Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
»Präsident Snow hat mich … verkauft … genauer gesagt meinen Körper«, erzählt er ausdruckslos, distanziert. »Ich war nicht der Einzige. Wenn ein Sieger als begehrenswert gilt, benutzt der Präsident ihn als Belohnung oder bietet ihn für eine große Summe an. Weigert man sich, tötet er jemanden, den man liebt. Also macht man mit.«
Das ist die Erklärung. Finnicks Parade von Geliebten im Kapitol. Sie waren nie richtige Geliebte. Nur solche Menschen wie unser früherer Oberster Friedenswächter Cray, der sich verzweifelte Mädchen kaufte, um sie zu benutzen und wegzuwerfen, weil er es sich leisten konnte. Am liebsten würde ich den Dreh unterbrechen und Finnick um Verzeihung dafür bitten, dass ich ihn so falsch eingeschätzt habe. Aber wir müssen unseren Auftrag ausführen, und ich merke, dass Finnicks Beitrag weitaus wirkungsvoller sein wird als meiner.
»Ich war nicht der Einzige, aber ich war der Beliebteste«, sagt er. »Vielleicht auch der Hilfloseste, weil die Menschen, die ich liebte, so hilflos waren. Die, die das Bett mit mir teilten, beschenkten mich mit Geld oder Schmuck, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Aber ich entdeckte eine viel wertvollere Form der Bezahlung.«
Geheimnisse, denke ich. Finnick hat mir erzählt, dass seine Geliebten ihn damit bezahlten, nur dass ich annahm, er hätte dieses Arrangement freiwillig gewählt.
»Geheimnisse«, sagt er, ein Echo meiner Gedanken. »Und hier bleiben Sie lieber dran, Präsident Snow, denn so viele dieser Geheimnisse handelten von Ihnen. Aber zunächst ein paar von den anderen.«
Finnick webt einen Teppich, der mit so vielen Details geschmückt ist, dass man nicht an seiner Echtheit zweifeln kann. Geschichten von ungewöhnlichen sexuellen Vorlieben, von Untreue, maßloser Gier und blutigen Machtspielchen. Geheimnisse, die des Nachts im Rausch auf feuchten Kopfkissen geflüstert wurden. Finnick wurde gekauft und verkauft. Ein Sklave aus einem Distrikt. Ein gut aussehender zwar, doch im Grunde harmlos. Wem hätte er schon etwas erzählen sollen? Und wer hätte ihm geglaubt? Aber manche Geheimnisse sind zu köstlich, um sie nicht weiterzuerzählen. Ich kenne die Leute nicht, die Finnick erwähnt - alle scheinen wohlbekannte Bewohner des Kapitols zu sein -, doch durch das Geplapper meines Vorbereitungsteams weiß ich, wie viel Aufmerksamkeit bereits der kleinste Fauxpas erregen kann. Wenn man sich schon über einen misslungenen Haarschnitt stundenlang das Maul zerreißen kann, was werden dann erst Vorwürfe von Inzest, Verrat, Erpressung und Brandstiftung auslösen? Und während Schock und Schuldzuweisungen das Kapitol bereits erschüttern, warten die Menschen dort, genau wie ich jetzt, gespannt darauf, was es über den Präsidenten zu erzählen gibt.
»Und jetzt zu unserem guten Präsidenten Coriolanus Snow«, sagt Finnick. »So ein junger Mann, als er an die Macht kam. Und so schlau, an der Macht zu bleiben. Gewiss fragen Sie sich, wie er das geschafft hat? Ein Wort. Mehr brauchen Sie nicht zu wissen. Gift.« Finnick ruft den Zuschauern Snows politischen Aufstieg in Erinnerung, von dem ich nichts weiß, wie er sich zum Präsidenten hochgearbeitet hat und wie seine politischen Gegner und, schlimmer noch, seine Verbündeten, sobald sie zur Bedrohung wurden, einer nach dem anderen auf mysteriöse Weise ums Leben kamen. Wie Menschen auf einem Fest plötzlich tot umfielen oder langsam und unerklärlich über Monate hinweg zum Schatten ihrer selbst wurden. Man schob es auf verdorbene Schalentiere, schwer nachweisbare Viren oder eine unentdeckte Schwäche der Hauptschlagader. Wie Snow selbst aus der vergifteten Tasse trank, um den Verdacht zu zerstreuen. Aber ein Gegengift wirkt nicht immer. Man sagt, dass er deshalb die parfümierten Rosen trägt. Sie sollen den Blutgeruch übertünchen, der von den offenen Wunden in seinem Mund herrührt. Man sagt, man sagt, man sagt … Snow habe eine Liste, und niemand weiß, wer als Nächstes dran ist.
Gift. Die perfekte Waffe für eine Schlange.
