In Sklavenketten auf Gor
- Автор: Норман Джон
- Год: 1978
- Язык: немецкий
- Переводчик: Thomas Schluck
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «In Sklavenketten auf Gor». Краткое содержание книги:
Aber dann findet Judy heraus, daß ihre Enführung kein Zufall war und sie in Wahrheit als hilflose Schachfigur in einem viel größeren Intrigenspiel dient. Will sie überleben, muß sie auf die Hilfe jenes Mannes vertrauen, den sie von ganzem Herzen haßt: Clitus Vitellius.
»Ich hole ihn jetzt«, sagte Melina, »damit er dich einmal anschaut.«
Mein Herz machte einen Sprung. Melina wollte mich verkaufen, während Thurnus nicht im Dorf war!
»Mach einen guten Eindruck auf ihn, kleine Dirne«, sagte Melina drohend, »sonst prügele ich dich, bis du sterben möchtest.«
»Keine Sorge, Herrin!« versprach ich erregt. O ja, ich wollte mir Mühe geben. Wann würde sich mir eine zweite Chance bieten, dem Sklavendasein im Dorf zu entkommen? Ich würde alles tun, um hier fortzukommen. Einen guten Eindruck auf ihn machen? O ja! Ich wollte dafür sorgen, daß er in mir ein Muster an Gehorsamkeit und Sinnlichkeit sah. Doch plötzlich bekam ich Angst. Was für ein Mann war er? Nicht jedes Mädchen wirkte auf jeden Mann. Konnte ich sein Interesse erwecken? Ich wollte mich seinen Erwartungen auf jeden Fall anpassen. Was für eine Dirne du doch bist! dachte ich.
»Hier ist die Sklavin«, sagte Melina in diesem Augenblick.
Erschrocken klammerte ich mich an den Pfosten – eine Reaktion, gegen die ich nichts machen konnte. Dann ging mir auf, daß Melina vermutlich von Anfang an beabsichtigt hatte, mich zu überraschen, um ihrem Besucher den Anblick einer schönen und erschrockenen Sklavin zu bieten.
Ich beschloß, die Barbarin von der Erde zu spielen, und hielt mich an den Entschluß. Auf Gor war ich nun mal eine schöne Barbarin, eine Fremde von einer anderen Welt.
»Wie geht es dir, kleine Vulo?« fragte er.
»Gut, Herr«, sagte ich.
»Sie ist eine Barbarin«, stellte er fest.
»Oh«, machte Melina, obwohl sie genau Bescheid wußte.
»Siehst du?« sagte der Hausierer. Er hatte mir die Finger in den Mund gesteckt. »Da oben im Backenzahn sitzt ein winziges Stück Metall.«
»Ärzte können so etwas«, sagte Melina.
»Kommst du von einem Ort, der Erde genannt wird?« fragte der Mann.
»Ja, Herr.«
»Siehst du?« wandte er sich an Melina, ehe sein Blick wieder zu mir zurückkehrte. »Ich bin Tupelius Milius Lactantius, aus der Familie der Lactantii, Angehörige der Kaufmannskaste von Ar. Die Zeiten haben mir leider sehr zugesetzt, wie du siehst. In den Dörfern hier nennt man mich Tup Löffelhändler.«
»Ist sie nicht hübsch?« fragte Melina.
»In den Städten«, sagte er, »gibt es viele Mädchen dieser Art. Allein in Ar werden jährlich viele tausend solcher Sklavinnen verkauft.«
Ich erschauderte.
»Was ist sie wert?« wollte Melina wissen.
»Bestenfalls bekäme ich eine Handvoll Kupfertarsks für sie.«
Ich wußte, daß ich schön war. Nicht gewußt hatte ich, daß auf Gor an schönen Sklavinnen kein Mangel herrschte. Schönheit in einem Sklavenkragen war auf diesem Planeten nicht teuer. So kam es, daß Mädchen, die attraktiver waren als ich, in den Küchen großer Häuser schufteten oder die Fußböden öffentlicher Gebäude schrubben mußten.
Melina war mit der Auskunft gar nicht zufrieden. »Willst du sie denn nicht kaufen?« fragte sie.
Seine Hände strichen über meine Flanken. »Nicht uninteressant«, meinte er. Ohne Vorwarnung berührte er plötzlich mein Geschlecht. Ich schrie auf, mein Körper zuckte gegen den Pfahl, meine Hände verkrampften sich darum. Ich konnte nicht anders.
»Ah«, sagte er. »Eine heißblütige Sklavin. Vielleicht kann sie als Pagadirne arbeiten.«
»Ausgezeichnet!« sagte Melina.
»Trotzdem würde ich wohl nur ein paar Tarsks für sie bekommen.«
»Weshalb?« wollte Melina wissen.
»Die Kriege«, sagte er. »Die Überfälle, die Vernichtung von Städten – da kommen viele schöne Mädchen, von denen manche früher sogar frei waren, auf die Sklavenauktionen und werden für lächerliche Summen verkauft.«
»Aber sind sie so heißblü tig wie die hier?«
»Viele durchaus«, sagte er. »Man braucht ein Mädchen nur zu branden, in Ketten zu legen und sie ein bißchen auszubilden – nach einer Woche ist sie bereit für ihren Herrn.«
»So schnell?« wunderte sich Melina.
