Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Wie immer reagierte Ari auch diesmal sofort.
»Guten Morgen, Radscha. Was kann ich für Sie tun?«
Die angenehme, leidenschaftslose Stimme hatte sich in den vierzig Jahren, seit er sie kannte, um keine Nuance geändert. Noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte nach seinem Tod würde sie sich mit anderen Menschen unterhalten, gerade so wie sie zu ihm gesprochen hatte. (Was das anging: Wie viel Unterhaltungen mochte Ari, in diesem Augenblick, gleichzeitig mit der seinen führen?) Es gab eine Zeit, da hatte diese Erkenntnis Radschasinghe bedrückt. Jetzt aber spielte sie keine Rolle mehr. Er beneidete ARISTOTELES um seine Unsterblichkeit nicht.
»Guten Morgen, Ari. Ich brauche die heutige Entscheidung des Weltgerichtshofs im Fall Astroingenieur-Gesellschaft gegen den Tempel Sri Kanda. Die Zusammenfassung genügt, gib mir den vollen Ausdruck später.«
»Entscheid 1: Pacht des Tempelgeländes auf Ewigkeit unanfechtbar nach taprobanischem ebenso wie nach Weltgesetz, Weltgesetzkode von 2085. Die Entscheidung war einstimmig.
Entscheid 2: Die Errichtung des geplanten Orbitalturms mit daraus resultierendem Lärm und Erschütterungen wäre von negativem Einfluss auf einen Ort von großer historischer und kultureller Bedeutung, somit ein privates Ärgernis, und rechtfertigt ein Bauverbot auf dem Weg der Zivilklage. Ein öffentliches Ärgernis liegt derzeit nicht vor. Die Entscheidung fiel vier zu zwei mit einer Enthaltung.«
»Danke, Ari — Ausdruck löschen — ich brauche ihn nicht.«
Das war es also — gerade, wie er es erwartet hatte. Aber er wusste nicht recht, ob er Erleichterung oder Enttäuschung empfinden sollte.
Seine Wurzeln lagen tiefer in der Vergangenheit. Er war froh, dass man althergebrachte Traditionen zu schätzen wusste und sie schützte. Wenn sich aus der langen, blutigen Geschichte der Menschheit auch nur eines lernen ließ, dann musste es dies sein: Es war einzig der Mensch als Individuum, auf den es ankam. Mochten seine Ansichten auch noch so exzentrisch sein, sie mussten geschützt werden, solange sie nicht mit breiteren und gleichermaßen legitimen Interessen in Konflikt gerieten. Was hatte der alte Dichter doch gesagt? »Den Staat gibt es nicht!« Vielleicht ging er damit ein wenig zu weit, aber seine Ansicht war sicher besser als das andere Extrem.
Gleichzeitig aber empfand er leises Bedauern. Er hatte sich halbwegs davon überzeugt, dass Morgans phantastisches Unternehmen gerade das richtige sein mochte, um Taprobane (und womöglich die ganze Erde, obwohl seine Verantwortung diese nicht mehr umfasste) vor einem Abgleiten in die Selbstzufriedenheit zu bewahren. Jetzt hatte der Weltgerichtshof einen Strich durch diese Rechnung gemacht, der sich erst in vielen Jahren wieder ausradieren lassen würde.
Er war neugierig, was Maxine über den Fall zu sagen hatte, und schaltete seinen Empfänger auf verzögerte Wiedergabe. Auf Welt-zwo, dem Kanal für die Nachrichtenanalyse, war Senator Collins weiterhin dabei, den Dampfkessel zu heizen.
