Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Научная фантастика » Fahrstuhl zu den Sternen
Fahrstuhl zu den Sternen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Fahrstuhl zu den Sternen

Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:

Fahrstuhl zu den Sternen
1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 69
Перейти на страницу:

Nur der schärfste Blick vermochte zu erkennen, dass der riesige, gelbe Mond, der über den glockenförmigen Silhouetten uralter Grabmäler schwebte, noch kein vollkommener Kreis war. Sein Schein war so intensiv, dass nur die lichtstärksten unter den Satelliten und Sternen am wolkenlosen Nachthimmel zu sehen waren. Und kein Windhauch bewegte die Luft.

Zweimal, so berichtete die Legende, hatte Kalidasa auf dieser Straße angehalten, als er Ranapura für immer verließ. Der erste Halt hatte am Grabmal Hanumans, des geliebten Gefährten seiner Kindheit, stattgefunden. Den zweiten hatte er am Schrein des Sterbenden Buddha eingelegt. Radschasinghe hatte sich oft gefragt, welchen Trost der Anblick der Statue dem vom Schicksal verfolgten König bereitet haben mochte. Womöglich hatte er an demselben Ort angehalten, an dem Radschasinghe sich jetzt befand; denn von hier aus war die Aussicht auf die gewaltige, aus dem Felsen gehauene Statue am besten. Die liegende Gestalt war so vollendet proportioniert, dass man ganz nahe herangehen musste, bevor man erkannte, wie riesig das Bildnis war. Aus der Ferne konnte man sich unmöglich vorstellen, dass allein das Kissen, auf dem Buddhas Kopf ruhte, mehr als Manneshöhe besaß.

Radschasinghe hatte viel von der Welt gesehen, aber er kannte keinen zweiten Ort, der so voller Friede war. Manchmal hatte er den Eindruck, er könne hier bis in alle Ewigkeit sitzen, unter dem hellen Glanz des Mondes, ganz und gar unberührt von den Sorgen und dem Durcheinander des Lebens. Er hatte niemals versucht, die Zauberkraft des Schreines zu erforschen — aus Furcht, er könne sie durch seine Forschung zerstören. Einige ihrer Bestandteile waren indes offensichtlich. Alleine die Haltung des Erleuchteten, der nach einem langen und vornehmen Leben endlich mit geschlossenen Augen ruhte, strahlte Ruhe aus. Die fließenden Falten des Gewandes erfüllten den Betrachter mit Trost und Frieden; sie schienen aus dem Felsen zu strömen und bildeten Wellen aus erstarrtem Stein. Wie die Wellen der See sprachen sie auf Instinkte an, von deren Existenz der rationale Verstand nichts wusste.

In Augenblicken wie diesem, in denen die Zeit stillstand, allein mit Buddha und dem nahezu vollen Mond, empfand Radschasinghe, dass er nun endlich die Bedeutung des Nirwana begreifen könne — jenes unfassbaren Zustands, der nur durch Aussagen darüber, was er nicht ist, beschrieben werden kann. Empfindungen wie Ärger, Lust, Gier waren plötzlich machtlos, ja, kaum noch wahrnehmbar. Selbst das Verständnis der persönlichen Identität löste sich auf wie Morgennebel unter den Strahlen der Sonne.

Es war natürlich nicht von Dauer. Plötzlich drangen das Summen der Insekten und weit entferntes Hundegebell wieder in sein Bewusstsein, und er spürte die kalte Härte des Steines, auf dem er saß. Ruhe war ein Zustand, der sich nicht lange erhalten ließ. Mit einem Seufzer stand Radschasinghe auf und kehrte zu seinem Wagen zurück, der hundert Meter entfernt außerhalb des Tempelgeländes geparkt stand.

Er war gerade beim Einsteigen, als er den kleinen weißen Flecken bemerkte, der sich so deutlich gegen den Hintergrund abhob, als sei er an den Himmel gemalt. Er glitt jenseits der Bäume im Westen in die Höhe und stellte die eigenartigste Wolke dar, die Radschasinghe je zu sehen bekommen hatte, ein vollendet symmetrisches Ellipsoid mit derart scharfen Rändern, als bestünde es aus fester Materie. Einen Augenblick lang war er versucht, zu glauben, da steuere jemand ein Luftschiff durch den Nachthimmel von Taprobane; aber er sah keine Steuerflächen, und es gab keinerlei Motorengeräusch.

Dann kreuzte ein noch aufregenderer Gedanke seinen Sinn: Die Starholmer waren angekommen …

Absurd, natürlich. Selbst wenn sie ihre eigenen Radiosignale überholt hätten, sie wären niemals quer durch das ganze Sonnensystem geflogen und in den Himmel der Erde hinabgestoßen, ohne sämtliche Verkehrsradars zu aktivieren. Die Nachricht von ihrer Ankunft hätte sich schon längst verbreitet.

