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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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«Wieso ist niemand hier?«murmelte er.

Unschlüssig machte er ein paar Schritte, rief zwei-, dreimal deutlich» Hallo?«und trat schließlich an eine der Glasvitrinen heran. Auf blauem Samt lag unter der Scheibe ein massiver Armreif aus purem Gold, der mit daumennagelgroßen Rubinen besetzt war. Indiana war kein Spezialist für präkolumbianische Kunst, aber er schätzte, daß dieses Stück allein unter Sammlern mehrere zehntausend Dollar wert sein mußte. Er verstand immer weniger, was hier vorging. Hinter ihm schrie Joana spitz und gellend auf. Indiana fuhr herum — und erstarrte. Wie er hatte Joana sich einer der Vitrinen genähert, wohl, um eines der ausgestellten Stücke in die Hand zu nehmen und eingehender zu betrachten. Was sie jedoch in den Fingern hielt, das war kein Schmuckstück, sondern etwas Dünnes, sich Windendes von giftgrüner Farbe.»Rühr dich nicht!«sagte Indiana entsetzt.»Keine Bewegung! Bleib ganz still stehen!«Vorsichtig und in einem weiten Bogen um Joana herumgehend, um nicht ins Blickfeld des Tieres zu geraten und es vielleicht durch eine hastige Bewegung zum Zubeißen zu provozieren, näherte er sich dem Mädchen. Joana stand da wie zur Salzsäule erstarrt, kreideweiß, mit angstvoll aufgerissenen, dunklen Augen und fest aufeinandergepreßten Lippen. Aber sie bewegte sich nicht. Nicht einmal ihre Finger zitterten, obwohl die Schlange jetzt langsam über ihre Hand kroch und sich wie ein bizarres, lebendes Schmuckstück um ihr Gelenk zu winden begann. Ihre winzigen, kaum stecknadelkopfgroßen Augen schienen das Mädchen spöttisch zu mustern, als spüre sie seine Angst und amüsierte sich darüber. Ihre gespaltene Zunge bewegte sich nervös, und obwohl Indiana wußte, daß es unmöglich war, glaubte er, ihre winzigen Giftzähne wie kleine spitze Nadeln aufblitzen zu sehen.

«Keine Bewegung!«flüsterte er noch einmal, während er selbst ganz langsam die Hand zum Gürtel senkte und den Dolch zog. Sein Herz begann zu klopfen. Er spürte, wie sich sein Magen zu einem festen, harten Knoten zusammenzog, und unter seiner Zunge sammelte sich saurer Speichel, so daß er immer heftiger schlucken mußte. Kalter Schweiß brach ihm aus, und jedes einzelne Haar auf seinem Körper schien sich zu sträuben.

Seine Angst war fast übermächtig. Spinnen, Ratten, Krokodile oder Löwen — es gab kaum ein Tier, vor dem Indiana Jones Angst hatte. Vor vielen hatte er ein gesundes Maß an Respekt, aber Angst hatte er nur vor Schlangen. Ihr Anblick lähmte ihn, sprach etwas in seinem Unterbewußtsein an, auf das er keinen Einfluß hatte und das stärker war als sein logisches Denken, und es war gleich, ob es sich um eine harmlose Blindschleiche oder eine Tigerpython handelte. Der überraschende Anblick einer Schlange hatte schon mehr als einmal ausgereicht, Dr. Indiana Jones wie eine hysterische Jungfer aufspringen und schreien zu lassen.

Und auch jetzt wünschte er sich nichts mehr, als herumzufahren und aus dem Zimmer und aus dem Haus und am besten gleich aus der Stadt zu stürmen, um soviel Entfernung wie nur möglich zwischen sich und das winzige, hellgrüne Tier zu legen. Aber wenn er auch nur eine einzige hastige Bewegung machte, dann würde diese Schlange zubeißen, und Joana wäre tot, noch bevor sie überhaupt Zeit fände, den Schmerz zu spüren.

«Beweg dich nicht!«flüsterte er zum dritten Mal.»Ganz egal, was passiert!«Langsam, unendlich langsam, Zentimeter für Zentimeter, näherte sich seine Hand mit dem Messer Joanas Arm.

In Joanas Gesicht zuckte ein Muskel, als der kalte Stahl ihre Haut berührte, aber sie bewies ein erstaunliches Maß an Selbstbeherrschung und stand auch jetzt noch völlig erstarrt da. Ganz, ganz langsam schob Indiana das Messer an ihrem Unterarm herab und auf die Schlange zu. Seine eigenen Hände zitterten vor Aufregung, und sie waren so feucht vor Schweiß, daß er das Messer fest gegen Joanas Arm pressen mußte, um es ruhig zu halten, bis es den Kopf der Schlange erreicht hatte. Das winzige Tier musterte den blinkenden Stahl aus seinen kurzsichtigen Augen neugierig, machte eine Bewegung, als wolle es darüber hinwegkriechen, und zog sich dann wieder zurück. Indiana drehte die Messerklinge blitzschnell um neunzig Grad herum und riß sie in die Höhe. Er fügte Joana dabei einen tiefen Schnitt ins Handgelenk zu, aber die Schlange wurde enthauptet und fiel von Joanas Arm hinunter auf den Boden, wo sich ihr Körper noch einen Moment lang wand.

