Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Joana zuckte mit den Achseln, biß sich auf die Unterlippe und ließ die Maschine so weit durchsacken, daß sie fast den Dachfirst der Hacienda berührt hätte.»Ich weiß nicht …«, murmelte sie.»Irgend etwas stimmt hier nicht.«
Indiana blickte neugierig aus dem Fenster und richtete sich hastig wieder auf, als er sah, wie dicht der Boden unter den Kufen der Cessna entlangjagte.»Was?«
Abermals zuckte Joana mit den Schultern.»Ich weiß es nicht«, gestand sie.»Es ist so still. Wo sind sie alle? Hier leben an die hundert Menschen. Von den fünftausend Rindern abgesehen, die Professor Norten hält.«
Indiana beugte sich abermals vor. Joana hatte recht — das gewaltige Anwesen lag wie ausgestorben unter ihnen, obwohl die Cessna, die im Tiefflug zum dritten Mal über das Dach hinwegjagte, genug Lärm machte, um selbst Tote aufzuwecken. Und nicht nur das menschliche Leben schien das Anwesen verlassen zu haben — unter ihnen rührte sich im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Es wurde beinahe unheimlich.
«Vielleicht sind sie alle weggegangen«, murmelte er.»Zur Kirche, oder sonstwohin.«
Der Blick, den Joana ihm aus den Augenwinkeln zuwarf, machte deutlich, was sie von dieser Erklärung hielt. Aber sie sagte nichts mehr dazu, sondern ließ die Maschine noch einmal ein wenig höher steigen und setzte dann zur Landung an.
Indiana klammerte sich instinktiv fester an seinen Sitz, als das schmale blaue Band des Baches näherrückte. Wenn es auch nicht einmal halb so kräftig schien, wie ihm lieb gewesen wäre.
Es war tatsächlich nur ein Rinnsal — zwar nicht einen, wie er geglaubt hatte, aber doch allerhöchstens zweieinhalb Meter breit und wahrscheinlich nur knietief. Auf Joanas Gesicht erschien ein angespannter Zug, und ihre Hände schlossen sich fester um den Steuerknüppel der Cessna. Vorsichtig nahm sie Gas weg, ließ die Maschine tiefer sinken und schloß zu Indianas Entsetzen die Augen; einen Sekundenbruchteil, bevor die Schwimmkufen das Wasser berührten.
Der vernichtende Aufprall, auf den er gewartet hatte, kam nicht. Die Cessna begann für einen Moment bedrohlich zu schlingern und zu hüpfen, und zwei- oder dreimal schlug etwas wuchtig von unten gegen die Schwimmkufen, aber das Flugzeug verlor immer mehr an Geschwindigkeit und hörte schließlich auf zu rütteln und zu bocken. Joana atmete erleichtert auf.»Das wäre geschafft!«Indiana blinzelte mißtrauisch zu ihr hinüber.»Ich denke, du bist schon auf ganz anderen Pfützen gelandet?«Joana nickte heftig.»Sicher. Auf breiteren. «Indiana verlängerte im Geiste die Liste der Dinge, über die er ein ernsthaftes Wort mit ihr reden mußte, um einen weiteren Punkt und verwendete den Rest seiner Energie dazu, sich weiter an seinem Sitz festzuklammern. Beiläufig fragte er sich, wie Joana das Flugzeug auf diesem Bach wieder starten wollte, zog es aber vor, nicht weiter über diese Frage nachzudenken, da er das sichere Gefühl hatte, daß ihm die Antwort nicht gefallen würde. Das Flugzeug bewegte sich immer noch sehr schnell, verlor jetzt aber zusehends an Geschwindigkeit. Als sie sich dem Hauptgebäude näherten, glitt es nur noch mit dem Tempo eines Ruderbootes über das Wasser. Knapp hundert Meter vor dem Anwesen kam es völlig zum Stillstand, und Joana schaltete den Motor ab. Indiana schickte in Gedanken ein Stoßgebet zum Himmel, öffnete die Tür und kletterte mit zitternden Knien auf die Schwimmkufe hinaus. Sein Herz machte einen neuerlichen, erschrockenen Hüpfer, als er in das glasklare Wasser des Baches hinabblickte und sah, daß er tatsächlich nur knietief war. Und so schmal, daß er nur einen Schritt machen mußte, um das Ufer zu erreichen.
Er bekam dann doch noch nasse Füße, denn er war auf der falschen Seite aus der Maschine gestiegen und mußte um die Maschine herumgehen und durch den Bach waten. Aber es war so warm, daß seine Hosen wahrscheinlich schon wieder trocken sein würden, ehe sie das Haus erreichten.
«Willst du die Maschine nicht festmachen?«fragte er, als auch Joana aus der Cessna kletterte.
