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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Er betrachtete aufmerksam den Himmel. Nein, es gab kein Anzeichen von Regen. Es war ein wunderschöner Tag mit hohen, dünnen Wolkenstreifen, die das grelle Sonnenlicht ein wenig milderten. Aber da war etwas sehr Merkwürdiges …

Radschasinghe hatte so etwas noch nie zuvor gesehen. Direkt über ihm waren drei parallel zueinander verlaufende Wolkenbahnen durch eine kreisförmige Störung unterbrochen. Es schien sich um einen Wirbelsturm zu handeln, nur wenige Kilometer im Durchmesser, aber Radschasinghe fühlte sich an etwas gänzlich anderes erinnert: ein Astloch, das durch die Maserung eines glatt gehobelten Brettes brach. Er überließ seine geliebten Orchideen sich selbst und trat hinaus ins Freie, um die Erscheinung besser beobachten zu können. Jetzt sah er, dass der Wirbelwind sich langsam am Himmel entlangbewegte; in seinem Kielwasser blieben die zuvor geraden Wolkenstreifen verdreht zurück.

Im Geist sah Radschasinghe den Finger Gottes, der vom Himmel herabzeigte und eine Furche durch die Wolken zog. Obwohl er die Grundlagen der Wetterkontrolle durchaus verstand, hatte er nicht gewusst, dass man bereits mit solcher Genauigkeit zu arbeiten verstand. Mit bescheidenem Stolz erinnerte er sich, dass er vor fast vierzig Jahren bei den Anfängen der Wetterkontrolle mitgearbeitet hatte.

Es war nicht leicht gewesen, den verbleibenden Supermächten einzureden, sie müssten ihre Raumfestungen aufgeben und sie der Globalen Wetterbehörde überantworten. Seitdem waren die Laser, die einst die Menschheit bedroht hatten, auf sorgfältig ausgewählte Abschnitte der Atmosphäre gerichtet worden oder auf wärmeabsorbierende Zielpunkte in abgelegenen Landstrichen der Erde. Die in den Laserstrahlen enthaltene Energie war lächerlich gering im Vergleich zu der selbst des kleinsten Sturmes. Aber dasselbe gilt für den einsamen Stein, der eine Lawine auslöst, oder das Neutron, mit dem eine Kettenreaktion beginnt.

Darüber hinaus waren Radschasinghe die technischen Einzelheiten unbekannt. Er wusste, dass die Wetterkontrolle ein mächtiges Netzwerk von Monitorsatelliten unterhielt und mit Computern arbeitete, in deren elektronischen Gedächtnissen ein vollständiges Modell der Erdatmosphäre, der Landflächen und Meere gespeichert war. Er fühlte sich mehr wie ein von Ehrfurcht gelähmter Wilder, der den Wundern einer hochentwickelten Technologie gegenübersteht. Sein Blick folgte dem kleinen Zyklon, der zielbewusst westwärts strebte, bis er unter der Linie der Palmenkronen am Rande der Lustgärten verschwand.

Dann sah Radschasinghe auf zu den unsichtbaren Ingenieuren und Wissenschaftlern, die in ihren Himmelsgondeln um die Erde rasten.

»Sehr eindrucksvoll«, sagte er. »Ich hoffe, ihr wisst auch genau, was ihr da tut.«

Weltraumroulett

»Ich hätte mir denken können«, sagte der Bankier bedauernd, »dass es in einem der technischen Anhänge sein müsste, die ich nie lese. Sie haben inzwischen das ganze Dokument verarbeitet, also möchte ich von Ihnen hören, wie die Lösung aussieht. Sie haben mir nämlich Angst gemacht, verstehen Sie?«

»Die Lösung ist ebenso brillant wie offensichtlich«, antwortete Morgan. »Ich hätte von mir aus darauf kommen müssen.«

Was ihm — beizeiten — auch gelungen wäre, dachte er selbstsicher. Im Geist sah er die Rechnersimulationen der gigantischen Struktur, hin und her schwingend wie eine Violinsaite in Zeitlupenaufnahme. Im Hintergrund des Bildes ließ er zum hundertsten Mal den Film von der tanzenden Brücke ablaufen. Das waren alle Hinweise, derer er bedurft hätte.

