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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ihr seid doch mit Eurem Schwiegervater hier, oder?«, fragte er. »Ich meine, ihn auf der Straße gesehen zu haben.«

»So ist es«, bestätigte Roger, der in seiner Tasche nach einem Geldstück suchte. Die Tasche war voller zusammengerollter Pferdehaare; aus akademischer Erfahrung hatte er gegen mögliche Langeweile vorgesorgt, indem er sich Material für eine neue Angelschnur mitgebracht hatte.

»Ah.« Caldwell sah ihn scharf an. »Ich habe in letzter Zeit Dinge gehört – ist es wahr, dass er ein Whig geworden ist?«

»Er ist ein überzeugter Freund der Freiheit«, sagte Roger vorsichtig und holte Luft. »Genau wie ich.« Er hatte bis jetzt noch keine Gelegenheit gehabt, es laut zu sagen; er verspürte ein leises Gefühl der Atemlosigkeit gleich unter dem Brustbein.

»Aha, aha, sehr gut! Ich hatte, wie gesagt, davon gehört – und doch wird überall anderes erzählt; dass er ein Tory ist, Loyalist wie seine Verwandten, und dass seine Bekenntnisse zur Unabhängigkeitsbewegung nur eine Finte sind.« Dies war nicht als Frage formuliert, doch Caldwells hochgezogene Augenbraue, schräg wie der Hut eines Gecken, verdeutlichte, dass es eine war.

»Jamie Fraser ist ein aufrechter Mensch«, sagte Roger und leerte seinen Krug. »Und ein Ehrenmann«, fügte er hinzu und setzte ihn ab. »Und wo wir gerade von ihm reden, ich glaube, ich muss ihn suchen.«

Caldwell sah sich um; Unruhe kam auf, weil die meisten Männer nach der Rechnung riefen und sie begleichen wollten. Die offizielle Zusammenkunft der Delegierten sollte um zwei Uhr in MacIntyres Scheune beginnen. Inzwischen war es nach Mittag; die Delegierten, Redner und Zuschauer würden sich jetzt allmählich versammeln und sich für einen Nachmittag der Auseinandersetzungen und Entscheidungen rüsten. Das Gefühl der Atemlosigkeit kehrte zurück.

»Aye, nun denn. Grüßt ihn bitte von mir – obwohl ich ihn ja vielleicht selbst sehen werde. Und möge der Heilige Geist die verkrusteten Gewohnheiten und die Lethargie durchdringen, die Seelen derer, die sich heute hier versammeln, bekehren und ihr Gewissen wecken.«

»Amen«, sagte Roger und lächelte trotz der Blicke der Männer – und nicht wenigen Frauen.

Er fand Jamie im Blue Boar in der Gesellschaft einer Reihe von Männern, an deren Verkrustungen der Heilige Geist der Lautstärke nach schon hart zugange gewesen war. Doch das Geplauder an der Tür verstummte, als er sich seinen Weg durch den Schankraum bahnte – nicht aufgrund seiner Anwesenheit, sondern weil in der Mitte etwas Interessanteres vor sich ging.

Nämlich: Jamie Fraser und Neil Forbes, die sich, beide rot vor Hitze und Leidenschaft und nach mindestens fünf Litern gemischter Alkoholika, Kopf an Kopf über einen Tisch hinweg auf Gälisch anzischten.

Nur wenige der Zuschauer sprachen Gälisch; diese übersetzten die Höhepunkte des Dialogs hastig für den Rest der Menge.

Die Beleidigung auf Gälisch war eine Kunstform, und zwar eine, die sein Schwiegervater brillant beherrschte, obwohl Roger zugeben musste, dass der Anwalt auch nicht schlecht darin war. Die Übersetzungen der Zuschauer blieben zwar weit hinter dem Original zurück; dennoch war der Schankraum gebannt, und dann und wann erscholl beifälliges Pfeifen oder Johlen der Zuschauer, oder sie lachten, wenn ein Hieb besonders gut saß.

Da er den Anfang versäumt hatte, hatte Roger keine Ahnung, wie es zu dem Streit gekommen war. Zum jetzigen Zeitpunkt konzentrierte sich der Wortwechsel auf Feigheit und Arroganz, wobei Jamies Bemerkungen darauf hinzielten, die Tatsache, dass Forbes den Überfall auf Fogarty Simms angeführt hatte, als niederträchtigen, feigen Versuch hinzustellen, auf Kosten des Lebens eines Wehrlosen den starken Mann zu markieren, während Forbes – der an diesem Punkt ins Englische wechselte, weil ihm klarwurde, dass sie der Anziehungspunkt des gesamten Schankraums waren – die Meinung vertrat, dass Jamies Anwesenheit hier eine unvertretbare Beleidigung für alle war, die die Ideale von Freiheit und Gerechtigkeit wirklich hochhielten. Jedermann wusste schließlich, dass er in Wirklichkeit ein Königstreuer war, doch er, der aufgeblasene Gockel, glaube, dass er allen so lange Sand in die Augen streuen könne, bis er den ganzen Haufen verraten habe. Doch wenn er, Fraser, glaube, er, Forbes, sei so töricht, sich von Possen auf offener Straße irreführen zu lassen und von großem Gerede ohne Hand und Fuß, so solle er, Fraser, sich das gut überlegen!

