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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Zu diesem Zeitpunkt zerschmetterte Devadasa seine Bettlerschale auf Somasiris Schädel und erwarb sich somit das Recht, hinfort als der wahre Begründer der Zen-Religion verehrt zu werden.

(Aus einem unentdeckten Fragment der »Culavamsa«)

Am späten Nachmittag, als der Schein der Sonne nicht mehr mit voller Kraft auf den Stufen lag, begann der Ehrwürdige Parakarma seinen Abstieg. Bei Einbruch der Nacht würde er die höchstgelegene Pilgerraststätte erreichen und am darauffolgenden Tag den Fuß des Berges, die Welt der Menschen.

Der Mahajanake Thero hatte ihn weder mit Rat noch mit Entmutigung bedacht. Falls ihn das Scheiden seines Kollegen betrübte, hatte er es sich nicht anmerken lassen. Er hatte sich damit begnügt, in singendem Tonfall zu sagen: »Alle Dinge sind vergänglich«, die Hände zu verschränken und seinen Segen zu geben.

Dem Ehrwürdigen Parakarma, der einst Dr. Choam Goldberg gewesen war und es eines Tages womöglich wieder sein würde, fiel es schwer, einem Außenstehenden die Gesamtheit seiner Motive zu erläutern. »Das Richtige tun« ließ sich leicht sagen, aber schwer definieren.

Im Großen Tempel von Sri Kanda hatte er Seelenfrieden gefunden — aber das reichte nicht aus. Ihn und seine wissenschaftliche Ausbildung stellte die zweideutige Haltung des Ordens Gott gegenüber nicht mehr zufrieden. Diese Art Gleichgültigkeit war ihm zuletzt schlimmer erschienen als eine direkte Gottesleugnung.

Wenn so ein Ding wie ein rabbinisches Erbmerkmal überhaupt existierte, dann trug es Dr. Goldberg ganz gewiss in sich.

Wie viele vor ihm hatte Goldberg-Parakarma Gott in der Mathematik gesucht und sich dabei auch durch philosophische Zeitzünder wie Kurt Gödels unentscheidbare Propositionen aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert entmutigen lassen. Es war ihm unverständlich, wie man die dynamische Asymmetrie von Eulers fundamentaler und doch so wunderbar einfacher Gleichung

eπi + 1 = 0

betrachten konnte, ohne sich zu fragen, ob das Universum nicht doch die Schöpfung eines unendlich weit überlegenen Geistes sei.

Nachdem er sich zunächst mit einer Theorie der Kosmologie, die fast zehn Jahre überlebte, bevor sie widerlegt wurde, einen Namen gemacht hatte, war Goldberg weit und breit als ein neuer Einstein oder N'goya gefeiert worden. In einem Zeitalter der Ultraspezialisierung hatte er überdies bemerkenswerte Fortschritte in der Theorie der Aero- und Hydrodynamik erzielt — beides seit langem für tot gehaltene Wissensgebiete, auf denen niemand mehr mit Überraschungen rechnete.

Dann, am Höhepunkt seiner Laufbahn, hatte er eine religiöse Wandlung erlebt, die der Pascals vergleichbar war, wenn ihr auch die morbiden Untertöne jener fehlten. Das folgende Jahrzehnt hindurch war er voll und ganz zufrieden gewesen, sich in der Anonymität des Safrangewands zu verlieren und seinen brillanten Geist auf Fragen der Doktrin und der Philosophie zu konzentrieren. Er bedauerte das Zwischenspiel nicht, ja, er war nicht einmal sicher, ob er dem Orden wirklich den Rücken kehrte. Eines Tages würde ihn diese gewaltige Treppe womöglich wiedersehen. Aber seine von Gott gegebenen Talente rührten sich; es gab unendlich viel Arbeit zu tun, und er brauchte Werkzeuge, die man ihm auf Sri Kanda nicht zur Verfügung stellen konnte — und, was das anging, selbst auf der ganzen Erde nicht.

In diesem Augenblick empfand er nur geringe Feindseligkeit gegenüber Vannevar Morgan. Gänzlich ohne Absicht hatte der Ingenieur den entscheidenden Funken gezündet; in seiner ungeschickten Art war auch er ein Werkzeug Gottes. Aber es galt, den Tempel unter allen Umständen zu bewahren. In diesem Punkt war Parakarma fest und unerbittlich entschlossen — unabhängig davon, ob das Schicksal ihn jemals wieder in den Frieden und die Ruhe von Sri Kanda zurückbeordern würde.

