Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Plutarch ist außer sich vor Begeisterung, und alle jubeln Beetee zu, nur Finnick neben mir bleibt reglos und stumm. Ich schaue zu Haymitch auf der anderen Seite des Raums, sein Blick spiegelt meine eigene Angst wider. Wir beide wissen, dass Peeta uns mit jedem Jubelruf mehr entgleitet.
Im Fernsehen ist jetzt wieder das Wappen des Kapitols zu sehen, begleitet von einem monotonen Studiogeräusch. Erst nach etwa zwanzig Sekunden erscheinen Snow und Peeta wieder auf dem Bildschirm. Das Studio sieht chaotisch aus. Aus dem Regieraum ist hektischer Wortwechsel zu hören. Snow stürzt nach vorn, er sagt, nun versuchten die Rebellen offenbar, die Verbreitung belastender Informationen zu stören, doch am Ende würden Wahrheit und Gerechtigkeit siegen. Sobald die Sicherheit wiederhergestellt sei, werde die Sendung fortgesetzt. Er fragt Peeta, ob er Katniss Everdeen noch etwas Abschließendes mitteilen wolle.
Als Peeta meinen Namen hört, verzieht er angestrengt das Gesicht. »Katniss … was meinst du, wo das alles hinführen soll? Was wird am Ende übrig bleiben? Alle sind in Gefahr. Im Kapitol und in den Distrikten. Und ihr … in Distrikt 13 …« Er atmet scharf ein, als könnte er kaum Luft bekommen, der Wahnsinn spricht aus seinem Blick. »… noch vor Tagesanbruch tot!«
Aus dem Off ist Snow zu hören, wie er ruft: »Ausschalten!« Beetee sorgt für Chaos, indem er alle drei Sekunden ein Standbild von mir vor dem Lazarett einblendet. Aber zwischen den Einblendungen werden wir Zeugen des Geschehens im Studio. Wie Peeta versucht weiterzusprechen. Wie die Kamera heruntergerissen wird und die weißen Bodenfliesen filmt. Schritte von Stiefeln. Dann ein heftiger Schlag, vermischt mit Peetas Schmerzensschrei.
Und sein Blut, das auf die Fliesen spritzt.
Teil 2
Der Angriff
10
Der Schrei entsteht ganz unten, wandert meinen Körper hoch und bleibt mir im Hals stecken. Ich bin stumm wie ein Avox, ersticke an meinem Schmerz. Selbst wenn ich die Muskeln im Hals loslassen könnte, den Schrei hinausließe, würde ihn jemand hören? Im Raum hat sich ein Tumult erhoben. Fragen und Forderungen werden laut, während alle versuchen, Peetas Worte zu entschlüsseln. »Und ihr… in Distrikt 13 … noch vor Tagesanbruch tot!« Doch niemand fragt nach dem Überbringer der Nachricht, dessen Blut durch ein Grieselbild ersetzt wurde.
Da ruft jemand: »Ruhe!« Aller Augen richten sich auf Haymitch. »So ein großes Rätsel ist das nicht! Der Junge sagt uns, dass ein Angriff auf uns geplant ist. Hier, in 13.«
»Woher will er das wissen?«
»Warum sollten wir ihm trauen?«
»Woher weißt du das?«
Haymitch knurrt genervt. »Während wir hier quatschen, schlagen die ihn zusammen. Was wollt ihr noch? Katniss, hilf mir doch mal!«
Ich muss mich schütteln, damit die Worte hinauskönnen. »Haymitch hat recht. Ich weiß nicht, woher Peeta die Information hat. Oder ob es stimmt, was er sagt. Aber er glaubt es auf jeden Fall. Und sie …« Ich kann nicht laut aussprechen, was Snow ihm antut.
»Sie kennen ihn nicht«, sagt Haymitch zu Coin. »Wir schon. Rufen Sie Ihre Leute zusammen.«
Coin wirkt nicht erschrocken, nur ein wenig verdutzt über diese Wendung. Sie denkt über die Worte nach und tippt mit einem Finger leicht gegen den Rand der Schalttafel vor sich. Dann sagt sie mit ruhiger Stimme zu Haymitch: »Natürlich haben wir für ein solches Szenario unsere Vorkehrungen getroffen. Obwohl seit Jahrzehnten ausgemacht scheint, dass sich das Kapital mit weiteren direkten Angriffen auf Distrikt 13 nur selbst schaden würde. Atomraketen würden Strahlen in die Atmosphäre schicken, mit unvorhersehbaren Folgen für die Umwelt. Aber auch ein konventioneller Angriff könnte unsere Waffenarsenale, auf die sie es abgesehen haben, empfindlich beschädigen. Und natürlich riskieren sie einen Gegenschlag. Möglich, dass sie in Anbetracht unseres Bündnisses mit den Rebellen nun doch bereit sind, all das in Kauf zu nehmen.«
»Meinen Sie wirklich?«, sagt Haymitch, eine Spur zu ernsthaft, aber die Feinheiten der Ironie kommen in 13 selten an.
