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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Die Apfelbäume im Obstgarten waren noch jung und schlank, doch sie trugen anständig und lieferten eine kleine, gelb-grüne Frucht, die schön knackig war und säuerlich schmeckte – ein exzellenter Kontrast zum fettigen Geschmack der Taubenleber. Es war ein trockenes Jahr, sagte Sungi mit einem kritischen Stirnrunzeln in Richtung der Bäume, und der Mais stand auch nicht besonders gut.

Sungi gab Jemmy in die Obhut ihrer beiden kleinen Töchter und mahnte sie offensichtlich zur Aufmerksamkeit, wobei sie mehrfach auf den Wald deutete.

»Gut, dass Bärentöter da«, sagte sie, wieder an mich gewandt, und stemmte den Apfelkorb auf ihre Hüfte. »Dieser Bär kein Bär, uns nicht spricht.«

»Oh, ah«, sagte ich und nickte verständnisvoll. Eine der anderen Indianerinnen erklärte hilfsbereit, dass jeder vernünftige Bär dem an den Bärengeist gerichteten Ruf des Schamanen folgen würde, so dass es zu einem fairen Zusammentreffen zwischen Jägern und Bären kommen konnte. Angesichts der Farbe dieses Bären sowie seines sturen und bösartigen Verhaltens war jedoch klar, dass er kein richtiger Bär war, sondern ein böser Geist, der beschlossen hatte, sich als Bär zu manifestieren.

»Ah«, sagte ich, schon verständiger. »Jackson hat von einem ›Weißen Alten‹ gesprochen – hat er damit den Bären gemeint?« Aber Peter hatte doch gesagt, weiß sei eine der positiven Farben.

Eine andere Indianerin – die sich auf Englisch als Anna vorgestellt hatte, statt sich an einer Erklärung ihres Cherokeenamens zu versuchen – lachte schockiert auf.

»Nein, nein! Der Weiße Alte, er ist das Feuer.« Mit Hilfe der anderen verstand ich schließlich, dass das Feuer zwar offensichtlich große Macht hatte und mit höchstem Respekt zu behandeln war, es jedoch als wohlwollendes Wesen galt. Daher das Verwerfliche am Verhalten des Bären; weißen Tieren wurde normalerweise Respekt gezollt, und sie galten als Überbringer von Nachrichten aus dem Jenseits – an dieser Stelle warf mir die eine oder andere der Damen einen Seitenblick zu –, doch dieser Bär legte ein Verhalten an den Tag, auf das sie sich keinen Reim machen konnten.

Da ich wusste, dass der Bär Hilfe von Josiah Beardsley und dem »kleinen schwarzen Teufel« gehabt hatte, konnte ich das gut verstehen. Ich wollte Josiah nicht anschwärzen, doch ich erwähnte, ich hätte gehört – ohne allerdings zu sagen, wo ich es gehört hatte –, dass ein schwarzer Mann im Wald sein Unwesen trieb. Wussten sie davon?

Oh, ja, versicherten sie mir, doch ich sollte mir keine Sorgen machen. Es gäbe eine kleine Gruppe schwarzer Männer, die »dort drüben« lebten – Kopfnicken zum jenseitigen Ende des Dorfes und dem unsichtbaren Röhricht im Tal am anderen Flussufer. Es sei möglich, dass diese Personen Dämonen seien, vor allem, da sie von Westen her kämen.

Möglich aber auch, dass es nicht so sei. Einige Jäger aus dem Dorf waren auf sie gestoßen und ihnen ein paar Tage lang aufmerksam gefolgt, um ihr Tun zu beobachten. Den Berichten der Jäger nach lebten die Schwarzen im Elend, kleideten sich in Fetzen und hatten keine anständigen Häuser. Dies schien nicht der Lebensstil von Dämonen zu sein, die etwas auf sich hielten.

Doch es waren zu wenige, und sie waren zu arm, als dass sich ein Raubzug gelohnt hätte – und die Jäger sagten, es gäbe nur drei Frauen, die allesamt furchtbar hässlich seien –, und vielleicht waren sie ja doch Dämonen. Also waren die Dorfbewohner damit zufrieden, sie vorerst in Ruhe zu lassen. Die Schwarzen kamen nie in die Nähe des Dorfes, fügte eine der Indianerinnen mit gerümpfter Nase hinzu; die Hunde würden sie riechen. Dann verstummte das Gespräch, und wir verteilten uns im Obstgarten und ernteten die reifen Früchte von den Bäumen, während die kleineren Mädchen das Fallobst vom Boden aufsammelten.

Als wir am späten Nachmittag müde, von der Sonne verbrannt und nach Äpfeln duftend heimkehrten, stellten wir fest, dass die Jäger zurückgekehrt waren.

