Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Cressida lässt uns in einer Ecke zwischen den Felsen hinsetzen, wo wir uns unmöglich nicht berühren können, und lenkt das Gespräch auf die Jagd. Was uns in den Wald getrieben habe, wie wir uns kennengelernt hätten, besondere Momente, an die wir uns erinnerten. Wir tauen auf, lachen ein wenig, als wir von kleinen Katastrophen mit Bienen, wilden Hunden und Stinktieren erzählen. Cressida fragt, was es für ein Gefühl war, unser Geschick im Umgang mit Waffen gegen die Bomber in Distrikt 8 einzusetzen, und ich verstumme. Gale sagt nur: »Das war lange überfällig.«
Als wir auf den Marktplatz kommen, naht schon der Abend. Ich führe Cressida zu den Trümmern der Bäckerei und bitte sie, dort etwas zu filmen. Ich bringe kein Gefühl mehr zustande, nur noch Erschöpfung. »Peeta, das hier ist dein Zuhause. Von deiner Familie fehlt seit der Bombardierung jede Nachricht. Distrikt 12 gibt es nicht mehr. Und du forderst einen Waffenstillstand?« Ich schaue in das Nichts. »Hier ist niemand, der dich hören könnte.«
Als wir vor dem Metallklumpen stehen, der einmal der Galgen war, fragt Cressida, ob einer von uns gefoltert worden sei. Anstelle einer Antwort zieht Gale sein Hemd hoch und dreht den Rücken zur Kamera. Ich starre auf die Narben von den Peitschenhieben und höre wieder das Zischen der Peitsche, sehe, wie er blutüberströmt und bewusstlos an den Handgelenken hängt.
»Ich bin fertig«, verkünde ich. »Wir treffen uns im Dorf der Sieger. Ich will da … was für meine Mutter holen.«
Ich muss zu unserem Haus gelaufen sein, aber ich kann mich nicht dran erinnern. Ich sitze vor den Küchenschränken auf dem Fußboden. Packe Tonkrüge und Glasflaschen fein säuberlich in eine Kiste. Lege Baumwollverbände zum Schutz dazwischen. Binde Sträuße aus Trockenblumen.
Da fällt mir die Rose auf meiner Kommode wieder ein. War sie wirklich da? Und wenn ja, ist sie immer noch da oben? Ich unterdrücke den Drang nachzusehen. Wenn sie noch da ist, versetzt mich das nur wieder in Angst und Schrecken. Ich beeile mich mit dem Packen.
Als die Schränke leer sind und ich mich umdrehe, steht plötzlich Gale in der Küche. Es ist unheimlich, wie lautlos er auftauchen kann. Er stützt sich auf den Tisch, die Finger auf der Holzmaserung weit gespreizt. Ich stelle die Kiste zwischen uns ab. »Weißt du noch?«, fragt er. »Hier hast du mich geküsst.«
Obwohl wir ihm nach der Auspeitschung eine hohe Dosis Morfix verabreicht haben, ist die Erinnerung nicht aus seinem Bewusstsein gelöscht. »Ich hätte nicht gedacht, dass du das noch weißt«, sage ich.
»Müsste schon tot sein, um das zu vergessen. Vielleicht nicht mal dann«, sagt er. »Vielleicht bin ich wie der Mann in dem Lied vom Henkersbaum. Der immer noch auf eine Antwort wartet.« Gale, den ich noch nie habe weinen sehen, hat Tränen in den Augen. Bevor sie ihm über die Wangen laufen können, beuge ich mich vor und lege meine Lippen auf seine. Wir schmecken nach Hitze, Asche und Unglück. Ein überraschender Geschmack für einen so zarten Kuss. Gale löst sich als Erster und lächelt mich schief an. »Ich wusste, dass du mich küssen würdest.«
»Wie das?«, frage ich. Ich selbst habe es nämlich nicht gewusst.
»Weil ich leide«, sagt er. »Nur so bekomme ich Zuwendung von dir.« Er hebt die Kiste hoch. »Keine Sorge, Katniss. Das geht schon vorüber.« Bevor ich etwas sagen kann, ist er draußen.
Ich bin zu müde, um mir über seinen Vorwurf den Kopf zu zerbrechen. Den kurzen Flug zurück nach Distrikt 13 verbringe ich zusammengerollt auf einem Sitz. Ich versuche Plutarch auszublenden, der sich über eines seiner Lieblingsthemen ausbreitet - Waffen, die der Menschheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Hoch fliegende Flugzeuge, militärische Satelliten, Zellzersetzer, Drohnen, biologische Waffen mit begrenzter Haltbarkeit. Unschädlich gemacht durch die Zerstörung der Atmosphäre, mangelnde Ressourcen oder moralische Zimperlichkeiten. Man hört das Bedauern eines Obersten Spielmachers heraus, der von solchen Spielzeugen nur träumen kann und sich jetzt mit Hovercrafts, Boden-Boden-Raketen und läppischen Gewehren zufriedengeben muss.
