Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye, wahrscheinlich bricht er sich den Hals, und dir dazu, wenn ihr das Pech habt, euch gerade dann auf dem Pfad zu befinden, wenn es –« Erneuter Donner übertönte seine Worte, doch ich verstand, was er meinte.
»Wir warten«, sagte er restlos überzeugt.
Er zog mich vor sich und legte die Arme um mich. Er seufzte und stützte sein Kinn auf meinen Kopf. Wir standen zusammen im Schutz der Hemlocktanne und warteten auf den kommenden Sturm.
Weit unter uns brodelte und zischte das Röhricht, und der Rauch des Brandes begann, sich zu heben und mit dem Wind zu fliegen. Diesmal fort vom Dorf und auf den Fluss zu. Ich fragte mich plötzlich, wo Roger war – irgendwo unter diesem finsteren Himmel. Hatte er eine sichere Zuflucht vor dem Unwetter gefunden?
»Außerdem frage ich mich, wo dieser Bär ist«, sprach ich zumindest einen Teil meiner Gedanken laut aus. Jamies Brust bewegte sich, als er auflachte, doch der Donner schluckte seine Stimme.
Kapitel 83
Wildfeuer
Roger erwachte halb, weil Qualmgeruch in seiner Kehle brannte. Er hustete und sank wieder in den Schlaf, und bruchstückhafte Bilder eines rußigen Herdes und angebrannter Würstchen verschwammen im Nebel. Nachdem er den ganzen Morgen damit verbracht hatte, sich durch ein undurchdringliches Dickicht nach dem nächsten zu zwängen, hatte er müde ein knappes Mittagessen zu sich genommen und sich im Schatten einer Weide am Flussufer eine Stunde schlafen gelegt.
Vom Rauschen des Wassers eingelullt, wäre er vielleicht wieder fest eingeschlafen, doch ein entferntes Kreischen ließ ihn blinzelnd auffahren. Das Kreischen wiederholte sich, weit weg, aber laut. Das Maultier!
Er war schon auf den Beinen und stolperte auf das Geräusch zu, als ihm die Ledertasche einfiel, in der sich Tinte und Federkiele sowie seine kostbaren Vermessungsprotokolle befanden. Mit einem Satz war er zurück, um sie zu ergreifen, dann planschte er durch das flache Wasser auf Clarences hysterisches Geschrei zu, und das Astrolabium schwang dabei an seinem Riemen gegen seine Brust. Er stopfte es in sein Hemd, damit es nicht im Geäst hängen blieb, und sah sich verzweifelt nach dem Weg um, auf dem er gekommen war.
Rauch – er roch tatsächlich Rauch. Er hustete und hätte um ein Haar angefangen zu würgen, als er versuchte, den Reiz zu unterdrücken. Der Husten löste einen sengenden Schmerz in seiner Kehle aus, als risse das Narbengewebe in ihrem Inneren auf.
»Komme«, hauchte er in Clarences Richtung. Es hätte auch nichts geändert, wenn er gerufen hätte; selbst als er noch eine Stimme hatte, war sie nicht so sonor gewesen wie die des Maultiers. Er hatte das Maultier mit gefesselten Beinen auf einem grasigen Fleck am Rand des Röhrichts zurückgelassen, doch er war nicht sehr weit gekommen.
»Noch einmal«, knurrte er und warf sich mit vollem Gewicht gegen ein Dickicht aus jungem Schilfrohr, um sich gewaltsam seinen Weg zu bahnen. »Brüll … noch mal … verdammt.« Der Himmel war dunkel. Da er aus dem Schlaf gerissen worden war und einfach losgelaufen war, hatte er ohne die Hilfe des Maultiers keine Ahnung, wo er war.
Mist, was war hier nur los? Der Qualmgeruch war deutlich stärker geworden; als sein Hirn jetzt aus dem Nebel aus Schlaf und Panik auftauchte, begriff er, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmte. Die Vögel, die um die Mittagszeit normalerweise dösten, waren hellwach und flatterten ihm mit lautem, unzusammenhängendem Gekreische um die Ohren. Die Luft wehte unruhig durch das Schilf, dessen zerzauste Halme wedelten, und ein Hauch von Wärme traf sein Gesicht – nicht die feuchte, klebrige, durchdringende Wärme des schwülen Röhrichts, sondern ein trockener, heißer Hauch, der seine Wange streifte und ihm paradoxerweise einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Himmel, das Röhricht stand in Flammen.
Er holte tief Luft und zwang sich zur Ruhe. Das Röhricht ringsum war lebendig; ein heißer Wind ließ das Schilf klappern und trieb Schwärme von Singvögeln und Carolina-Sittichen vor sich her, als hätte jemand mit vollen Händen Konfetti über dem Schilfrohr ausgeworfen. Der Rauch kroch ihm in die Brust und griff brennend nach seinen Lungen, so dass es ihm unmöglich war, tief einzuatmen.
