Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Mein Leben lang habe ich gewartet, gesucht …« Er machte eine vage Bewegung mit der freien Hand, dann schloss er seine Finger, als wollte er den Gedanken fassen, und fuhr bestimmter fort: »Nein. Gehofft. Gehofft auf etwas, das ich nicht benennen konnte, wovon ich aber wusste, dass es existieren musste.«
Er sah mir suchend ins Gesicht, als prägte er sich meine Züge ein. Die Art, wie er mich betrachtete, war mir unangenehm, und ich hob die Hand, wohl, um mir das wilde Haar glatt zu streichen – doch zu meiner Überraschung fing er meine Hand ab und hielt sie fest.
»Nicht«, sagte er.
Da er mich an beiden Händen hielt, blieb mir keine Wahl.
»Thomas«, sagte ich unsicher. »Mr. Christie …«
»Ich kam zu der Überzeugung, dass es Gott war, den ich suchte. Vielleicht war es ja so. Doch Gott ist nicht aus Fleisch und Blut, und von Gottes Liebe allein konnte ich nicht leben. Ich habe mein Geständnis niedergeschrieben.« Er ließ mich los und schob die Hand in seine Tasche, suchte darin herum und zog ein zusammengefaltetes Stück Papier hervor, das er fest in seinen kurzen, kräftigen Fingern hielt.
»Ich habe hier geschworen, dass ich es war, der meine Tochter umgebracht hat, um der Schande willen, die sie mit ihrer Liederlichkeit über mich gebracht hat.« Seine Stimme klang selbstsicher, doch ich konnte seine Kehle über der zerknitterten Halsbinde arbeiten sehen.
»Aber Ihr seid es doch nicht gewesen«, sagte ich überzeugt. »Ich weiß, dass Ihr es nicht gewesen seid.«
Er blinzelte mich verdutzt an.
»Nein«, sagte er völlig nüchtern. »Aber ich hätte es tun sollen.«
»Ich habe eine Kopie dieses Geständnisses angefertigt«, sagte er und steckte das Dokument in seinen Rock zurück, »und sie der Zeitung in New Bern zukommen lassen. Sie werden es abdrucken. Der Gouverneur wird es akzeptieren – was bleibt ihm anderes übrig? –, und Ihr werdet frei sein.«
Die letzten vier Worte betäubten mich. Er hielt mich nach wie vor an der rechten Hand; sein Daumen strich sanft über meine Fingerknöchel. Ich wäre gern zurückgewichen, zwang mich aber stillzuhalten, beschworen durch seine Augen, die jetzt klar und grau und nackt waren, unverstellt.
»Ich habe mich immer danach gesehnt«, sagte er leise, »zu lieben und geliebt zu werden; habe mein Leben damit zugebracht, jene zu lieben, die es nicht wert waren. Gestattet mir dies; mein Leben zu geben für jemanden, der es wert ist.«
Ich fühlte mich, als hätte es mir den Atem verschlagen. Ich bekam keine Luft, doch ich rang nach Worten.
»Mr. Chr– Tom«, sagte ich. »Das dürft Ihr nicht tun. Euer Leben ist – ist kostbar. Ihr könnt es doch nicht einfach so wegwerfen!«
Er nickte geduldig.
»Das weiß ich. Wenn es nicht so wäre, wäre meine Tat ja wertlos.«
Schritte kamen die Treppe herauf, und ich hörte unten die Stimme des Gouverneurs, der sich fröhlich mit dem Hauptmann der Marinesoldaten unterhielt.
»Thomas! Tut das nicht!«
Er sah mich einfach nur an und lächelte – hatte ich ihn schon jemals lächeln sehen? –, blieb aber stumm. Er hob meine Hand und beugte sich darüber; ich spürte seine Bartstoppeln und die Wärme seines Atems, die Sanftheit seiner Lippen.
»Ich bin Euer Diener, Madam«, sagte er ganz leise. Er drückte meine Hand und ließ sie los, dann wandte er sich ab und blickte zum Ufer. Ein kleines Boot näherte sich, dunkel vor dem Hintergrund der glitzernden Silbersee. »Euer Mann kommt Euch holen. Adieu, Mrs. Fraser.«
Er machte kehrt und schritt davon, aufrecht trotz der Dünung, die sich unter uns hob und senkte.
Elfter Teil
Die Zeit der Rache
Kapitel 98
Ein Geist lässt sich nicht fernhalten
Jamie stöhnte, räkelte sich und ließ sich im Sitzen auf das Bett plumpsen.
»Ich fühle mich, als wäre mir jemand auf den Sack getreten.«
»Oh?« Ich öffnete ein Auge, um ihm einen Blick zuzuwerfen. »Wer denn?«
Er sah mich mit blutunterlaufenen Augen an.
»Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich so an, als wäre es jemand Schweres gewesen.«
»Leg dich hin«, sagte ich und gähnte. »Wir brauchen noch nicht aufzubrechen; du kannst dich noch etwas ausruhen.«
Er schüttelte den Kopf.
»Nein, ich möchte nach Hause. Wir sind sowieso schon viel zu lange fort.« Trotzdem stand er nicht auf, um sich fertig anzuziehen, sondern blieb weiter im Hemd auf dem durchhängenden Wirtshausbett sitzen und ließ die Hände untätig zwischen den Oberschenkeln liegen.
Obwohl er gerade erst aufgestanden war, sah er todmüde aus, was allerdings kein Wunder war. Wahrscheinlich hatte er tagelang gar nicht geschlafen – erst die Suche nach mir, dann der Brand von Fort Johnston und schließlich die Ereignisse, die zu meiner Freilassung von der Cruizer führten. Bei dem Gedanken daran spürte ich, wie sich ein Schatten auf mein Gemüt legte, trotz der Freude, mit der ich beim Erwachen realisiert hatte, dass ich frei war, an Land und bei Jamie.
»Leg dich hin«, wiederholte ich. Ich wälzte mich auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf den Rücken. »Es dämmert doch gerade erst. Warte wenigstens das Frühstück ab; du kannst doch nicht reisen, ohne zu schlafen und zu essen.«
Er blinzelte zum Fenster, dessen Läden geschlossen waren; die Ritzen hatten sich zu erhellen begonnen, weil draußen das Licht zunahm, doch ich hatte recht; unter uns deutete noch kein Geräusch darauf hin, dass Feuer geschürt wurden oder Töpfe klapperten. Da kapitulierte er plötzlich, ließ sich langsam zur Seite sinken und konnte einen Seufzer nicht unterdrücken, als sich sein Kopf wieder auf das Kissen legte.
Er protestierte weder, als ich die zerschlissene Decke über ihn warf, noch, als ich mich an ihn schmiegte, einen Arm um seine Hüfte legte und meine Wange an seinen Rücken drückte. Er roch immer noch nach Rauch, obwohl wir uns beide gestern Abend hastig gewaschen hatten, bevor wir ins Bett fielen und in den kostbaren Schlaf sanken.
Ich konnte spüren, wie müde er war. Auch mir tat noch alles vor Erschöpfung weh – und von den Klumpen in der Wollfüllung der flachgelegenen Matratze. Ian hatte mit Pferden gewartet, als wir an Land kamen, und wir waren so weit geritten, wie wir konnten, bevor es dunkel wurde. Schließlich waren wir in einem entlegenen, baufälligen Wirtshaus abgestiegen, einem einfachen Rastplatz für Fuhrleute auf dem Weg zur Küste.
»Malcolm«, hatte er mit leisem Zögern gesagt, als ihn der Wirt nach seinem Namen fragte. »Alexander Malcolm.«
»Und Murray«, hatte Ian gesagt, während er sich gähnend die Rippen kratzte. »John Murray.«
Der Wirt hatte genickt; es interessierte ihn nicht besonders. Es gab keinen Grund, warum er drei unauffällige, erschöpfte Reisende mit einem berüchtigten Mordfall in Verbindung bringen sollte – und doch hatte ich gespürt, wie die Panik in mir aufstieg, als er mich musterte.
Ich hatte Jamies Zögern gespürt, als er diesen Namen angab; seinen Widerwillen, erneut einen der Decknamen zu benutzen, unter denen er einst gelebt hatte. Er legte Wert auf seinen Namen, mehr als die meisten anderen Menschen – ich hoffte nur, dass er mit der Zeit auch wieder etwas wert sein würde.
Vielleicht konnte Roger ja helfen. Er würde inzwischen ein richtiger Pastor sein, dachte ich und lächelte bei diesem Gedanken. Er hatte eine echte Gabe, die Unstimmigkeiten unter den Bewohnern von Fraser’s Ridge zu glätten, Streit zu schlichten – und durch die zusätzliche Autorität, die ihm die Ordination verlieh, würde sein Einfluss weiter zunehmen.
Es würde schön sein, ihn wiederzuhaben. Und Brianna und Jemmy wiederzusehen – ich verspürte einen Moment der Sehnsucht nach ihnen, obwohl wir sie ja bald sehen würden; wir hatten vor, über Cross Creek zu reisen und sie unterwegs mitzunehmen. Doch natürlich hatten weder Brianna noch Roger die geringste Ahnung von den Ereignissen der letzten drei Wochen – oder davon, wie das Leben danach ablaufen würde.