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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Nicht »Jäger« – wenn sie ihn für einen Engländer hielten, der allein unterwegs war, würden sie ihn mit Sicherheit umbringen. Konnte er sich als Franzose ausgeben? Ein Franzose würde ihnen nicht so gefährlich vorkommen. Vielleicht.

Er kniff die Augen fest zu, um den Blick frei zu bekommen, und hatte den Mund schon geöffnet, um zu sagen, »Je suis Français – un voyageur«, als er in der Mitte seiner Brust einen scharfen Schmerz spürte, der ihn zischend einatmen ließ.

Das Metall des Astrolabiums hatte ihn im Feuer versengt, so dass sich darunter Blasen gebildet hatten, die geplatzt waren und ihm das Instrument mit ihrer zähen Flüssigkeit an die Haut geklebt hatten. Als er sich jetzt bewegte, hatte es sich durch sein Gewicht losgerissen, ihm die Haut in Fetzen abgeschält und eine rohe Stelle in der Mitte seiner Brust zurückgelassen.

Er steckte zwei Finger in den Halsausschnitt seines Hemdes und zog den Lederriemen vorsichtig hoch.

»Ver … mes … ser.« Krächzend zwang er die Silben an dem Knoten aus Ruß und Narbengewebe in seinem Hals vorbei.

»Hau

Der Fragesteller starrte die Goldscheibe mit weit aufgerissenen Augen an. Die Männer an der Tür schubsten sich gegenseitig an, um so dicht an ihn heranzukommen, dass sie etwas sehen konnten.

Einer streckte die Hand aus, grabschte nach dem Astrolabium und zerrte es Roger über den Kopf. Er versuchte gar nicht erst, es zu behalten, sondern lehnte sich zurück und nutzte die Tatsache, dass der glänzende Gegenstand sie ablenkte, um langsam die Füße unter sich zu ziehen. Er konnte die Augen kaum offen halten und wehrte sich krampfhaft gegen das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, sie zuzukneifen; selbst das sanfte Tageslicht, das durch die Tür fiel, war schmerzhaft.

Einer der Männer warf ihm einen Blick zu und sagte etwas in scharfem Tonfall. Zwei von ihnen traten hastig zwischen ihn und die Tür, die blutunterlaufenen Augen wie Basilisken auf ihn geheftet. Der Mann, der das Astrolabium in der Hand hatte, rief etwas, einen Namen, dachte er, und es kam Bewegung in die Menschen an der Tür, als sich jemand zwischen ihnen hindurchschob.

Die Frau, die jetzt eintrat, unterschied sich kaum von den anderen; sie war mit einem zerlumpten, regenfeuchten Hemd bekleidet und hatte sich einen Stofflappen um den Kopf gebunden, unter dem sich ihr Haar verbarg. Einen wichtigen Unterschied gab es allerdings: Die dünnen Arme und Beine, die aus dem Hemd ragten, hatten die verwitterte, braune Farbe einer Weißen. Während sie in die Mitte der Hütte trat, starrte sie Roger unverwandt an. Erst das Gewicht des Astrolabiums in ihrer Hand zog ihren Blick von ihm fort.

Ein großer, grobknochiger Mann, der nur ein Auge hatte, betrat den Raum. Er stellte sich dicht neben die Frau, zeigte mit dem Finger auf das Astrolabium und sagte etwas, das wie eine Frage klang. Sie schüttelte langsam den Kopf und folgte fasziniert dem Verlauf der Gravierungen am Rand der Scheibe. Dann drehte sie sie um.

Roger sah, wie sich ihre Schultern versteiften, als sie die eingravierten Buchstaben sah, und ein Hoffnungsfunke flackerte in ihm auf; sie kannte ihn. Sie erkannte den Namen.

Er hatte darauf gebaut, dass sie wussten, was ein Landvermesser war, und sie vielleicht begriffen, dass jemand seine Ergebnisse erwartete – jemand, der sich auf die Suche nach ihm begeben würde, wenn er nicht zurückkehrte. Es würde ja nichts nützen, ihn umzubringen, wenn dann nach ihm gesucht würde. Doch wenn die Frau den Namen »James Fraser« kannte …

Die Frau warf Roger einen plötzlichen, harten Blick zu, der nicht so recht zu ihrem anfänglichen Zögern passen mochte. Sie näherte sich ihm langsam, jedoch ohne sichtbare Angst.

»Ihr seid nicht Jameff Frawer«, sagte sie, und er fuhr zusammen, erschrocken über das Lispeln in ihrer ansonsten klaren Stimme. Er kniff die Augen zu und blinzelte, dann stand er langsam auf und hielt sich eine Hand über die Augen, um sie trotz des Gleißens von der Tür her sehen zu können.

