Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Auf das Geräusch hin eilten mir die jungen Frauen zu Hilfe, und wir hatten Monika Berrisch – denn es war in der Tat Mr. Wemyss’ mutmaßliche Braut – in Sekundenschnelle im Liegen auf die Kaminbank befördert, sie mit Quilts zugedeckt und mit einem heißen Getränk versorgt.
Sie erholte sich schnell – eigentlich fehlte ihr nichts; sie war nur erschöpft und hungrig, denn sie sagte, sie hätte seit drei Tagen nichts mehr gegessen –, und in kürzester Zeit saß sie wieder, um etwas Suppe zu essen und uns ihre verblüffende Anwesenheit zu erklären.
»Es war die Schwester meines Mannes«, sagte sie und schloss einen Moment die Augen, selig über den Duft ihrer Erbsensuppe mit Schinken. »Sie wollte mich sowieso nie dort haben, und als er dann den Unfall hatte, so dass kaum noch Geld da war, um uns alle zu ernähren, wollte sie mich gar nicht mehr.«
Sie hatte, so sagte sie, Sehnsucht nach Joseph gehabt, hatte jedoch weder die Kraft noch die Mittel besessen, gegen den Widerstand ihrer Familie anzugehen und darauf zu bestehen, zu ihm zurückzukehren.
»Oh?« Lizzie betrachtete sie scharf, aber nicht unfreundlich. »Was ist dann passiert?«
Fräulein Berrisch richtete ihre großen, sanften Augen auf sie.
»Ich konnte es nicht mehr ertragen«, sagte sie schlicht. »Ich wollte so gern bei Joseph sein. Meine Schwägerin wollte, dass ich verschwinde, also hat sie mir etwas Geld gegeben. So bin ich hergekommen«, schloss sie achselzuckend und aß gierig noch einen Löffel Suppe.
»Ihr seid … zu Fuß gekommen?«, sagte Brianna. »Aus Halifax?«
Fräulein Berrisch nickte, leckte den Löffel ab und streckte einen Fuß unter der Decke hervor. Ihre Schuhsohlen waren vollständig durchgelaufen; sie hatte sie mit Lederresten und Stoffstreifen von ihrem Hemd umwickelt, so dass ihre Füße aussahen wie schmutzige Lumpenbündel.
»Elizabeth«, sagte sie und sah Lizzie ernst an. »Ich hoffe, es macht Euch nichts aus, dass ich gekommen bin. Euer Vater – ist er hier? Ich hoffe so sehr, es macht ihm auch nichts aus.«
»Ähm, nein«, sagte ich und wechselte einen Blick mit Lizzie. »Er ist nicht hier – aber ich bin sicher, dass er überglücklich sein wird, Euch zu sehen.«
»Oh?« Ihr eingefallenes Gesicht, das sich alarmiert gezeigt hatte, als sie hörte, dass Mr. Wemyss nicht hier war, begann zu strahlen, als wir ihr erzählten, wo er war.
»Oh«, hauchte sie und drückte den Löffel an ihre Brust, als sei es Mr. Wemyss’ Kopf. »Oh, mein Kavalier!« Leuchtend vor Glück sah sie uns alle an – und bemerkte jetzt erst Rodney, der in seinem Körbchen zu Lizzies Füßen döste.
»Aber wer ist das denn?«, rief sie und beugte sich vor, um ihn anzusehen. Rodney, der noch nicht richtig schlief, öffnete seine runden, dunklen Äuglein und betrachtete sie mit ruhiger, verschlafener Neugier.
»Das ist mein kleiner Junge. Rodney Joseph heißt er – nach meinem Pa, aye?« Lizzie hievte ihn aus seinem Körbchen, die runden Knie bis zum Kinn hochgezogen, und legte ihn Monika sanft in die Arme.
Sie gurrte ihn strahlend auf Deutsch an.
»Omalust«, murmelte Brianna mir aus dem Mundwinkel heraus zu, und ich spürte, wie unter meinem Korsett Gelächter aufstieg. Ich hatte das letzte Mal vor Malvas Tod gelacht und empfand es als Balsam für meine Seele.
Lizzie erklärte Monika mit ernster Stimme die Entfremdung, die aus ihrer unorthodoxen Ehe resultierte, und Monika nickte, schnalzte verständnisvoll mit der Zunge – worauf ich mich fragte, wie viel sie eigentlich verstand – und redete gleichzeitig in der Babysprache auf Rodney ein.
»Nicht sehr wahrscheinlich, dass Mr. Wemyss weiter auf Abstand bleibt«, sagte ich meinerseits aus dem Mundwinkel heraus. »Seine neue Frau von seinem Enkelsohn fernhalten? Ha!«
»Ja, was macht schon die Kleinigkeit mit dem doppelten Schwiegersohn?«, pflichtete mir Brianna bei.
