Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Als wir den Zaun hinter uns lassen, gibt es keine Bäume mehr. Die Krater sind von einer Mischung aus altem und neuem Schutt umringt. Vor der Bombardierung war nur ein kleiner Teil von Distrikt 13 oberirdisch. Ein paar Wachstationen. Das Übungsgelände. Etwa ein halber Meter der obersten Etage unseres Trakts - wo Butterblumes Fenster hinausging - und darüber ein paar Meter Stahl. Selbst das war nicht dafür gebaut, mehr als einem oberflächlichen Angriff standzuhalten.
»Wie viel Zeit hattet ihr durch Peetas Warnung?«, fragt Haymitch.
»Ungefähr zehn Minuten später hätte unser Alarmsystem die Geschosse identifiziert«, sagt Boggs.
»Aber es hat was gebracht, oder?«, frage ich. Ich ertrage es nicht, wenn er jetzt Nein sagt.
»Auf jeden Fall«, antwortet Boggs. »Die Zivilbevölkerung konnte vollständig evakuiert werden. Bei einem Angriff zählt jede Sekunde. Zehn Minuten bedeuten, dass viele Leben gerettet wurden.«
Prim, denke ich. Und Gate. Sie waren nur wenige Minuten vor der ersten Bombe im Bunker. Möglicherweise hat Peeta die beiden gerettet. Zwei Namen auf der Liste der Dinge, für die ich ihm ewig dankbar sein werde.
Cressida schlägt vor, mich vor den Ruinen des alten Justizgebäudes zu filmen - eine witzige Idee, denn es diente dem Kapitol jahrelang als Kulisse für gefälschte Nachrichten. Sie wollten damit zeigen, dass Distrikt 13 nicht mehr existiert. Seit dem letzten Angriff klafft etwa zehn Meter vom Justizgebäude entfernt ein Bombenkrater.
Als wir auf den einst prächtigen Eingang zugehen, zeigt Gale plötzlich auf etwas, und wir alle halten inne. Erst weiß ich nicht, was los ist, dann sehe ich, dass der Boden mit lauter rosa und roten Rosen übersät ist. »Nicht anfassen!«, schreie ich. »Die sind für mich!«
Der widerlich süße Geruch dringt mir in die Nase und das Herz hämmert mir gegen die Brust. Also habe ich es mir doch nicht eingebildet. Die Rose auf meiner Kommode. Vor mir liegt Snows zweite Lieferung. Langstielige rosa und rote Schönheiten, genau die gleichen, mit denen das Studio dekoriert war, in dem Peeta und ich nach dem Sieg interviewt wurden. Blumen, die nicht für eine Person gedacht sind, sondern für zwei Liebende.
Ich erkläre es den anderen, so gut ich kann. Bei näherer Untersuchung stellt sich heraus, dass sie genetisch verändert, aber harmlos sind. Zwei Dutzend Rosen. Leicht verwelkt. Vermutlich nach der Bombardierung hier verstreut worden. Eine Mannschaft in Spezialanzügen sammelt sie ein und karrt sie weg. Doch ich bin mir sicher, dass sie nichts Besonderes daran finden werden. Snow weiß genau, was er mir antut. Es ist genau so, wie als Tribut im Glaszylinder zu stehen und zuzusehen, wie Cinna zusammengeschlagen wird. Es soll mich aus der Fassung bringen.
Wie damals versuche ich, mich zu fangen und mich zu wehren. Aber als Cressida Castor und Pollux ruft, spüre ich die Angst in mir hochsteigen. Ich bin so müde und angespannt, und seit ich die Rosen gesehen habe, kann ich nur noch an Peeta denken. Der Kaffee war ein Riesenfehler. Wenn ich eins nicht gebraucht habe, dann etwas Aufputschendes. Ich zittere am ganzen Körper und kann nicht richtig atmen. Nach Tagen im Bunker muss ich blinzeln, egal, in welche Richtung ich schaue, das Licht tut mir in den Augen weh. Trotz der kühlen Brise läuft mir der Schweiß übers Gesicht.
»Was genau wollt ihr noch mal von mir?«, frage ich.
»Nur ein paar Worte, die zeigen, dass du lebst und immer noch Kampfgeist hast«, sagt Cressida.
»Na gut.« Ich mache mich bereit, dann starre ich in das rote Licht. Starre und starre. »Es tut mir leid. Mir fällt nichts ein.«
Cressida kommt zu mir. »Geht es dir gut?« Ich nicke. Sie nimmt ein kleines Tuch aus der Tasche und tupft mir das Gesicht ab. »Wie wär’s mit dem guten alten Frage-und-Antwort-Spiel?«
»Ja. Ich glaub, das war besser.« Ich verschränke die Arme, damit das Zittern nicht so auffällt. Schaue zu Finnick, der den Daumen hochhält. Aber er sieht selbst ganz schön zittrig aus.
