Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich kniete an ihrer Seite, ohne mich daran erinnern zu können, sie erreicht zu haben, und die Haut an ihrem Arm war warm, als ich ihr Handgelenk ergriff – was für schmale, zerbrechliche Knochen –, aber schlaff, und es war kein Puls zu finden – natürlich nicht, sagte der kalte, kleine Beobachter in mir, ihre Kehle ist durchgeschnitten, hier ist überall Blut, aber du kannst doch sehen, dass ihre Arterie nicht pumpt; sie ist tot.
Malvas graue Augen standen offen, ausdruckslos vor Überraschung, und die Haube war ihr vom Kopf gefallen. Ich packte ihr Handgelenk fester an, als müsste ich in der Lage sein, den vergrabenen Puls zu finden, irgendein Lebenszeichen zu finden … und das tat ich auch. Ihr Kugelbauch bewegte sich, ganz sacht, und ich ließ augenblicklich den schlaffen Arm fallen, griff nach meinem Messer und fasste nach ihrem Rocksaum.
Ich handelte, ohne nachzudenken, ohne Angst, ohne Zweifel – es gab nichts als das Messer und den Druck, die sich teilende Haut und die leise Möglichkeit, die Panik absoluter Not …
Ich schlitzte ihr den Bauch vom Nabel bis zum Schambein auf, schob mich fest durch die erschlafften Muskeln, verletzte die Gebärmutter, doch ganz gleichgültig, schnitt rasch, aber vorsichtig durch die Gebärmutterwand, ließ das Messer fallen und tauchte mit beiden Händen tief in Malva Christie ein, immer noch blutwarm, und ergriff das Kind, umfasste es, drehte es, zerrte fest daran in meiner Panik, es zu befreien, es dem sicheren Tod zu entreißen, es an die Luft zu holen, ihm atmen zu helfen … ihr Körper schlackerte und zuckte, als ich daran ruckte, und ihre erschlafften Gliedmaßen schlingerten hin und her.
Es löste sich mit der Plötzlichkeit der Geburt, und ich wischte ihm Blut und Schleim aus dem winzigen, versiegelten Gesicht, blies ihm in die Lungen, sanft, ganz sanft, man muss sanft blasen, die Alveolen der Lungen sind wie Spinnweben, so klein, drückte ihm auf die Brust, nicht mehr als eine Handspanne, drückte mit zwei Fingern, nicht mehr, und spürte einen Anflug Spannkraft, zart wie eine Uhrfeder, spürte die Bewegung, ein schwaches Zappeln, ein leiser, instinktiver Kampf – und spürte es verblassen, dieses Flackern, diesen winzigen Lebensfunken, rief schmerzerfüllt auf und klammerte den winzigen, puppenhaften Körper an meine Brust, noch warm, noch warm.
»Geh nicht«, sagte ich, »geh nicht, geh nicht, bitte geh nicht.« Doch der lebendige Hauch verschwand, ein schwaches blaues Glühen, das eine Sekunde lang meine Handflächen zu erleuchten schien und dann schrumpfte wie eine Kerzenflamme, zur Kohle eines glühenden Dochtes, zu einer kaum merklichen Spur von Licht – und dann war alles dunkel.
Ich saß immer noch in der gleißenden Sonne, den Körper des kleinen Jungen im Schoß, Malvas verstümmelte Leiche an meiner Seite, weinend und blutüberströmt, als sie mich fanden.
Kapitel 85
Die geraubte Braut
Eine Woche war vergangen, und kein Hinweis, wer es getan hatte. Getuschel, Seitenblicke und ein spürbarer Nebel des Argwohns hingen über Fraser’s Ridge, doch obwohl Jamie keine Anstrengung ausließ, war niemand zu finden, der irgendetwas wusste – oder zu sagen bereit war.
Ich konnte sehen, wie sich Jamies Anspannung und Frustration mit jedem Tag mehr aufstauten, und wusste, dass sie ein Ventil finden mussten. Doch ich hatte keine Ahnung, was er tun würde.
Am Mittwoch stand Jamie nach dem Frühstück mit finsterem Gesicht am Fenster seines Studierzimmers, dann ließ er die Faust so plötzlich auf den Tisch niedersausen, dass ich zusammenfuhr.
»Ich kann das nicht mehr ertragen«, unterrichtete er mich. »Noch eine Sekunde länger, und ich werde verrückt. Ich muss irgendetwas tun, und das werde ich auch.« Ohne meine Antwort auf diese Erklärung abzuwarten, schritt er zur Tür des Studierzimmers, öffnete sie mit Schwung und brüllte »Joseph!« in den Flur.
