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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Nein, das hätte ich nicht erwartet«, sagte er zu seinem Adjutanten Schneider, der spät in der Nacht zu ihm kam. »Das hätte ich nicht erwartet! Das hätte ich nicht geglaubt!«

»Durchlaucht sollten lieber ausruhen«, sagte Schneider.

»Aber wartet nur! Auch sie werden noch Pferdefleisch fressen wie die Türken«, rief Kutusow aus, ohne dem Adjutanten eine Antwort zu geben, und schlug mit seiner dicken Faust auf den Tisch. »Auch sie werden das müssen, wenn nur …«

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Im Gegensatz zu Kutusow handelte zur selben Zeit bei einem Ereignis, das noch wichtiger war als der kampflose Rückzug der Armee, nämlich bei der Übergabe Moskaus und seiner Einäscherung, Graf Rastoptschin, der uns als Urheber dieses Brandes bezeichnet wird.

Dieses Ereignis, die Preisgabe Moskaus und seine Einäscherung, war ebenso unvermeidlich wie der kampflose Rückzug unserer Truppen nach der Schlacht bei Borodino bis hinter Moskau.

Jeder Russe hätte – nicht auf Grund von Vernunftschlüssen, sondern auf Grund jenes Gefühls, das in uns liegt und in unseren Vätern gelegen hat – das voraussagen können, was sich ereignet hat.

Von Smolensk an spielte sich in allen Städten und Dörfern des russischen Reiches, ohne jeden Einfluß eines Grafen Rastoptschin und seiner Flugblätter, das gleiche ab, was dann auch in Moskau vor sich ging. Das Volk erwartete sorglos den Feind, lehnte sich nicht auf, geriet nicht in Erregung, riß niemanden in Stücke, sondern harrte ruhig seines Schicksals, weil es in sich die Kraft fühlte, im schwersten Augenblick den Weg zu finden, den es zu gehen hatte. Und sobald sich nur der Feind näherte, machten sich die reicheren Elemente der Einwohnerschaft auf und davon und ließen ihr Hab und Gut zurück, während die ärmeren dablieben und das, was zurückgeblieben war, anzündeten und zerstörten.

Das Bewußtsein, daß dies so kommen mußte und immer so kommen wird, lag und liegt noch im Herzen jedes Russen begründet. Und so war auch dieses Bewußtsein und darüber hinaus ein Vorgefühl dessen, daß Moskau eingenommen werden würde, in den Russen der Moskauer Gesellschaft des Jahres 1812 vorhanden. Diejenigen, die bereits im Juli und Anfang August anfingen, aus der Stadt zu fliehen, zeigten deutlich, worauf sie gefaßt waren. Und jene Leute, die nur mit dem abreisten, was sie fortschleppen konnten, und ihr Haus und die Hälfte ihres Vermögens zurückließen, handelten ebenso aus jenem untergründigen Patriotismus, der nicht in Phrasen, Kinderopfern und anderen unnatürlichen Handlungen zur Rettung des Vaterlandes zum Ausdruck kommt, sondern kaum merklich, einfach, aber lebendig zutage tritt und deshalb immer die stärksten Wirkungen erzielt.

Es ist eine Schande, vor der Gefahr davonzulaufen; nur Feiglinge fliehen aus Moskau, wurde ihnen gesagt. Rastoptschin in seinen Flugblättern gab ihnen ein, daß es eine Schmach sei, Moskau zu verlassen. Sie schämten sich, Feiglinge zu heißen, schämten sich, wegzugehen, fuhren aber trotzdem ab, weil sie wußten, daß es so sein mußte. Weshalb gingen sie fort? Es ist wohl kaum anzunehmen, daß Rastoptschin durch die Aufzählung der Greueltaten, die Napoleon in den unterworfenen Erdteilen verübt haben sollte, ihnen Schrecken eingejagt hat. Wer zuerst wegzog, waren ja die reichen und gebildeten Leute, die sehr wohl wußten, daß Wien und Berlin unversehrt geblieben waren, und daß die Einwohner während der Besetzung dieser Städte durch Napoleon ihre Zeit dort mit den bezaubernden Franzosen, die damals von den Russen und insonderheit von den russischen Damen so sehr geliebt wurden, höchst ergötzlich verbracht hatten.

