Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
»Da ist es!«, schrie jemand.
Zwischen zwei Wolkenschiffen, die den Himmel entlangsegelten, war ein glänzender Stern aufgeleuchtet. Er sah aus wie ein Meteor bei Tageslicht. Ironischerweise, als wolle sie ihre Konstrukteure verspotten, hatte die chemische Fackel, deren eigentliche Aufgabe gewesen wäre, die Navigation auf dem letzten Streckenabschnitt zu erleichtern, von selbst gezündet. Selbst damit erfüllte sie jedoch eine nützliche Funktion. Sie machte es einfacher, die abgestürzte Sonde zu finden.
Maxines Assistent schwenkte die Kamera so, dass sie den strahlenden Tagesstern an der Bergkuppe vorbeischießen und im Osten verschwinden sehen konnte. Nach ihrer Schätzung würde er in einer Entfernung von nicht mehr als fünf Kilometern zu Boden gehen. Dann sagte sie: »Gib mir Dr. Morgan. Ich möchte mit ihm sprechen.«
Sie hatte ein paar aufmunternde Bemerkungen machen wollen, laut genug, so dass der marsianische Bankier sie hören konnte. Sie hatte ihre Zuversicht zum Ausdruck bringen wollen, dass der nächste Versuch ein voller Erfolg sein werde. Sie war noch dabei, ihre kleine Ermunterungsrede abzufassen, als ein Ereignis eintrat, das sie ihr Vorhaben alsbald vergessen ließ. Von nun an würde sie sich das Geschehen der nächsten dreißig Sekunden im Geist immer wieder vorspielen, bis sie es auswendig kannte. Aber niemals würde sie sicher sein, dass sie es völlig verstand.
Des Königs Legionen
Vannevar Morgan war an Rückschläge gewöhnt. Er hoffte zuversichtlich, dass es sich bei diesem hier um einen von geringerer Bedeutung handelte. Seine eigentliche Sorge war, als er die Fackel jenseits der Bergschulter verschwinden sah, dass Narodnij Mars das Geld, das sie in den Versuch gesteckt hatte, als hinausgeworfen betrachten würde. Der scharfäugige Beobachter in dem komplizierten Rollstuhl war ausgesprochen schweigsam. Es schien, als habe die Schwerkraft der Erde seine Zunge ebenso gelähmt wie seine Glieder. Aber jetzt sprach er Morgan an, bevor dieser das Wort an ihn richten konnte.
»Nur eine Frage, Dr. Morgan. Ich verstehe, dass dieser Sturm unvorhersehbar war — aber er hat stattgefunden. Und er mag ein weiteres Mal stattfinden. Was geschieht, wenn ein solcher Sturm auftritt, während wir den Turm bauen?«
Morgans Verstand arbeitete fieberhaft. Es war unmöglich, in so kurzer Zeit eine präzise Antwort zu geben — und dazu litt er noch immer unter dem Schock des im letzten Augenblick misslungenen Experiments.
»Im schlimmsten Fall müssen wir die Arbeiten vorübergehend einstellen. Es könnte zu Spurverschiebungen kommen. In dieser Höhe gibt es keine Windkräfte, die der Turmstruktur selbst gefährlich werden könnten. Selbst unser Experimentierdraht wäre sicher gewesen, wenn wir ihn hätten verankern können.«
Er hoffte, eine angemessene Analyse gegeben zu haben; in ein paar Minuten würde Warren Kingsley ihn wissen lassen, ob er recht hatte oder nicht. Zu seiner großen Erleichterung antwortete der Marsianer, offenbar zufriedengestellt: »Danke, mehr wollte ich nicht wissen.«
Morgan jedoch bestand darauf, seinen Fall glasklar zu machen.
»Auf Mons Pavonis gäbe es ein solches Problem natürlich überhaupt nicht. Die Luftdichte dort beträgt nur ein Hundertstel …«
Es war Jahrzehnte her, dass er den Laut gehört hatte, der ihm in diesem Augenblick donnernd und brausend die Ohren füllte. Es war ein Ton, den niemand je hätte vergessen können. Sein dröhnender Klang drang mühelos über das Heulen des Sturmes hinweg und weckte in Morgan eine Erinnerung, die ihn halbwegs um die Erde trug, fort von dem sturmumtosten Berghang unter die Kuppeln der Hagia Sophia, wo er stand und in stummer, staunender Bewunderung das Werk von Menschen begutachtete, die sechzehnhundert Jahre vor seiner Zeit gestorben waren. Und in seinen Ohren rollte der Klang der mächtigen Glocke, die einst die Gläubigen zum Gebet gerufen hatte.
Die Erinnerung an Istanbul schwand dahin; er befand sich wieder auf dem Berg, verwirrter als zuvor.
Was hatte der Mönch ihm erzählt? Kalidasas unerwünschtes Geschenk hatte jahrhundertelang geschwiegen und erhob seine Stimme nur im Augenblick einer Katastrophe? Hier hatte es keine Katastrophe gegeben, aus dem Gesichtswinkel der Mönche eher das Gegenteil. Einen Augenblick lang zog Morgan in Erwägung, die Sonde könne innerhalb des Tempelgeländes abgestürzt sein. Aber nein — das war undenkbar. Sie war kilometerweit an der Bergspitze vorbeigeflogen. Außerdem war sie viel zu klein, als dass sie nennenswerten Schaden hätte anrichten können.
