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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Er schluckte, während ich den Bruch sanft abtastete, und schloss die Augen wieder. Er schwitzte.

»Im Sprechzimmer ist Laudanum«, sagte ich. »Oder Whisky.« Doch ich wusste, dass er ablehnen würde, und das tat er natürlich.

»Ich brauche einen klaren Kopf«, sagte er, »ganz gleich, was geschieht.« Er öffnete die Augen und lächelte mir schwach zu. Die Luft im Zimmer waberte und glühte, trotz des offenen Fensterladens. Die Sonne stand nun schon ziemlich niedrig, und in den Zimmerecken sammelten sich die ersten Schatten.

Ich ging hinunter zum Sprechzimmer, um eine Schiene und Verbandsmaterial zu holen; es würde nicht viel nützen, aber wenigstens hatte ich etwas zu tun.

Das Sprechzimmer war dunkel, da die Fensterläden geschlossen waren, doch da die Scheiben zerbrochen waren, kam Luft hindurch, so dass mir das Zimmer seltsam entblößt und verletzlich vorkam. Ich trat lautlos ein wie eine Maus, blieb abrupt stehen, lauschte auf Gefahren, und meine Nase zuckte. Doch es war alles still.

»Zu still«, sagte ich laut und lachte. Ohne mich an den Geräuschen zu stören, trat ich fest mit den Füßen auf, öffnete schwungvoll meine Schranktüren und ließ Instrumente scheppern und Fläschchen klappern, während ich nach den Dingen suchte, die ich brauchte.

Ich machte Zwischenstation in der Küche, bevor ich wieder nach oben ging. Teils, um mich zu vergewissern, dass die Hintertür wirklich fest verriegelt war, und teils, um zu prüfen, was Mrs. Bug an Essbarem zurückgelassen haben könnte. Jamie hatte zwar nichts gesagt, doch ich wusste, dass ihm sein schmerzender Finger leichte Übelkeit verursachte – und solche Leiden ließen sich bei ihm normalerweise mit etwas Essbarem lindern.

Der Kessel hing noch über den Kohlen, doch das unbeaufsichtigte Feuer war so weit heruntergebrannt, dass die Suppe zum Glück nicht verkocht war. Ich stocherte in der Glut herum und legte drei ordentliche Kiefernscheite nach, nicht nur, weil es mir in Fleisch und Blut übergegangen war, niemals ein Feuer ausgehen zu lassen, sondern auch, um unseren Belagerern eine lange Nase zu zeigen. Sollten sie doch die Funken im Kamin sehen, dachte ich, und sich ausmalen, wie wir in aller Behaglichkeit beim Essen an unserem Herdfeuer saßen. Oder besser noch, sollten sie sich ruhig ausmalen, wie wir an einem lodernden Feuer saßen und Blei schmolzen, um Kugeln zu gießen.

In dieser trotzigen Stimmung ging ich wieder nach oben, bewaffnet mit meinem Verbandsmaterial, einem spontan zusammengestellten Abendessen und einer großen Flasche Schwarzbier. Doch ich konnte das Echo meiner Schritte auf der Treppe nicht überhören, genauso wenig wie die Stille, die sich hinter mir sofort wieder über das Haus legte, wie Wasser, das sich wieder schließt, wenn man es verlässt.

Ich hörte einen Schuss, als ich mich der Oberkante der Treppe näherte, und nahm die letzten Stufen so schnell, dass ich stolperte und kopfüber hingefallen wäre, wenn ich nicht gegen die Wand getaumelt wäre.

Jamie tauchte mit erschrockenem Gesicht aus Mr. Wemyss’ Zimmer auf, die Vogelflinte in der Hand.

»Hast du dir etwas getan, Sassenach?«

»Nein«, antwortete ich gereizt und wischte mir mit der Schürze etwas übergelaufene Suppe von der Hand. »Worauf in Gottes Namen hast du geschossen?«

»Nichts. Ich wollte ihnen nur klarmachen, dass die Rückseite des Hauses auch nicht sicherer ist als die Vorderseite, falls sie vorhaben, sich auf diesem Weg anzuschleichen. Nur, damit sie wirklich bis zum Anbruch der Nacht warten.«

Ich verband ihm den Finger, was ein wenig zu helfen schien. Wie ich gehofft hatte, half das Essen noch mehr. Er aß wie ein Wolf, und zu meiner Überraschung tat ich das ebenfalls.

»Die Verurteilten aßen mit Appetit«, merkte ich an und pickte ein paar Brot- und Käsekrümel auf. »Ich hatte immer gedacht, Lebensgefahr würde die Leute zu nervös zum Essen machen, aber anscheinend nicht.«

Er schüttelte den Kopf, trank einen Schluck Bier und gab mir die Flasche.