Es überraschte Radschasinghe, festzustellen, dass diese Überlegung ihn enttäuschte. Jetzt, als die Erscheinung näher kam, erkannte er unzweideutig, dass es sich um eine Wolke handelte: die Ränder lösten sich allmählich auf. Sie bewegte sich mit beeindruckender Geschwindigkeit, offenbar von einem privaten Wind getrieben, von dem hier unten auf der Erdoberfläche nichts zu spüren war.

Die Wissenschaftler der Monsun-Kontrolle waren wieder am Werk und versuchten ihre Künste an der Steuerung des Windes. Was, fragte sich Radschasinghe, würde ihnen als Nächstes in den Sinn kommen?

Raumstation Ashoka

Wie winzig die Insel aus dieser Höhe wirkte! Sechsunddreißigtausend Kilometer tief drunten erschien Taprobane nicht wesentlich größer als der Mond. Selbst die gesamte Landfläche erschien als Ziel viel zu klein, als dass jemand hätte versuchen mögen, sie zu treffen. Morgan aber zielte auf ein Stück Erdreich in ihrem Zentrum, nicht größer als ein Tennisplatz.

Bis auf den gegenwärtigen Augenblick war sich Morgan über seine Motive noch nicht im Klaren. Seine kleine Vorführung hätte er auch von der Raumstation Kinte aus abwickeln können, mit Ziel Kilimandscharo oder Mount Kenia. Der Umstand, dass Kinte sich am unstabilsten Punkt des gesamten Synchronorbits befand und ständig hin und her zockelte, um über Zentralafrika zu bleiben, spielte bei der geringen Dauer seines Experiments keine Rolle. Eine Zeitlang hatte ihm sogar der Chimborasso als Ziel vorgeschwebt; die Amerikaner hatten ihm angeboten, die Raumstation Columbus mit beachtlichen Kosten auf den entsprechenden Längengrad zu manövrieren. Schließlich aber war er trotz aller Ermutigungen in anderer Richtung zu seinem ursprünglichen Ziel zurückgekehrt: Sri Kanda.

Glücklicherweise konnte in diesem Zeitalter der rechnergestützten Entscheidungen selbst ein Spruch des Weltgerichtshofs in wenigen Wochen herbeigeführt werden. Der Tempel hatte selbstverständlich Beschwerde eingelegt. Morgans Argument war gewesen, ein wissenschaftliches Experiment von kurzer Dauer, durchgeführt außerhalb des Tempelgeländes, ohne Geräusch, Umweltverschmutzung oder sonstige schädliche Einflüsse, könne unmöglich als Belästigung ausgelegt werden. Wenn man ihn an der Ausführung des Versuchs hinderte, wären all seine bisherigen Studien in Frage gestellt, es wäre ihm die Möglichkeit genommen, die Richtigkeit seiner Berechnungen zu überprüfen, und ein für die Republik Mars lebenswichtiges Projekt erlitte einen ernstzunehmenden Rückschlag.

Das Argument war äußerst plausibel, und Morgan selbst war von der Richtigkeit der Mehrzahl seiner Behauptungen überzeugt. Ebenso überzeugt waren die Richter, mit einem Stimmenverhältnis von fünf zu zwo. Obwohl sie sich durch solche Dinge nicht hätten beeinflussen lassen sollen, war es ein geschickter Schachzug gewesen, die Republik Mars zu erwähnen. Die RM war beim Weltgerichtshof bereits mit drei komplizierten Fällen anhängig, und die Richter wurden allmählich müde, Präzedenzfälle des interplanetarischen Rechts zu schaffen.

Morgan indes trug in dem analytisch kühlen Teil seines Bewusstseins die Kenntnis, dass seine Handlung keineswegs nur der Logik entsprang. Er war nicht der Mann, der eine Niederlage mit Gleichmut akzeptierte. Die Geste der Vergeltung bereitete ihm eine gewisse Genugtuung. Auf einer noch tieferen Ebene seines Bewusstseins verwarf er jedoch dieses kleinliche Motiv; eine derart kindische Reaktion war seiner nicht würdig. Was er wirklich wollte, war, sein Selbstbewusstsein wiederaufzubauen und seinen Glauben an den Erfolg seines Vorhabens zu stärken. Obwohl er sich über das Wie und das Wann noch im Unklaren war, verkündete er der Welt — und den hartschädeligen Mönchen jenseits der uralten Mauern: »Ich komme wieder.«

1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 69
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)