Mr. Wemyss tauchte aus der Küche auf, wo er auf Mrs. Bugs Geheiß den Schornstein gefegt hatte. Er sah erschrocken, blass, rußfleckig und ganz allgemein zerzaust aus.
Jamie ignorierte die schwarzen Fußspuren auf dem Zimmerfußboden – er hatte den Teppich verbrannt – und fixierte Mr. Wemyss mit gebieterischem Blick.
»Wollt Ihr diese Frau?«, fragte er fordernd.
»Frau?« Mr. Wemyss war verständlicherweise verwirrt. »Was – oh. Habt Ihr – meint Ihr vielleicht Fräulein Berrisch?«
»Wen denn sonst? Wollt Ihr sie?«, wiederholte Jamie.
Es war offenbar lange her, dass irgendjemand Mr. Wemyss danach gefragt hatte, was er wollte, und er brauchte einige Zeit, um sich von seinem Schreck zu erholen.
Jamies brutales Nachhaken drängte ihn nach zahlreichen gemurmelten Einwänden, dass Fräulein Berrischs Freunde doch sicher am besten beurteilen könnten, was sie glücklich mache, und er sich als Ehemann nicht eigne, weil er nicht aus den richtigen Verhältnissen stamme und zu arm sei, endlich zu dem Eingeständnis, dass, nun ja, falls die Dame nicht völlig abgeneigt sei, vielleicht … nun ja … mit einem Wort …
»Aye, Sir«, sagte er und schien über seine eigene Kühnheit erschrocken zu sein. »Ja. Sehr!«, platzte er heraus.
»Gut.« Jamie nickte zufrieden. »Dann gehen wir und holen sie.«
Mr. Wemyss stand vor Erstaunen der Mund offen; mir ging es nicht anders. Jamie fuhr zu mir herum, um mir mit der Selbstsicherheit und der Lebensfreude eines Seefahrerkapitäns in der Hoffnung auf fette Beute seine Befehle zu erteilen.
»Such doch bitte Ian für mich, ja, Sassenach? Und sag Mrs. Bug, sie soll genug Essensvorräte für vier Männer und eine Woche einpacken. Und dann hol Roger Mac; wir werden einen Pastor brauchen.«
Er rieb sich zufrieden die Hände, dann schlug er Mr. Wemyss auf die Schulter, worauf ein Rußwölkchen aus dessen Kleidern aufstieg.
»Geht und macht Euch zurecht, Joseph«, sagte er. »Und kämmt Euch die Haare. Wir gehen auf Brautraub für Euch.«
»… hielt ihm die Pistole vor die Brust, vor die Brust«, sang Ian vor sich hin. »Vermähle mich, Herr Pastor, sonst brauchst du selbst den Pastor – brauchst du selbst den Pastor!«
»Natürlich«, sagte er und beendete das Lied, in dem ein kecker Bursche namens Willie mit seinen Freunden losreitet, um eine junge Frau zu entführen und zur Heirat zu zwingen, die sich dann als noch kecker herausstellt, »hoffen wir, dass Ihr Euch in der Hochzeitsnacht etwas fähiger anstellt als der gute Willie, aye, Joseph?«
Mr. Wemyss, der auf Hochglanz poliert war, seinen Sonntagsstaat trug und vor Aufregung förmlich vibrierte, warf ihm einen verständnislosen Blick zu. Roger grinste und zog den Riemen seiner Satteltasche fest.
»Der gute Willie zwingt einen Pastor mit vorgehaltener Pistole, ihn mit der jungen Frau zu verheiraten«, erklärte er Mr. Wemyss, »doch als er dann mit seiner geraubten Braut ins Bett geht, weist sie ihn ab – und es gelingt ihm nicht, sie zu zwingen.«
»Und darum, Willie, bring mich heim, als Jungfer wie zuvor – als Jungfer wie zuvor!«, trällerte Ian.
»Allerdings«, sagte Roger warnend zu Jamie, der Gideon gerade ebenfalls die Satteltaschen auf den Rücken hievte. »Falls die Dame nicht willens ist …«
»Was, nicht willens, Joseph zu heiraten?« Jamie klopfte Mr. Wemyss auf den Rücken, dann bückte er sich, um ihm als Räuberleiter zu dienen, und warf den schmächtigeren Mann praktisch in den Sattel. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine vernünftige Frau einer solchen Gelegenheit den Rücken kehrt – du, a charaid?«
Er sah sich rasch auf der Lichtung um, um sich zu überzeugen, dass alles seine Ordnung hatte, dann lief er die Stufen hinauf, um mir einen Abschiedskuss zu geben, bevor er sie wieder hinunterrannte und Gideon bestieg, der ausnahmsweise freundliche Laune zu haben schien und keine Anstalten machte, ihn zu beißen.