Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Hier im Vorgebirge, im Herzen der Cape-Fear-Region, waren die meisten aufrechten Bürger Loyalisten und als solche fest überzeugt, dass die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Norden nichts als überbewertete Krawalle waren, die wahrscheinlich überflüssig waren und sie ansonsten kaum etwas angingen – und was hier am nötigsten war, war eine feste Hand, die die hysterischen Whigs unter Kontrolle brachte, bevor ihre Exzesse vernichtende Vergeltungsmaßnahmen provozierten. Die Gewissheit, dass ebendiese vernichtenden Vergeltungsmaßnahmen kommen würden – und Menschen treffen würden, die sie mochte oder sogar liebte –, verursachte ihr das, was ihr Vater das kalte Grausen nannte; ein eisiges Gefühl lähmenden Schreckens, das durch ihr Blut rauschte.
»Nun denn?« Buchanans Stimme war deutlich zu hören, als sie jetzt die Tür öffnete, und sie klang ungeduldig. »Sie werden nicht warten, Duncan. Ich muss das Geld Mittwoch in einer Woche haben, sonst verkauft Dunkling die Waffen an jemand anderen; du weißt doch, Angebot und Nachfrage. Wenn er Gold bekommt, wird er warten – aber nicht lange.«
»Aye, das weiß ich wohl, Sawny.« Duncan klang ungeduldig – und sehr gequält, dachte Brianna. »Wenn es möglich ist, tue ich es.«
»WENN?«, rief Buchanan. »Was soll dieses ›Wenn‹? Bis jetzt hieß es immer, oh, aye, Sawny, wirklich kein Problem, Sawny, sag Dunkling, der Handel gilt, natürlich, Sawny –«
»Ich habe gesagt, Alexander, ich werde es tun, wenn es möglich ist.« Duncans Stimme war leise, hatte aber plötzlich einen stählernen Unterton, den sie noch nie von ihm gehört hatte.
Buchanan sagte eine Grobheit auf Gälisch, und plötzlich flog die Tür zu Duncans Büro auf, und der Mann kam herausgestürzt, so aufgebracht, dass er sie kaum sah und ihr nur im Vorübergehen hastig zunickte.
Was auch nicht schlimm war, dachte sie, stand sie doch mit einer Schüssel Erbrochenem auf dem Arm da.
Bevor sie Anstalten machen konnte, diese loszuwerden, kam Duncan aus dem Zimmer. Er sah erhitzt, gereizt – und extrem sorgenvoll aus. Doch er bemerkte sie immerhin.
»Wie geht es denn, Kleine?«, fragte er und sah sie blinzelnd an. »Ihr seid ein bisschen grün, habt Ihr etwas Falsches gegessen?«
»Ich glaube, ja. Aber es geht schon wieder«, sagte sie und drehte sich hastig zur Seite, um die Schüssel wieder hinter sich ins Zimmer zu schieben. Sie stellte sie auf den Boden und schloss die Tür hinter sich. »Und Euch, Duncan?«
Er zögerte einen Moment, doch was auch immer es war, das ihm Kummer machte, war zu überwältigend, um es für sich zu behalten. Er sah sich um, doch um diese Tageszeit war keiner der Sklaven hier oben. Dennoch beugte er sich zu ihr herüber und senkte die Stimme.
»Habt Ihr zufällig … irgendetwas Merkwürdiges gesehen, a nighean?«
»Inwiefern denn merkwürdig?«
Er rieb sich unter seinem Schnurrbart entlang und sah sich noch einmal um.
»Zum Beispiel in der Nähe von Hector Camerons Grab?«, fragte er, und seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Ihr Zwerchfell, vom Erbrechen noch wund, zog sich bei diesen Worten zusammen, und sie legte eine Hand auf ihren Bauch.
»Dann ist es also so?« Duncans Miene wurde schärfer.
»Ich nicht«, sagte sie und erklärte ihm die Sache mit Jemmy, Angelina und dem vermeintlichen Gespenst.
»Ich dachte, es wäre vielleicht Mr. Buchanan«, schloss sie und wies auf die Treppe, über die Alexander Buchanan verschwunden war.
»Das ist ein Gedanke«, murmelte Duncan und rieb sich geistesabwesend die graumelierte Schläfe. »Aber nein … gewiss nicht. Er könnte niemals – aber es ist ein Gedanke.« Brianna hatte den Eindruck, dass er ein winziges Quentchen hoffnungsvoller aussah.
