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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Hälfte der Häuser von Emondsfeld bestand nur noch aus verkohlten Trümmerhaufen. Rußgeschwärzte gemauerte Kamine ragten wie schmutzige Finger aus Haufen angekohlter Balken hervor. Dünne Rauchfäden kräuselten sich aus den Ruinen. Dorfbewohner mit schmutzverkrusteten Gesichtern, viele noch in Nachtgewändern, suchten in der Asche herum, bargen hier einen Kochtopf oder stocherten dort einsam mit einem Stock in den Trümmern herum. Die wenigen aus den Flammen geretteten Besitztümer säumten die Straßen: Hohe Spiegel und lackierte Kommoden und Schränkchen standen da im Staub zwischen Stühlen und Tischen, waren unter Bettwäsche und Kochgeschirr und dürftigen Kleidungshaufen und persönlicher Habe begraben.

Der Streifen der Zerstörung zog sich planlos durch das Dorf. Fünf Häuser hintereinander waren unversehrt geblieben, während anderswo nur ein einziges inmitten der Ruinen stand.

Jenseits des Weinquellenbaches schlugen die Flammen der drei riesigen Bel-Tine-Freudenfeuer hoch, von einigen Männern überwacht. Dicke schwarze Rauchsäulen beugten sich im Wind nach Norden zu, mit Funkenschauern durchsetzt. Einer der Dhurranhengste von Meister al'Vere schleifte etwas, das Rand nicht erkennen konnte, über den Boden auf die Wagenbrücke und die Flammen zu. Bevor er noch die Deckung der Bäume verlassen hatte, eilte Haral Luhhan mit rußigem Gesicht auf ihn zu, eine Holzfälleraxt in der kräftigen Faust. Das ascheverkrustete Nachthemd des bulligen Schmieds hing bis auf seine Stiefel hinunter, und durch einen Riß erkannte Rand die bösartigrote Schwellung einer Brandwunde auf seiner Brust. Er kniete neben der Bahre nieder. Tams Augen waren geschlossen, seine Atmung ging flach und röchelnd.

»Trollocs, Junge?« fragte Meister Luhhan mit rauchheiserer Stimme. »Hier auch. Hier auch. Na ja, vielleicht hatten wir sogar noch mehr Glück als Verstand bei der ganzen Sache. Jedenfalls muß Tam zur Seherin. Wo bei allem Licht steckt sie nur? Egwene!«

Egwene, die gerade mit einer Ladung zu Binden zerrissener Bettücher vorbeikam, sah sich nach ihnen um, ohne ihren Schritt zu verlangsamen. Ihre Augen blickten in eine unbestimmte Ferne; dunkle Ringe ließen sie noch größer erscheinen, als sie sowieso schon waren. Dann sah sie Rand und blieb stehen. Sie atmete zittrig ein.

»O nein, Rand! Dein Vater? Ist er... ? Komm, ich bringe dich zu Nynaeve.«

Rand war zu müde und zu entsetzt, um auch nur ein Wort herauszubringen. Die ganze Nacht über war Emondsfeld für ihn ein Zufluchtsort gewesen, wo Tam und er in Sicherheit sein würden. Und nun brachte er es lediglich fertig, entsetzt auf ihr vom Rauch fleckiges Kleid zu starren. Er bemerkte einige Kleinigkeiten am Rande, die ihm im Moment sehr wichtig erschienen. Die Knöpfe am Rücken ihres Kleides waren schief zugeknöpft. Und ihre Hände waren sauber. Er fragte sich, wieso ihre Hände sauber waren, obwohl ihre Wangen von Ruß verschmiert waren.

Meister Luhhan schien zu verstehen, was ihn bewegte. Er legte seine Axt auf die Bahre, nahm ihr hinteres Ende auf und rückte einmal kurz damit, um ihn aufzufordern, Egwene zu folgen. Rand stolperte wie ein Schlafwandler hinter ihr her. Kurz tauchte in ihm die Frage auf, ob Meister Luhhan wußte, daß die Kreaturen Trollocs waren, doch der Impuls verflog sofort wieder. Wenn Tam sie erkannte, gab es keinen Grund, warum Haral Luhhan das nicht auch tat.

»All die Geschichten sind wahr«, murmelte er.