Joana taumelte keuchend zurück, preßte die linke Hand auf den blutenden Schnitt in ihrem Gelenk und blickte Indiana mit einer Mischung aus Erleichterung und Angst an. Jedes andere Mädchen an ihrer Stelle wäre jetzt vielleicht hysterisch geworden, hätte geschrien oder wenigstens einen Schmerzlaut von sich gegeben, denn der Schnitt mußte wirklich sehr tief sein, wie Indiana bestürzt erkannte: Zwischen ihren Fingern quoll hellrotes Blut hervor und zeichnete ein bizarres Muster auf ihre Hand, ehe es zu Boden tropfte. Aber Joana starrte ihn nur an.»Was … war das?«fragte sie schließlich.

Indiana blickte schweigend auf den winzigen grünen Schlangenkörper hinab, der sich noch immer vor seinen Füßen wand.»Eine Schlange«, murmelte er angeekelt.

«Das weiß ich auch«, sagte Joana. Ihre Stimme begann nun doch zu zittern, und Indiana begriff, daß sie den wirklichen Schrecken vermutlich erst jetzt spürte.»Ich meine … war sie … giftig?«

Indiana löste den Blick von dem Schlangenkörper und sah Joa-na fest an.»Du hast dich verdammt tapfer gehalten«, sagte er.

Joana lächelte verkrampft.»Ich war einfach gelähmt vor Schreck«, gestand sie.»War sie giftig?«

«Ich weiß es nicht«, sagte Indiana nach kurzem Zögern.

In die Furcht in Joanas Blick mischte sich etwas anderes, und er beeilte sich hinzuzufügen:»Eine Menge Schlangen sind giftig, nicht? Es ist besser, man geht auf Nummer Sicher.«

Das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Indiana Jones fürchtete nichts auf der Welt so sehr wie Schlangen, aber vielleicht war gerade das der Grund, aus dem er sie auch besonders gut kannte. Das so harmlos aussehende, kaum dreißig Zentimeter messende Reptil war nichts anderes als eine grüne Mamba gewesen, eine der giftigsten Schlangen der Welt. Hätte sie zugebissen, dann wäre Joana binnen zwei oder allerhöchstens drei Sekunden gestorben. Aber er hatte das sichere Gefühl, daß es besser war, dem Mädchen das jetzt nicht zu sagen.

Joanas Augen weiteten sich.»Soll das heißen, du … du weißt nicht einmal, ob sie giftig war?«

Indiana schüttelte den Kopf.

«Du hast mir den größten Schrecken meines Lebens eingejagt und mich fast erstochen, nur weil es besser ist, sicherzugehen?«vergewisserte sich Joana, und plötzlich hörte Indiana einen eindeutig drohenden Unterton in ihrer Stimme.

«Ich glaube, sie ist giftig«, sagte er hastig.»Ich bin sogar sicher. Ich würde mich nicht wundern, wenn diese netten Tiere der Vorstellung dieses sonderbaren Professor Norten von einer preiswerten Einbruchssicherung entsprächen.«

In Joanas Augen blitzte pure Mordlust auf, aber sie sagte zu Indianas Überraschung nichts, sondern zog nur die Hand von ihrem Gelenk. Die Wunde war tiefer, als Indiana geglaubt hatte, und sie blutete immer noch heftig.

«Es tut mir leid«, sagte er.»Ich wollte dich nicht verletzen. «Er sah sich nach irgend etwas um, das er als Verband benutzen konnte, und begann schließlich in seinen Taschen zu kramen.

«Wo ist sie überhaupt hergekommen?«fragte er.»Hast du sie nicht gesehen?«

Joana deutete mit ihrer blutigen linken Hand auf die offenstehende Vitrine.»Nein. Sie muß dort drinnen gewesen sein.«Ärgerlich runzelte sie die Stirn.»Ich glaube fast, du hast recht. Irgend jemand muß sie dort hineingesetzt haben.«

«Vermutlich«, sagte Indiana, während er weiter heftig in seinen Taschen grub.»Aber wenn, dann werde ich ein paar Worte mit Norten wechseln müssen. So etwas grenzt an Mord.«

«Was suchst du überhaupt?«erkundigte sich Joana.

«Ein Taschentuch«, antwortete Indiana.»Oder etwas Ähnliches. Der Schnitt muß verbunden werden.«

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