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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Dann waren wir im Wald, und blattlose Äste hieben wie Peitschen auf mich ein. Ich presste mich noch dichter an den Pferdehals und schloss die Augen, damit sie mir nicht ausgestochen wurden. Judas bewegte sich jetzt zwangsweise langsamer, doch er war immer noch spürbar in Panik; ich konnte die kraftvollen Bewegungen seiner Hinterhand fühlen, die uns bergauf beförderten, und ich konnte den Atem in seinen Nüstern pfeifen hören.

Es donnerte erneut, und er rutschte auf dem schlüpfrigen Laub aus, wurde zur Seite geworfen und stürzte in eine Gruppe von Schösslingen. Die federnden Stämmchen bewahrten uns jedoch davor, ernsthaft Schaden zu nehmen, und wir kämpften uns stolpernd wieder hoch und bewegten uns weiter bergauf. Ich öffnete vorsichtig ein Auge und konnte sehen, dass Judas irgendwie einen Pfad gefunden hatte – ich konnte die schwache Zickzacklinie in dem dichten Bodenbewuchs vor uns sehen.

Dann waren wir wieder von Bäumen umschlossen, und ich sah nur noch ein dichtes Netz aus Baumstämmen und Zweigen, das von den vergilbenden und scharlachroten Überbleibseln diverser Kletterranken durchzogen war. Der dichte Baumbestand bremste das Pferd noch weiter, und endlich schaffte ich es, tief Luft zu holen und mich zu fragen, wo Jamie war.

Es donnerte erneut, und danach hörte ich nicht weit hinter mir ein schrilles Wiehern. Natürlich – Judas hasste Donner, doch Gideon hasste es, einem anderen Pferd zu folgen. Er musste dicht hinter uns sein und darauf drängen, uns einzuholen.

Ein schwerer Regentropfen traf mich zwischen den Schulterblättern, und ich hörte das Rauschen des beginnenden Regens, der Tropfen für Tropfen für Tropfen ringsum auf Laub, Holz und Boden fiel. Ich hatte einen scharfen Ozongeruch in der Nase, und der ganze Wald schien einen grünen Seufzer auszustoßen und sich dem Regen zu öffnen.

Auch ich seufzte tief auf – vor Erleichterung.

Judas ging noch ein paar Schritte weiter, dann kam er keuchend und schnaubend zum Stehen. Da ich nicht abwarten wollte, bis er beim nächsten Donnerschlag durchging, glitt ich hastig zu Boden, packte den Halfterstrick und band ihn an einem kleinen Baum fest – angesichts meiner steifen, zitternden Hände keine leichte Aufgabe.

Gerade rechtzeitig. Es donnerte erneut, und der Knall war so laut, dass ich ihn auf meiner Haut spüren konnte. Judas schrie und riss steigend an seinem Strick, doch ich hatte ihn um den Baumstamm geschlungen. Ich stolperte außer Reichweite seiner Panik, und Jamie fing mich von hinten auf. Er begann, etwas zu sagen, wurde jedoch von erneutem Donnerdröhnen übertönt.

Ich drehte mich um und klammerte mich an ihn, zitternd vom Adrenalin meines verspätet einsetzenden Schocks. Es hatte jetzt ernsthaft zu regnen begonnen, und die Tropfen kühlten mein Gesicht. Er küsste mich auf die Stirn, dann ließ er mich los und führte mich unter die überhängenden Zweige einer großen Hemlocktanne, deren Nadelfächer den Regen abfingen, so dass darunter eine duftende, beinahe trockene Höhle entstand.

Als der Adrenalinstoß in meinem Kreislauf nachzulassen begann, stellte ich fest, dass wir nicht die ersten Bewohner dieser Zuflucht waren.

»Schau«, sagte ich und wies in den Schatten. Die Spuren waren schwach, aber unübersehbar: Irgendjemand hatte hier gegessen und einen ordentlichen Haufen kleiner Knochen hinterlassen. So ordentlich war kein Tier. Außerdem gab es auch kein Tier, das sich abgestorbene Nadeln zu einem gemütlichen Kissen zusammenschob.

Jamie fuhr zusammen, als es erneut donnerte, doch er nickte.

