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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Wir sind hier, um Eure Frau festzunehmen wegen hinterhältigen Mordes.«

Jamies Hand, die immer noch die Türkante umklammert hielt, spannte sich an, und er richtete sich langsam zu voller Größe auf und schien dabei gleichzeitig breiter zu werden.

»Ihr werdet mein Land verlassen, Sir«, sagte er, und seine Stimme war so leise geworden, dass sie gerade eben das Geraschel der Pferde und des Zaumzeugs übertönte. »Und zwar sofort.«

Ich spürte die Schritte hinter mir mehr, als dass ich sie hörte. Mrs. Bug, die gekommen war, um nachzusehen, was vorging.

»Himmel, hilf«, flüsterte sie, als sie den Mann sah. Dann war sie fort und rannte zur Rückseite des Hauses. Ich wusste, dass ich ihr hätte folgen sollen, um durch die Hintertür zu flüchten, in den Wald zu laufen und mich zu verstecken. Doch meine Gliedmaßen waren wie festgefroren. Ich konnte kaum atmen, geschweige denn, mich bewegen.

Und Richard Brown hielt über Jamies Schulter hinweg diesen Blick auf mich gerichtet, in dem sich unverhohlene Abneigung mit Triumph vermischte.

»Oh, wir gehen sofort«, sagte er und richtete sich wieder auf. »Übergebt sie uns, und wir sind fort. Verflogen wie der Morgentau«, sagte er und lachte. Ich fragte mich dumpf, ob er betrunken war.

»Mit welchem Recht seid Ihr hier?«, wollte Jamie wissen. Seine linke Hand hob sich und legte sich offen drohend auf den Knauf seines Dolches. Dieser Anblick weckte mich schließlich, und ich stolperte durch den Flur zur Küche, wo wir unsere Schusswaffen aufbewahrten.

»… Komitee für die Sicherheit.« Diese Worte hörte ich noch, und Browns Stimme war jetzt drohend erhoben, dann war ich in der Küche. Ich nahm die Vogelflinte von ihrem Haken über dem Kamin, riss die Schublade der Anrichte auf und steckte mir hastig die drei Pistolen, die darin lagen, in die Taschen meiner Arztschürze, die groß genug waren, um während der Arbeit meine Instrumente darin unterzubringen.

Meine Hände zitterten. Ich zögerte – die Pistolen waren geladen und gespannt; Jamie kontrollierte sie jeden Abend – sollte ich den Patronenbeutel mitnehmen, das Pulverhorn? Keine Zeit. Ich hörte Jamie und Richard Brown, die sich jetzt an der Vorderseite des Hauses anbrüllten.

Beim Klang der Hintertür, die sich öffnete, fuhr mein Kopf auf, und ich sah, wie ein mir unbekannter Mann in der Tür stehen blieb und sich umschaute. Er entdeckte mich und bewegte sich grinsend auf mich zu, eine Hand ausgestreckt, um mich am Arm zu packen.

Ich zog eine Pistole aus meiner Schürze und schoss aus nächster Nähe auf ihn. Das Grinsen wich ihm zwar nicht aus dem Gesicht, nahm aber einen etwas verwunderten Ausdruck an. Er blinzelte ein- oder zweimal, dann fuhr er sich mit der Hand an die Seite, wo sich ein roter Fleck auf seinem Hemd auszubreiten begann. Er betrachtete seine blutverschmierten Finger, und der Mund klappte ihm auf.

»Also, gottverdammt!«, sagte er. »Ihr habt mich angeschossen!«

»Das stimmt«, sagte ich atemlos. »Und ich werde es noch einmal tun, wenn Ihr nicht verschwindet!« Ich ließ die leere Pistole krachend zu Boden fallen und durchsuchte mit einer Hand meine Schürzentasche nach der nächsten, während ich mit der anderen nach wie vor die Vogelflinte umklammerte.

Er wartete nicht ab, ob es mir ernst war, sondern fuhr herum, prallte gegen den Türrahmen und stolperte dann hindurch, wobei er eine Blutspur auf dem Holz hinterließ.

Schwarzpulverspuren hingen in der Luft und bildeten eine seltsame Mischung mit dem gebratenen Fisch. Im ersten Moment glaubte ich, ich müsste mich übergeben, doch es gelang mir trotz meiner Übelkeit, die Vogelflinte kurz hinzustellen und die Tür zu verriegeln, obwohl meine Hände so zitterten, dass ich mehrere Versuche dazu brauchte.

Plötzlicher Lärm von der Vorderseite des Hauses vertrieb jedoch jede Nervosität, und ich rannte schon durch den Flur, das Gewehr in der Hand, bevor ich überhaupt den bewussten Entschluss gefasst hatte, mich zu bewegen. Die schweren Pistolen in meiner Schürze schlugen mir gegen die Oberschenkel.

