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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Ein anderes Gesicht gesellte sich zu Bennetts. Dieses gehörte keinem Ritter von Solamnia, sondern einem fremdartig gerüsteten, bärtigen Bär von Gesicht. Es trug einen höhnischen Ausdruck.

Hätte er es nicht hier und jetzt gesehen, so hätte der bärenähnliche Mann es nie geglaubt, daß ein Mann sich so schnell bewegen konnte. Irgendwie zog die abgekämpfte Gestalt, die sich da über den Fluß beugte, scheinbar aus dem Nichts ein Breitschwert, und der verblüffte Fremde schaffte es gerade noch, dem Hieb auszuweichen – und auch das hauptsächlich wegen des ungünstigen Winkels des anderen.

Huma konnte den Mann, der versucht hatte, sich an ihn anzuschleichen, nicht sofort einordnen. Er trug ein Sammelsurium verschiedener Rüstungen, teilweise nach Ogerart, teilweise aus solamnischen Rüstungen. Huma hätte den Mann laufen lassen, doch jetzt fragte er sich, ob er nicht einem Räuber begegnet war, der sogar die Toten bestahl.

Sein Gegner stieß einen Schrei aus, drehte sich um und rannte davon, erstaunlich schnell für eine so unförmige Gestalt. Huma setzte ihm nach.

Die Erschöpfung machte ihn langsam. Dennoch hatte Huma den Mann fast eingeholt, als der andere um einen kleinen Hügel lief. Huma folgte ihm auf dem Fuß…

… und wich sofort zurück, als mehr als ein Dutzend Reiter und viel, viel mehr Fußsoldaten die beiden Neuankömmlinge überrascht anstarrten.

Ein großer Mann mit schwarzem, von Silberfäden durchzogenem Haar und sorgfältig gestutztem, schwarzem Bart bellte einen Befehl. Huma verstand den genauen Wortlaut nicht, doch er wußte, was sie mit ihm tun sollten.

Jetzt verließ ihn sein Glück, denn die Bäume standen hier spärlicher, und die Reiter kannten das Gelände, wie man aus ihren gekonnten Manövern schließen konnte. Als er erkannte, daß er ihnen nicht entkommen konnte, drehte der Ritter sich um und machte sich bereit. Das waren nicht die menschlichen Streitkräfte der Drachenkönigin, soviel wußte er, doch ob Freund oder Feind, war ungewiß.

Die ersten Männer ritten auf ihn zu. Sie waren gute Reiter, aber er konnte sie mit dem Schwert auf Distanz halten. Das fiel ihm schon schwerer, als ein dritter Mann heranritt, gefolgt von Fußsoldaten, so daß Huma sich in einem rasch enger werdenden Kreis gefangen sah. Noch immer griff keiner der Soldaten an. Keiner hatte den Wunsch, diese blitzende Klinge zu kreuzen.

»Die Waffen weg! Das ist ein Befehl!«

Die anderen Reiter trafen ein. Der Mann, der den Befehl gerufen hatte, trieb sein Pferd zu dem Kreis, wo die Soldaten ihm Platz machten. Er ritt zu Huma hin und musterte ihn. Der Kommandant war ein Mann mit ausgeprägtem Profil, dessen Gesicht von der Verantwortung eines Anführers gezeichnet war. Wie viele Ritter von Solamnia trug er die habichtartigen Gesichtszüge, die auf altes, ergodianisches Blut hindeuteten – königliches Blut. Sein Gesicht war jedoch nicht so streng wie das des Großmeisters oder das von Bennett. Das feine Lächeln, das um den Mund spielte, wäre bei diesen beiden großartigen Rittern fehl am Platze gewesen. »Ein Ritter von Solamnia? Ein bißchen weit ab von Burg Vingaard, nicht wahr, Ritter der Krone?«

Huma lief rot an bei dem Gedanken, was der Mann von ihm halten mußte. Er verschaffte der Ritterschaft nicht gerade großes Ansehen. Huma versuchte, seine Würde zu wahren, indem er erwiderte: »Ich bin seit Tagen allein unterwegs. Ich habe mit Monstern und Kriegern gekämpft. Meine Wanderung war nicht ganz freiwillig.«

Er traute ihnen noch nicht genug, um mehr zu sagen.

»Aha.« Der Kommandant setzte sich im Sattel zurecht. »Ich bin Fürst Guido Avontal von Durendi, gegenwärtig etwas zu weit im Süden für meinen Geschmack. Wer bist du, und was machst du mitten in Ergod? Sind die Solamnier jetzt doch noch durchgebrochen?«

»Ich bin Huma, Ritter von Solamnia, Vertreter des Ordens der Krone. Ich wurde von der Schwarzen Garde in diese Gegend gehetzt, als die dunklen Horden der Drachenkönigin unsere Linien überrannten.« Er hätte lügen können, um ihnen Hoffnung zu lassen, doch er entschied sich dagegen.

