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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Ich war froh, als sich die Fahrstuhltüren endlich öffneten. Vor uns führte ein Weg aus schwebenden Steinplatten durch die Wolken zum Olymp, der zweitausend Meter über Manhattan hing.

Ich war schon mehrere Male auf dem Olymp gewesen, aber der Anblick verschlug mir noch immer den Atem. Die Häuser funkelten golden und weiß am Berghang. Gärten blühten auf hundert Terrassen. Duftender Rauch stieg aus den Kohlenpfannen auf, die die kurvenreichen Straßen säumten. Und ganz oben auf dem verschneiten Gipfel ragte der Hauptpalast der Götter auf. Er sah so majestätisch aus wie immer, aber irgendwas schien nicht zu stimmen. Dann merkte ich, dass der Berg stumm war – keine Musik, keine Stimmen, kein Lachen.

Annabeth musterte mich. »Du siehst so … anders aus«, sagte sie dann. »Wo warst du denn eigentlich?«

»Sag ich dir später«, sagte ich. »Weiter.«

Wir liefen über die Himmelsbrücke zu den Straßen des Olymps. Die Läden waren geschlossen. Die Parks waren leer. Zwei Musen saßen auf einer Bank und zupften auf flammenden Leiern, aber sie schienen nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Ein einsamer Zyklop fegte mit einer ausgerissenen Eiche die Straße. Ein zweitrangiger Gott entdeckte uns von einem Balkon aus, wich zurück und schlug seine Fensterläden zu.

Wir gingen unter einem riesigen Marmorbogen mit Statuen von Zeus und Hera auf beiden Seiten hindurch. Annabeth schnitt vor der Herrscherin der Götter eine Grimasse.

»Ich hasse sie«, murmelte sie.

»Hat sie dich verflucht oder so?«, fragte ich. Im vergangenen Jahr war Annabeth mit Hera aneinandergeraten, hatte sie aber seither kaum erwähnt.

»Bisher nur Kleinkram«, sagte sie. »Ihr heiliges Tier ist die Kuh, weißt du noch?«

»Richtig.«

»Also schickt sie mir Kühe auf den Hals.«

Ich versuchte, ein Lachen zu unterdrücken. »Kühe? Nach San Francisco?«

»Genau. Meistens sehe ich sie nicht, aber die Kühe hinterlassen überall kleine Geschenke für mich – in unserem Garten, auf dem Bürgersteig, in der Schule. Ich muss bei jedem Schritt aufpassen!«

»Seht mal«, rief Pollux und zeigte auf den Horizont. »Was ist das denn?«

Wir erstarrten. Blaue Lichter jagten wie winzige Kometen über den Abendhimmel auf den Olymp zu. Sie schienen aus der ganzen Stadt zu kommen und steuerten geradewegs den Berg an. Im Näherkommen erloschen sie zischend. Wir sahen ihnen einige Minuten lang zu und sie schienen keinen Schaden anzurichten, aber seltsam war es trotzdem.

»Wie Infrarotstrahlen«, murmelte Michael Yew. »Die zielen auf uns.«

»Gehen wir in den Palast«, sagte ich.

Die Halle der Götter war unbewacht. Die goldenen und silbernen Türen standen weit offen. Unsere Schritte hallten laut wider, als wir den Thronsaal betraten.

Natürlich ist »Saal« nicht ganz das richtige Wort. Das Ding war so groß wie der Madison Square Garden. Hoch droben an der blauen Decke funkelten Sternbilder. Zwölf riesige leere Throne standen im Halbkreis um eine Feuerstätte. In einer Ecke schwebte ein hausgroßes Wasserbecken in der Luft, und darin schwamm mein alter Freund, der Ophiotaurus, halb Kuh, halb Schlange.

»Muuuh!«, sagte er glücklich und drehte sich um sich selbst.

Trotz aller Probleme musste ich lächeln. Zwei Jahre zuvor hatten wir viel Zeit mit dem Versuch verbracht, den Ophiotaurus vor den Titanen zu retten, und ich hatte ihn dabei sehr ins Herz geschlossen. Auch er schien mich zu mögen, obwohl ich ihn anfangs für ein Mädchen gehalten und Bessie getauft hatte.

»He, Mann«, sagte ich. »Behandeln sie dich gut?«

»Muuuh«, antwortete Bessie.

Wir gingen auf die Thronsessel zu und eine Frauenstimme sagte: »So sehen wir uns wieder, Percy Jackson. Du und deine Freunde seid willkommen.«

An der Feuerstätte stand Hestia und stocherte mit einem Stock in den Flammen. Sie trug dasselbe schlichte braune Kleid wie beim ersten Mal, aber jetzt war sie eine erwachsene Frau.

Ich verbeugte mich. »Göttin Hestia.«

Die anderen folgten meinem Beispiel.

