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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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Joana beugte sich vor, streckte die Hand nach ihrem Rocksaum aus und zog sie dann wieder zurück.»Reiß einen Streifen von meinem Unterrock«, sagte sie.»Wenn ich es selbst mache, mach’ ich das ganze Kleid blutig.«

Indiana trat auf sie zu, ließ sich auf die Knie sinken, streckte die Hände aus — und zögerte.»Bist du sicher …?«begann er verlegen.

«Stellen Sie sich nicht so an, Dr. Indiana Jones«, antwortete Joana spöttisch.»Sagten Sie nicht vorhin selbst, Sie könnten mein Vater sein?«

«Nun ja«, begann Indiana.»Aber …«

«Dann mach schon, Onkel Indy«, unterbrach ihn Joana. Obwohl sie große Schmerzen haben mußte, lachte sie.»Oder hast du zu große Hemmungen, einem kleinen Mädchen unter den Rock zu greifen?«

Indiana runzelte ärgerlich die Stirn, antwortete aber nicht darauf, sondern schob ihren Rock mit beiden Händen bis weit über die Knie nach oben und versuchte, den Saum ihres Unterrocks abzureißen. Der Stoff war widerstandsfähiger, als er erwartet hatte. Einen Moment lang zerrte er vergeblich mit aller Kraft daran, dann senkte er die Hand wieder zum Gürtel, um das Messer erneut zu ziehen.

Hinter ihm erklangen das Zuschlagen einer Tür und ein überraschter Ausruf, und Indiana zuckte erschrocken zusammen, verlor durch die abrupte Bewegung die Balance und fiel halb nach vorn zwischen Joanas Knie. Er fing den Sturz im letzten Moment mit beiden Händen auf, drehte sich überhastet wieder herum und verhedderte sich prompt in Joanas Unterrock.

Von der Tür her erscholl eine schrille, vorwurfsvolle Frauenstimme, die etwas auf spanisch sagte, das Indiana nicht verstand, und als es ihm endlich gelungen war, sich aus dem Durcheinander zu befreien und Joanas Rocksaum über das Gesicht nach oben zu schieben, da blickte er direkt in das Gesicht einer vielleicht fünfzigjährigen, übergewichtigen Matrone, die unter der Tür stand und abwechselnd Joana und ihn mit einer Mischung aus Entsetzen, Unglauben und heiligem Zorn anstarrte.

«Hallo«, sagte er verlegen.»Ich hoffe, Sie ziehen jetzt keine falschen Schlüsse. Das … das ist alles nicht so, wie es vielleicht aussieht.«

Die Dicke antwortete wieder auf spanisch. Indiana verstand die Worte nicht, aber ihr Klang und der sie begleitende Blick machte klar, daß sie garantiert nicht verstanden hatte, was er gesagt hatte. Einen Moment lang blickte sie Joana und ihn noch vorwurfsvoll an, dann kam sie mit kleinen, trippelnden Schritten auf sie zu, begann heftig mit den Händen zu gestikulieren und überschüttete sie beide mit einem schrillen Wortschwall, von dem Indiana nur einen Bruchteil verstand. Aber das, was er verstand, reichte vollkommen.

Er versuchte abermals aufzustehen, glitt prompt wieder aus und verlor diesmal vollends den Halt, so daß er nun genau zwischen Joanas Beine stürzte. Joana lachte leise und machte einen hastigen Schritt zur Seite, wobei sie ihm mit dem Absatz eine kräftige Schramme an der Schläfe verpaßte und ihm den Hut vom Kopf riß. Die dicke Spanierin kam, mit beiden Armen fuchtelnd und mit immer schrillerer, fast überschnappender Stimme, keifend auf sie zu, baute sich drohend über Indiana auf und stemmte die Fäuste in die Fettpolster, die sie für ihre Hüften hielt. Ihr Gesicht flammte vor Zorn.

«Hören Sie«, sagte Indiana.»Ich weiß, das sieht bestimmt alles sehr seltsam aus, aber …«

Die Dicke hörte gar nicht zu, sondern überschüttete ihn mit einem Schwall von Beschimpfungen und Vorwürfen — und brach dann mitten im Wort ab, als ihr Blick auf Joanas blutendes Handgelenk fiel.

«Genau!«sagte Indiana erleichtert. Hastig stand er auf und machte einen schnellen Schritt zurück, um sich vorsichtshalber aus der unmittelbaren Reichweite der Dicken zu bringen.»Ich wollte sie nur verbinden. Verstehen Sie?«Er beugte sich wieder zu Joanas Knien herab, tat so, als wollte er ihren Rock hochschieben und Stoff zerreißen, und deutete dabei gleichzeitig auf den blutenden Schnitt in ihrem Arm.

«Verband, verstehen Sie?«Die Dicke starrte ihn feindselig an. Ihre Augen wurden schmal.

