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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Alles Gute, mo nighean donn«, sagte er und sah mir lächelnd in die Augen. Dann waren sie fort, donnerten von der Lichtung wie die Highlandbanditen, und Ians ohrenbetäubendes Gejohle hallte von den Bäumen wider.

Merkwürdigerweise schien die Abreise der Männer die Lage ein wenig zu entspannen. Das Gerede ging natürlich munter weiter – doch da sich weder Jamie noch Ian als Blitzableiter anboten, knisterte es nur vor sich hin wie St.-Elms-Feuer; es zischte und zuckte, so dass jedermann die Haare zu Berge standen, doch im Großen und Ganzen war es harmlos, solange man es nicht direkt mit dem Finger berührte.

Das Haus fühlte sich weniger wie eine kampfumtobte Festung an und mehr wie das Auge eines Sturms.

Und da Mr. Wemyss nicht im Haus war, kam uns Lizzie besuchen und brachte den kleinen Rodney Joseph mit – so hatte sie das Baby genannt, nachdem sich Roger entschieden gegen die Vorschläge der jungen Väter ausgesprochen hatte, nämlich Tilgath-Pileser und Ichaboth. Die kleine Rogerina hatte noch Glück gehabt, da alle Welt sie jetzt Rory nannte, doch Roger wollte nichts davon hören, dass noch ein Kind einen Namen bekam, der nur in grauenvollen Spitznamen resultieren konnte.

Rodney schien ein ausgesprochen freundliches Kind zu sein, zum Teil deswegen, weil er diese großäugige Miene nie ganz verloren hatte, die ihn jedes Wort mit Staunen aufnehmen zu lassen schien. Lizzies überraschte Freude über seine Geburt hatte sich in ein solches Gefühl der Verzauberung verwandelt, dass Jo und Kezzie völlig außen vor geblieben wären, wenn sie nicht genauso verzaubert gewesen wären.

Sofern man sie nicht mit Gewalt davon abhielt, konnten die beiden Stunden damit zubringen, über Rodneys Verdauung zu diskutieren, und zwar mit derselben Intensität, die bislang neuen Fallen vorbehalten gewesen war und den Merkwürdigkeiten, die sie in den Mägen erlegter Tiere fanden. Schweine, so schien es, fraßen tatsächlich alles, und dasselbe galt auch für Rodney.

Ein paar Tage nachdem die Männer zum Brautraub aufgebrochen waren, kam Brianna mit Jemmy zu Besuch, und Lizzie hatte Rodney mitgebracht. Die beiden setzten sich zu Amy McCallum und mir in die Küche, wo wir einen angenehmen Abend verbrachten, am Feuer nähten, Rodney bewunderten, mit halbem Auge auf Jemmy und Aidan achteten – und uns nach einem vorsichtigen Anfang mit Leib und Seele dem Thema widmeten, welche der männlichen Bewohner von Fraser’s Ridge wohl als Verdächtige in Frage kamen.

Ich hatte natürlich das persönlichste und schmerzlichste Interesse an dieser Frage, doch die drei jungen Frauen standen unverbrüchlich auf der Seite der Gerechtigkeit – das heißt der Seite, die sich weigerte, auch nur einen Gedanken an die Vorstellung zu verschwenden, dass Jamie oder ich das Geringste mit dem Mord an Malva Christie zu tun haben könnten.

Was mich betraf, so empfand ich diese offenen Spekulationen als äußerst beruhigend. Ich hatte mir natürlich insgeheim ununterbrochen Gedanken gemacht – und das war kräftezehrend. Es war nicht nur unangenehm, mir jeden Mann, den ich kannte, in der Rolle des kaltblütigen Mörders vorzustellen – diese Gedankengänge zwangen mich auch, mir den Mord selbst wieder und wieder auszumalen und den Moment, in dem ich sie gefunden hatte, erneut zu durchleben.

»Ich denke wirklich nur ungern daran, dass es Bobby gewesen sein könnte«, sagte Brianna stirnrunzelnd und schob einen hölzernen Stopfpilz in die Ferse einer Socke. »Er scheint so ein netter Junge zu sein.«

Bei diesen Worten spitzte Lizzie die Lippen.

»Oh, aye, er ist ein lieber Junge«, sagte sie. »Aber er ist auch das, was man hitzig nennen würde.«

Alle Blicke richteten sich auf sie.

