Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
»Das ist ja toll«, sage ich. Prim als Ärztin. Davon hätte sie in Distrikt 12 nicht mal träumen können. Etwas Kleines, Stilles erhellt die Finsternis in meinem Innern, wie ein Streichholz, das angezündet wird. So eine Zukunft könnte die Rebellion uns bringen.
»Was ist mit dir, Katniss? Wie kommst du zurecht?« Ganz leicht und zärtlich bewegt sie die Fingerspitzen zwischen Butterblumes Augen. »Und sag jetzt nicht, dass es dir gut geht.«
Sie hat recht. Mir geht es alles andere als gut. Also erzähle ich ihr von Peeta, dass ich im Fernsehen zuschauen konnte, wie sein Zustand immer schlechter wurde, und dass sie ihn womöglich gerade umbringen. Butterblume muss eine Weile allein klarkommen, denn jetzt wendet Prim sich ganz mir zu. Sie zieht mich fest an sich, streicht mir mit den Fingern die Haare hinter die Ohren. Ich habe aufgehört zu reden, weil es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt und weil dort, wo sich mein Herz befindet, ein bohrender Schmerz ist. Vielleicht habe ich sogar einen Herzanfall, aber es lohnt nicht, davon zu sprechen.
»Katniss, ich glaube nicht, dass Präsident Snow Peeta umbringt«, sagt sie. Natürlich sagt sie das, sie will mich beruhigen. Aber dann sagt sie etwas Überraschendes. »Sonst hätte er keinen mehr, an dem dir etwas liegt. Dann könnte er dir nicht mehr wehtun.«
Da muss ich auf einmal an ein anderes Mädchen denken, an eine, die alles Böse gesehen hat, was das Kapitol zu bieten hat. Johanna Mason, Tribut aus Distrikt 7, in der letzten Arena. Ich habe sie davon abzuhalten versucht, in den Dschungel zu gehen, wo die Schnattertölpel die Stimmen unserer Lieben nachahmten, die gefoltert wurden, aber sie hat mich nur beiseitegestoßen und gesagt: »Die können mir nichts anhaben. Ich bin nicht wie ihr. Von meinen Lieben ist keiner mehr da.«
Prim hat recht. Snow kann es sich nicht leisten, Peetas Leben zu vergeuden, schon gar nicht jetzt, da der Spotttölpel solch ein Chaos anrichtet. Snow hat bereits Cinna getötet. Mein Zuhause zerstört. Meine Familie, Gale und sogar Flaymitch sind außerhalb seiner Reichweite. Peeta ist alles, was ihm bleibt.
»Was glaubst du dann, was sie mit ihm machen?«, frage ich.
Jetzt klingt Prim, als wäre sie tausend Jahre alt. »Was nötig ist, um dich zu brechen.«
11
Was wird mich brechen?
Das ist die Frage, die mich in den nächsten drei Tagen quält, während wir darauf warten, dass wir aus unserem sicheren Gefängnis entlassen werden. Was wird mich in unzählige Stücke zerbrechen, sodass ich nicht wieder heil werden kann, nicht mehr zu gebrauchen bin? Ich spreche mit niemandem darüber, aber es verschlingt meine wachen Stunden und durchzieht meine Albträume.
In dieser Zeit werden vier weitere Bunkerbomben abgefeuert, alle gewaltig, jedoch ohne gravierende Wirkung. Die Bomben sind über mehrere Stunden verteilt, und gerade wenn wir denken, jetzt ist es vorbei, jagt uns eine erneute Detonation Schockwellen durch die Eingeweide. Offenbar geht es ihnen eher darum, uns hier unten festzuhalten, als darum, Distrikt 13 zu schwächen. Den Distrikt lahmlegen, ja. Die Leute damit beschäftigen, ihn wieder funktionsfähig zu machen. Aber ihn zerstören? Nein. In diesem Punkt hatte Coin recht. Das, worauf man es abgesehen hat, zerstört man nicht. Ein vordringliches Ziel besteht sicher darin, die Medienangriffe zu stoppen und zu verhindern, dass ich noch mal im Fernsehen von Panem auftrete.
Wir erhalten kaum Informationen, unsere Bildschirme schalten sich nie ein. Durch die Lautsprecher klärt Coin uns nur kurz über die Beschaffenheit der Bomben auf. Die Kriegshand hingen sind bestimmt noch nicht vorbei, aber über den Stand der Dinge werden wir im Dunkeln gelassen.