So stieg der Ehrwürdige Parakarma zu der Welt hinab, der er einst entsagt hatte, wie ein neuer Moses, der vom Berg Gesetze brachte, die den Lauf der Welt verändern würden. Die Schönheiten des Landes und des Himmels, die ihn umgaben, sah er nicht. Denn sie waren völlig unbedeutend im Vergleich mit jenen, die nur er zu schauen vermochte, in der Armee mathematischer Gleichungen, die durch sein Bewusstsein marschierte.

Der kosmische Rammbock

»Ihr Problem, Dr. Morgan«, sagte der Mann im Rollstuhl, »ist, dass Sie sich auf dem falschen Planeten befinden.«

»Es kommt mir so vor«, erwiderte Morgan und musterte dabei das Gefährt, dessen sein Besucher sich bediente, »als könnte man über Sie dasselbe sagen.«

Der Vizepräsident (Investitionen) von Narodnij Mars lachte gemütlich.

»Ich wenigstens bin nur für eine Woche hier — dann geht's zurück zum Mond und einer zivilisierten Gravitation. Oh, ich komme ohne den Rollstuhl zurecht; aber ich habe es lieber so.«

»Ich hätte Sie gerne gefragt, warum Sie überhaupt auf die Erde kommen.«

»Ich tue es so selten wie möglich, aber manchmal muss man sich einfach an Ort und Stelle umsehen. Entgegen allgemein verbreitetem Glauben lässt sich eben nicht alles per Fernsteuerung erledigen. Ich bin überzeugt, Sie haben diese Erfahrung auch gemacht.«

Morgan nickte; es war die Wahrheit. Er erinnerte sich an all die Male, in denen die Struktur eines Materials, das Gefühl des Felsen oder Bodens unter seinen Sohlen, der Duft des Dschungels, das Prickeln eines Sprühregens eine entscheidende Rolle in einem seiner Projekte gespielt hatten. Eines Tages würden vermutlich auch solche Eindrücke sich auf elektronischem Weg übertragen lassen — man hatte es in der Tat schon getan, als Laborversuch und mit immensen Kosten. Aber es gab keinen Ersatz für die Wirklichkeit. Vor Nachahmungen musste man sich in Acht nehmen.

»Falls Sie eigens aus dem Grund zur Erde gekommen sind, mich zu besuchen«, antwortete Morgan, »so weiß ich die Ehre zu schätzen. Sollten Sie aber die Absicht haben, mir eine Position auf dem Mars anzubieten, dann vergeuden Sie Ihre Zeit. Ich genieße den Ruhestand und treffe mit Freunden und Verwandten zusammen, die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Ich habe keinerlei Absicht, eine neue Karriere anzufangen.«

»Ich finde das erstaunlich. Sie sind immerhin erst zweiundfünfzig. Wie gedenken Sie, Ihre Freizeit zu verbringen?«

»Kein Problem. Ich könnte den Rest des Lebens mit irgendeinem meiner Lieblingsvorhaben zubringen. Es gibt mindestens ein Dutzend davon. Die Ingenieure des Altertums — Römer, Griechen, Inkas. Sie haben mich immer fasziniert, aber nie fand ich Zeit, mich mit ihnen zu befassen. Ich bin aufgefordert worden, eine Vorlesung über Ingenieurplanung für die Weltuniversität zu entwickeln und zu halten. Man hat mich beauftragt, ein Lehrbuch über Komplexstrukturen zu schreiben. Ich selbst möchte an meiner Hypothese zum Einsatz von Aktivelementen gegen dynamische Belastungen — Stürme, Erdbeben und so weiter — weiterarbeiten. Und schließlich bin ich noch immer ein Berater für General Tectonics. Außerdem schreibe ich einen Bericht über das Management der TCC.«

»Nicht auf Senator Collins' Ersuchen, nehme ich an?«

»Nein«, sagte Morgan mit grimmigem Lächeln. »Ich halte einen solchen Bericht für — nützlich. Außerdem verschafft er mir Entspannung.«

»Dessen bin ich sicher. Aber all diese Beschäftigungen sind nicht wirklich schöpferisch. Früher oder später werden sie Ihnen blass erscheinen — wie diese schöne norwegische Landschaft. Man wird müde, sich immer nur Seen und Fichten anzusehen, ebenso wie vom Schreiben und Reden. Sie sind die Art Mann, Dr. Morgan, der niemals zufrieden ist, solange er nicht an der Gestaltung des Universums mitarbeitet.«

Morgan antwortete nicht. Die Prognose saß so genau im Ziel, dass ihn Unbehagen ankam.

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