»Aye, es ist der Posten eines Menschenjägers, obwohl ich nicht glaube, dass er in letzter Zeit benutzt worden ist.«

»Eines was

»Eines Menschenjägers«, wiederholte er. Hinter ihm blitzte es, und die grelle Lichtfläche hinterließ den Abdruck seiner Silhouette auf meiner Netzhaut. »So nennen sie die Wachtposten; die Krieger, die sich außerhalb des Dorfes aufhalten, um Wache zu halten und zu verhindern, dass jemand unbeobachtet eindringt. Siehst du?«

»Im Augenblick sehe ich gar nichts.« Ich tastete mich mit ausgestreckter Hand vor, bis ich seinen Ärmel berührte und mich blind in seine schützende Umarmung begeben konnte. Ich schloss die Augen, um mein Sehvermögen wiederherzustellen, konnte es aber auch mit geschlossenen Lidern heftig blitzen sehen.

Der Donner schien weiterzuwandern oder zumindest seltener zu werden, und ich stellte fest, dass ich wieder sehen konnte. Jamie trat zur Seite und streckte die Hand aus, und ich sah, dass wir auf einer Art Felsvorsprung standen und der Berg in unserem Rücken steil anstieg. Eine kleine Lichtung – offenbar von Menschenhand angelegt, denn andere Lichtungen gab es in diesen Bergen nicht – war durch eine Koniferenreihe vor Blicken von unten abgeschirmt. Durch die Zweige hindurch hatte ich jedoch eine atemberaubende Aussicht auf das Tal, in dem Ravenstown lag.

Der Regen hatte nachgelassen. Von unserem hohen Aussichtspunkt aus konnte ich sehen, dass die Wolken nicht zu einem Gewitter gehörten, sondern zu mehreren; an mehreren Stellen fiel dunkler Regen aus den Wolken, als hingen graue Samtschleier von ihnen herab, und gezackte Blitzgabeln durchstachen unvermittelt lautlos den schwarzen Himmel über den fernen Gipfeln, gefolgt von grollendem Donner.

Über dem Röhricht stieg nach wie vor Rauch auf, eine flache, blassgraue Krone, die vor dem dunklen Himmel fast weiß aussah. Selbst in dieser Höhe biss uns noch der Brandgeruch in die Nase und verschmolz mit dem Geruch des Regens zu einer merkwürdigen Mischung. Hier und dort konnte ich Flammen zwischen den Pflanzen aufflackern sehen, doch es war unübersehbar, dass das Feuer weitgehend verloschen war; der nächste Regenschauer würde es ganz ertränken. Ich konnte auch sehen, dass die Leute in das Dorf zurückkehrten. Sie kamen in kleinen Gruppen aus dem Wald, ihre Bündel und Kinder im Schlepptau.

Ich hielt nach Reitern Ausschau, sah aber keine, schon gar keine mit roten Haaren. Aber Brianna und Jemmy konnte doch nichts zugestoßen sein? Ich erschauerte plötzlich; veränderlich, wie das Wetter in den Bergen nun einmal war, hatte sich die Luft in weniger als einer Stunde von einer drückenden Decke in einen Kühlschrank verwandelt.

»Geht es, Sassenach?« Jamies Hand legte sich warm auf meinen Hals, und seine Finger massierten sacht die verspannte Schräge meiner Schultern. Ich holte tief Luft und entspannte sie, so gut ich konnte.

»Ja. Meinst du, wir können schon gefahrlos hinunterreiten?« Ich konnte mich nur daran erinnern, dass der Pfad eng und steil war; jetzt würde er schlammig sein, das abgestorbene, nasse Laub würde schlüpfrig sein.

»Nein«, sagte er, »aber ich glaube nicht –« Er hielt abrupt inne und runzelte nachdenklich die Stirn, während er abschätzend zum Himmel blickte. Er sah sich um; ich konnte gerade eben die Umrisse der Pferde sehen, die zusammen unter dem Baum standen, an den ich Judas gebunden hatte.

»Ich wollte sagen, ich glaube auch nicht, dass es besonders sicher ist, wenn wir hier bleiben«, sagte er schließlich. Während er überlegte, klopften seine Finger sanft trommelnd wie Regentropfen auf meine Schulter.

»Aber das Gewitter zieht schnell weiter; man kann die Blitze über den Berg kommen sehen, und der Donner …« Mit melodramatischer Pünktlichkeit rollte ein heftiger Donnerschlag durch das Tal. Ich hörte schrilles Protestgewieher eines der Pferde, dann Blätterrauschen, als es am Halfter zerrte. Jamie blickte sich mit trostloser Miene um.

»Dein Pferd hat aber wirklich etwas gegen Donner, Sassenach.«

»Ja, das ist mir auch schon aufgefallen«, sagte ich und schmiegte mich dichter an ihn, um mich zu wärmen. Der Wind frischte wieder auf, und das nächste Gewitter kam angerollt.

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