Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Sie wusste, wie sehr er es sich wünschte, ordiniert zu werden, und hätte alles getan, um ihm zur Erfüllung dieses Wunsches zu verhelfen. Sie wäre auch gern dabei gewesen, doch ohne großes Hin und Her hatten sie sich darauf geeinigt, dass es das Beste war, wenn sie und Jem nach River Run gingen und dort abwarteten, bis Roger aus Edenton zurückkehrte. Es konnte nicht sehr hilfreich sein, wenn ein Pastor in spe dort mit einer katholischen Frau und einem ebensolchen Kind auftauchte.
Doch das schlechte Gewissen zu gehen, während ihre Eltern im Auge eines Wirbelsturms standen …
»Du musst gehen«, wiederholte sie. »Aber vielleicht könnte ich –«
Er gebot ihr mit einem Blick Einhalt.
»Das hatten wir doch schon.« Er hatte damit argumentiert, dass ihre Anwesenheit die öffentliche Meinung kaum beeinflussen würde, was wahrscheinlich stimmte. Ihr war klar, dass sein eigentlicher Grund – und der ihrer Eltern – der Wunsch war, sie und Jemmy in sicherem Abstand von Fraser’s Ridge und dem Aufruhr zu wissen, am besten, bevor Jemmy begriff, dass eine ganze Reihe der Nachbarn seine Großmutter oder sogar beide Großeltern für kaltblütige Mörder hielt.
Und zu ihrer geheimen Schande brannte sie darauf zu gehen.
Irgendjemand hatte Malva umgebracht – und ihr Baby. Jedes Mal, wenn sie daran dachte, schwammen ihr die Möglichkeiten vor Augen, die Litanei der Namen. Und jedes Mal war sie gezwungen, den Namen ihres Vetters darunter zu lesen. Ian war nicht davongelaufen – und sie konnte – konnte – nicht glauben, dass er es gewesen war. Und doch war sie jeden Tag gezwungen, Ian zu sehen und über diese Möglichkeit nachzudenken.
Sie stand da und starrte in die Tasche, die sie gerade packte, faltete das Hemd in ihren Händen auseinander und wieder zusammen, suchte nach Gründen zu gehen, Gründen zu bleiben – und wusste, dass kein Grund irgendeine Macht hatte, nicht jetzt.
Ein dumpfes Plumpsen von draußen riss sie aus dem Sumpf ihrer Unentschlossenheit.
»Was –« Sie war mit zwei Schritten an der Tür, gerade schnell genug, um Jem und Aidan wie zwei Kaninchen im Wald verschwinden zu sehen. Am Rand des Grabens lagen die Scherben des Rohrsegments, das ihnen gerade hingefallen war.
»Ihr kleinen Rotzlöffel!«, brüllte sie und griff nach einem Besen – ohne zu wissen, was sie damit vorhatte, aber Gewalt schien das einzige Ventil für die Frustration zu sein, die gerade wie ein Vulkan explodiert war und sie sengend durchfuhr.
»Brianna«, sagte Roger leise und legte ihr die Hand auf den Rücken. »Es ist nicht wichtig.«
Sie fuhr zurück und baute sich vor ihm auf. Das Blut dröhnte in ihren Ohren.
»Hast du irgendeine Vorstellung, wie lange es dauert, so ein Teil zu machen? Wie oft ich brennen muss, bevor ich eins bekomme, das keinen Sprung hat? Wie –«
»Ja, ich weiß«, sagte er mit gleichmütiger Stimme. »Und es ist trotzdem nicht wichtig.«
Sie stand zitternd da und atmete schwer. Er streckte ganz sanft die Hand aus, nahm ihr den Besen ab und stellte ihn wieder an seinen Platz.
»Ich muss – gehen«, sagte sie, als sie wieder Worte zustande bekam, und er nickte. In seinen Augen lauerte die Traurigkeit, die er seit dem Tag, an dem Malva gestorben war, mit sich herumtrug.
»Aye, das ist wahr«, sagte er leise.
Er trat hinter sie, legte die Arme um sie, so dass sein Kinn auf ihrer Schulter ruhte, und allmählich hörte sie auf zu zittern. Am anderen Ende der Lichtung sah sie Mrs. Bug mit einer Schürze voller Kohlköpfe und Möhren aus dem Garten kommen; Claire hatte keinen Fuß mehr in ihren Garten gesetzt, seit …
»Werden sie es heil überstehen?«
»Wir werden dafür beten«, sagte er und nahm sie fester in die Arme. Seine Berührung tröstete sie, und erst später fiel ihr auf, dass er ihr eigentlich keine konkrete Antwort gegeben hatte.
