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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich senkte mich in ihn und klammerte mich an ihn, als sei er ein Stück Treibholz, das Einzige, was mich vor dem Ertrinken rettete. Das war er auch.

Er hielt mich fest und streichelte lange Zeit mein Haar.

»Kannst du um sie weinen, mo nighean donn?«, flüsterte er schließlich in mein Haar. »Lass sie herein.«

Die bloße Vorstellung ließ mich erneut vor Panik erstarren. »Das kann ich nicht.«

»Weine um sie«, flüsterte er, und seine Stimme drang tiefer in mich ein als er selbst. »Ein Geist lässt sich nicht fernhalten.«

»Ich kann nicht; ich habe Angst«, wimmerte ich, doch ich zitterte schon vor Schmerz, und die Tränen benetzten mein Gesicht. »Ich kann nicht.«

Und doch tat ich es. Gab die Gegenwehr auf und öffnete mich der Erinnerung und der Trauer. Schluchzte, als bräche mir das Herz – und ließ es brechen, für sie und für alle, die ich nicht retten konnte.

»Lass sie kommen, und trauere um sie, Claire«, flüsterte er. »Und wenn sie fort sind, bringe ich dich heim.«

Kapitel 99

Maighistear àrsaidh

River Run

In der Nacht zuvor hatte es kräftig geregnet, und die Sonne war zwar strahlend und heiß hervorgekommen, doch der Boden war nass, und es schien Dampf davon aufzusteigen, der das Seine zur Schwüle der Luft beitrug. Brianna hatte ihr Haar hochgesteckt, um den Nacken frei zu haben, doch ständig entwischten einzelne Strähnen, die ihr feucht an Stirn und Wangen klebten und ihr ständig in die Augen gerieten. Gereizt wischte sie eine Strähne mit dem Handrücken beiseite; ihre Finger waren mit dem Pigment verschmiert, das sie gerade zerstampfte – hier wirkte sich die Feuchtigkeit noch schlimmer aus, denn sie ließ das Pulver verklumpen und am Mörser festkleben.

Doch sie brauchte es; sie musste heute Nachmittag mit einer neuen Auftragsarbeit anfangen.

Jem drückte sich gelangweilt in ihrer Nähe herum und nahm alles in die Finger. Er sang leise vor sich hin; sie achtete nicht darauf, bis sie zufällig ein paar Worte aufschnappte.

»Was hast du gesagt?«, fragte sie und baute sich ungläubig vor ihm auf. Er konnte doch nicht den »Folsom Prison Blues« gesungen haben – oder?

Er blinzelte sie an, senkte das Kinn auf die Brust und sagte – mit der tiefsten Stimme, die er zuwege brachte: »Hallo. Ich bin Johnny Cash.«

Sie hielt sich gerade noch davon ab, laut loszulachen, und spürte, wie ihre Wangen vor Anstrengung rot anliefen.

»Wo hast du das denn gehört?«, fragte sie, obwohl sie es genau wusste. Es gab nur eine Quelle, aus der er es haben konnte, und bei diesem Gedanken ging ihr das Herz auf.

»Papa«, sagte er natürlich.

»Singt Papa denn wieder?«, fragte sie, um einen beiläufigen Tonfall bemüht. Es musste so sein. Und es war genauso offensichtlich, dass er Claires Rat ausprobiert haben und das Register seiner Stimme verschoben haben musste, um seine erstarrten Stimmbänder zu lösen.

»Ah-hah. Papa singt oft. Er hat mir das Lied über Sonntagmorgen beigebracht und das mit Tom Dooley und … und noch viel mehr«, schloss er, weil ihm nichts mehr einfiel.

»Wirklich? Oh, das ist ja – leg das hin!«, befahl sie, als er geistesabwesend einen offenen Beutel Krapp anfasste.

»Hoppla.« Er blickte schuldbewusst auf den Farbklecks, der aus dem Lederbeutel gespritzt und auf seinem Hemd gelandet war, dann auf sie und setzte sich zögerlich zur Tür in Bewegung.

»Hoppla, sagt er«, knurrte sie finster. »Keine Bewegung!« Sie packte ihn blitzschnell am Kragen und ging mit einem terpentingetränkten Tuch heftig auf die Vorderseite seines Hemdes los; es gelang ihr nur, einen großen rosa Fleck anstatt eines leuchtend roten Streifens zu produzieren.

Jem ließ diese Prozedur schweigend über sich ergehen, und sein Kopf wackelte hin und her, während sie an ihm zerrte.

»Was machst du überhaupt hier«, wollte sie gereizt von ihm wissen. »Habe ich dir nicht gesagt, du sollst dir eine Beschäftigung suchen?« Daran herrschte schließlich auf River Run kein Mangel.