»Vier Opossums, achtzehn Kaninchen und neun Eichhörnchen«, berichtete Jamie, während er sich Gesicht und Hände mit einem feuchten Tuch betupfte. »Wir haben auch viele Vögel gesehen, aber wegen der Tauben haben wir sie in Ruhe gelassen, bis auf einen schönen Falken, dessen Federn George Gist haben wollte.« Er war vom Wind zerzaust, sein Nasenrücken von der Sonne gerötet, doch er war bester Laune. »Und Brianna, die Gute, hat einen schönen Elch erlegt, gleich drüben am anderen Ufer. Der Schuss ging in die Brust, aber das Tier ist zu Boden gegangen – und sie hat ihm selbst die Kehle durchgeschnitten, obwohl das gefährlich ist, wenn das Tier noch um sich schlägt.«

»Oh, schön«, sagte ich schwach und malte mir lebhaft aus, wie scharfe Hufe und tödliche Geweihe in unmittelbarer Nähe meiner Tochter durch die Luft zischten.

»Mach dir keine Sorgen, Sassenach«, sagte er, als er meine Miene sah. »Ich habe ihr beigebracht, wie man es richtig macht. Sie hat es von hinten gemacht.«

»Oh, gut«, sagte ich ein wenig bestimmter. »Ich nehme an, die Jäger waren beeindruckt?«

»Sehr«, sagte er fröhlich. »Wusstest du, Sassenach, dass die Cherokee ihre Frauen nicht nur jagen, sondern auch Krieg führen lassen? Nicht, dass es oft vorkäme«, fügte er hinzu, »aber dann und wann setzt es sich eine von ihnen in den Kopf und zieht als Kriegerin aus. Und die Männer folgen ihr sogar.«

»Sehr interessant«, sagte ich und versuchte, das Bild zu verdrängen, das ich bei diesen Worten vor meinem inneren Auge sah: Brianna, die eingeladen wurde, einen Raubzug der Cherokee anzuführen. »Der Apfel fällt nicht weit …«

»Was?«

»Egal. Habt ihr zufällig irgendwelche Bären gesehen, oder wart ihr zu sehr damit beschäftigt, interessante anthropologische Informationen auszutauschen?«

Er sah mich mit zusammengekniffenem Auge über das Handtuch hinweg an, mit dem er sich gerade das Gesicht abtrocknete, antwortete aber gleichmütig.

»Wir haben alle möglichen Bärenspuren gefunden. Josiah hat einen guten Blick dafür. Nicht nur Kot; er hat auch einen Kratzbaum gefunden – in dessen Rinde sich Haare verfangen hatten. Er sagt, jeder Bär hat einen oder zwei Lieblingsbäume, zu denen er immer wieder zurückkehrt. Wenn man also einen bestimmten Bären zur Strecke bringen will, ist es nicht das Dümmste, wenn man in der Nähe sein Lager aufschlägt und wartet.«

»Ich vermute aber, dass diese Strategie im vorliegenden Fall nicht aufgegangen ist, oder?«

»Oh, es hätte schon funktioniert«, antwortete er grinsend, »nur, dass es der falsche Bär war. Die Haare an dem Baum waren dunkelbraun, nicht weiß.«

Dennoch war die Expedition kein Fehlschlag gewesen. Die Jäger hatten einen großen Halbkreis um das Dorf geschlagen und waren dabei bis tief in den Wald und hinunter zum Fluss vorgestoßen. Und in der Nähe des Röhrichts hatten sie im weichen Boden Spuren gefunden.

»Josiah sagt, es waren andere als die Spuren des Bären, dessen Haar wir gefunden hatten – und Tsatsa’wi meinte, es wären dieselben Spuren, die er gesehen hat, als der weiße Bär seinen Freund umgebracht hat.«

Alle anwesenden Bärenexperten waren sich einig gewesen, dass es nur eine logische Schlussfolgerung gab: dass der Geisterbär höchstwahrscheinlich sein Lager im Röhricht hatte. Dort war es im Sommer undurchdringlich, dunkel und kühl, und es wimmelte von Vögeln und kleineren Tieren. Selbst Rotwild versteckte sich bei heißem Wetter dort.

»Dort kommt ihr aber zu Pferd nicht hinein, oder?«, fragte ich. Er schüttelte den Kopf und kämmte sich mit den Fingern das Laub aus dem Haar.

»Nein, aber es ist so dicht, dass man nicht einmal zu Fuß richtig vorwärtskommt. Aber wir haben auch gar nicht vor, dem Bären dort hineinzufolgen.«

Stattdessen sah der Plan vor, das Röhricht in Brand zu stecken und den Bären – und andere Tiere – an der anderen Seite auf die flache Talsohle hinauszutreiben, wo man ihn leicht erlegen konnte. Dies war offensichtlich eine verbreitete Jagdmethode, vor allem im Herbst, wenn das Röhricht trocken und leicht entflammbar war. Allerdings würde der Brand wahrscheinlich sehr viel mehr Wild als nur den Bären ins Freie treiben. Also war eine Einladung an ein anderes, etwa zwanzig Meilen entferntes Dorf ergangen, Jäger nach Ravenstown zu entsenden. Mit etwas Glück würde man genug Wild erlegen, um beide Dörfer für den Winter über zu versorgen, und die zusätzlichen Jäger würden gewährleisten, dass der Geisterbär nicht entkam.

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