Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ihr Haar«, sagte ich, weil ich etwas suchte, woran ich anknüpfen konnte, und plötzlich begriff ich, »sie hatte Haare wie ich, nicht wahr?«
Er nickte und wandte den Blick ab, und ich sah die Bewegung seiner Kehle, als er schluckte.
»Sie war … was sie war«, sagte er leise. »Ich habe versucht, sie zu retten – durch meine Gebete, durch meine Liebe. Ich konnte es nicht.«
»Was ist aus ihr geworden?«, fragte ich genauso leise. Da es so windig war, war es kaum wahrscheinlich, dass jemand unser Gespräch mit anhörte, doch ich war nicht der Meinung, dass ein Fremder dies hören sollte.
Er seufzte und schluckte noch einmal.
»Man hat sie gehängt«, sagte er und klang beinahe neutral. »Wegen Mordes an meinem Bruder.«
Dies hatte sich anscheinend ereignet, während Tom in Ardsmuir im Kerker saß; sie hatte ihm vor ihrer Exekution die Nachricht von Malvas Geburt zukommen lassen, und dass sie Edgars Frau die beiden Kinder überließ.
»Ich nehme an, sie fand das komisch«, sagte er und klang geistesabwesend. »Mona hatte wahrhaftig einen merkwürdigen Humor.«
Mir war kalt, über die Kühle der Morgenbrise hinaus, und ich klammerte mich an meine Ellbogen.
»Aber Ihr habt sie zurückbekommen – Allan und Malva.«
Er nickte; er war deportiert worden, hatte aber das Glück gehabt, dass sein Leibeigenschaftsvertrag von einem gütigen, reichen Mann gekauft wurde, der ihm das Geld für die Überfahrt der Kinder in die Kolonien gegeben hatte. Doch dann waren sowohl sein Arbeitgeber als auch die Frau, die er hier geheiratet hatte, einer Gelbfieberepidemie zum Opfer gefallen. Als er nach neuen Möglichkeiten für sich suchte, hatte er von Jamie Frasers Ansiedlung in North Carolina gehört und davon, dass er den Männern, die er aus Ardsmuir kannte, zu eigenem Land verhalf.
»Ich wünschte, ich hätte mir lieber die Kehle durchgeschnitten, als dorthin zu ziehen«, sagte er und wandte sich mir abrupt wieder zu. »Das könnt Ihr mir glauben.«
Er schien es völlig ernst zu meinen. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, doch er schien auch nichts zu erwarten und fuhr fort:
»Das Mädchen – sie war erst fünf Jahre alt, als ich sie das erste Mal gesehen habe, aber sie hatte es damals schon – die gleiche Gerissenheit, den gleichen Zauber … die gleiche dunkle Seele.«
Er hatte aus Leibeskräften versucht, auch Malva zu retten – die Durchtriebenheit aus ihr herauszuprügeln, ihre wilden Neigungen zu unterdrücken und vor allem zu verhindern, dass sie die Möglichkeit bekam, Männer zu umgarnen.
»Bei ihrer Mutter war es haargenau so.« Seine Lippen pressten sich bei diesem Gedanken aufeinander. »Egal, welcher Mann. Es war der Fluch Liliths, der auf ihnen ruhte, auf beiden.«
Meine Magengrube fühlte sich hohl an, jetzt, da er auf Malva zurückkam.
»Aber sie war doch schwanger …«, sagte ich.
Er wurde noch bleicher, doch seine Stimme war fest.
»Aye, das war sie. Ich glaube nicht, dass es falsch ist zu verhindern, dass noch eine Hexe auf die Welt kommt.«
Er sah meinen Gesichtsausdruck und fuhr fort, bevor ich ihn unterbrechen konnte.
»Ihr wisst doch, dass sie versucht hat, Euch umzubringen? Euch und mich?«
»Wie meint Ihr das? Mich umzubringen, wie denn?«
»Als Ihr ihr von den unsichtbaren Dingen erzählt habt, den – den Keimen. Das hat sie sehr interessiert. Sie hat es mir erzählt, als ich sie mit den Knochen erwischt habe.«
»Was für Knochen?«, fragte ich, und ein Eissplitter fuhr mir über den Rücken.
»Die Knochen, die sie aus Ephraims Grab gestohlen hat, um ihren Zauber über Euren Mann zu legen. Sie hat sie nicht alle benutzt, und ich habe sie später in ihrem Handarbeitskorb gefunden. Ich habe sie geschlagen, und da hat sie es mir erzählt.«
Sie war es gewohnt, auf der Suche nach essbaren Pflanzen und Kräutern allein durch den Wald zu wandern, und hatte dies auch auf dem Höhepunkt der Durchfallepidemie getan. Und auf einer dieser Wanderungen war sie auf die Hütte des Sündentilgers gestoßen, jenes seltsamen, verkrüppelten Mannes. Sie hatte ihn dem Tode nah angetroffen, vor Fieber glühend und im Koma, und während sie noch dastand und sich fragte, ob sie Hilfe holen oder einfach nur weglaufen sollte, war er tatsächlich gestorben.