»Egal, um welchen Frauentyp es sich handelt – ob von der Erde oder von Gor, ob aus hoher Kaste oder nicht, ob heißblütig oder eiskalt – in der Sklaverei entdecken alle ihre wahres Feuer.«
Melina lachte, und ich errötete.
»Wer ist dein Herr, kleine Vulo?« fragte Tup Löffelhändler.
»Thurnus ist mein Herr«, sagte ich. »Thurnus, Kastenführer in Tabukfurt, Führer der hiesigen Kaste der Bauern, ein Mann, der die Felder fruchtbar macht und zugleich Sleentrainer ist.«
Ein Bauer, der aktiv Landwirtschaft betreibt, wird als ein Mann bezeichnet, der die Felder fruchtbar macht. Zuweilen gilt dieser Ausdruck auch als Ehrenbezeichnung. Obwohl die Kastenzugehörigkeit zwar gewöhnlich mit der Ausübung eines bestimmten Berufes zusammenhängt – Landwirtschaft, Handel oder Kriegshandwerk –, gibt es natürlich Kastenmitglieder, die keine aktive Kastenarbeit betreiben, und auch Individuen, die gewisse Arbeiten verrichten und nicht der Kaste angehören. Üblicherweise ist die Kastenzugehörigkeit eine Sache der Geburt. Natürlich können Mitgliedschaften auch durch Ernennung Zustandekommen. Gefährtenschaften werden gewöhnlich zwischen Kastenmitgliedern geschlossen; gehören die Partner je doch verschiedenen Kasten an, so kann die Frau entscheiden, ob sie in ihrer alten Kaste bleibt – wie es meistens geschieht – oder in die Kaste ihres Mannes aufgenommen wird. Die Kastenmitgliedschaft der in einer solchen Gefährtenschaft geborenen Kinder hängt von der Kaste des Vaters ab. Ähnliche Überlegungen gelten in einigen Städten in bezug auf die Bürgerschaft. Den Goreanern sind die Kasten auf eine Weise wichtig, die für Abkömmlinge einer nicht kastenbestimmten Gesellschaft schwer zu verstehen sind. Obwohl die Kastenstruktur zweifellos Probleme und vor allem Ungerechtigkeiten schafft, fördert sie Identitätsempfinden und Stolz beim Einzelnen, verbündet ihn mit Tausenden von Kastenbrüdern und verschafft ihm zahlreiche Gele genheiten und Vorteile. Freizeit und Turniere spielen sich auf Gor oft im Kreise der Kaste ab. Ebenso die öffentliche Wohlfahrt. Das Kastensystem ist trotz allem nicht unflexibel, und es gibt Möglichkeiten, die Kaste zu wechseln, wozu es aber selten kommt; die Menschen sind ungemein stolz auf ihren Berufsstand.
Trotz der vielen Mängel trägt die Kastenstruktur zweifellos zur Stabilität der goreanischen Gesellschaft bei, einer Gesellschaft, in der das Individuum noch seinen Platz hat, in der seine Arbeit respektiert wird und in der es eine vernünftige Zukunft planen kann. Die Klanstrukturen sind Familiengruppen. Sie funktionie ren im großen und ganzen im Rahmen der Kastengruppierungen, sind aber nicht damit identisch. So kann ein Klan zuweilen Angehörige verschiedener Kasten umfassen. Klans sind zumeist auf eine Stadt beschränkt, während die Kaste solche Grenzen nicht kennt. »Wie heißt du, kleine Vulo?« fragte Tup Löffelhändler.
»Mein Herr hat mich Dina genannt«, erwiderte ich.
»Hübsche Dina.«
»Danke, Herr.«
»Möchtest du sie kaufen?« fragte Melina.
»Sie hat rauhe Hände«, stellte Löffelhändler fest.
»Ich bin eine Bauernsklavin«, antwortete ich. Das Waschen und Graben und die Arbeit auf dem Felde hatten ihre Spuren hinterlassen.
»Mit guten Salben lassen sich die Hände wieder weich und schmiegsam machen – damit sie dazu geeignet sind, Männer zu liebkosen.«
»Ja, Herr«, sagte ich.
»Mach mir ein Angebot für den kleinen Sleen.«
Löffelhändler berührte mich am Hals, hakte einen Finger in meinen Hanfkragen.
»Sag mir, was du für sie bietest. Sie ist billig zu haben«, fuhr Melina fort.
»Wie billig?« wollte er wissen.
»Billig.«
»Weiß Thurnus, daß du sie verkaufst?«
»Es kommt nicht darauf an, was Thurnus weiß«, erwiderte Melina. »Ich bin seine freie Gefährtin. Ich kann tun, was mir gefällt.«
»Schöne Dina«, sagte Löffelhändler zu mir, »würde es dir gefallen, einen hübschen Stahlkragen zu tragen, womöglich mit Emailleverzierungen?«