»Ein Freund hat mir einmal gesagt, dass der Körper kein Gewissen hat. Ich weiß nicht, ob das in jeder Beziehung stimmt – aber es ist wahr, dass der Körper die Möglichkeit der Nichtexistenz schlichtweg ignoriert. Und wenn man existiert – nun, dann braucht man etwas zu essen, so einfach ist das.« Er grinste mich schief an und riss das letzte süße Brötchen in zwei Hälften, von denen er mir eine abgab.

Ich nahm sie an, aß sie aber nicht sofort. Draußen war nichts zu hören außer dem Zirpen der Zikaden, obwohl eine drückende Schwüle in der Luft lag, die oft Regen verheißt. Es war noch zu früh im Sommer für ein Gewitter, aber man konnte ja hoffen.

»Du hast auch daran gedacht, oder?«, sagte ich leise.

Er tat erst gar nicht so, als verstünde er mich nicht.

»Nun ja, es ist der Einundzwanzigste«, sagte er.

»Es ist Juni, zum Kuckuck! Und außerdem das falsche Jahr. In der Zeitung stand Januar 1776!« Ich war auf absurde Weise entrüstet, als hätte man mich irgendwie bemogelt.

Er fand das lustig.

»Ich bin selbst einmal Drucker gewesen, Sassenach«, sagte er und lachte mit vollem Mund. »Du glaubst besser nicht alles, was in der Zeitung steht, aye?«

Als ich erneut hinausspähte, waren nur wenige der Männer unter der Kastanie zu sehen. Einer von ihnen sah meine Bewegung; er winkte langsam mit dem Arm – dann fuhr er sich mit der Handkante flach über die Kehle.

Die Sonne stand jetzt dicht über den Baumwipfeln; etwa noch zwei Stunden, bis es dunkel wurde. Aber zwei Stunden mussten Mrs. Bug doch reichen, um Hilfe zu holen – vorausgesetzt, sie hatte jemanden gefunden, der kommen konnte. Es war möglich, dass Arch in Cross Creek war – er reiste einmal im Monat dorthin –, dass Kenny auf der Jagd war. Und was die neueren Pächter anging … jetzt, da Roger nicht da war, um sie zur Ordnung zu rufen, machten sie keinen Hehl mehr aus ihrem Argwohn und ihrer Abneigung mir gegenüber. Ich hatte das dumpfe Gefühl, dass sie zwar kommen würden, wenn man sie rief – aber nur, um Beifall zu klatschen, während man mich davonschleppte.

Und wenn jemand kam – was dann? Ich war zwar nicht besonders scharf darauf, weggeschleppt zu werden, und erst recht nicht darauf, erschossen zu werden oder in der Asche meines Hauses zu verbrennen – aber ich wollte ebenfalls nicht, dass jemand anders versuchte, es zu verhindern, und dabei umkam.

»Geh vom Fenster weg, Sassenach«, mahnte Jamie. Er hielt mir die Hand hin, und ich trat zu ihm und setzte mich neben ihn auf das Bett. Auf einmal fühlte ich mich erschöpft. Das Adrenalin des Notfalls war verbrannt, und meine Muskeln fühlten sich an wie in der Hitze erweichtes Gummi.

»Leg dich hin, a Sorcha«, sagte er leise. »Leg deinen Kopf in meinen Schoß.«

Das tat ich, trotz der Hitze. Es war wohltuend, mich auszustrecken, und noch wohltuender, sein Herz zu hören, das langsam und spürbar über meinem Ohr schlug, und seine Hand zu spüren, die leicht auf meinem Kopf ruhte.

Alle Waffen lagen auf dem Boden neben dem Fenster aufgereiht, alle geladen, gespannt und schussbereit. Er hatte sein Schwert vom Schrank genommen; es stand als letzte Zuflucht an der Tür.

»Jetzt können wir nichts mehr tun, oder?«, sagte ich nach einer Weile. »Nur noch warten.«

Seine Finger spielten mit meinen feuchten Haarlocken; es fiel mir jetzt bis knapp oberhalb der Schultern, lang genug – gerade eben –, um es zusammenzubinden oder hochzustecken.

»Nun, wir könnten ein Beichtgebet sprechen«, sagte er. »Das haben wir am Vorabend einer Schlacht regelmäßig getan. Nur vorsichtshalber«, fügte er hinzu und lächelte mich an.

»Nun gut«, sagte ich nach einer kurzen Pause. »Nur vorsichtshalber.«

Ich streckte die Hand aus, und er umfasste sie mit der unverletzten Hand.

»Mon Dieu, je regrette«, begann er, und mir fiel wieder ein, dass er dieses Gebet immer auf Französisch sprach, ein Überbleibsel aus jenen Tagen als Söldner in Frankreich; wie oft mochte er es damals gesprochen haben, eine notwendige Vorsichtsmaßnahme, am Abend die Seele zu reinigen, weil er am Morgen mit der Möglichkeit des Todes rechnen musste?

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