Woraufhin ihr eine Idee gekommen war und sie das Wissen, das ich ihr sorgfältig beigebracht hatte, angewendet hatte – sie hatte der Leiche Blut und Schleim entnommen, beides mit etwas Brühe vom Kessel auf dem Herd in ein Fläschchen gefüllt und es in ihrem Korsett mit ihrer Körperwärme genährt.
Und hatte ihrem Vater und mir ein paar Tropfen dieser tödlichen Mischung ins Essen geschmuggelt, in der Hoffnung, dass im Fall einer Erkrankung unser Tod als Teil der Seuche durchgehen würde, die Fraser’s Ridge plagte.
Meine Lippen fühlten sich steif und blutleer an.
»Seid Ihr Euch da sicher?«, flüsterte ich. Er nickte, ohne weitere Überzeugungsversuche zu unternehmen, und das allein überzeugte mich schon davon, dass er die Wahrheit sagte.
»Sie wollte – Jamie?«, fragte ich.
Er schloss einen Moment die Augen; die Sonne ging jetzt auf, und ihr Licht befand sich zwar in unserem Rücken, doch das Wasser reflektierte es wie ein glänzender Silberteller.
»Sie … wollte«, sagte er schließlich. »Sie gierte. Gierte nach Reichtum, nach gesellschaftlicher Bedeutung, nach dem, was sie für Freiheit hielt, ohne die Zügellosigkeit darin zu sehen – denn sehen konnte sie nie!« Er sprach mit plötzlicher Heftigkeit, und mir kam der Gedanke, dass Malva nicht die Einzige gewesen war, die die Dinge nicht so gesehen hatte wie er.
Doch sie hatte Jamie begehrt, ob nun um seiner selbst willen oder wegen seines Besitzes. Und als ihr Liebeszauber keine Wirkung gezeigt hatte und die Epidemie ausbrach, hatte sie einen direkteren Weg ans Ziel ihrer Wünsche gewählt. Ich konnte das noch nicht fassen – und doch wusste ich, dass es die Wahrheit war.
Und als sie dann unpassenderweise feststellte, dass sie schwanger war, war ihr ein neuer Gedanke gekommen.
»Wisst Ihr, wer der Vater wirklich war?«, fragte ich, und der Gedanke an den sonnendurchfluteten Garten und die beiden viel zu jungen Leichen schnürte mir – wie er es wohl immer tun würde – die Kehle zu. Was für eine Verschwendung.
Er schüttelte den Kopf, wich aber meinem Blick aus, und ich begriff, dass er zumindest eine Ahnung hatte. Doch er wollte es mir nicht sagen, und es spielte jetzt wohl auch keine Rolle. Und der Gouverneur würde bald aufstehen, bereit, ihn zu empfangen.
Er hörte die Geräusche unter Deck gleichfalls und holte tief Luft.
»Ich konnte nicht zulassen, dass sie so viele Leben zerstörte; konnte sie nicht mit ihrem schändlichen Tun fortfahren lassen. Denn irrt Euch nicht, sie war eine Hexe; dass es ihr nicht gelungen ist, Euch oder mich umzubringen, war reines Glück. Irgendjemanden hätte sie noch umgebracht. Vielleicht Euch, wenn Euch Euer Mann nicht aufgab. Vielleicht ihn, in der Hoffnung, seinen Besitz für ihr Kind zu erben.« Er holte krampfhaft und schmerzvoll Luft.
»Sie war kein Kind meiner Lenden, und doch – sie war meine Tochter, mein Blut. Ich konnte nicht … konnte nicht zulassen … Ich hatte die Verantwortung.« Er brach ab, denn er konnte nicht zu Ende sprechen. Damit, so dachte ich, sprach er die Wahrheit. Und doch …
»Thomas«, sagte ich entschlossen, »das ist Unsinn, und das wisst Ihr auch.«
Er sah mich überrascht an, und ich sah, dass Tränen in seinen Augen standen. Er kniff die Augen zu und antwortete leidenschaftlich.
»Meint Ihr? Ihr wisst gar nichts, gar nichts!«
Er merkte, wie ich zusammenzuckte, und senkte den Blick. Dann streckte er umständlich die Hand aus und ergriff die meine. Ich spürte die Narben meiner Operation, die Spannkraft im Griff seiner Finger.