Jamie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, so dass dieser wie eine Pauke donnerte und die Zinnbecher klapperten. Er erhob sich und blickte funkelnd auf Forbes hinunter.

»Wollt Ihr meine Ehre in Zweifel ziehen, Sir?«, rief er, jetzt ebenfalls auf Englisch. »Denn wenn das so ist, lasst uns ins Freie gehen, und wir werden die Sache ein für alle Mal regeln, ja oder nein!«

Schweiß strömte Forbes über das breite, errötete Gesicht, und in seinen Augen glitzerte die Wut, doch obwohl er so überhitzt war, sah Roger, wie ihn verspätet die Vorsicht am Ärmel zupfte. Roger hatte den Streit in Cross Creek nicht miterlebt, doch Ian hatte ihm alles erzählt und sich dabei totgelacht. Das Letzte, was sich Neil Forbes wünschen konnte, war ein Duell.

»Besitzt Ihr denn überhaupt Ehre, die man in Zweifel ziehen könnte?«, zischte Forbes zurück. Er erhob sich jetzt ebenfalls und richtete sich auf, als sei er im Begriff, sich an die Geschworenen zu richten. »Ihr kommt hierher, spielt Euch groß auf, prahlt wie ein Matrose auf Landgang mit Prisengeld in der Tasche – aber haben wir irgendeinen Beweis dafür, dass Eure Worte mehr sind als Schall und Rauch? Schall und Rauch, sage ich, Sir!«

Jamie stand da, beide Hände auf die Tischplatte gestützt, und betrachtete Forbes mit zusammengekniffenen Augen. Roger hatte einmal erlebt, wie sich diese Miene auf ihn richtete. Sekunden später war die Sorte Chaos ausgebrochen, die sich regelmäßig samstagabends in den Kneipen von Glasgow abspielte – nur schlimmer. Er konnte nur dankbar sein, dass Forbes eindeutig noch keinen Wind von Malva Christies Anschuldigungen bekommen hatte, sonst wäre jetzt schon Blut geflossen.

Jamie richtete sich langsam auf, und seine linke Hand wanderte an seine Taille. Alles schnappte nach Luft, und Forbes wurde blass. Doch er hatte nach seinem Sporran gegriffen, nicht seinem Dolch, und steckte jetzt die Hand hinein.

»Was das betrifft – Sir …«, sagte er in leisem, gleichmütigem Ton, der im ganzen Raum zu hören war, »so habe ich mich deutlich ausgedrückt. Ich bin für die Freiheit, und für dieses Ziel verpfände ich meinen Namen, mein Vermögen« – hier zog er die Hand aus dem Sporran und ließ sie auf den Tisch niedersausen; eine kleine Geldbörse, zwei goldene Guineen und einen Edelstein – »und meine heilige Ehre.«

Im Schankraum war es still, alle Augen richteten sich auf den schwarzen Diamanten, der einen unheilvollen Schimmer verströmte. Jamie hielt drei Herzschläge lang inne, dann holte er Luft.

»Gibt es hier irgendjemanden, der mich der Lüge bezichtigt?«, sagte er. Augenscheinlich war es an den ganzen Raum gerichtet, doch sein Blick war auf Forbes geheftet. Der Anwalt hatte die gräulich rot gefleckte Farbe einer verdorbenen Auster angenommen, schwieg aber.

Jamie hielt erneut den Atem an, dann sah er sich einmal im ganzen Schankraum um, ergriff Börse, Geld und Edelstein und marschierte zur Tür hinaus. Draußen schlug die Stadtuhr zwei, und ihre langsamen Schläge hingen schwer in der feuchten Luft.

L’OIGNON – INTELLIGENCER

Am 20sten dieses Monats ist in Charlotte ein Kongress zusammengetreten, der sich aus Delegierten aus Mecklenburg County zusammensetzte; Zweck war die Erörterung der derzeitigen Beziehungen mit Großbritannien. Nach reiflicher Überlegung wurde eine Deklaration vorgeschlagen und verabschiedet, deren Bestimmungen hier zu sehen sind:

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