Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
1. Dass wer auch immer jegliche unberechtigte oder gefährliche Invasion unserer Rechte durch G.-Britannien unterstützt oder toleriert, ein Feind dieses Distrikts ist – ein Feind Amerikas & der angeborenen und unveränderlichen Rechte des Menschen.
2. Wir, die Bürger von Mecklenburg County, lösen hiermit die politischen Bande, die uns bis jetzt mit dem Mutterland verbunden haben, & lösen uns hiermit von jeder Verpflichtung gegenüber der britischen Krone & schwören jeder politischen Verbindung, jedem Vertrag und jeder Zuordnung zu jener Nation ab, welche nach Gutdünken auf unseren Rechten & Freiheiten herumgetrampelt ist & in Lexington so unmenschlich das unschuldige Blut amerikanischer Patrioten vergossen hat.
3. Wir erklären uns hiermit zu einem freien und unabhängigen Volk – wir sind & sollten von Rechts wegen ein souveränes & selbstverwaltetes Bündnis sein, von keiner anderen Macht kontrolliert als unserem Gott & der allgemeinen Regierung des Kongresses. Zur Erhaltung besagter Unabhängigkeit, unserer Bürgerrechte und Religionsfreiheit schwören wir uns gegenseitige Unterstützung, bei unserem Leben, unserem Vermögen & unserer heiligen Ehre.
4. Da wir von nun an in diesem Distrikt die Existenz & Kontrolle des Gesetzes und der Gesetzesvertreter, sei es zivil oder militärisch, nicht länger anerkennen, bestimmen wir hiermit ein jedes unserer früheren Gesetze zur Regel unseres Lebens – wobei allerdings der Krone Großbritanniens keinerlei Rechte, Privilegien, Immunität oder Autorität mehr zuerkannt werden.
5. Es ergeht außerdem weiterhin der Beschluss, dass sämtliche Militäroffiziere in diesem Distrikt in ihre früheren Ämter und Autoritäten wieder eingesetzt werden, so sie mit diesen Regeln konform gehen. Und dass jedes anwesende Mitglied dieser Delegation forthin ein Zivilbeamter sein soll, beispielsweise ein Friedensrichter in Form eines »Komitee-Manns«, der Prozesse anberaumt und alle Kontroversen gemäß des von den Unterzeichneten angenommenen Gesetzes anhört und richtet – um den Frieden, die Einigkeit und Harmonie im Distrikt der Unterzeichneten zu wahren und jede Anstrengung zu unternehmen, die Vaterlandsliebe & das Feuer der Freiheit in ganz Amerika zu verbreiten, bis in dieser Provinz eine allgemeinere und besser organisierte Regierung eingesetzt wird. Eine Auswahl der Anwesenden soll ein Komitee für die Sicherheit des Distrikts der Unterzeichneten bilden.
6. Dass eine Kopie dieser Beschlüsse per Express an den Präsidenten des in Philadelphia versammelten Kontinentalkongresses übermittelt und dieser Versammlung vorgelegt wird.
Kapitel 84
Im Salatbeet
Irgendein Idiot – oder ein Kind – hatte mein Gartentor offen gelassen. Ich lief über den Fußweg und hoffte, dass es noch nicht lange her war. Wenn es über Nacht offen gestanden hatte, würden die Rehe jeden Salatkopf und jedes Zwiebelgewächs in den Beeten gefressen haben, ganz zu schweigen von den –
Ich fuhr zusammen und schrie auf. Etwas hatte mich wie eine rotglühende Hutnadel in den Hals gestochen, und ich schlug automatisch auf die Stelle. Ein elektrischer Schlag in meiner Schläfe ließ mein Gesichtsfeld weiß werden, dann verschwamm alles, weil mir das Wasser in die Augen stieg, und der nächste Stich brannte in meiner Ellenbeuge – Bienen.
Ich taumelte vom Pfad, weil mir plötzlich bewusst wurde, dass die ganze Luft voller Bienen war, die aufgebracht um sich stachen. Ich stürzte durch das Unterholz; meine Augen tränten so sehr, dass ich kaum sehen konnte, und zu spät wurde ich mir des tiefen Dröhnens eines Bienenstocks im Kriegszustand bewusst.
Bär! Gottverdammt, ein Bär war in den Garten geraten! In der halben Sekunde zwischen dem ersten und dem nächsten Stich hatte ich gesehen, dass einer der Bienenkörbe gleich hinter dem Gartentor auf der Seite im Schmutz lag und Waben und Honig daraus hervorquollen wie Eingeweide.