Sie hatten ihn von der Veranda gezerrt; ich erblickte ihn kurz in einem Gewimmel von Männern. Das Gebrüll hatte aufgehört. Das Einzige, was zu hören war, waren leise Grunzlaute, von Schlägen getroffene Körperteile und das Rascheln unzähliger Füße im Staub. Er war tödlicher Ernst, dieser Kampf, und mir war sofort klar, dass sie ihn umbringen wollten.

Ich zielte mit der Vogelflinte auf den Rand des Handgemenges, der am weitesten von Jamie entfernt war, und drückte auf den Abzug. Das Krachen des Schusses und die erschrockenen Aufschreie schienen gleichzeitig zu ertönen, und die Szene vor meinen Augen fuhr auseinander. Der Knoten der Männer löste sich auf, mit Schrotkügelchen gepfeffert. Jamie hatte seinen Dolch nicht losgelassen; jetzt, da er etwas Platz hatte, sah ich, wie er ihn einem Mann in die Seite rammte, ihn wieder herausriss und mit derselben Bewegung zur Seite ausholte, um einem der Männer, der ein wenig zurückgewichen war, eine blutige Furche über die Stirn zu ziehen.

Dann sah ich an der Seite Metall aufglänzen und schrie automatisch »DUCK DICH!«, eine Sekunde bevor Browns Pistole Feuer gab. Etwas zischte leise an meinem Ohr vorbei, und ich begriff irgendwie vollkommen ruhig, dass Brown auf mich geschossen hatte, nicht auf Jamie.

Allerdings hatte sich Jamie geduckt – genau wie jedermann sonst auf dem Hof, und überall rappelten sich die Männer jetzt verwirrt wieder auf. Ihr Kampfgeist war verflogen. Jamie hatte einen Satz auf die Veranda gemacht; er stolperte auf mich zu und hieb dabei mit aller Kraft mit dem Dolchknauf nach einem Mann, der ihn am Ärmel gepackt hatte, bis dieser mit einem Aufschrei von ihm abließ.

Es war, als hätten wir es ein Dutzend Mal geprobt. Er nahm mit einem Schritt die Stufen zur Veranda und warf sich gegen mich, so dass wir beide durch die Tür polterten, dann fuhr er auf dem Absatz herum, knallte die Tür zu, warf sich dagegen und hielt dem Ansturm wütender Körper so lange stand, bis ich in Sekundenschnelle die Schrotflinte fallen gelassen hatte, den Riegel gepackt und ihn vorgeschoben hatte.

Er fiel mit einem Klonk in seine Halterungen.

Die Tür vibrierte unter dem Toben der Fäuste und Schultern, und jetzt war auch wieder Geschrei zu hören, doch es klang anders. Nicht schadenfroh, nicht spottend. Immer noch fluchend, aber voll böswilliger Entschlossenheit.

Keiner von uns blieb stehen, um zuzuhören.

»Ich habe die Küchentür verriegelt«, keuchte ich, und Jamie nickte, während er schon in mein Sprechzimmer rannte, um dort die Innenläden zu verriegeln. Ich hörte hinter mir im Sprechzimmer zerberstendes Glas klirren, als ich in sein Studierzimmer lief; dort waren die Fenster kleiner, glaslos und hoch oben in der Wand. Ich knallte die Läden zu und verriegelte sie, dann rannte ich wieder in den plötzlich verdunkelten Flur, um mir das Gewehr zu greifen.

Jamie hatte es schon; er war in der Küche und suchte sich das Nötige zusammen. Als ich mich Richtung Küchentür in Bewegung setzte, kam er schon heraus, behangen mit Patronenbeutel, Pulverhorn und Ähnlichem, die Vogelflinte in der Hand und wies mit einem Ruck seines Kopfes zur Treppe.

Die oberen Zimmer waren immer noch voller Licht; es war, als tauchte man aus dem Wasser auf, und ich schluckte das Licht, als wäre es Luft, während ich benommen und mit tränenden Augen in die Abstellkammer und in Amy McCallums Zimmer rannte, um dort die Läden zu verriegeln. Ich hatte keine Ahnung, wo Amy und ihre Söhne waren; ich konnte nur dankbar sein, dass sie gerade nicht im Haus waren.

Ich lief japsend ins Schlafzimmer. Jamie kniete am Fenster, wo er systematisch die Pistolen lud und auf Gälisch vor sich hin redete – ob betend oder fluchend, das konnte ich nicht sagen.

Ich fragte gar nicht erst, ob er verletzt war; sein Gesicht war voller Prellungen, seine Lippe war aufgeplatzt, und das Blut war ihm über das Kinn auf sein Hemd gelaufen, er war übersät mit Schmutz und Blutspritzern, von denen ich annahm, dass sie von anderen stammten, und sein mir zugewandtes Ohr war angeschwollen. Doch er bewegte sich gezielt, und alles, was kein Schädelbruch war, würde warten müssen.

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