«Wozu?«Joana schüttelte den Kopf.»Glaubst du, daß sie jemand stiehlt?«Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.»Kaum. Und selbst wenn — es ist völlig unmöglich, auf dieser Pfütze zu starten. «Indiana verzichtete auf eine Antwort und schenkte ihr nur einen unheilschwangeren Blick. Als er sich zum Haus umwenden wollte, glaubte er, eine Bewegung am Waldrand wahrzunehmen. Aber als er ein zweites Mal und genauer hinsah, da lag der Busch so still und regungslos vor ihm wie alles hier. Wie ausgestorben. Nicht einmal ein Schatten bewegte sich zwischen den Bäumen. Und diese Stille folgte ihnen, als sie sich dem Haus näherten. Es war fast unheimlich — die Hacienda lag in einer beinahe paradiesischen Landschaft, an zwei Seiten eingefaßt vom Busch, an den beiden anderen an schier endlose Weiden und Wiesen grenzend. Aber all diese Wiesen und Weiden waren leer. Sie hörten nicht den mindesten Laut. Kein Vogel sang, kein Hund kam ihnen kläffend entgegen, nirgends regte sich etwas. Joana hatte recht gehabt, dachte Indiana alarmierend. Irgend etwas stimmte hier nicht. Sein Blick glitt nervös über die Gebäudefront. Erst jetzt fiel ihm auf, daß sämtliche Läden vorgelegt waren.
Das hieß — nicht alle. Einige standen einen Spaltbreit offen, und als er genauer hinsah, erkannte er ein gutes halbes Dutzend Gewehrläufe, das drohend auf Joana und ihn gerichtet war.
Abrupt blieb er stehen.
«Was hast du?«fragte Joana aufgeschreckt.
Indiana deutete zum Haus.»Frag mich lieber, was sie haben«, sagte er.»Oder ist das vielleicht das, was Professor Norten unter einer herzlichen Begrüßung versteht?«
Joana sah ihn irritiert an, blickte dann mit gerunzelter Stirn zum Haus hinüber und machte eine hilflose Handbewegung. Offensichtlich sah sie gar nicht, was Indiana ihr hatte zeigen wollen.»Ich verstehe nicht ganz, was …«
Die Tür zum Hauptgebäude flog auf, und eine Gestalt in einem weißen Leinenanzug und mit Panamahut trat einen halben Schritt heraus und winkte ihnen hektisch zu.
«Seid ihr lebensmüde, ihr beiden?«schrie sie.»Lauft, bevor sie euch erwischen!«
Indiana fand nicht einmal Zeit, sich darüber zu wundern, daß die Gestalt englisch gesprochen hatte, denn in diesem Moment erwachte der Waldrand schlagartig zum Leben. Ein, zwei Dutzend schattenhafter, geduckter Gestalten traten zwischen den Büschen hervor, und mit einem Male war die Luft voller schwirrender Schatten. Ein winziger Pfeil verfehlte Indiana nur so knapp, daß er spüren konnte, wie die Federn an seinem Ende seine Wange streiften, ein zweiter bohrte sich in die Krempe seines Filzhutes und blieb zitternd stecken.
Indiana ergriff blitzschnell Joanas Hand und rannte hakenschlagend los. Rings um sie herum regneten weitere Pfeile zu Boden, und wahrscheinlich hätten sie es niemals bis zum Haus geschafft, hätten die Männer hinter den Fenstern nicht in diesem Moment das Feuer aus ihren Gewehren eröffnet. Der Pfeilregen hörte nicht auf, nahm aber an Intensität ab, während sich Indiana und Joana mit verzweifelten Sprüngen dem Haus näherten. Mehrere der kleinen, gefiederten Todesboten verfehlten sie im wahrsten Sinne des Wortes um Haaresbreite. Aus den Augenwinkeln sah er, wie zwei der Angreifer mit gewaltigen Sprüngen auf sie zurannten und plötzlich zurückprallten, als die Männer im Haus ihr Gewehrfeuer auf sie konzentrierten. Wie durch ein Wunder wurden sie nicht getroffen, mußten sich aber hastig in den Schutz des Waldes zurückziehen.
Indiana warf sich mit einem verzweifelten Satz durch die Tür, wobei er Joana einfach mit sich zerrte, so daß sie beide gemeinsam den Mann mit dem Panamahut von den Füßen rissen, der ihnen die Arme entgegengestreckt, es aber nicht gewagt hatte, das Haus zu verlassen. Aneinandergeklammert schlitterten sie ein Stück weit über die spiegelblank gebohnerten Fliesen, während jemand hinter ihnen wuchtig die Tür zuwarf und einen Riegel vorlegte. Ein Geräusch wie das Trommeln von Hagelkörnern erklang; eine ganze Salve der kleinen Blasrohrgeschosse, die sich in das Holz der Tür bohrte.