Kapitel 87
Die Gerechtigkeit ist mein, sagt der Herr
Ich drückte mit dem Finger auf Lord Johns letztes Paket und bemühte mich, die Energie aufzubringen, um es zu öffnen. Es war eine kleine Holzkiste; vielleicht noch mehr Vitriol. Am besten sollte ich neuen Äther herstellen – doch zu welchem Zweck? Es kam niemand mehr in mein Sprechzimmer, nicht einmal, um sich kleine Schürfwunden oder Prellungen behandeln zu lassen, von gelegentlichen Blinddarmoperationen ganz zu schweigen.
Ich fuhr mit dem Finger durch den Staub auf der Arbeitsfläche und dachte mir, dass ich mich zumindest darum kümmern sollte. Mrs. Bug hielt den Rest des Hauses in makellosem Zustand, weigerte sich aber, das Sprechzimmer zu betreten. Ich setzte Staubwischen auf die lange Liste der Dinge, die ich eigentlich tun sollte, machte aber keine Anstalten, mich auf die Suche nach einem Staubtuch zu begeben.
Seufzend stand ich auf und überquerte den Flur. Jamie saß an seinem Schreibtisch, spielte mit einem Federkiel und starrte auf einen halbfertigen Brief. Er legte den Gänsekiel hin, als er mich sah, und lächelte.
»Wie geht es, Sassenach?«
»Gut«, sagte ich, und er nickte, als nähme er mir das ab. Sein Gesicht war von Falten der Anspannung durchzogen, und ich wusste, dass es ihm ebenso wenig gutging wie mir. »Ich habe Ian den ganzen Tag noch nicht gesehen. Hat er etwas davon gesagt, dass er vorhatte zu gehen?« Zu den Cherokee, meinte ich. Kein Wunder, wenn er aus Fraser’s Ridge fortwollte; es musste ihn schon genug Kraft gekostet haben, überhaupt so lange zu bleiben und die Blicke, das Gemurmel – und die offenen Bezichtigungen zu ertragen.
Jamie nickte erneut und stellte den Kiel in sein Gefäß.
»Aye, ich habe ihm gesagt, er soll gehen. Es wäre sinnlos gewesen, wenn er noch geblieben wäre; es würde nur noch mehr Prügeleien geben.« Ian erzählte zwar nichts von den Auseinandersetzungen, war aber mehr als einmal mit Kampfspuren übersät zum Abendessen aufgetaucht.
»Nun denn. Dann sage ich es besser Mrs. Bug, bevor sie mit dem Kochen anfängt.« Dennoch machte ich keine Anstalten aufzustehen, denn ich fand zumindest ein wenig Trost in Jamies Gegenwart, eine kleine Pause von der konstanten Erinnerung an das kleine, blutige Gewicht in meinem Schoß, reglos wie ein Fleischklumpen – und an den Anblick von Malvas Augen, die so überrascht gewesen waren.
Ich hörte Pferde im Hof, gleich mehrere. Ich sah Jamie an, der die Augenbrauen hochzog und den Kopf schüttelte. Dann erhob er sich, um die Besucher zu begrüßen, wer auch immer sie waren. Ich folgte ihm durch den Flur, wischte mir die Hände an der Schürze ab und revidierte im Geiste die Speisekarte für das Abendessen für mindestens zwölf Gäste, dem Wiehern und Stimmengemurmel nach, das ich auf dem Hof hörte.
Jamie öffnete die Tür und erstarrte. Ich lugte ihm über die Schulter und spürte, wie mich der Schrecken ergriff. Reiter, schwarz im Gegenlicht der sinkenden Sonne, und in diesem Moment stand ich wieder auf der Whiskylichtung, schweißnass und nur mit meinem Hemd bekleidet.
Jamie hörte mich nach Luft schnappen und schob mich mit der Hand nach hinten.
»Was wollt Ihr, Brown?«, sagte er und klang beinahe unfreundlich.
»Wir sind hier, um Eure Frau zu holen«, sagte Richard Brown. Es lag ein unmissverständlicher Unterton der Schadenfreude in seiner Stimme; bei diesem Klang stellten sich an meinem ganzen Körper vor Kälte die Haare auf, und schwarze Flecken schwebten in mein Gesichtsfeld. Ich spürte meine Füße kaum, als ich einige Schritte zurücktrat, und klammerte mich an die Türklinke meines Sprechzimmers, um mich zu stützen.
»Nun, dann zieht Ihr besser Eures Weges«, erwiderte Jamie in unverändert unfreundlichem Ton. »Ihr habt nichts mit meiner Frau zu schaffen und sie ebenso wenig mit Euch.«
»Ah, nun, da irrt Ihr Euch, Mister Fraser.« Mein Gesichtsfeld war wieder frei, und ich sah, wie er sein Pferd dichter an die Eingangstreppe trieb. Er beugte sich nieder, um einen Blick durch die Tür zu werfen, und offenbar sah er mich, denn er lächelte ausgesprochen unangenehm.