»Nun ja«, sagte sie ungerührt, »ich habe ihn ja nicht gelassen, aber er hat es mit allen Mitteln versucht. Und als ich nein gesagt habe, ist er davongestapft und hat gegen einen Baum getreten.«

»Das hat mein Mann auch manchmal getan, wenn ich ihn abgewiesen habe«, sagte Amy nachdenklich. »Aber ich bin mir sicher, dass er mir nicht die Kehle durchgeschnitten hätte.«

»Nun, aber Malva hat denjenigen ja gar nicht abgewiesen«, sagte Brianna und zog den Faden durch ihre Stopfnadel. »Das war ja das Problem. Er hat sie umgebracht, weil sie schwanger war und er Angst hatte, dass sie es überall herumerzählen würde.«

»Ho!«, sagte Lizzie triumphierend. »Nun – dann kann Bobby es doch gar nicht gewesen sein, oder? Denn als mein Pa ihn abgewiesen hat« – ein Schatten huschte über ihr Gesicht, als sie ihren Vater erwähnte, der immer noch kein Wort mit ihr gesprochen oder die Geburt des kleinen Rodney sonst wie zur Kenntnis genommen hatte –, »hat er da nicht daran gedacht, um Malva Christie anzuhalten? Ian sagt, das hatte er vor. Und wenn sie von ihm schwanger gewesen wäre – nun, dann wäre ihr Vater doch gezwungen gewesen, sich einverstanden zu erklären, oder nicht?«

Amy nickte, weil sie das überzeugend fand, doch Brianna hatte ihre Einwände.

»Ja – aber sie hat doch darauf bestanden, dass das Baby nicht von ihm war. Und er hat sich in die Blaubeerbüsche übergeben, als er gehört hat, dass sie –« Ihre Lippen pressten sich kurz zusammen. »Nun, er war alles andere als glücklich. Also ist es doch möglich, dass er sie aus Eifersucht umgebracht hat, glaubt ihr nicht?«

Lizzie und Amy stießen ein skeptisches »Hmm« aus – sie hatten Bobby beide gern –, waren aber gezwungen, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

»Was ich mich frage«, sagte ich ein wenig zögernd, »ist, was mit den älteren Männern ist. Den Verheirateten. Jeder weiß von den jungen Männern, die an ihr Interesse hatten – aber ich habe auch schon mehr als einmal gesehen, dass ihr ein verheirateter Mann im Vorübergehen hinterhergeblickt hat.«

»Ich nominiere Hiram Crombie«, sagte Brianna augenblicklich und stieß die Nadel in ihre Sockenferse. Alles lachte, doch sie schüttelte den Kopf.

»Nein, ich meine es ernst. Es sind immer die streng religiösen Eiferer, von denen sich dann herausstellt, dass sie zu Hause die Schubladen voller Damenwäsche haben und den Chorknaben nachstellen.«

Amy klappte der Kiefer auf.

»Schubladen voller Damenwäsche?«, sagte sie. »Was … Hemden und Korsette? Was sollte er denn damit tun?«

Brianna wurde rot, denn sie hatte vergessen, wer ihre Zuhörerinnen waren. Sie hustete, doch einen eleganten Ausweg gab es nicht.

»Ähm … nun ja. Ich dachte eher an französische Damenwäsche«, sagte sie schwach. »Ähm … mit Spitzenbesatz und so.«

»Oh, französisch«, sagte Lizzie und nickte weise. Jeder wusste, dass die Französinnen berüchtigt waren – obwohl ich bezweifelte, dass außer mir schon irgendeine Frau aus Fraser’s Ridge einmal eine Französin zu Gesicht bekommen hatte. Um Brianna jedoch aus der Patsche zu helfen, erzählte ich ihnen pflichtschuldigst von La Nestlé, der Geliebten des Königs von Frankreich, die Löcher in den Brustwarzen hatte und mit nackten Brüsten bei Hofe erschien, an denen sie Goldringe trug.

»Wenn das hier noch ein paar Monate so weitergeht«, sagte Lizzie finster und warf einen Blick auf Rodney, der heftig an ihrer Brust saugte und die Fäustchen vor Anstrengung geballt hatte, »kann ich das auch. Ich werde Jo und Kezzie sagen, sie sollen mir Ohrringe mitbringen, wenn sie ihre Felle verkaufen, aye?«

Inmitten des folgenden Gelächters blieb das Klopfen an der Haustür ungehört – zumindest beinahe, wären Jemmy und Aidan, die in Jamies Studierzimmer gespielt hatten, nicht in die Küche gerannt, um es uns zu sagen.

»Ich gehe schon.« Brianna legte ihre Stopfarbeit beiseite, doch ich war schon aufgestanden.

»Nein, ich gehe.« Ich wies sie mit einer Handbewegung zurück, ergriff einen Kerzenhalter und ging mit Herzklopfen durch den dunklen Flur. Besucher nach Einbruch der Dunkelheit bedeuteten fast immer irgendeinen Notfall.

So war es auch diesmal, allerdings nicht von einer Sorte, die ich erwartet hätte. Im ersten Moment erkannte ich die hochgewachsene Frau mit dem blassen, eingefallenen Gesicht gar nicht, die auf der Eingangstreppe stand. Dann flüsterte sie: »Frau Fraser? Darf ich – darf ich hereinkommen?«, und fiel mir in die Arme.

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