»Duncan – könnt Ihr mir sagen, was geschehen ist?«
Er holte tief Luft, schüttelte den Kopf – nicht verneinend, sondern perplex –, atmete wieder aus und ließ seine Schulter zusammensacken.
»Das Gold«, sagte er einfach nur. »Es ist fort.«
Siebentausend Pfund in Goldbarren waren eine beträchtliche Menge, in jedem Sinne des Wortes. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie viel eine solche Summe wiegen mochte, doch es hatte den Boden von Jocastas Sarg, der sittsam neben Hectors im Familienmausoleum stand, vollständig bedeckt.
»Was meint Ihr damit, ›fort‹?«, platzte sie heraus. »Alles?«
Duncan umklammerte ihren Arm und verzog das Gesicht, um sie zum Leisesein zu drängen.
»Aye, alles«, sagte er und sah sich erneut um. »Um Gottes willen, Kleine, nicht so laut!«
»Wann ist es denn verschwunden? Oder besser«, korrigierte sie sich, »wann habt Ihr entdeckt, dass es verschwunden ist?«
»Letzte Nacht.« Wieder sah er sich um und wies mit dem Kinn auf sein Büro. »Kommt mit, Kleine; ich erzähle es Euch.«
Duncans Aufregung ließ ein wenig nach, als er ihr die Geschichte erzählte; als er fertig war, hatte er eine gewisse äußere Ruhe wiedergefunden.
Die siebentausend Pfund waren das, was von den ursprünglichen zehntausend noch übrig war, die wiederum ein Drittel der dreißigtausend waren, die Louis von Frankreich – zu spät, aber immerhin – geschickt hatte, um Charles Stuarts zum Scheitern verurteilten Versuch zu unterstützen, den Thron von England und Schottland an sich zu bringen.
»Hector war vorsichtig, aye?«, erklärte Duncan. »Er hat als reicher Mann gelebt – aber immer im Rahmen dessen, was ein Ort wie dieser« – er wies mit einer ausladenden Geste seiner Hand auf die Ländereien und Gebäude von River Run – »an Mitteln abwerfen kann. Er hat tausend Pfund für den Kauf des Landes und den Bau des Hauses ausgegeben, dann im Lauf der Jahre weitere tausend für Sklaven, Vieh und Ähnliches. Und tausend Pfund hat er angelegt – Jo sagt, er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass all das Geld hier liegt und keine Zinsen einbringt.« Er sah sie mit einem kleinen, ironischen Lächeln an. »Aber er war zu schlau, um die ganze Summe anzulegen. Ich glaube zwar, dass er vorhatte, auch den Rest Stück für Stück anzulegen – aber er ist gestorben, bevor es dazu gekommen ist.«
Und hatte Jocasta als reiche Witwe zurückgelassen – die allerdings noch vorsichtiger war als ihr Mann, wenn es darum ging, unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden. Und so hatte das Gold sicher in seinem Versteck geschlummert, bis auf den einen Barren, den Ulysses Span für Span in Umlauf brachte. Und der dann verschwunden war, wie ihr jetzt mit einem dumpfen Gefühl wieder einfiel. Irgendjemand wusste, dass es hier Gold gab.
Vielleicht hatte derjenige, der diesen Barren an sich genommen hatte, ja erraten, dass es noch mehr gab – und im Stillen geduldig danach gesucht, bis er fündig geworden war.
Aber jetzt –
»Ihr habt vielleicht schon von General MacDonald gehört?«
Sie hatte diesen Namen in letzter Zeit schon öfter in Unterhaltungen gehört – er war ein schottischer General, mehr oder minder pensioniert, vermutete sie –, der hier und dort bei prominenten Familien zu Gast gewesen war. Von seinen Absichten hatte sie jedoch nichts gehört.
»Er hat vor, eine Truppe – dreitausend Mann, viertausend – von Highlandern aufzustellen und zur Küste zu marschieren. Der Gouverneur hat um Hilfe gerufen; es sind Truppenschiffe unterwegs. Dann marschieren die Männer des Generals durch das Tal des Cape Fear« – er machte erneut eine elegante, ausladende Handbewegung –, »vereinigen sich mit dem Gouverneur und seinen Truppen und nehmen die Rebellenmilizen, die in der Entstehung sind, in die Zange.«
»Und Ihr hattet vor, ihm das Gold zur Verfügung zu stellen – oder nein«, korrigierte sie sich. »Ihr hattet vor, ihm Waffen und Munition zur Verfügung zu stellen.«
Er nickte und kaute mit unglücklicher Miene auf seinen Schnurrbartenden.