Er ließ den Kopf hängen und murmelte etwas, wobei sie das Wort »Angst« ausmachte.

»Angst? Wovor denn?« Etwas sanfter zog sie ihm das Hemd über den Kopf.

»Vor dem Gespenst.«

»Welchem Gespenst denn?«, fragte sie argwöhnisch. Sie war sich nicht ganz sicher, wie sie damit umgehen sollte. Ihr war bewusst, dass sämtliche Sklaven auf River Run an Geister glaubten, die für sie einfach zu den Dingen des Lebens gehörten. Dasselbe galt für sämtliche schottischen Siedler in Cross Creek, Campbelton und Fraser’s Ridge. Und für die Deutschen aus Salem und Bethania. Und nicht zuletzt für ihren eigenen Vater.

Sie konnte nicht einfach so zu Jem sagen, dass es keine Gespenster gab – vor allem, da sie selbst nicht völlig davon überzeugt war.

»Maighistear àrsaidh«, sagte er und sah zum ersten Mal zu ihr auf. Seine dunkelblauen Augen schimmerten verstört. »Josh sagt, sein Geist geht um.«

Etwas huschte ihr über den Rücken wie ein Tausendfüßler. Maighistear àrsaidh bedeutete der alte Master – Hector Cameron. Sie blickte unwillkürlich zum Fenster. Sie befanden sich in dem kleinen Zimmer oberhalb der Stallungen, wo sie ihre schmutzigsten Farbvorbereitungen treffen konnte – und Hector Camerons weißes Marmormausoleum war von hier aus deutlich zu sehen, wie ein schimmernder Zahn am Rand des Rasens.

»Warum mag Josh das wohl sagen?«, fragte sie und versuchte, Zeit zu schinden. Ihr erster Impuls war anzumerken, dass Gespenster nicht am helllichten Tag umgingen – doch dies führte zu dem offensichtlichen Schluss, dass sie bei Nacht umgingen, und das Letzte, was sie beabsichtigte, war, Jem Alpträume zu verursachen.

»Er sagt, Angelina hat ihn gesehen, vorletzte Nacht. Ein großer alter Geist«, sagte er und richtete sich mit weit aufgerissenen Augen und Krallenhänden auf, offenbar um Joshs Bericht zu imitieren.

»Ach ja? Was hat er denn getan?« Sie sprach in einem Tonfall schwacher Neugier, und es schien zu funktionieren; fürs Erste war Jem eher neugierig als ängstlich.

»Er ist herumgelaufen«, antwortete Jem mit einem kleinen Achselzucken. Was sollte ein Gespenst sonst schon tun?

Ihr fiel ein hochgewachsener Herr ins Auge, der unten auf dem Rasen unter den Bäumen umherschlenderte, und dabei kam ihr ein Gedanke. »Hat es dabei Pfeife geraucht?«

Jemmy schien die Vorstellung eines pfeiferauchenden Gespensts etwas zu verblüffen.

»Ich weiß nicht«, sagte er skeptisch. »Rauchen Gespenster denn Pfeife?«

»Das bezweifle ich irgendwie«, sagte sie. »Aber Mr. Buchanan tut es. Siehst du ihn da unten auf dem Rasen?« Sie trat zur Seite und wies mit dem Kinn zum Fenster, und Jem stellte sich auf die Zehenspitzen, um über die Fensterbank hinauszulugen. Mr. Buchanan, ein Bekannter von Duncan, der zu Besuch war, rauchte tatsächlich gerade ein Pfeifchen; der Tabakduft drang schwach durch das offene Fenster zu ihnen.

»Ich glaube, es war vielleicht Mr. Buchanan, den Angelina im Dunklen gesehen hat«, sagte sie. »Vielleicht war er im Nachthemd, weil er zum Abort musste, und sie hat nur das Weiß gesehen und gedacht, dass er ein Gespenst ist.«

Jem kicherte bei diesem Gedanken. Er schien sich nur zu gern beruhigen zu lassen, zog aber ein wenig den Kopf ein, als er jetzt Mr. Buchanan einer genaueren Musterung unterzog.

»Josh sagt, Angelina hat das Gespenst aus dem Grab vom alten Mr. Hector kommen sehen«, sagte er.

»Ich vermute, Mr. Buchanan ist nur um das Grab herumgegangen, und sie hat gedacht, er käme heraus«, sagte sie und wich dabei sorgfältig jeder Frage aus, warum ein schottischer Herr in den mittleren Jahren im Nachthemd um ein Grab wandern sollte; Jemmy fand offenbar nichts Seltsames an dieser Vorstellung.

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