Er starrte zum Kloster hinauf, von wo die eherne Stimme der großen Glocke noch immer gegen den Sturm andröhnte. Die orangefarbenen Gewänder waren von den Zinnen verschwunden; die Mönche hatten sich zurückgezogen.
Irgendetwas berührte sanft seine Wange; er schüttelte es mit einer automatischen Kopfbewegung von sich. Selbst das Denken fiel ihm schwer, solange der mörderische Lärm die Luft erfüllte und auf sein Gehirn einhämmerte. Wahrscheinlich war es am besten, wenn er zum Tempel hinaufging und sich bei dem Maha Thero höflich erkundigte, was geschehen war.
Ein weiteres Mal spürte er die sanfte, seidenweiche Berührung auf der Wange, und diesmal sah er aus den Augenwinkeln einen gelben Farbfleck. Seine Reflexe waren schon immer schnell gewesen; er griff zu und verfehlte sein Ziel nicht.
Das Insekt lag zerdrückt in seiner Hand und hauchte unter Morgans Blick die letzten Sekunden seines kurzen Lebens aus. Morgan hatte das Empfinden, das Universum, das er kannte, sei am Zittern und habe begonnen, sich aufzulösen. Seine unglaubliche Niederlage hatte sich in einen noch unverständlicheren Sieg verwandelt. Er aber empfand keinen Triumph — nur Verwirrung und Staunen.
Er erinnerte sich jetzt an die Legende von den Goldenen Schmetterlingen. Vom Sturm getrieben, waren Hunderte, Tausende von ihnen den Berghang heraufgefegt worden, um auf dem Gipfel zu sterben. Kalidasas Legionen hatten endlich ihr Ziel erreicht — die Rache gehörte ihnen.
Exodus
»Was ist los?«, sagte Scheich Abdullah. Das, meinte Morgan zu sich selbst, ist eine Frage, die ich nie werde beantworten können. Aber er antwortete: »Der Berg gehört uns, Herr Präsident; die Mönche ziehen aus. Es ist unglaublich! Wie kann eine zweitausend Jahre alte Legende …?« Er schüttelte den Kopf in staunendem Unverständnis.
»Wenn genug Menschen an eine Legende glauben, wird sie Wirklichkeit.«
»Wahrscheinlich haben Sie recht. Aber an der Sache ist mehr als nur das — der gesamte Ablauf der Ereignisse erscheint so völlig unmöglich!«
»Das ist ein Wort, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Lassen Sie mich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen. Ein lieber Freund, ein großer Wissenschaftler, inzwischen verstorben, versuchte des Öfteren, mich mit der Feststellung zu ärgern, dass Politik die Kunst des Möglichen sei und daher eine Anziehungskraft nur auf zweitrangige Geister ausübe. Die erstrangigen seien nämlich, so behauptete er, nur an dem Unmöglichen interessiert. Und wissen Sie, was ich darauf antwortete?«
»Nein«, sagte Morgan.
»Welch ein Glück, dass es unser so viele gibt — denn irgendjemand muss sich ja schließlich um den Lauf der Welt kümmern. Aber Spaß beiseite: Wenn wirklich das Unmögliche eingetreten ist, so sollten Sie es dankbar hinnehmen.«
Ich nehme es hin, dachte Morgan zögernd. Es ist etwas Fremdartiges um eine Welt, in der ein Milliarden von Tonnen schwerer Turm nur auf den Leibern von ein paar toten Schmetterlingen gebaut werden kann.
Und wie ironisch war die Rolle, die der Ehrwürdige Parakarma gespielt hatte, der sich jetzt gewiss wie eine Schachfigur in den Händen übelwollender Götter vorkam. Der Direktor der Monsun-Kontrolle war an Herz und Seele gebrochen, und Morgan hatte seine Entschuldigungen mit ungewöhnlicher Großmut entgegengenommen. Es war ihm nicht schwergefallen zu glauben, dass der geniale Dr. Choam Goldberg die Mikrometeorologie revolutioniert hatte, dass niemand seine Arbeiten wirklich begriff und dass er schließlich bei der Durchführung eines seiner Experimente das Opfer eines Nervenzusammenbruchs geworden war. Es würde kein zweites Mal vorkommen. Morgan hatte seine — durchaus aufrichtige — Hoffnung zur baldigen Genesung des Wissenschaftlers zum Ausdruck gebracht und mit dem Instinkt des Bürokraten, den er zusätzlich zu seinen Fähigkeiten als Techniker besaß, dem Direktor zu verstehen gegeben, dass er in Zukunft mit dem Entgegenkommen der Monsun-Kontrolle rechne. Der Direktor hatte sich mit Dankesversicherungen verabschiedet und sich ohne Zweifel darüber gewundert, dass er so leicht davongekommen war.