»… unzweifelhaft seine Kompetenz überschritten und außerdem die Finanzmittel seiner Abteilung für Vorhaben verwendet, die diese nichts angingen.«
»Sind Sie da nicht etwas zu engherzig in der Auslegung, Senator? Soweit ich die Zusammenhänge verstehe, wurde Hyperdraht für Bauzwecke entwickelt, speziell für Brücken. Und handelt es sich hierbei nicht um eine Art Brücke? Ich habe Dr. Morgan diese Analogie verwenden hören, wenngleich er sein Vorhaben mitunter auch als einen Turm bezeichnet.«
»Jetzt sind Sie engherzig, Maxine. Ich bevorzuge den Namen ›Sternenfahrstuhl‹. Und was den Hyperdraht angeht, so irren Sie sich. Er ist das Ergebnis von zwei Jahrhunderten raumtechnischer Forschung. Der Umstand, dass die entscheidende Entdeckung in der LAND-Abteilung meiner — äh — Organisation stattfand, ist unerheblich. Obwohl ich natürlich stolz darauf bin, dass meine Wissenschaftler daran Anteil hatten.«
»Erwägen Sie, das Projekt der RAUM-Abteilung zu übertragen?«
»Welches Projekt? Es handelt sich lediglich um eine Entwurfsstudie — eine von Hunderten, die bei der TCC dauernd angefertigt werden. Ich erfahre so gut wie nie darüber, und ich möchte das auch nicht — bis sie einen Punkt erreichen, an dem eine Entscheidung auf höchster Ebene erforderlich ist.«
»Das ist bei Dr. Morgans Vorhaben nicht der Fall?«
»Ganz gewiss nicht. Meine Raumtransportexperten geben mir zu verstehen, dass die projizierten Zuwächse des Verkehrsaufkommens sich mühelos werden handhaben lassen — wenigstens für die übersehbare Zukunft.«
»Das bedeutet genau?«
»Zwanzig Jahre.«
»Und was geschieht dann? Dr. Morgan ist der Ansicht, dass es etwa so lange dauern wird, den Turm zu bauen. Gesetzt den Fall, er wird nicht rechtzeitig fertig?«
»Dann finden wir eine andere Lösung. Mein Stab analysiert alle denkbaren Möglichkeiten, und man ist dort keineswegs überzeugt, dass der Sternenfahrstuhl einen erstrebenswerten Ausweg darstellt.«
»Sie halten den Gedanken aber für grundlegend richtig?«
»Es sieht so aus. Allerdings werden noch weitere Analysen gebraucht.«
»Dann müssten Sie Dr. Morgan für die Arbeit, die er geleistet hat, eigentlich dankbar sein.«
»Ich habe den größten Respekt vor Dr. Morgan. Er ist einer der hervorragendsten Ingenieure in meiner Organisation — wahrscheinlich auf der ganzen Erde.«
»Irgendwie beantworten Sie damit meine Frage nicht, Senator.«
»Also schön. Ich bin Dr. Morgan tatsächlich dafür dankbar, dass er unsere Aufmerksamkeit auf diese Sache gelenkt hat. Aber die Vorgehensweise, die er dabei anwendete, kann ich nicht billigen. Um ganz offen zu sein: Er versuchte, mich in Zugzwang zu bringen.«
»Wie tat er das?«
»Indem er die Grenzen meiner — seiner! — Organisation überschritt, sich an die Außenwelt wandte und dadurch einen kritischen Mangel an Loyalität enthüllte. Als Ergebnis seiner Manöver haben wir heute eine ungünstige Entscheidung des Weltgerichtshofs, die unweigerlich die öffentliche Meinung gegen uns aufbringen wird. Unter diesen Umständen blieb mir keine andere Wahl, Dr. Morgan — wenn auch mit dem tiefsten Bedauern — zur Kündigung aufzufordern.«
»Ich danke Ihnen, Senator Collins. Die Unterhaltung mit Ihnen war wie immer ein Vergnügen.«
»Du kleine Lügnerin«, sagte Radschasinghe, als er das Gerät ausschaltete und den Anruf entgegennahm, der seit einer Minute auf seiner Konsole blinkte.
»Alles mitbekommen?«, fragte Professor Sarath. »Das also ist das Ende von Dr. Vannevar Morgan.«
Radschasinghe sah seinen Gesprächspartner eine Zeitlang nachdenklich an.
»Sie hatten schon immer die Tendenz, voreilige Schlüsse zu ziehen, Paul. Warten war noch nie Ihre Stärke. Um wie viel möchten Sie wetten?«
III — Die Glocke
Der Abtrünnige
Von seinen vergeblichen Versuchen, das Universum zu verstehen, zur Verzweiflung getrieben, äußerte der weise Devadasa schließlich atemlos:
Alle Aussagen, die das Wort Gott enthalten, sind falsch.
Sofort erwiderte Somasiri, der ungeliebteste unter seinen Schülern: »Der Satz, den ich soeben ausspreche, enthält das Wort Gott. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, oh hoher Meister, was an dieser einfachen Aussage falsch sein könnte.«
Devadasa bedachte den Fall für geraume Zeit. Dann antwortete er, diesmal offenbar voller Befriedigung:
Nur Aussagen, die das Wort Gott nicht enthalten, können richtig sein.
Nach einer kurzen Denkpause erwiderte Somasiri: »Wenn sich diese Feststellung auf sich selbst anwenden lässt, oh Verehrungswürdiger, dann kann sie nicht richtig sein, denn sie enthält das Wort Gott. Wenn sie aber unrichtig ist …«