»Ja. So oder so ist eine Luftschutzübung der Stufe fünf überfällig«, sagt Coin. »Fahren wir mit der Abriegelung fort.« Sie hackt etwas in die Tasten und gibt die entsprechende Anweisung aus. Als sie den Kopf wieder hebt, geht es auch schon los.
Seit ich in Distrikt 13 bin, hatten wir zwei Übungen auf niedriger Stufe. An die erste kann ich mich kaum noch erinnern. Ich lag auf der Intensivstation, und die Patienten waren wohl von der Teilnahme befreit, denn der Aufwand, uns für eine Übung wegzuschaffen, hätte in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden. Ich erinnere mich dunkel an eine mechanische Stimme, die alle anwies, sich in den gelben Zonen zu versammeln. Bei der zweiten Übung, einer Übung der Stufe zwei für den kleineren Krisenfall - zum Beispiel eine vorübergehende Quarantäne, um die Bewohner auf Grippeviren zu testen -, sollten wir uns in unsere Quartiere begeben. Ich versteckte mich hinter einem Rohr im Wäscheraum, ignorierte das pulsierende Tuten der Alarmanlage und schaute einer Spinne zu, die ein Netz webte. Nichts hat mich auf die ohrenbetäubenden, entsetzlichen Sirenen vorbereitet, die Distrikt 13 jetzt durchdringen. Dieses Geräusch kann man nicht ignorieren, es soll offenbar die ganze Bevölkerung in Panik versetzen. Aber wir sind hier in Distrikt 13, da passiert so etwas nicht.
Boggs führt Finnick und mich aus der Kommandozentrale, durch den Flur zu einem Durchgang und dann auf eine breite Treppe. Menschenströme vereinigen sich zu einem Fluss, der einfach nur abwärtsfließt. Es wird nicht geschrien und nicht gedrängelt. Selbst die Kinder fügen sich. Stockwerk um Stockwerk gehen wir tiefer, schweigend, denn kein Wort würde den Sirenenlärm durchdringen. Ich halte nach meiner Mutter und Prim Ausschau, aber außer den Menschen in meiner unmittelbaren Nähe kann ich niemanden erkennen. Sie arbeiten heute Abend beide auf der Krankenstation, also können sie die Übung nicht verpassen.
Ich habe Druck auf den Ohren und meine Augenlider werden schwer. Wir sind tief unter der Erde, wie in einem Kohlebergwerk. Das hat den einzigen Vorteil, dass die Sirenen nicht mehr ganz so schrill klingen. Als sollten sie uns physisch vom Erdboden vertreiben, und so ist es wohl auch gedacht. Gruppen von Menschen schieben sich durch gekennzeichnete Durchgänge, und Boggs fuhrt mich immer weiter nach unten, bis die Treppe schließlich vor einer riesigen Höhle endet. Ich will direkt hineingehen, doch Boggs sagt, ich müsse erst meinen Tagesplan vor einen Scanner halten, um mich auszuweisen. Garantiert wird die Information an irgendeinen Computer weitergeleitet, damit niemand verloren geht.
Die Höhle ist teils natürlich, teils von Menschenhand geschaffen. An einigen Stellen sind die Wände aus Stein, an anderen sieht man Stahlträger und Zement als Verstärkung. In die Felswände sind Schlafkojen gehauen. Es gibt eine Küche, Toiletten, eine Erste-Hilfe-Station. Alles ist für einen längeren Aufenthalt ausgelegt.
Um die Höhle herum sind in regelmäßigen Abständen weiße Schilder mit Buchstaben oder Zahlen angebracht. Boggs erklärt Finnick und mir gerade, dass wir uns an dem Schild aufstellen sollen, das unserem Quartier entspricht - in meinem Fall E für Wohneinheit E -, als Plutarch zu uns kommt. »Ach, hier seid ihr«, sagt er. Die Ereignisse der letzten Stunden scheinen ihn nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Er ist immer noch hocherfreut über Beetees gelungenen Medienangriff. Er hat den Wald im Blick, nicht die Bäume. Dass Peeta misshandelt wird und Distrikt 13 demnächst in die Luft fliegt, scheint nebensächlich. »Katniss, ich weiß, dass das für dich nicht einfach ist, diese Schlappe für Peeta, aber du darfst nicht vergessen, dass du beobachtet wirst.«