Ich duckte mich unter den Zweigen hindurch und warf mich keuchend und zusammenhanglos fluchend in ein Kermesgebüsch. Der Stich an meinem Hals klopfte heftig, und der an meiner Schläfe schwoll bereits an und zerrte an meinem Augenlid. Ich kroch ein Stückchen weiter und versuchte dabei gleichzeitig, Abstand zu gewinnen, nach meinen Haaren zu schlagen und meine Röcke auszuschütteln, für den Fall, dass sich noch mehr Bienen in meinen Kleidern verfangen hatten.
Ich atmete wie eine Dampfmaschine und zitterte vor Adrenalin und Wut.
»Verflucht … verflixter Bär … gottverdammt …«
Ich verspürte den heftigen Impuls, kreischend und mit wehenden Röcken in den Garten zu rennen, um den Bären in Panik zu versetzen. Doch ein nicht minder heftiger Impuls zum Selbstschutz überwog.
Ich rappelte mich auf, bewegte mich gebückt, aus Vorsicht vor aufgebrachten Bienen, und schob mich bergauf durch das Unterholz, um den Garten zu umrunden und an der anderen Seite wieder herunterzukommen, weit entfernt von den geplünderten Bienenstöcken. Auf diese Weise konnte ich auf den Pfad zurückgelangen und zum Haus gehen, wo ich Hilfe rekrutieren konnte – vorzugsweise bewaffnet –, um das Monster zu vertreiben, bevor es den Rest der Bienenstöcke zerstörte.
Es war sinnlos, mich leise zu verhalten, und ich krachte, keuchend vor Rage, durchs Gebüsch und stolperte über Baumstämme. Ich versuchte, den Bären zu entdecken, doch die Weinranken, die an den Palisaden wuchsen, waren so dicht, dass ich nur rauschendes Laub und Sonnenschatten sah. Meine zerstochene Gesichtshälfte fühlte sich an, als stünde sie in Flammen. Und mit jedem Herzschlag fuhr mir ein schmerzhafter Stoß durch den Trigeminusnerv, der meine Muskeln zucken und meine Augen furchtbar tränen ließ.
Ich erreichte den Pfad genau unterhalb der Stelle, an der mich die erste Biene gestochen hatte – mein Gärtnerkorb lag noch da, wo ich ihn fallen gelassen hatte, und die Werkzeuge lagen überall verstreut. Ich schnappte mir das Messer, das ich für alles benutzte, vom Stutzen von Pflanzen bis hin zum Ausgraben von Wurzeln; es war ein stabiles Werkzeug mit einer fast zwanzig Zentimeter langen Klinge. Es würde zwar vermutlich den Bären nicht besonders beeindrucken, doch ich fühlte mich besser damit.
Ich warf einen Blick auf das offene Tor, zur Flucht bereit – sah aber nichts. Der zerstörte Bienenkorb lag noch genauso da, wie ich ihn gesehen hatte, die wächsernen Waben zerbrochen und zerdrückt, und alles duftete nach Honig. Doch die Waben waren nicht verstreut, und am freiliegenden Holzfundament des Bienenstocks klebten noch Wachssplitter.
Eine Biene sauste bedrohlich an meinem Ohr vorbei, und ich duckte mich, lief aber nicht davon. Es war still. Ich versuchte, das Keuchen einzustellen, um im Tosen meines rasenden Pulsschlags etwas zu hören. Bären verhielten sich nicht leise; das hatten sie nicht nötig. Ich hätte zumindest sein Wühlen und Schlucken hören müssen – Rascheln im zerbrochenen Geäst, das Lecken einer langen Zunge. Nichts.
Vorsichtig bewegte ich mich seitwärts über den Pfad, Schritt für Schritt, zur Flucht bereit. Ungefähr sechs Meter von mir entfernt stand eine stabile Eiche. Würde ich es bis dort schaffen, wenn der Bär auftauchte?
Ich lauschte, so angestrengt ich konnte, hörte aber nichts als das sanfte Rauschen des Weinlaubs und das Geräusch wütender Bienen, das sich jetzt, da sie sich als dichter Schwarm auf den Überresten ihrer Waben sammelten, zu einem murrenden Summen abgesenkt hatte.
Er war fort. Er musste fort sein. Immer noch argwöhnisch, schlich ich mich näher heran, das Messer in der Hand.
Ich roch das Blut und sah sie in derselben Sekunde. Sie lag im Salatbeet, und ihr Rock hatte sich wie eine riesige, rostbraune Blume zwischen den Salatpflänzchen ausgebreitet.