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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Prim hat Butterblume auf die untere Koje gesetzt und in eine Decke gewickelt, sodass nur sein Kopf herausguckt. So hat er es gern bei Gewitter, das Einzige, wovor er sich richtig furchtet. Meine Mutter stellt ihren Arzneikasten sorgfältig in das quadratische Fach. Mit dem Rücken zur Wand kauere ich mich hin und schaue mir an, was Gale alles in meine Jagdtasche gepackt hat. Das Pflanzenbuch, meine Jagdjacke, das Hochzeitsfoto meiner Eltern und die persönlichen Sachen aus meiner Schublade. Meine Spotttölpelbrosche steckt jetzt ja immer an dem Kostüm, das Cinna für mich gemacht hat, aber da sind das goldene Medaillon und der silberne Fallschirm mit dem Zapfhahn und Peetas Perle. Ich verknote die Perle im Zipfel des Fallschirms und stecke sie ganz tief in meine Tasche, als wäre sie Peetas Leben und niemand könnte sie wegnehmen, solange ich darauf aufpasse.

Das ferne Geräusch der Sirenen bricht abrupt ab. Über die Lautsprecher des Distrikts ist Coins Stimme zu hören, sie dankt uns allen für eine vorbildliche Evakuierung der oberen Stockwerke. Sie betont, dass es sich nicht um eine Übung handele, da Peeta Mellark, der Sieger aus Distrikt 12, im Fernsehen vor einem Angriff auf 13 gewarnt habe, der möglicherweise heute Nacht bevorstehe.

In diesem Moment fällt die erste Bombe. Erst gibt es einen heftigen Schlag, gefolgt von einer Detonation, die in meinem Innersten nachhallt, in meinen Eingeweiden, im Knochenmark, in den Zahnwurzeln. Wir werden alle sterben, denke ich. Mein Blick wandert nach oben, ich rechne damit, gewaltige Risse in der Decke zu sehen, dicke Gesteinsbrocken, die auf uns herabregnen, aber der Bunker bebt nur ein wenig. Die Lichter gehen aus, und ich erlebe, wie orientierungslos man in völliger Dunkelheit ist. Die Laute der Menschen, die keine Worte für das Geschehen haben - spontane Schreie, unregelmäßiges Atmen, das Wimmern von Babys, der Fetzen eines irren Lachens -, tanzen in der aufgeladenen Atmosphäre umher. Dann das Summen eines Generators, ein schwaches Flackern, so ganz anders als die grelle Beleuchtung, die in Distrikt 13 üblich ist. Es ist fast wie damals zu Hause in Distrikt 12, beim schwachen Schein von Kerzen und Kaminfeuer in einer Winternacht.

Im Zwielicht strecke ich den Arm nach Prim aus, halte mich an ihrem Bein fest und ziehe mich zu ihr hinüber. Mit fester Stimme spricht sie beruhigend auf Butterblume ein. »Schon gut, Kleiner, alles ist gut. Hier unten kann uns nichts passieren.«

Meine Mutter nimmt uns in die Arme. Einen Augenblick lang gestehe ich mir zu, mich klein zu fühlen, und lege den Kopf auf ihre Schulter. »Nichts im Vergleich zu den Bomben in Distrikt 8«, sage ich.

»Wahrscheinlich eine Bunkerbombe«, sagt Prim. Dem Kater zuliebe spricht sie immer noch mit sanfter Stimme. »Bei der Einführungsveranstaltung für Neubürger haben wir davon gehört. Sie dringen tief in die Erde ein, bevor sie losgehen. Weil es ja schon lange keinen Grund mehr gibt, die Oberfläche von 13 zu bombardieren.«

»Atombomben?«, frage ich und merke, wie es mich kalt durchläuft.

»Nicht unbedingt«, sagt Prim. »Manche enthalten nur eine Menge Sprengstoff. Aber … es könnte wohl beides sein.«

In dem Dämmerlicht ist die schwere Stahltür am Ende des Bunkers kaum zu erkennen. Würde sie uns vor einem atomaren Angriff schützen? Und selbst wenn sie, was sehr unwahrscheinlich ist, die Strahlung zu hundert Prozent abschirmen würde, könnten wir dann je wieder hier raus? Die Vorstellung, den Rest meines Lebens in dieser Gruft zu verbringen, ist entsetzlich.

Ich verspüre den Drang, wie eine Verrückte zur Tür zu rennen und zu verlangen, dass sie mich rauslassen, was auch immer mich dort erwartet. Aber es ist zwecklos. Sie würden mich nie hinauslassen und ich würde womöglich eine Massenpanik auslösen.