Im Bunker ist Zusammenarbeit das Gebot der Stunde. Für alles gibt es einen strikten Plan, Mahlzeiten, Waschen, Bewegung und Schlafen. Hin und wieder dürfen wir zusammenkommen, damit die Untätigkeit erträglicher wird. Unser Lager ist sehr beliebt, weil die Kinder und auch die Erwachsenen von Butterblume fasziniert sind. Mit seinem abendlichen Spiel »Der verrückte Kater« ist er ein richtiger Star. Ich habe es vor ein paar Jahren zufällig erfunden, als wir im Winter einen Stromausfall hatten. Man schwenkt eine Taschenlampe durch den Raum und Butterblume jagt dem Strahl hinterher. Fies, wie ich bin, habe ich meinen Spaß daran, weil ich finde, dass er dabei so dämlich aussieht. Aus unerklärlichen Gründen finden alle anderen hier ihn klug und niedlich. Für das Spektakel bekomme ich sogar neue Batterien zugeteilt - was für eine Verschwendung. Die Bewohner von 13 gieren wirklich nach Unterhaltung.
In der dritten Nacht finde ich während unseres Spiels die Antwort auf die Frage, die mich so quält. Der verrückte Kater wird zur Metapher für meine Situation. Ich bin Butterblume, und Peeta, den ich unbedingt retten will, ist das Licht. Solange Butterblume das Gefühl hat, er könne das trügerische Licht mit den Pfoten festhalten, ist er voller Angriffslust. (So war ich, als ich aus der Arena herauskam und erfuhr, dass Peeta lebt.) Wenn das Licht ganz ausgeht, ist Butterblume zunächst verstört und verwirrt, doch nach kurzer Zeit fängt er sich wieder und beschäftigt sich mit etwas anderem. (Das würde passieren, wenn Peeta sterben würde.) Doch was Butterblume wirklich fertigmacht, das ist, wenn ich die Taschenlampe eingeschaltet lasse, den Strahl aber hoch an die Wand halte, außer Reichweite, sodass er nicht mal springen kann. Dann geht er an der Wand hin und her, maunzt und lässt sich weder trösten noch ablenken. Erst wenn ich die Taschenlampe ausschalte, ist er wieder zu etwas zu gebrauchen. (Das versucht Snow jetzt mit mir zu machen, nur dass ich nicht weiß, welche Formen das Spiel annimmt.)
Vielleicht will Snow ja nur, dass ich das begreife. Es war schlimm genug zu glauben, dass er Peeta in der Hand hat und ihn foltert, um etwas über die Rebellen herauszubekommen. Aber zu denken, dass er ihn foltert, um mich außer Gefecht zu setzen, ist unerträglich. Und unter der Last dieser Erkenntnis fange ich tatsächlich an zu brechen.
Nach dem »Verrückten Kater« ist Schlafenszeit. Mal haben wir Strom, mal nicht; manchmal brennen die Lampen ganz hell, dann wieder blinzeln wir einander im Dämmerlicht an. Zur Schlafenszeit drehen sie das Licht fast völlig runter und schalten in jedem Lager Notleuchten an. Prim, die jetzt überzeugt ist, dass die Wände halten, kuschelt sich mit Butterblume in die untere Koje. Meine Mutter liegt in der oberen. Ich biete an, mich in eine der Kojen zu legen, aber die beiden bestehen darauf, dass ich auf der Matte am Boden schlafe, weil ich in der Nacht immer so wild um mich schlage.
Jetzt schlage ich nicht um mich, meine Muskeln sind starr, weil ich mich mit aller Kraft zusammenreiße. Der Schmerz in meinem Herzen ist wieder da, und ich stelle mir vor, wie sich von dort aus kleine Fissuren in meinem Körper ausbreiten. Sie wandern durch meinen Oberkörper und von dort in die Arme und Beine, über mein Gesicht, bis es von Rissen übersät ist. Eine ordentliche Erschütterung durch eine Bunkerbombe und ich würde in eigentümliche, messerscharfe Scherben zersplittern.
Als die meisten Leute eingeschlafen sind, schäle ich mich vorsichtig aus meiner Decke und gehe auf Zehenspitzen durch die Höhle, bis ich Finnick gefunden habe. Aus irgendeinem Grund spüre ich, dass er mich verstehen wird. Er sitzt unter der Notleuchte in seinem Lager und macht Knoten in sein Seil, er tut nicht mal so, als würde er schlafen. Während ich ihm zuflüstere, wie Snow mich brechen will, dämmert es mir. Für Finnick ist diese Strategie überhaupt nichts Neues. Genau so haben sie ihn gebrochen.
»Das Gleiche tun sie dir mit Annie an, stimmt’s?«, sage ich.
»Sie haben sie jedenfalls nicht gefangen genommen, weil sie ihnen Informationen über die Rebellen beschaffen könnte«, erwidert er. »Sie wussten, dass ich es nie riskiert hätte, ihr davon zu erzählen. Weil ich sie damit in Gefahr gebracht hätte.«
»Oh, Finnick. Es tut mir so leid«, sage ich.
»Nein, mir tut es leid. Dass ich dich nicht gewarnt habe«, sagt er.