Sie hätte jedes Alter zwischen zwanzig und sechzig haben können, doch das hellbraune Haar, das an ihren Schläfen zu sehen war, wies keine Spur von Grau auf. Ihr Gesicht war von Falten durchzogen, doch waren Anstrengung und Hunger daran schuld, dachte er, nicht das Alter. Er lächelte ihr zu, und ihr Mund verzog sich automatisch, eine flüchtige Grimasse, die jedoch ausreichte, um ihn einen Blick auf ihre Vorderzähne erhaschen zu lassen, die schräg abgebrochen waren. Blinzelnd machte er in ihrer einen Augenbraue den dünnen Schnitt einer Narbe aus. Sie war viel dünner als Claire sie beschrieben hatte, aber das war ja auch kaum überraschend.

»Ich bin nicht … James Fraser«, pflichtete er ihr heiser bei und musste dann innehalten, um zu husten. Er räusperte sich und beförderte noch mehr Ruß und Schleim hinauf. Er wandte sich höflich ab, um auf den Boden zu spucken, dann wandte er sich wieder zu ihr um. »Aber Ihr seid … Fanny Beardsley … nicht wahr?«

Er war sich trotz der Zähne nicht ganz sicher gewesen, doch der schockierte Ausdruck, der bei diesen Worten ihr Gesicht überzog, war eine eindeutige Bestätigung. Auch die Männer kannten diesen Namen. Der Einäugige trat rasch einen Schritt vor und packte die Frau an der Schulter; die anderen kamen bedrohlich näher.

»James Fraser ist … der Vater meiner Frau«, sagte er, so schnell er konnte, bevor sie Hand an ihn legen konnten. »Möchtet Ihr erfahren – was aus dem Kind geworden ist?«

Der Argwohn verschwand aus ihrem Gesicht. Sie regte sich nicht, doch trat ein Ausdruck solchen Hungers in ihre Augen, dass er sich zusammennehmen musste, um nicht zurückzuweichen.

»Fahnie?« Der hochgewachsene Mann hatte immer noch eine Hand auf ihrer Schulter liegen. Er trat dichter an sie heran, und sein Auge zuckte argwöhnisch zwischen der Frau und Roger hin und her.

Sie sagte etwas, das kaum zu hören war, und hob ihre Hand, um sie auf die Hand des Mannes zu legen. Sein Gesicht verlor plötzlich jeden Ausdruck, so als hätte man mit dem Schwamm darübergewischt. Sie wandte sich ihm zu und redete leise und drängend auf ihn ein.

Die Atmosphäre in der Hütte hatte sich verändert. Sie war zwar noch geladen, doch hatte sich jetzt Verwunderung unter die allgemeine Bedrohlichkeit gemischt. Über ihnen donnerte es so laut, dass sie den Regen nicht mehr hören konnten, doch niemand nahm davon Notiz. Die Männer an der Tür sahen sich erst gegenseitig an, dann betrachteten sie das flüsternd diskutierende Paar mit gerunzelter Stirn. Ein Blitz flammte lautlos auf und stellte die Männer an der Tür in einen Rahmen aus Dunkelheit. Draußen erklangen murmelnde Stimmen und verwunderte Geräusche. Ein weiterer Donnerschlag.

Roger stand reglos da und sammelte seine Kräfte. Seine Beine fühlten sich an wie Gummi, und das Atmen war zwar immer noch die reine Freude, doch jeder Atemzug brannte und prickelte in seinen Lungen. Er würde nicht schnell voran kommen, würde nicht weit kommen, wenn er fliehen musste.

Das Streitgespräch brach abrupt ab. Der Einäugige drehte sich um und wies mit einer scharfen Geste zur Tür. Die anderen Männer grunzten überrascht und missbilligend auf. Dennoch gingen sie langsam und unter reichlichem Murren davon. Ein kurz gewachsener Kerl, dessen Haar zu Knoten frisiert war, funkelte Roger an, entblößte seine Zähne und fuhr sich zischend mit der Handkante über die Kehle. Leicht schockiert sah Roger, dass die Zähne des Mannes gezackt waren, so zurechtgefeilt, dass sie spitz zuliefen.

Die klapprige Tür hatte sich kaum hinter ihnen geschlossen, als die Frau ihn am Ärmel packte.

»Sagt es mir«, sagte sie.

»Nicht so … schnell.« Er hustete erneut und wischte sich mit dem Handrücken den Speichel vom Mund. Seine Kehle war versengt; die Worte fühlten sich wie brennender Zunder an, den er aus seiner Brust ins Freie presste. »Sorgt dafür … dass ich … hier wegkomme. Dann sage … ich es Euch. Alles, was ich weiß.«

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