Ich habe eine so niedrige Meinung vom Kapitol und seinem feinen Präsidenten, dass mich Finnicks Anschuldigungen nicht sonderlich schockieren. Auf die vertriebenen Rebellen aus dem Kapitol, auf mein Team und Fulvia scheinen sie einen weitaus größeren Effekt zu haben - selbst Plutarch wirkt hin und wieder überrascht, vielleicht fragt er sich, wie ihm die eine oder andere Pikanterie entgehen konnte. Als Finnick fertig ist, lassen sie die Kameras einfach laufen, bis er schließlich selbst sagen muss: »Schnitt!«
Das Team verschwindet schnell, um das Material zu schneiden, und Plutarch nimmt Finnick für ein kleines Gespräch beiseite. Vermutlich will er herauskriegen, ob er noch mehr Geschichten auf Lager hat. Ich bleibe mit Haymitch in den Trümmern zurück und frage mich, ob ich eines Tages das gleiche Schicksal erlitten hätte wie Finnick. Warum nicht? Für das Mädchen, das in Flammen stand, hätte Snow einen guten Preis erzielen können.
»Hast du das auch durchmachen müssen?«, frage ich Haymitch.
»Nein. Meine Mutter und mein kleiner Bruder. Mein Mädchen. Zwei Wochen nachdem ich zum Sieger gekrönt wurde, waren sie alle tot. Wegen meiner waghalsigen Aktion mit dem Kraftfeld«, sagt er. »Es gab niemanden mehr, den Snow gegen mich hätte einsetzen können.«
»Erstaunlich, dass er dich nicht einfach umgebracht hat«, bemerke ich.
»Oh nein. Ich war das abschreckende Beispiel. Mich konnte man den jungen Finnicks und Johannas und Cashmeres vorhalten. Damit sie sahen, was mit einem Sieger passiert, der Probleme macht«, sagt Haymitch. »Aber er hatte nichts, womit er mich unter Druck setzen konnte.«
»Bis Peeta und ich ins Spiel kamen«, sage ich leise. Er zuckt noch nicht mal mit den Schultern.
Nachdem Finnick und ich unseren Auftrag erledigt haben, können wir nur noch warten. Wir versuchen uns die zähen Minuten in der Waffenabteilung zu vertreiben. Knoten unsere Seile. Schieben unser Mittagessen in den Schalen hin und her. Ballern auf dem Schießplatz alles weg. Von der Rettungsmannschaft gibt es wegen der Entdeckungsgefahr keinerlei Nachricht. Um 15 Uhr, zur festgelegten Zeit, stehen wir angespannt und stumm hinten in einem Raum voller Bildschirme und Computer und schauen zu, wie Beetee versucht, die Herrschaft über den Äther zu gewinnen. Seine zappelige Art ist einer Entschlossenheit gewichen, wie ich sie bei ihm noch nie erlebt habe. Der größte Teil meines Interviews kommt nicht rüber, aber jedenfalls sieht man, dass ich lebe und nach wie vor kämpferisch bin. Finnicks obszöner und blutrünstiger Bericht ist die Nachricht des Tages. Wird Beetee immer geschickter? Oder sind seine Gegenspieler im Kapitol so fasziniert, dass sie Finnick gar nicht abschalten wollen? Während der folgenden sechzig Minuten wechselt das Programm des Kapitols zwischen den üblichen Nachrichten am Nachmittag, Finnicks Insiderbericht und Versuchen, alles abzuschalten. Aber die Techniker der Rebellen wehren sogar das ab und schaffen es in einem regelrechten Coup, fast die gesamte Passage über Präsident Snow auszustrahlen.
»Schluss jetzt!«, sagt Beetee, hebt die Hände und überlässt das Programm wieder dem Kapitol. Er wischt sich das Gesicht mit einem Tuch ab. »Wenn sie jetzt nicht wieder draußen sind, sind sie alle tot.« Er dreht sich in seinem Stuhl herum, weil er sehen will, wie Finnick und ich auf seine Worte reagieren. »Aber der Plan ist richtig gut. Hat Plutarch ihn euch erläutert?«
Natürlich nicht. Beetee nimmt uns mit in einen anderen Raum und zeigt uns, wie die Mannschaft mit der Hilfe von Verbindungsleuten der Rebellen im Kapitol versuchen wird - versucht hat -, die Sieger aus einem unterirdischen Gefängnis zu befreien. Zu dem Plan gehören offenbar die Einleitung von Betäubungsgas durch die Lüftungsanlage, ein Stromausfall, das Zünden einer Bombe in einem Regierungsgebäude, mehrere Kilometer vom Gefängnis entfernt, und zu guter Letzt die Störung des Fernsehens. Beetee freut sich, dass wir den Plan nicht richtig nachvollziehen können: Dann wird es unseren Feinden genauso gehen.
»Wie deine Stromfalle in der Arena?«, frage ich.