Sie zogen deshalb fort, weil es für einen Russen die Frage gar nicht geben kann, ob es sich in Moskau unter französischer Verwaltung gut oder schlecht lebt. Ihnen war es einfach unmöglich, unter französischer Herrschaft zu leben: das war für sie schlimmer als alles andere. So zogen sie vor der Schlacht bei Borodino weg und noch eiliger nachher, trotz des Aufrufs zur Verteidigung Moskaus, trotz der Erklärung des Oberkommandierenden der Stadt, er werde die Iberische Madonna beim Kampf vorantragen lassen, trotz des Luftballons, der die Franzosen vernichten sollte, und trotz allen Unsinns, den Rastoptschin in seinen Flugblättern schrieb. Sie wußten, daß es Aufgabe ihrer Truppen war, für sie zu kämpfen, und daß, wenn diese nicht dazu imstande waren, sie selber unmöglich mit ihren Töchtern und dem Hausgesinde auf die Drei Berge steigen[184] und gegen Napoleon ankämpfen konnten, sondern daß sie eben fliehen mußten, wie leid es ihnen auch tat, ihr Hab und Gut zur Vernichtung zurückzulassen. Sie zogen fort, ohne an die erhabene Bestimmung dieser gewaltigen, reichen Hauptstadt zu denken, die, von ihren Bewohnern verlassen, zweifellos eingeäschert werden würde, denn leere Häuser nicht zu zerstören und anzuzünden entspräche nicht dem Geist des russischen Volkes. Sie zogen fort aus eignem Entschluß, und nur weil sie wegzogen, vollzog sich jenes erhabene Ereignis, das auf immer der größte Ruhm des russischen Volkes sein wird.

Jene Dame, die bereits im Juni mit ihren Mohren und Hausnarren von Moskau aufbrach und in ein Dorf im Gouvernement Saratow zog, in dem unklaren Bewußtsein, daß sie nie Untertanin Bonapartes sein könne, obgleich sie fürchten mußte, daß man sie auf Befehl des Grafen Rastoptschin zurückhielt, hat schlicht und recht jenes große Werk begonnen, das Rußland gerettet hat. Graf Rastoptschin, der einerseits die Fliehenden mit Schande überhäufte, andererseits aber selber die Behörden aus der Stadt fortschaffen ließ; der bald dem betrunkenen Pöbel unbrauchbare Waffen in die Hand gab und Heiligenbilder herumzutragen befahl, bald dem Erzbischof Augustin verbot, Reliquien und Bilder von ihren Plätzen zu entfernen; der alle Privatgespanne, die sich in Moskau befanden, einzog und dann den von Leppich gebauten Luftballon auf hundertsechsunddreißig Fuhren abtransportieren ließ; der heute darauf anspielte, daß er Moskau in Brand setzen werde – er hat später erzählt, wie er sein eignes Haus angezündet habe – und morgen eine Proklamation an die Franzosen aufsetzte, in der er feierlich den Vorwurf erhob, sie hätten sein Kinderheim zerstört; der einmal den Ruhm der Einäscherung Moskaus für sich in Anspruch nahm, ein andermal jede Beteiligung daran abstritt; der bald dem Volk befahl, alle Spione zu haschen und ihm vorzuführen, bald den Leuten Vorwürfe machte, wenn sie dies wirklich taten; der alle Franzosen aus Moskau verbannte, während er Madame Auber-Chalmé[185], die den Mittelpunkt der ganzen französischen Ansiedler in Moskau bildete, in der Stadt zu bleiben erlaubte; der den alten, ehrwürdigen Postdirektor Klutscharew, ohne daß er etwas verschuldet hätte, festnehmen und in die Verbannung schicken ließ; der heute alles Volk auf den Drei Bergen versammelte, um gegen die Franzosen in den Kampf zu ziehen, und morgen, um dieses Volk wieder loszuwerden, ihm einen Menschen zum Opfertod preisgab und selber durch eine Hintertür entwischte; der bald davon sprach, daß er den Untergang Moskaus nie überleben könne, bald über seinen Anteil an den Geschehnissen französische Verse in die Albums schrieb wie diese:

Je suis né Tartare, Je voulais être Romain. Les Français m’appelèrent barbare, Les Russes – Georges Dandin.

– dieser Mann verstand nicht die Bedeutung dessen, was sich vollzog, sondern wollte nur selber etwas tun, sich sehen lassen, wollte etwas Patriotisches, Heldenhaftes vollbringen. Er frohlockte wie ein Knabe über das großartige, unabwendbare Ereignis der Räumung und Einäscherung Moskaus und suchte die gewaltige Volksströmung, die auch ihn mit fortriß, mit seiner unbedeutenden Hand bald aufzuhalten, bald zu fördern.

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Helene, die mit dem Hof von Wilna nach Petersburg zurückgekehrt war, befand sich in einer schwierigen Lage.

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auf die Drei Berge steigen: eine Anhöhe im Westen Moskaus.

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Madame Auber-Chalmé: vgl. Anm. ???.

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