Avontals Gesicht wurde weiß. Die umstehenden Soldaten begannen nervös vor sich hin zu murmeln.

»Verstehe ich das richtig? Die Ritterschaft ist zerschlagen?«

»Nein, Fürst Avontal. Unsere Linien sind zerschlagen, aber wir sollten uns weiter hinten wieder sammeln. Ich wurde leider in die falsche Richtung abgedrängt. Burg Vingaard steht noch, wie es immer war und immer sein wird.«

Der andere lächelte sarkastisch. »Uns in Ergod ist die Stärke der Ritterschaft nur zu gut bekannt, auch wenn sie anscheinend wenig Auswirkungen gezeigt hat. Ich freue mich jedoch zu hören, daß die Ritter noch nicht völlig vernichtet wurden.«

Einer der anderen Reiter kam näher, und Huma wirbelte herum, wobei er dem Mann warnend seine Klinge entgegenstreckte. Avontal hob eine Hand, um beide zu beruhigen.

»Ich habe viele Fragen, aber du scheinst müde zu sein. Du«, der Kommandant zeigte auf den Reiter, der näher gekommen war, »überläßt ihm vorläufig dein Pferd.«

»Ja, Herr.«

Huma blickte von dem angebotenen Pferd zu Guido Avontal und wieder zurück. Der Adlige runzelte die Stirn, als er die Gedanken des jungen Ritters erriet.

»Das ist keine Falle, Huma. Auch wir sind Feinde der Drachenkönigin. Lassen wir die Probleme der Vergangenheit, wo sie hingehören – in der Vergangenheit.«

»Das ist auch mein Wunsch, Fürst Avontal«, betonte Huma und kletterte dankbar auf das Pferd.

»Gut. Wenn wir wieder im Lager sind, kümmere ich mich darum, daß du etwas zu essen bekommst. Danach kannst du dich entweder ausruhen oder gleich zu mir kommen.«

Huma kam ein Gedanke. »Herr, gibt es irgendwelche Gerüchte über einen einzelnen Minotaurus in dieser Gegend?«

»Ein Minotaurus?« Avontal sah seine Sekundanten verblüfft an. Sie schüttelten den Kopf. »Anscheinend nicht. Aber wenn es einen gibt, werden wir schon mit ihm fertig, keine Sorge.«

Huma schlug einen dringlichen Tonfall an. »Herr, genau das wünsche ich nicht! Der Minotaurus – ich sehe ein, daß es schwer nachvollziehbar ist – ist ein Verbündeter und darf nicht verletzt werden. Sein Name ist Kaz.«

»So, so.« Avontal musterte Huma erneut. Diesmal länger. »So etwas habe ich noch nie gehört und hätte auch niemals erwartet, es von einem solamnischen Ritter zu hören. Aber ich werde deiner Bitte entsprechen. Genügt das?«

»Ja, Herr.«

»Gut.« Avontal drehte sich zu seinem Adjutanten um. »Mach aus diesem Haufen wieder eine Truppe. Und sperr den da ein, wenn wir zurückkommen.« Der Adlige merkte, daß er dem jungen Ritter in die Augen sah. »Der Mann, den du gejagt hast, war übrigens ein Deserteur. Meinen Dank dafür. Ich freue mich auf unser Gespräch.«

Die Berittenen und Fußsoldaten stellten sich wieder auf und setzten sich auf Fürst Avontals Befehl hin nach Süden in Marsch. Auch wenn Huma lieber weiter nach Südwesten geritten wäre, vertraute er Fürst Avontal.

Plötzlich überkam ihn eine Welle der Übelkeit, und er kippte fast aus dem Sattel.

»Bei den Göttern!« Die Kiefer des Kommandanten bewegten sich, doch er wußte zunächst nicht, was er sagen sollte. »Derek, halt ihn fest! Wir wollen nicht, daß er unter die Hufe seines Pferdes gerät.« Avontal betrachtete Huma genauer. »Bei den Göttern!« wiederholte er. »Er ist von Wunden übersät!«

Es gab keine Heiler der Mishakal bei der Armee. Eine neue Pestwelle hatte bei Kargod zugeschlagen, und die Kleriker dort waren unter den ersten Opfern gewesen. Avontal murmelte etwas davon, daß die Pest sehr wählerisch war, denn sie schlug meistens dort zu, wo es am meisten schmerzte. Kargod war bisher verschont geblieben und sollte das wichtigste Nachschublager für Avontals Soldaten werden. Huma schlief einen ganzen Tag lang, was den Adligen ängstigte, denn überwältigende Müdigkeit war eines der ersten Zeichen der Seuche. Erst als Huma dankbar und energiegeladen erwachte, entspannte sich Fürst Guido. Als er beruhigt war, daß der junge Ritter ganz wieder hergestellt war, rief Avontal ihn für eine Unterhaltung unter vier Augen zu sich.

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