Amy betrachtete die zärtliche Szene mit leiser Sehnsucht. Sie streckte den Arm aus und legte ihn Aidan um die schmächtigen Schultern.
»Nun, man sagt doch, je mehr, desto besser«, sagte sie.
Kapitel 86
Prioritäten
Drei Hemden, eine zusätzliche, ordentliche Hose, zwei Paar Strümpfe, eins aus Baumwolle, eins aus Seide – halt, wo waren die Seidenstrümpfe?
Brianna trat zur Tür und rief nach ihrem Mann, der mit Jemmys und Aidans Hilfe fleißig tönerne Rohrsegmente in den Graben legte, den er geschaufelt hatte.
»Roger! Was hast du mit deinen Seidenstrümpfen gemacht?«
Er hielt stirnrunzelnd inne und rieb sich den Kopf. Dann reichte er Aidan den Spaten, sprang über den offenen Graben und kam zum Haus.
»Ich habe sie doch letzten Sonntag zur Predigt getragen, nicht wahr?«, fragte er, als er bei ihr ankam. »Was habe ich … oh.«
»Oh?«, sagte sie argwöhnisch, als sie sah, wie sich seine fragende in eine schuldige Miene verwandelte. »Was heißt hier ›oh‹?«
»Ähh … tja, du warst ja mit Jem und seinen Bauchschmerzen zu Hause geblieben« – eine Erkrankung, die ihr taktisch sehr gelegen kam, da sie sie davor bewahrte, zwei Stunden lang inmitten einer Menge zu sitzen, die sie tuschelnd anstarrte –, »und als mich Jocky Abernathy gefragt hat, ob ich mit ihm angeln gehe …«
»Roger MacKenzie«, sagte sie und fixierte ihn mit einem vernichtenden Blick, »wenn du deine guten Seidenstrümpfe in einen Korb voller stinkender Fische gelegt und sie da vergessen hast –«
»Ich gehe eben nach oben und leihe mir ein Paar von deinem Pa, ja?«, sagte er hastig. »Meine tauchen sicher irgendwo wieder auf.«
»Dein Kopf auch«, sagte sie. »Wahrscheinlich unter einem Stein.«
Das brachte ihn zum Lachen, was nicht ihre Absicht gewesen war, aber ihre Wut linderte.
»Es tut mir leid«, sagte er und beugte sich vor, um sie auf die Stirn zu küssen. »Das war sicher eine Freud’sche Fehlleistung.«
»Oh? Und was hat es zu bedeuten, wenn man seine Strümpfe um einen toten Fisch gewickelt vergisst?«, wollte sie wissen.
»Ein schlechtes Gewissen und geteilte Loyalitäten, vermute ich«, sagte er immer noch scherzhaft, aber nicht mehr so sehr. »Brianna – ich habe nachgedacht. Ich glaube, ich sollte wirklich nicht gehen. Ich brauche doch nicht –«
»O doch«, sagte sie so entschlossen wie möglich. »Pa sagt es, Mama sagt es, und ich sage es auch.«
»Oh. Na dann.« Er lächelte, doch sie konnte die Beklommenheit unter seinem Humor sehen – umso mehr, als sie sie ebenfalls empfand. Der Mord an Malva Christie hatte Fraser’s Ridge in Aufruhr versetzt – Alarmiertheit, Hysterie, Argwohn und Finger, die in alle Richtungen zeigten. Mehrere junge Männer – darunter Bobby Higgins – waren einfach aus der Siedlung verschwunden, ob aus Schuldgefühl oder einfach nur aus Selbstschutz.
Es hatte Anschuldigungen in Hülle und Fülle gegeben; selbst Brianna war zum Gegenstand von Klatsch und Tratsch geworden, weil einige ihrer unbedachten Bemerkungen über Malva Christie die Runde gemacht hatten. Doch der Großteil des Argwohns richtete sich unverblümt gegen ihre Eltern.
Diese gaben sich beide alle Mühe, ihrem Alltag nachzugehen und das Geschwätz und die vielsagenden Blicke schlicht zu ignorieren – doch es fiel ihnen zunehmend schwerer, das konnte jeder sehen.
Roger hatte den Christies sofort einen Besuch abgestattet – fast jeden Tag seit Malvas Tod –, hatte das Mädchen schlicht und unter Tränen beerdigt und hatte seitdem sein Letztes gegeben, um allen anderen Bewohnern von Fraser’s Ridge vernünftig, tröstend und bestimmt zuzureden. Er hatte seinen Plan, zur Ordinierung nach Edenton zu reisen, sofort beiseitegelegt, doch als Jamie das hörte, hatte er darauf bestanden.
»Du hast hier alles getan, was dir möglich war«, sagte sie zum hundertsten Mal. »Es gibt nichts mehr, was du tun könntest, um zu helfen – und es könnte Jahre dauern, bis die Gelegenheit wiederkommt.«