»Clarence«, krächzte er, so laut er konnte. Es nützte nichts; er konnte sich im zunehmenden Getöse des Schilfs selbst nicht hören. Auch das Maultier konnte er nicht hören. Das sturköpfige Tier war doch wohl nicht schon verbrannt? Nein, wahrscheinlich hatte es die Lumpen zerrissen, mit denen seine Beine gefesselt waren, und sich im Galopp in Sicherheit gebracht.
Etwas streifte sein Bein, und als er zu Boden blickte, sah er gerade noch den nackten, geschuppten Schwanz eines Opossums, das sich ins Unterholz davonmachte. Auch nicht besser oder schlechter als jede andere Richtung, dachte er, und stürzte dem Tier in die Krappgewächse hinterher.
Neben ihm grunzte etwas; ein kleines Schwein brach aus einem Stechpalmengebüsch hervor und kreuzte nach links seinen Weg. Schwein, Opossum – war eines dieser Tiere für seinen Orientierungssinn bekannt? Er zögerte eine Sekunde, dann folgte er dem Schwein; es war immerhin groß genug, um ihm dabei zu helfen, sich seinen Weg zu bahnen.
Und er schien auf einem Weg zu sein; hier und dort waren zwischen den Grasbüscheln kleine Flecken nackter, zertrampelter Erde zu sehen. Dazwischen blinkten wilde Orchideen auf, leuchtend wie kleine Juwelen, und er bestaunte ihre Zartheit – wie konnte er nur zu einem solchen Zeitpunkt Notiz von solchen Dingen nehmen?
Der Rauch war dichter geworden; er musste anhalten und husten. Dabei beugte er sich weit vor und umklammerte seinen Hals, als könnte er das Gewebe intakt halten, mit den Händen verhindern, dass es riss. Mit tränenden Augen richtete er sich auf und stellte fest, dass der Pfad verschwunden war. Panik durchfuhr ihn, als er ein dahintreibendes Rauchwölkchen sah, das langsam und zaghaft forschend durch das Unterholz schwebte.
Er ballte so fest die Fäuste, dass er spürte, wie ihn seine kurzen Nägel in die Handflächen kniffen, und benutzte den Schmerz als Konzentrationshilfe. Er drehte sich langsam um und schloss die Augen, um konzentriert zu lauschen, drehte das Gesicht nach allen Seiten, um vielleicht einen frischen Luftzug zu erhaschen oder eine Hitzewelle aufzufangen – irgendetwas, das ihm verriet, in welche Richtung er gehen musste, um sich vom Feuer zu entfernen.
Nichts. Oder vielmehr alles. Alles war jetzt voller Rauch, der in dichter werdenden Wolken flach über den Boden kroch oder schwarz aus dem Dickicht rollte und ihm den Atem raubte. Jetzt konnte er das Feuer hören, ein kicherndes Geräusch, als lachte jemand aus von Narben verstopftem Halse.
Weiden. Sein Verstand klammerte sich an den Gedanken an Weiden; ein Stück weiter konnte er über das wogende Röhricht hinweg schwach eine Anzahl dieser Bäume erkennen. Weiden wachsen am Wasser; dort war der Fluss.
Eine kleine, rotschwarze Schlange glitt ihm über den Fuß, als er das Wasser erreichte, doch er bemerkte es kaum. Er hatte jetzt keine Zeit für andere Ängste als die Angst vor dem Feuer. Er lief spritzend in die Mitte des Flüsschens und sank auf die Knie. Er beugte sich vornüber, um sein Gesicht so dicht wie möglich über das Wasser zu halten.
Hier bewegte sich die Luft, vom Wasser gekühlt, und er sog sie in so tiefen Zügen ein, dass er erneut hustete, wobei sich sein ganzer Körper schmerzhaft schüttelte. Wo entlang, wo entlang? Der Fluss wand sich durch eine riesige, mit Röhricht und Uferdickicht bewachsene Fläche. Wenn er ihm in die eine Richtung folgte, würde er ins Tal gelangen – vielleicht fort vom Feuer oder zumindest auf offenes Terrain, an einen Ort, wo er wieder erkennen konnte, wohin er rannte. Wenn er in die andere Richtung ging, führte ihn das womöglich geradewegs in das Herz des Feuers. Doch über ihm war nichts als wolkige Dunkelheit, und es gab keine Möglichkeit, es herauszufinden.
Er presste die Arme dicht an seinen Körper, um den Husten zu unterdrücken, und spürte die Wölbung seiner Ledertasche. Die Aufzeichnungen. Gottverdammt, die Möglichkeit seines eigenen Todes brachte ihn nicht aus der Fassung, wohl aber der Gedanke an den Verlust dieser Aufzeichnungen, die er im Lauf so vieler mühseliger Tage angefertigt hatte. Er stolperte mit wedelnden Armen ans Ufer. Er grub heftig mit den Händen drauflos, wühlte im weichen Schlamm, riss büschelweise langes, zähes Gras aus und packte Schachtelhalmpflanzen an den Wurzeln. Sie zerfielen in seinen Händen, und er warf die Bruchstücke achtlos hinter sich. Der Atem schluchzte in seiner Brust, als er japsend weitergrub.