«Aha«, seufzte Indiana.»Sie verstehen nicht.«

Behutsam hob er Joanas Arm an und gestikulierte mit der freien Hand, als würde er ihn verbinden.»Verband, capito?«

Nein, die spanische Zweizentnerdame verstand ganz offensichtlich nichts. Indiana seufzte erneut, entschied sich, das einzige zu tun, was er tun konnte — nämlich sie zu ignorieren — und ließ sich abermals neben Joana auf die Knie sinken. Als er das Messer hob, um den Saum ihres Unterrockes zu zerteilen, legte die Dicke wieder auf spanisch los, und Joana antwortete in der gleichen Sprache.

Indiana blickte erstaunt auf.»Du verstehst sie?«

«Ja. Willst du wissen, was sie gesagt hat?«

Indiana nickte.

«Wörtlich — oder sinngemäß?«Joana lächelte flüchtig.»Sinngemäß hat sie gesagt, du sollst den Unsinn lassen. Sie geht und holt Verbandszeug.«

Indiana blickte unsicher zu der Dicken auf, die wie ein Racheengel über ihm stand und noch immer auf ihn herabblickte, als überlege sie ernsthaft, sich mit ihren ganzen zwei Zentnern Lebendgewicht auf ihn zu stürzen. Aber dann beließ sie es bei einem finsteren Blick, drehte sich auf dem Absatz herum und stampfte aus dem Raum. Indiana stand auf und steckte das Messer wieder weg. Verwirrt blickte er die Tür an, durch die die Dik-ke verschwunden war. Er hörte sie irgendwo im Nebenzimmer lautstark rumoren.»Kennst du diese Frau?«

Joana nickte.»Consuela. Sie ist Nortens …«Sie suchte einen Moment nach den richtigen Worten und zuckte schließlich mit den Achseln.»Sie sieht hier ab und zu nach dem Rechten. Räumt auf, putzt Staub, bringt ihm etwas zu essen … Alles, was eben so anfällt. Ich kenne sie schon, solange ich lebe.«

«Dann solltest du ihr vielleicht erklären, was hier wirklich … ich meine, was wir eben nicht …«

Indiana begann zu stottern und spürte selbst, wie ihm die Röte ins Gesicht schoß, als er das schadenfrohe Grinsen in Joanas Gesicht sah.

«Ja?«fragte sie harmlos.

Consuelas Rückkehr bewahrte Indiana davor, antworten zu müssen. Die Spanierin brachte einen zerschrammten Rot-KreuzKasten mit, aus dem sie eine zusammengerollte Mullbinde hervorkramte, mit der sie Joanas Handgelenk geschickt, aber alles andere als sanft zu verbinden begann. Joanas Lippen zuckten ein paarmal, aber sie ertrug Consuelas Hilfe klaglos und schenkte der Spanierin sogar ein dankbares Lächeln, als sie endlich fertig war.

«Frag sie, ob sie weiß, wo Norten ist«, bat Indiana.

Joana übersetzte, und Consuela antwortete mit einem feindseligen Blick in seine Richtung in einem wahren Wortschwall und so heftig mit den Händen gestikulierend, daß es Indiana sicherer erschien, sich wieder einen Schritt zurückzuziehen.

«Was hat sie gesagt?«erkundigte er sich, als sie endlich zu Ende gekommen war und wieder herausfordernd die Fäuste in die Hüften stemmte.

«Professor Norten ist schon seit ein paar Tagen nicht mehr hier«, antwortete Joana.»Und die anderen auch nicht. Das Museum ist seit einer Woche geschlossen. Sie sind alle zu seiner Ha-cienda hinausgefahren.«

«Geschlossen?«fragte Indiana.»Die Tür war offen.«

«Das ist sie immer«, erwiderte Joana.»Ich habe dir doch gesagt — hier wird nichts gestohlen.«

Indiana warf einen schrägen Blick auf die tote Schlange, die vor der Vitrine auf dem Boden lag, und antwortete nicht.

Consuela stellte eine Frage, und Joana übersetzte:»Sie will wissen, was wir hier wollen.«

«Sag ihr die Wahrheit«, antwortete Indiana.»Sag ihr, daß wir den Professor sprechen müssen. Und frag sie, ob sie uns den Weg zu dieser Hacienda beschreiben kann.«

«Ich glaube nicht, daß sie das tut«, sagte Joana. Hörbar schadenfroh fügte sie hinzu:»Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß sie dir nicht traut.«

«Dann erzähl ihr irgendeine Lügengeschichte«, antwortete Indiana, während er Consuela das freundlichste Lächeln schenkte, das er zustandebrachte.»Sag ihr meinetwegen, ich wäre von einem seltenen, altperuanischen Käfer gestochen worden, und der Professor wäre der einzige, der das Gegenmittel hat.«

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