»Wir sind so tief unter der Erde, bestimmt sind wir hier sicher«, sagt meine Mutter matt. Denkt sie an meinen Vater, der im Bergwerk in Stücke gerissen wurde? »Aber das war knapp. Gut, dass Peeta das Nötige getan und uns gewarnt hat.«

Das Nötige. Eine harmlose Umschreibung für alles, was nötig war, um Alarm zu schlagen. Das Wissen, die Gelegenheit, der Mut. Und noch etwas anderes, das ich nicht benennen kann. Peeta schien mit sich ringen zu müssen, er musste sich überwinden, die Botschaft zu äußern. Warum? Die Leichtigkeit, mit der er Worte verdrehen kann, ist sein größtes Talent. War die Anstrengung eine Folge der Folter? Oder mehr als das? Eine Art Wahnsinn?

Coins Stimme, vielleicht etwas härter als sonst, erfüllt den Bunker, die Lautstärke flackert ebenso wie das Licht. »Offenbar war Peeta Mellarks Information korrekt und wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Die Messinstrumente zeigen an, dass das erste Geschoss eine große Sprengkraft hatte, jedoch nicht gestrahlt hat. Wir rechnen damit, dass weitere folgen werden. Für die Dauer des Angriffs haben die Bewohner in ihren zugewiesenen Bereichen zu bleiben, solange keine anderslautenden Anweisungen erfolgen.«

Ein Soldat teilt meiner Mutter mit, dass sie in der Erste-Hilfe-Station gebraucht wird. Sie lässt uns ungern allein, obwohl sie nur dreißig Meter entfernt sein wird.

»Uns passiert schon nichts«, sage ich. »Glaubst du, an dem käme jemand vorbei?« Ich zeige auf Butterblume, der mich so halbherzig anfaucht, dass wir alle ein wenig lachen müssen. Selbst ich habe Mitleid mit ihm. Nachdem meine Mutter weg ist, sage ich zu Prim: »Warum steigst du nicht mit ihm in die Koje?«

»Ich weiß, dass es albern ist … aber ich hab Angst, dass das Ding beim nächsten Einschlag über uns zusammenkracht«, sagt sie.

Wenn die Kojen zusammenkrachen, bricht der ganze Bunker zusammen und begräbt uns, doch diese Logik ist jetzt wohl wenig hilfreich. Anstatt etwas zu sagen, räume ich das Vorratsfach frei und bereite Butterblume darin ein Bett. Davor lege ich für meine Schwester und mich eine Matte.

Wir dürfen in kleinen Grüppchen die Toilette benutzen und uns die Zähne putzen, Duschen ist für heute allerdings gestrichen. Ich kuschele mich mit Prim auf die Matte. Die Decken nehmen wir doppelt, denn in der Höhle ist es feucht und kalt. Butterblume, der unglücklich ist, obwohl Prim sich die ganze Zeit um ihn kümmert, kauert im Vorratsfach und stößt mir seinen Katzenatem ins Gesicht.

Trotz der misslichen Umstände bin ich dankbar für die Zeit mit meiner Schwester. Seit ich hier bin - nein, seit den ersten Spielen -, war ich so wahnsinnig beschäftigt, dass ich mich kaum um sie kümmern konnte. Ich habe nicht so auf sie aufgepasst wie nötig, nicht so wie früher. Schließlich war es Gale, der unsere Wohneinheit durchgesehen hat, nicht ich. Das muss ich wiedergutmachen.

Ich habe sie noch nicht mal gefragt, wie sie den Schock verkraftet hat, dass es sie hierher verschlagen hat. »Und, Prim, wie gefällt es dir in Distrikt 13?«, frage ich.

»Jetzt gerade?«, fragt sie zurück. Wir müssen lachen. »Manchmal habe ich fürchterliches Heimweh. Aber dann fällt mir ein, dass es nichts mehr gibt, wonach ich Heimweh haben könnte. Hier fühle ich mich sicherer. Wir müssen keine Angst mehr um dich haben. Na ja, jedenfalls nicht mehr so wie früher.« Sie schweigt eine Weile, dann umspielt ein scheues Lächeln ihre Lippen. »Ich glaube, sie wollen mich zur Ärztin ausbilden.«

Davon höre ich zum ersten Mal. »Na klar. Sie wären schön blöd, wenn sie das nicht machen würden.«

»Sie haben mich beobachtet, als ich auf der Krankenstation ausgeholfen habe. Ich besuche bereits die Sanitätskurse. Das ist nur für Anfänger. Einiges davon weiß ich schon von zu Hause. Trotzdem gibt es noch viel zu lernen«, sagt sie.

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