Nachdem ich mein Spotttölpelkostüm abgelegt habe, gehe ich, ohne zu essen, ins Bett. Trotzdem muss Prim mich am nächsten Morgen wach rütteln. Ich pfeife auf meinen Tagesplan und halte nach dem Frühstück ein Nickerchen im Wandschrank des Materialraums. Als ich wieder zu mir komme und zwischen den Kisten von Kreide und Stiften hervorkrabbele, ist es schon Zeit zum Abendessen. Ich bekomme eine extragroße Portion Erbsensuppe und werde wieder zur Wohneinheit E geschickt. Dort fängt Boggs mich ab.
»In der Kommandozentrale ist eine Versammlung. Vergiss deinen Tagesplan«, sagt er.
»Schon geschehen«, sage ich.
»Hast du ihn heute überhaupt befolgt?«, fragt er verärgert. »Wer weiß? Ich bin geistig verwirrt.« Ich halte mein Handgelenk hoch, um ihm mein medizinisches Armband zu zeigen, aber es ist nicht mehr da. »Siehst du? Ich kann mich nicht mal daran erinnern, dass sie mir das Armband abgenommen haben. Was soll ich in der Kommandozentrale? Hab ich irgendwas verpasst?«
»Ich glaube, Cressida wollte dir die Propos aus Distrikt 12 zeigen. Aber die siehst du dann ja, wenn sie ausgestrahlt werden«, sagt er.
»Dafür könnte ich mal einen Plan brauchen. Für die Sendezeiten der Propos«, sage ich. Er sieht mich scharf an, verkneift sich jedoch eine weitere Bemerkung.
In der Kommandozentrale drängen sich schon alle, aber sie haben mir einen Platz zwischen Finnick und Plutarch frei gehalten. Die Bildschirme auf den Tischen sind schon ausgefahren, es laufen die offiziellen Nachrichten aus dem Kapitol.
»Was ist los? Wollten wir nicht die Propos aus 12 sehen?«, frage ich.
»Oh nein«, sagt Plutarch. »Das heißt kann schon sein. Ich weiß nicht genau, welche Aufnahmen Beetee verwenden will.«
»Beetee glaubt, eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie wir in das landesweite Nachrichtenübermittlungssystem eindringen können«, sagt Finnick. »Dann wären unsere Propos auch im Kapitol zu sehen. Er ist gerade in der Waffenabteilung und arbeitet an dem Problem. Heute Abend gibt es eine Livesendung. Einen Auftritt von Snow oder so. Ich glaub, jetzt geht es los.«
Das Wappen des Kapitols erscheint, begleitet von der Nationalhymne. Dann schaue ich direkt in die Schlangenaugen von Präsident Snow, der die Nation grüßt. Er ist hinter seinem Rednerpult verschanzt, doch die weiße Rose an seinem Revers ist gut zu sehen. Die Kamera fährt zurück, und jetzt ist auch Peeta im Bild, hinter ihm eine Karte von Panem. Er sitzt auf einem erhöhten Stuhl, die Füße hat er auf eine Metallstange gestützt. Mit dem Fuß seines künstlichen Beins klopft er einen merkwürdigen unregelmäßigen Rhythmus. Durch die Puderschicht auf seinem Gesicht sind Schweißperlen auf Oberlippe und Stirn sichtbar. Aber am meisten erschreckt mich sein Blick, unstet und voller Zorn.
»Es geht ihm schlechter«, flüstere ich. Finnick nimmt meine Hand, damit ich mich an etwas festhalten kann.
Aufgebracht spricht Peeta von der Notwendigkeit eines Waffenstillstands. Er betont, dass in mehreren Distrikten die Infrastruktur zerstört worden sei. Während er spricht, werden bestimmte Teile der Karte erleuchtet und Bilder der Zerstörung eingeblendet. Ein gebrochener Damm in Distrikt 7. Ein entgleister Zug mit einer Ladung Giftmüll, die aus den Kesselwagen läuft. Ein Getreidespeicher, der bei einem Brand einstürzt. All das schreibt er den Rebellen zu.
Zack! Da bin ich plötzlich im Bild, wie ich in den Trümmern der Bäckerei stehe.
Plutarch springt auf. »Ha! Beetee hat es geschafft!«
Alle in der Kommandozentrale sind aus dem Häuschen. Aber da ist Peeta wieder zu sehen, er sieht verwirrt aus. Er hat mich auf dem Monitor gesehen. Er versucht, mit seinem Beitrag fortzufahren, als Nächstes ist die Bombardierung einer Kläranlage dran, da wird er von einem Film verdrängt, in dem Finnick über Rue spricht. Und jetzt versuchen die führenden Techniker des Kapitols, Beetees Attacke abzuwehren, es kommt zur reinsten Sendeschlacht. Das Kapitol ist unvorbereitet, und Beetee, der offenbar schon ahnte, dass er nicht fortlaufend würde senden können, hat eine Reihe von Fünf-bis Zehn-Sekunden-Spots auf Lager, die er einspielen kann. Wir werden Zeuge, wie die offizielle Präsentation in sich zusammenbricht, als sie mit Ausschnitten aus den Propos beschossen wird.