»Phobos passiert den Turm alle elf Stunden, zehn Minuten. Glücklicherweise bewegt er sich nicht genau in derselben Ebene, sonst gäbe es jedes Mal einen Zusammenstoß. So aber verfehlt Phobos bei der Mehrzahl seiner Umläufe das Ziel. Die Zeiten, zu denen Gefahr besteht, lassen sich genau vorherberechnen, wenn nötig, bis auf die Millisekunde. Der Fahrstuhl, wie jedes Ingenieurprodukt, ist keine völlig starre Struktur. Er besitzt Eigenschwingungen, deren Frequenz nahezu so genau berechnet werden kann wie Planetenbahnen. Ihre Techniker schlagen daher vor, den Fahrstuhl zu stimmen, so dass seine normalen Schwingungen, die ohnehin nicht zu vermeiden sind, ihn vor dem Zusammenstoß mit Phobos bewahren. Jedes Mal, wenn der Mond an dem Fahrstuhl vorbeikommt, ist dieser woanders, ein paar Kilometer von der Gefahrenzone entfernt.«

Am anderen Ende war es lange Zeit still.

»Ich sollte das vielleicht nicht zugeben«, sagte der Marsianer schließlich, »aber mir stehen die Haare zu Berge.«

Morgan lachte. »Es klingt in der Tat ein wenig nach russischem Roulett. Aber bedenken Sie, dass wir es mit genau berechenbaren Vorgängen zu tun haben. Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wo sich Phobos befindet, und wir kontrollieren die Auslenkung des Turmes einfach dadurch, dass wir den Verkehr entsprechend dosieren.«

Einfach, dachte Morgan, war nicht das richtige Wort; aber es musste jeder einsehen, dass es sich machen ließ. Er dachte an eine Analogie, die perfekt und ausgefallen war. Nein — es war keine gute Idee, sie dem Bankier auseinanderzusetzen.

Er war wieder bei der Tacoma-Narrows-Brücke. Ein Schiff sollte unter der Brücke hindurchfahren. Dummerweise war sein Mast einen Meter zu hoch.

Kein Problem. Unmittelbar vor der Ankunft des Schiffes donnerten ein paar schwere Lastwagen über die Brücke, ihre Abstände so berechnet, dass die von ihnen erzeugten Schwingungen die Eigenfrequenz der Brücke trafen. Eine sanfte Welle bewegte sich von Pfeiler zu Pfeiler entlang der Fahrstraße, ihr Maximalausschlag so berechnet, dass er mit dem Augenblick der Ankunft des Schiffes zusammenfiel. Die Mastspitze glitt unter der Brücke hindurch, mit Zentimetern Spielraum. Nach demselben Prinzip, aber in tausendfach größerem Maßstab würde der Sternenfahrstuhl, der sich vom Mons Pavonis himmelwärts erhob, den Mond Phobos an sich vorbeilassen.

»Ich bin froh über Ihre Zuversicht«, sagte der Bankier. »Was mich angeht, so werde ich jeweils eine Positionsbestimmung für Phobos anfertigen lassen, bevor ich den Fahrstuhl benutze.«

»Haben Sie gehört, dass ein paar von Ihren intelligenten jungen Leuten — intelligent sind sie ohne Zweifel, und für jung halte ich sie aufgrund ihres Mangels an Ehrfurcht vor der Natur — die kritischen Schwingungsperioden zu Touristenattraktionen machen wollen? Sie glauben, dass man einen höheren Fahrpreis verlangen könnte, wenn den Passagieren die Möglichkeit gegeben wird, Phobos sozusagen auf Armeslänge mit mehreren tausend Kilometern pro Stunde vorbeirasen zu sehen. Welch ein Schauspiel, meinen Sie nicht auch?«

»Ich male es mir lieber aus, als dass ich es mir ansehe, aber wahrscheinlich haben sie recht. Jedenfalls bin ich erleichtert, zu hören, dass es eine Lösung gibt. Ich stelle überdies mit Freude fest, dass unser technisches Wissen Sie beeindruckt. Bedeutet das, dass wir Ihre Entscheidung in Bälde erwarten dürfen?«

»Sie können sie jetzt gleich haben«, sagte Morgan. »Wann fangen wir an?«

Die Nacht vor dem Vesak-Fest

Es war seit siebenundzwanzig Jahrhunderten der wichtigste und heiligste Tag im taprobanischen Kalender. Zum Vollmond des Mai war Buddha geboren, hatte er die Erleuchtung erfahren, war er gestorben. Obwohl die Mehrzahl der Menschen im Vesak-Fest nichts anderes sah als in der anderen alljährlichen Festlichkeit, Weihnachten, war es noch immer eine Zeit für Meditation und inneren Frieden.

Schon seit langen Jahren garantierte die Monsun-Kontrolle, dass es an den Vesak-Nächten nicht regnen würde. Annähernd ebenso lang war es Radschasinghes Gewohnheit, zwei Tage vor dem Vollmond eine Pilgerfahrt, die sein Bewusstsein erfrischte, in die Stadt der Könige zu unternehmen. Dem eigentlichen Vesak-Fest hielt er sich fern. An diesem Tag war Ranapura übervölkert, viele unter den Besuchern würden ihn mit Sicherheit erkennen und seine Ruhe stören.

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