie zu einem Satz zusammen, las ihn von der Tafel in meinem Kopf ab und verstand ihn schließlich.
»Nein, das kann nicht sein«, sagte ich.
Der leiseste Hauch eines Lächelns schien sich unter seinem Bart zu regen, wenn er auch wieder verschwand, kaum dass ich ihn gesehen hatte.
»Ich sehe, dass Ihr immer noch so widerspenstig seid«, sagte er trocken.
»Macht Euch keine Gedanken um mich«, sagte ich ausgesprochen unhöflich. »Seid Ihr verrückt geworden? Oder ist das hier Jamies neuester Plan? Denn falls es so ist –«
Er gebot mir Einhalt, indem er mich am Handgelenk berührte; ich fuhr bei seiner Berührung auf, weil sie so unerwartet kam.
»Es ist die Wahrheit«, sagte er ganz leise. »Das werde ich schwören, bei der Heiligen Schrift.«
Ich stand da und fixierte ihn, ohne mich zu bewegen. Er erwiderte meinen direkten Blick, und ich begriff plötzlich, wie selten er mir bis jetzt in die Augen gesehen hatte; während unserer gesamten Bekanntschaft hatte er stets ausweichend den Blick abgewandt, als versuchte er, dem Eingeständnis zu entfliehen, dass ich existierte, selbst wenn es nicht zu vermeiden war, dass er mit mir sprach.
Das war jetzt vorbei, und einen solchen Ausdruck hatte ich noch nie in seinen Augen gesehen. Schmerz und Leid hatten tiefe Furchen rings um sie gegraben, und Trauer beschwerte seine Lider – doch seine Augen selbst waren tief und ruhig wie die See unter uns. Das, was er auf unserem ganzen alptraumhaften Weg nach Süden ausgestrahlt hatte, diese Atmosphäre stummen Entsetzens und betäubenden Schmerzes, war von ihm gewichen und hatte der Entschlossenheit Platz gemacht – und noch etwas anderem, das tief in seinem Inneren brannte.
»Warum?«, sagte ich schließlich, und er ließ mein Handgelenk los und trat einen Schritt zurück.
»Könnt Ihr Euch erinnern« – dem Ton seiner Stimme nach hätte es Jahrzehnte zurückliegen können –, »dass Ihr mich einmal gefragt habt, ob ich Euch für eine Hexe halte?«
»Ja«, erwiderte ich argwöhnisch. »Ihr habt gesagt –« Jetzt erinnerte ich mich in der Tat an diese Unterhaltung, und ein leichter Eishauch huschte mir über den Rücken. »Ihr habt gesagt, dass Ihr an Hexen glaubt – mich aber nicht für eine hieltet.«
Er nickte, ohne die dunkelgrauen Augen von mir abzuwenden. Ich fragte mich, ob er im Begriff war, diese Meinung zu revidieren, doch anscheinend war das nicht der Fall.
»Ich glaube an Hexen«, sagte er völlig sachlich und ernst. »Denn ich kenne sie. Das Mädchen war eine Hexe, genau wie ihre Mutter vor ihr.« Das eisige Kribbeln nahm zu.
»Das Mädchen«, sagte ich. »Ihr meint Eure Tochter? Malva?«
Er schüttelte sacht den Kopf, und seine Augen nahmen eine noch dunklere Farbe an. »Nicht meine Tochter«, sagte er.
»Nicht – nicht von Euch? Aber – ihre Augen. Sie hatte doch Eure Augen.« Ich hörte mich das sagen und hätte mir auf die Zunge beißen können. Doch er lächelte nur grimmig.
»Und die meines Bruders.« Er drehte sich zur Reling um und blickte über das Wasser zum Land. »Edgar war sein Name. Als der Aufstand kam und ich mich offen auf die Seite der Stuarts gestellt habe, wollte er nichts davon wissen, hat gesagt, es sei töricht. Er hat mich angefleht, nicht zu gehen.« Er schüttelte langsam den Kopf, und vor seinem inneren Auge sah er etwas, das mit Sicherheit nicht das bewaldete Ufer war.
»Ich dachte – nun, es spielt keine große Rolle, was ich dachte, aber ich bin gegangen. Und habe ihn gefragt, ob er sich um meine Frau und den Kleinen kümmern würde.« Er holte tief Luft und atmete wieder aus. »Und das hat er getan.«
»Ich verstehe«, sagte ich leise. Bei meinem Tonfall wandte er scharf den Kopf und fixierte mich durchdringend.
»Es war nicht seine Schuld! Mona war eine Hexe – sie konnte Menschen verzaubern.« Als er meine Miene sah, presste er die Lippen zusammen. »Ich sehe, dass Ihr mir nicht glaubt. Es ist die Wahrheit; ich habe sie mehr als einmal dabei erwischt – bei ihren Zaubersprüchen, ihren Ritualen –, einmal bin ich auf der Suche nach ihr um Mitternacht aufs Dach gestiegen. Sie hat splitternackt dort gestanden und die Sterne angestarrt, in der Mitte eines Pentagramms, das sie mit dem Blut einer erwürgten Taube gezeichnet hatte, und ihr Haar hat wild im Wind geweht.«