»Es scheint so, Junge«, sagte der Schmied. »Es scheint so.«

Rand hörte nur halb hin. Er konzentrierte sich darauf, Egwenes schlanker Gestalt zu folgen. Er hatte sich so weit zusammengerissen, daß er wünschte, sie würde sich etwas beeilen, obwohl sie in Wirklichkeit ja langsam genug ging, damit ihr die beiden Männer mit ihrer Last folgen konnten. Sie führte sie über das Grün bis zum Haus der Calders. Die Kanten des Strohdachs waren verkohlt und die weißgetünchten Wände rußverschmiert. Von den Häusern zu beiden Seiten waren nur die Grundmauern und zwei Haufen mit Asche und verkohlten Balken übriggeblieben. Eines davon hatte Berin Thane gehört, einem der Brüder des Müllers. Das andere gehörte Abell Cauthon, Mats Vater. Sogar die Schornsteine waren umgestürzt.

»Wartet hier!« bat Egwene und sie sah sie an, als erwarte sie eine Antwort. Als sie einfach nur stehenblieben, murmelte sie etwas in sich hinein und eilte ins Haus.

»Mat«, sagte Rand, »ist er...?«

»Er lebt«, sagte der Schmied. Er setzte sein Ende der Bahre ab und richtete sich langsam auf. »Ich habe ihn vor kurzem gesehen. Es ist erstaunlich, daß überhaupt noch welche von uns leben. So, wie sie mein Haus und die Schmiede angriffen, hätte man denken können, ich habe dort Gold und Edelsteine versteckt. Alsbet hat einem mit einer Bratpfanne den Schädel eingeschlagen. Heute morgen hat sie einen Blick auf die Asche unseres Hauses getan, sich dann den größten Hammer aus den Überresten der Schmiede geschnappt und ist auf die Jagd gegangen, für den Fall, daß sich einer versteckt hat und nicht mit den anderen fortgerannt ist. Ich habe fast Mitleid mit so einem Wesen, falls sie eines findet.« Er nickte in Richtung auf das Haus der Calders. »Frau Calder und ein paar andere haben einige der Verletzten aufgenommen, deren Häuser zerstört worden sind. Wenn die Seherin sich um Tam gekümmert hat, werden wir ihm ein Bett suchen. Vielleicht in der Schenke. Der Bürgermeister hat das schon angeboten, aber Nynaeve meint, die Verwundeten würden schneller gesund, wenn nicht so viele zusammen lägen.«

Rand sank auf die Knie. Er schüttelte die Deckengurte ab und überprüfte erschöpft Tams Decke. Tam bewegte sich nicht und gab auch keinen Laut von sich, selbst dann, als Rands Hände ihn zur Seite schoben. Aber wenigstens atmete er noch. Mein Vater. Das andere war nur Fiebergeschwätz. »Was wird, wenn sie zurückkommen?« fragte er schwerfällig. »Das Rad webt, wie das Rad es wünscht«, sagte Meister Luhhan unsicher. »Falls sie zurückkommen... Na ja, jetzt sind sie erst mal weg. Also sammeln wir auf, was übriggeblieben ist, und bauen wieder neu, was sie niedergerissen haben.« Er seufzte. Sein Gesicht erschlaffte, als er sich den Nacken rieb Jetzt erst erkannte Rand, daß dieser schwere Brocken von Mann genauso erschöpft war wie er, vielleicht sogar noch mehr. Der Schmied sah sich um und schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, daß das heute noch ein tolles Bel-Tine-Fest wird. Aber wir werden durchkommen. Wir haben's immer geschafft.« Plötzlich hob er seine Axt wieder auf und machte ein entschlossenes Gesicht. »Auf mich wartet Arbeit. Mach dir keine Sorgen, Junge. Die Seherin wird sich um ihn kümmern, und das Licht hilft uns allen. Und wenn das Licht nicht hilft, dann helfen wir uns eben selbst. Denk daran, wir sind die Menschen der Zwei Flüsse!«

Immer noch auf Knien sah Rand das Dorf an, während der Schmied wegging. Er sah es eigentlich zum erstenmal richtig an. Meister Luhhan hatte recht, dachte er und war überrascht, daß er von diesem Anblick nicht überrascht war. Die Menschen wühlten immer noch in den Ruinen ihrer Häuser herum, aber sogar nach der kurzen Zeit, die er hier verbracht hatte, war es ersichtlich, daß sich viele von ihnen nun zielbewußt bewegten. Er fühlte förmlich ihre wachsende Entschlossenheit. Aber er fragte sich eines: Sie hatten Trollocs gesehen, hatten sie aber auch den schwarzgekleideten Reiter sehen können? Hatten sie seinen Haß gefühlt?

Nynaeve und Egwene traten aus dem Calder-Haus, und er sprang auf die Füße. Oder vielmehr: Er versuchte aufzustehen, aber es glich mehr einem Vorwärtsfallen, und er landete beinahe mit dem Gesicht im Staub.

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