Hestia musterte mich mit ihren rot glühenden Augen. »Ich sehe, du hast deinen Plan ausgeführt. Du trägst den Fluch des Achilles.«

Die anderen fingen an zu murmeln: »Was hat sie da gesagt? Was hat das mit Achilles zu tun?«

»Du musst vorsichtig sein«, sagte Hestia mahnend zu mir. »Du hast auf deiner Reise viel gewonnen. Aber für die wichtigste Wahrheit bist du noch immer blind. Vielleicht ist dir ein kurzer Blick darauf gestattet.«

Annabeth stieß mich an. »Äh … wovon redet sie da?«

Ich starrte in Hestias Augen und mir schoss ein Bild durch den Kopf. Ich sah eine dunkle Gasse zwischen Lagerhäusern aus rotem Klinker. Über einer Tür las ich auf einem Schild EISENWERKE RICHMOND.

Zwei Halbblute kauerten im Schatten, ein Junge von vielleicht vierzehn und ein Mädchen von zwölf. Ich zuckte zusammen, als ich Luke erkannte. Das Mädchen war Thalia, Tochter des Zeus. Ich sah eine Szene aus ihrer Zeit auf der Flucht, ehe Grover sie gefunden hatte.

Luke hielt ein Bronzemesser in der Hand. Thalia umklammerte ihren Speer und ihren Terrorschild Aigis. Beide sahen hungrig und abgehetzt aus, mit wilden Tieraugen, als wären sie an Angriffe gewöhnt.

»Bist du sicher?«, fragte Thalia.

Luke nickte. »Irgendwo hier unten. Das spüre ich.«

Ein Grollen ertönte aus der Gasse, als hätte jemand auf eine Metallplatte geschlagen. Die Halbblute krochen weiter.

Alte Holzkästen waren auf einer Laderampe aufgetürmt. Thalia und Luke näherten sich mit erhobenen Waffen. Ein Vorhang aus rostigem Wellblech bebte, als ob sich dahinter etwas versteckte.

Thalia schaute zu Luke hinüber. Er zählte lautlos: »Eins, zwei, drei!«, dann riss er das Blech weg und ein kleines Mädchen griff ihn mit einem Hammer an.

»Hey!«, sagte Luke.

Das Mädchen hatte verfilzte blonde Haare und trug einen Flanellschlafanzug. Sie konnte nicht älter als sieben sein, aber sie hätte Luke den Schädel eingeschlagen, wenn er nicht so schnell reagiert hätte.

Er packte ihr Handgelenk und der Hammer flog über den Zement.

Die Kleine wehrte sich und trat um sich. »Keine Monster mehr! Geh weg!«

»Ist schon gut.« Luke gab sich alle Mühe, sie festzuhalten. »Thalia, weg mit dem Schild. Du machst ihr Angst.«

Thalia tippte Aigis an und der Schild schrumpfte zu einem Silberarmband zusammen. »Es ist alles in Ordnung«, sagte sie. »Wir tun dir nichts. Ich bin Thalia. Das ist Luke.«

»Monster!«

»Nein«, versicherte Luke. »Aber mit Monstern kennen wir uns aus. Wir kämpfen doch auch gegen sie.«

Langsam hörte die Kleine auf zu treten. Sie musterte Luke und Thalia mit großen, intelligenten grauen Augen.

»Ihr seid wie ich?«, fragte sie misstrauisch.

»Ja«, sagte Luke. »Wir … na ja, das ist schwer zu erklären, aber wir kämpfen gegen Monster. Wo ist deine Familie?«

»Meine Familie hasst mich«, sagte die Kleine. »Sie wollen mich nicht. Ich bin weggelaufen.«

Thalia und Luke wechselten einen Blick. Ich wusste, dass sie genau verstanden, was das Kind meinte.

»Und wie heißt du?«, fragte Thalia.

»Annabeth.«

Luke lächelte. »Schöner Name. Ich sag dir eins, Annabeth. Du schlägst ganz schön gut zu. Eine Kämpferin wie dich könnten wir brauchen.«

Annabeth machte große Augen. »Echt?«

»Aber klar.« Luke drehte sein Messer um und hielt ihr den Griff hin. »Was würdest du zu einer echten Monstermordwaffe sagen? Das hier ist himmlische Bronze. Viel besser als ein Hammer.«

In den meisten Fällen wäre es wohl keine gute Idee, einem Kind von sieben Jahren ein Messer anzubieten, aber bei einem Halbblut kann man die üblichen Benimmregeln getrost über Bord werfen.

Annabeth griff zu.

»Messer sind nur für die tapfersten und schnellsten Kämpfer geeignet«, erklärte Luke. »Sie sind nicht so gefährlich wie ein Schwert und haben nicht so eine große Reichweite, aber sie sind leicht zu verstecken und können Schwachstellen in der Rüstung der Feinde finden. Nur kluge Kriegerinnen können mit Messern umgehen. Und ich habe das Gefühl, dass du ganz schön klug bist.«

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