Cressida nimmt ihre Position wieder ein. »Also, Katniss. Du hast die Bombardierung von Distrikt 13 durch das Kapitol überlebt. Wie war das im Vergleich zu dem, was du in Distrikt 8 über der Erde erlebt hast?«
»Wir waren diesmal so tief unten, dass keine richtige Gefahr bestand. Distrikt 13 ist wohlauf und das bin …« Mit einem hohen, trockenen Ton erstickt meine Stimme.
»Versuch den Satz noch mal«, sagt Cressida. »Distrikt 13 ist wohlauf und das bin ich auch.«
Ich atme tief durch, versuche Luft in mein Zwerchfell zu pressen. »Distrikt 13 ist wohlauf und das …« Nein, so nicht.
Ich habe immer noch den Duft der Rosen in der Nase.
»Katniss, nur diesen einen Satz, dann hast du es für heute geschafft. Versprochen«, sagt Cressida. »Distrikt 13 ist wohlauf und das bin ich auch.«
Ich schüttele die Arme aus, um lockerer zu werden. Stemme die Fäuste in die Seiten. Lasse die Arme sinken. Die Spucke läuft mir im Mund zusammen und ich spüre einen Brechreiz im Hals. Ich schlucke schwer und öffne den Mund, damit ich den blöden Satz sagen und mich im Wald verstecken kann und … in dem Moment fange ich an zu weinen.
Ich kann nicht mehr der Spotttölpel sein. Kann noch nicht mal diesen einen Satz sagen. Denn jetzt weiß ich, dass Peeta unter allem, was ich sage, unmittelbar zu leiden hätte. Dass sie ihn wieder foltern würden. Töten werden sie ihn nicht, nein, so gnädig sind sie nicht. Snow wird schon dafür sorgen, dass Peetas Leben viel schlimmer ist als der Tod.
»Schnitt«, höre ich Cressida ruhig sagen.
»Was hat sie denn?«, fragt Plutarch leise.
»Sie hat begriffen, wie Snow Peeta benutzt«, sagt Finnick.
Die Leute, die in einem Halbkreis vor mir stehen, stoßen so etwas wie einen kollektiven Seufzer des Bedauerns aus. Weil ich es jetzt weiß. Weil es mir nie mehr möglich sein wird, es nicht zu wissen. Weil es nicht nur unter militärischen Gesichtspunkten einen Nachteil bedeutet, einen Spotttölpel zu verlieren, sondern weil ich darüber hinaus gebrochen bin.
Viele wollen mich umarmen. Aber ich will mich nur von einem trösten lassen, von Haymitch, weil auch er Peeta liebt. Ich strecke die Arme nach ihm aus und sage seinen Namen, und dann ist er da, hält mich fest und tätschelt mir den Rücken. »Schon gut. Alles wird gut, Süße.« Er setzt mich auf eine umgestürzte Marmorsäule und hält den Arm um meine Schultern, während ich schluchze.
»Ich kann das nicht mehr«, sage ich.
»Ich weiß«, sagt er.
»Ich kann nur daran denken … was er Peeta antun wird … weil ich der Spotttölpel bin!«, stoße ich hervor.
»Ich weiß.« Haymitch nimmt mich fester in den Arm.
»Hast du das gesehen? Wie verrückt er sich benommen hat? Was machen sie nur mit ihm?« Zwischen den Schluchzern schnappe ich nach Luft, und am Ende bringe ich noch einen Satz heraus: »Ich bin schuld!« Und dann werde ich richtig hysterisch, ich spüre einen Nadelstich im Arm und die Welt entgleitet mir.
Es muss etwas Starkes sein, was sie mir da gespritzt haben, denn es dauert einen ganzen Tag, bis ich wieder zu mir komme. Aber ich hatte keinen friedlichen Schlaf. Es fühlt sich so an, als würde ich aus einer unheimlichen, dunklen Welt auftauchen, in der ich allein herumgereist bin. Haymitch sitzt auf dem Stuhl neben meinem Bett, seine Haut wächsern, die Augen blutunterlaufen. Ich denke an Peeta und fange wieder an zu zittern.
Haymitch drückt mir die Schulter. »Es wird alles gut. Wir versuchen Peeta rauszuholen.«
»Was?« Ich verstehe überhaupt nichts.
»Plutarch schickt eine Rettungsmannschaft aus. Er hat Leute da drin. Er glaubt, wir können Peeta lebend rausholen«, sagt er.
»Warum haben wir das nicht schon vorher gemacht?«, frage ich.
»Weil es verlustreich wird. Aber alle sind sich einig, dass wir es tun müssen. Die gleiche Entscheidung haben wir damals in der Arena getroffen. Alles zu tun, damit du weitermachen kannst. Wir können es uns jetzt nicht leisten, den Spotttölpel zu verlieren. Und du kannst deine Rolle nur spielen, wenn du weißt, dass Snow Peeta nichts anhaben kann.« Haymitch reicht mir eine Tasse. »Hier, trink mal was.«